Der Kaktus

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Es war einmal ein Mädchen, das hatte großen Liebeskummer. Es mied das Meer, denn es ängstigte sich, seiner verlorenen Liebe, die darin wohnte, noch einmal zu begegnen. Auch trocknete die Sonne, der das Mädchen entgegen ging, mit ihren Strahlen langsam den Kummer in seinem Herzen.

So kam es nach Süden, dort war die Erde rissig und rau. Heiß brannte die Sonne vom Himmel, verbrannte die Pflanzen und bräunte die Bäume. Das Mädchen war an die starke Hitze nicht gewöhnt. Seine Haut wurde dünn und mit jedem Schritt wurde es durstiger.

Da stand am Wegesrand ein großer, grüner Kaktus und machte ihm schöne Augen.

„Mädchen, wirst du mich ein wenig liebhaben?“, fragte der Kaktus.

Zögernd ging das Mädchen auf ihn zu. „Was meinst du damit?“ Seine Stimme war bloß ein Krächzen.

„Umarme mich nur ein wenig, Mädchen.“

„Du bist so stachelig.“

„Bin ich nicht auch grün und schön und schau, mein Kleid, ist das nicht fein? Ich will dir auch zu trinken geben, denn das Wasser, das ist Leben.“

„Nein“, sagte das Herz des Mädchens, doch schon war es zu nah herangetreten.

„So wollen wir heiraten und Kinder bekommen, du wirst ein schönes Kaktusweib abgeben!“

Doch seine Stacheln stachen. An Armen und Brust, in die Beine und in den Bauch. Sie stachen überall.

„Au“, wollte das Mädchen sagen, doch Trockenheit verschloss seine Kehle.

„Pst!“, zischte der Kaktus. „Bald will ich dir zu trinken geben. Sag nur ja zu mir und meinem Plan, dann magst du auch gehen, soweit meine Stacheln reichen.“

Das Mädchen wusste, dass Liebhaben schmerzen kann. So schwieg es still und wartete, auch wenn es sich sehr unwohl fühlte. Und tatsächlich, nach einer Weile floss etwas Flüssigkeit den grünen Leib des Kaktus` hinab. Aber es waren nur wenige Tropfen, die kaum die Zungenspitze benetzten.

Da ließ das Mädchen den Kaktus los.

Der lachte nur.

„Dummes Mädchen, geh weiter, hab dich sowieso nie lieb gehabt.“

Dass Mädchen aber wurde wütend und brach sechs Stacheln mit seinen bloßen Händen.

Und folgende Worte, die der Kaktus niemals vergaß, stach es in sein grünes Kaktusfleisch.

„Dein stolzes Kleid ist gerissen

Lieben tut weh, sollst du wissen

Dies lehrte mich ein Zackenbarsch

Der war dabei nicht grausam harsch

Und es hat alles einen Sinn

Nicht Mädchen bin ich – dummes Ding!“

Das Mädchen zog weiter gen Süden. Nach einer Weile wurden die Strahlen der Sonne wieder sanfter und streichelten die Haut, anstatt sie zu verbrennen. Die Kratzer, die ihm der Kaktus zugefügt hatte, verschwanden.

„Ach Mädchen“, seufzte da sein Herz. „Weißt du eigentlich, was ich über die Liebe denke?“

„So hast du eine Meinung dazu?“, fragte das Mädchen erstaunt.

Das Herz lachte: „Ich bin dein Herz – wer bitte sonst sollte eine Meinung dazu haben?“

Das leuchtete dem Mädchen ein. „Dann sage mir, was du von der Liebe weißt.“

„Nichts weiß ich, aber ich wünsche.“

„In Ordnung, dann sage mir, was du dir wünschst!“

„Es ist ganz einfach“, sagte das Herz. „Liebe sollte sein wie ihr Name:

Lieb.“

https://lehmofen.wordpress.com/2015/05/11/das-herz-des-zackenbarsches/

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3 Gedanken zu “Der Kaktus

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