Hunger und Hoffnung

Psyche erwachte mit einem gewaltigen Niesen. Sie konnte nichts erkennen, denn Tränen verschleierten ihr die Sicht. Und wieder musste sie niesen. Unter ihren Händen spürte sie Gras. Sie rieb sich die Augen, nieste noch einmal und stellte fest, dass sie auf einer grünen Wiese lag.
Verwundert blickte sie umher.
Es war ein klarer Frühlingtag, die Sonne schien warm vom Himmel und überall um sie herum blühten Blumen in den schönsten Farben. Am wunderlichsten aber war ein prächtiges Gebäude inmitten der Wiese, das strahlte in hellem weiß und hatte eine Reihe spitzer Türme.
Psyche zog sich den Bart vom Gesicht und schnäuzte kräftig hinein. Sie hatte Wiesen noch nie vertragen, vor allem im Frühling wurde ihr beinahe schlecht von all den Gerüchen, die die Blumen aussendeten.
Wie überhaupt kam es dazu, dass auf einmal Frühling war? War dies die Unterwelt? Was war geschehen?
Alles, woran Psyche sich erinnerte, war eine riesige, dunkle Wolke, die sich ihr genähert und sie verschluckt hatte. Möglicherweise also war sie tot. Doch wenn dies die Unterwelt war, dann hatte irgendein Gott beschlossen sie zu bestrafen. Und sie fühlte sich so lebendig. Nicht einmal ansatzweise wie ein Schatten oder so ein körperloses Ding, von dem die Priester manches Mal gesprochen hatten.
Nein, sie fühlte ihren Körper sogar sehr deutlich. Sie hatte Hunger!
Kurzentschlossen stand Psyche auf und lief in Richtung des seltsamen Bauwerks, das so gar nicht den Gebäuden ähnelte, die sie kannte. Aber es sah prächtig aus, vielleicht gab es darin kostbare Speisen.

„Und zu keinem ein Wort!“, wiederholte Amor eindringlich.
Pluto hob abwehrend die Hände und sein Gesichtsstrudel vollzog vor dem Hintergrund der felsigen Halle der Unterwelt vergnügliche Kreise.
„Ich kann schweigen wie ein Grab. Allerdings frage ich mich, wie lange das unentdeckt bleiben wird.“
„Ich werde alles versuchen. Und du schweigst. Versprochen?“
„Versprochen“, sagte Pluto. „Vor allem, wenn du niemandem von meinem, ehm, Vorhaben mit der Liebe erzählst.“
„In Ordnung“, sagte Amor.
„Es ist ja schon beeindruckend, was du letzte Nacht noch erschaffen hast. Hätte ich dir gar nicht zu getraut.“
„Du meinst das Schloss in den Wolken und die schöne Blumenwiese? Ach, das war doch gar nichts“, sagte Amor und freute sich. „Eigentlich ist es viel zu wenig für eine Frau wie Psyche. Am liebsten würde ich ihr den Olymp zu Füßen legen, nein, die ganze Welt!“
Pluto tätschelte Amor die Schulter.
„Gewiss. Aber ich frage mich immer noch, wie du es machen willst. Sie liebt dich ja noch nicht. Und der Pfeil, den auf sie geschossen hast, wird seine Wirkung nicht tun, wenn sie dich nicht zu Gesicht bekommt.“
„Noch nicht“, sagte Amor. „Ich darf halt dieses Mal nichts Unüberlegtes tun. Wenn meine Mutter dahinter kommt, … nicht auszudenken! Ich muss es tun, um Psyche zu schützen. Meinst du, das sich Psyche trotzdem in mich verlieben wird?“
„Ich bin auf jeden Fall gespannt.“
„Oh“, Amor verzog das Gesicht, „es klappt bestimmt! Es muss klappen! Apollo kriegt jede, ganz ohne Liebespfeile. Also. Es gibt einen Weg. Die Prinzessin muss sich auch in mich verlieben. Sie muss einfach!“

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Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Kommt fein hinein, durch rauschendes Fest oder besinnliche Stunden oder festen Schlaf!

Im nächsten Jahr geht es weiter mit Amors Abenteuern, dann auch wieder umfangreicher als über die Festttage!

 

Alles Liebe!

 

Runa Phaino

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5 thoughts on “Hunger und Hoffnung

  1. Alles Liebe fürs neue Jahr!
    💚lichst
    Sylvia

    Im übrigen nehme ich mir im neuen Jahr extra Zeit für Deine Geschichten. Leider kam ich nicht mehr hinterher. Irgendwann rennt einem zu oft die Zeit davon.
    Doch mein Jahresvorsatz: Zeit zum Lesen bei anderen Autoren (und abnehmen 😂😂😂😂).

    Liked by 1 person

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