Schreibtipps für blutige Anfänger (4)

Weiter geht es mit den Schreibtipps. Grundlage ist das famose Werk: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben von Roy Peter Clark, das ich jedem angehenden oder professionellen Schreiber nur empfehlen kann.

http://www.amazon.de/Die-Werkzeuge-f%C3%BCr-gutes-Schreiben/dp/3866710313

Ein paar Punkte habe ich während der letzten Beiträge übersprungen und liefere sie hiermit nach:

5. Starke Wörter an den Anfang und/oder an das Ende

Leidenschaft, ein Feuer, das in der Seele brennt.

Hier haben wir ein recht starkes Wort direkt am Anfang des Satzes. Das ist sinnvoll, weil es den Leser von Beginn des Satzes an zu “packen” vermag. Immer geht es darum, den Leser zum Weiterlesen zu animieren. Dazu ist ein “starker Anfang” in einer Geschichte sinnvoll, dasselbe gilt für die “Satzebene”.

Nun heißt das nicht, dass jeder Satz mit einem starken Wort beginnen muss. Nach meinem Dafürhalten ist Schreiben ein wenig, als ob man mit Wörtern malte – und da kann der ein oder andere “rote Tupfer” in der Geschichte sehr angebracht sein.

Genauso – oder zumindest ähnlich – verhält es sich mit den starken Wörtern am Ende eines Satzes. Tendenziell würde ich solche starken Endwörter erst am Ende des Kapitels nutzen. Warum? Weil es das Kapitel gegen Ende “steigert” und – was wollen die Autoren? – genau, richtig: ihre Leser zum Weiterlesen animieren.

Beispiel:

Es war nichts, was er in den Händen hielt. Nicht ein Stückchen des Ganzen, nicht ein kleines Bisschen. Es war flüchtig wie Luft. Vielleicht ein kleiner Tod.

– Was immer mir da gerade aus den Fingern geflossen ist: “der Tod” als solcher, denke ich, kann durchaus als “starkes Wort” gelten.

Einschub: Was eigentlich sind “starke Wörter”?

Grundsätzlich denke ich dabei an Substantive, die viele Assoziationen auslösen. “Leidenschaft”, “Tod” … das sind Wörter, mit denen jeder etwas anfangen kann, da jeder Mensch irgend etwas damit verbindet.

Es gibt andere, starke Substantive, die “weniger abstrakt”, aber genauso vieldeutig, bzw. Assoziationen erweckend, sein können:

Sonne, Mond, Sterne. Ein steiler Berg. Ein Baum.

Viele starke Wörter stamme also, sehe ich gerade, aus der Natur.

(Heute war ich in einer Ausstellung über Vinzent van Gogh. Ein Zitat von ihm war, dass der “Maler” nicht so sehr auf andere Maler hören sollte, sondern vielmehr auf das, was ihm die Natur zu sagen hat. Ich denke, das gilt für Schreiber, Autoren, Schriftsteller. 😉 )

6. Mit Adverbien und Adjektiven sollte man als Schreibender grundsätzlich vorsichtig sein

Dieser Rat hält sich wie ein Gebot in allen Schreibschulen. Ich finde ihn allerdings durchaus hinterfragenswert, da ich vor einiger Zeit hörte, dass z.B. J.K. Rowling sich gar nicht daran hält.

Insgesamt betrachtet denke ich: Zum Einen stimmt es. Denn es besteht die Gefahr dabei zu allgemein und beliebig zu schreiben.

Beispiel:

Hier steht eine Lampe auf einem unordentlichen Schreibtisch.

VERSUS

Hier steht eine Lampe. Sie steht auf meinem Schreibtisch inmitten von Stiften, Filterpäckchen, Büchern, Mappen und Ordnern.

“Unordentlich” ist recht allgemein. “Filterpäckchen, Bücher, Mappen, Ordner” dagegen viel konkreter, zumal der Leser selbst diese Dinge zum Leben erwecken kann, indem er sich eine Vorstellung, ein Bild davon macht.

Zum Anderen, siehe oben, denke ich, dass es “nicht” stimmt.

Denn: Ich vermute, je konkreter die Dinge beschrieben werden, desto mehr Adjektive und Adverbien “darf” man als Autor verwenden. Es geht bei diesem “Verbot” also vor allem darum, Allgemeinplätze zu vermeiden.

Beispiel:

Hier ist eine weiße Lampe. Sie steht auf meinem Schreibtisch aus Mahagoni inmitten von roten und blauen Stiften, schwarzen Büchern, grünen Mappen und Leitz-Ordnern.

– Erscheint das Bild möglicherweise sogar genauer vor dem Auge des Lesers.

Aber auch hier sollte man etwas aufpassen. Denn wer ein Bild zu genau beschreibt, läuft Gefahr, die Assoziationskraft des Beschriebenen einzudämmen. Man sollte bzw. “muss” dem Leser seine gedankliche Freiheit lassen. Detaillierte, penible Beschreibungen sind eher etwas für wissenschaftliche Aufsätze, z.B. in der Biologie.

😉

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick:

Demnächst gibt es eine allgemeine Info zu Stilmitteln. ❤

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12 thoughts on “Schreibtipps für blutige Anfänger (4)

  1. Ja, wie gesagt, ich kann es nur empfehlen. Find wirklich alles, was drin steht, gut und sinnvoll. Gehört zu den Büchern, die ich von Anfang bis Ende gelesen habe. Der Roy hat auch noch ein paar Schreibübungen drin (am Ende von jedem Kapitel). Echt gut das Ding. Viel Spaß damit! 🙂

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  2. Also, ich weiß nicht, je mehr man sich nach solchen guten Ratschlägen zu richten versucht, desto mehr verliert man seinen eigenen Stil. Ich präge lieber einen neuen, als mich nach Ratschlägen zu richten. … ist nur meine Meinung…

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    1. Das ist sicherlich richtig und wichtig. Man sollte vor lauter Theorie niemals die Praxis aus den Augen verlieren! Nichtsdestotrotz glaube ich fest daran, dass es grundlegende Kniffe gibt, die jeder Schreibende beherrschen sollte. Nicht von ungefähr nennt man das Schreiben ja auch ein “Handwerk”. Eigentlich wie jede Kunst. 😉

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  3. Oder auch nicht mit den Adjektiven … hab gerade noch mal geguckt. Ist schwer, so ad hoc zu beurteilen. Aber, wie gesagt, ich finde es wirklich nicht schlecht! – Hab nun auch den Folgen-Button geklickt.
    Wenn Du Dir ausführliches Feedback für Deine Texte wünschst, kostenlos und “gut”, wie ich finde, dann kann ich Dir die wortkrieger empfehlen: http://www.wortkrieger.de
    Herrscht teils ein rauer Ton, aber man lernt da wirklich was, wenn man sich deren Rat zu Herzen nimmt. Und man darf auch sofort andere Beiträge beurteilen – wodurch man, wie ich finde, ebenfalls viel lernt. — Und man lernt nie aus. 😉

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  4. Als Liebhaberin von Bandwurmsätzen, mahnte man mich stetig, mich in Kurzfassungen zu üben. Dann bekam ich ein herrliches Buch geschenkt, in dem der erste Satz sich über fünf ganze Seiten zog 🙂

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    1. Ich mag ja die sogenannte “Brevitas”, aber ich finde, dass jeder so schreiben sollte, wie er oder sie es mag. Liebhaber gibt es doch für alles und nichts! – Wie heißt das Buch? Tippe Mal von James Joyce … ?

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