Wo die Liebe hinpikst …

„WAS?“ Wie von einer Biene gestochen fuhr Amor empor. „Was war das?“, keuchte er.
„Ein Ungeheuer“, sagte Pluto.
„Oh nein!“
„Das war ein Scherz, du Schlafmütze. Wir sind da. Draußen kreischt die angeblich Schöne.“
Amor atmete auf und erhob sich.
„Gefällt sie dir?“, fragte er.
„Überhaupt nicht“, sagte Pluto missmutig und löste seinen Blick vom Ausguck. „Ein Steinbrocken wäre reizender als diese … Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine Frau ist.“
„La… lass mal sehen“, sagte Amor und schielte durch die kleine Öffnung.
„Ich werde mich nur in eine Frau verlieben, die so schön ist, dass ich für sie Blumen pflücke!“, hörte er Pluto noch sagen.
Es fiel Amor schwer, seine Gedanken zu fassen, als er durch das kleine Loch in der Wolke sah. Um ihn herum schien sich alles zu drehen, mindestens aber zu schwanken. Er nahm sich vor, nie wieder so viel Wein zu trinken.
Und dann fiel ein Zauber auf ihn, der seinen ganzen Verstand in Besitz nahm.
Denn die Prinzessin war das schönste Erdenkind, das er jemals erblickt hatte. Schwarz wie der nächtliche Himmel war ihr Gewand, ihre Augen waren hell wie der Morgen der aufgehenden Sonne, ihr Haar aber war golden wie das Licht der Sterne. Glanz und Liebreiz umgaben sie. Und ein funkelndes Leuchten strahlte durch ihren Bart.

Boah“, stammelte Amor ungläubig und sah noch einmal hin. Das Bild blieb bestehen.
„Oh!“, keuchte Amor.
„Ich muss zurück in den Tartarus“, brummte Pluto und begann, die Wolke zu wenden. „Ich bin schon viel zu lange fort … für nichts!“
„Das nennst du Nichts?“, rief Amor. „Die Prinzessin ist wunderschön! Wir gehen nicht ohne sie!“
„Bist du verrückt geworden?“, fragte Pluto.
Amors Augen blitzten. „Wir nehmen sie mit!“
„Du hast wirklich zu viel getrunken“, schloss Pluto. „Das kann nicht dein Ernst sein.“
„Ich habe mich selten so nüchtern gefühlt“, sagte Amor drohend.
Pluto begann zu Schmunzeln.
„Nun, mein kleiner Freund, wundert es dich gar nicht, dass du auf einmal so nüchtern bist? Dagegen angefüllt mit Eifer, Feuer und Leidenschaft für eine, ich sage es mal freundlich, eher unscheinbare Prinzessin?“
„Sie ist wunderschön!“
„Wo ist eigentlich dein Pfeil?“
Amor blickte Pluto fragend an. Er spürte den Impuls, die Wolke abzusuchen, doch klammerte sich wie ein Ertrinkender an den Ausguck.
„Er steckt in dir, du Trottel“, schloss Pluto und lachte grollend. „Wie auch immer du das angestellt hast, es ist faszinierend! Ein verliebter Liebesgott!“
Amor hörte Pluto kaum. „Sieh nur, die Prinzessin. Sie friert … und sie hat Angst!“
„Was wird deine Mutter dazu sagen?“, fragte Pluto mit Grabesstimme.
Amor seufzte, nicht imstande, den Blick von Psyche zu lösen.
„Ich muss sie retten“, flüsterte er.
Pluto rieb sich die Hände. „Na, dann los, Kleiner!“

 

——————-

FROHE WEIHNACHTEN!!! 🙂

 

Runa Phaino

Advertisements

3 thoughts on “Wo die Liebe hinpikst …

  1. Wie schön! Amor verliebt sich in sie!! Danke, bin gespannt wie es weiter geht. Ehrlich? Mir gefällt diese Geschichte bisher am besten 🙂 Mach weiter so! Und noch schöne Weihnachtstage ❤

    Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s