Was sieht “der Mensch”?

Der antike Philosoph Protagoras schrieb einmal auf: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“

 

Und seitdem denken Philosophen und wirre Geister darüber nach, was genau dieser „Mensch“ eigentlich ist.

 

Meinte Protagoras „den (einzelnen) Menschen“ oder „die Menschheit“ oder „das Menschliche“?

Ich glaube (geprägt durch das, was ich selber denke), Protagoras meinte „das Individuum“, also den einzelnen Menschen.

Sonst hätte er ja schreiben können. „Die Menschheit“ oder „das Menschliche an sich“ sei “das Maß aller Dinge”.

 

Folgt man der Annahme, kommt man zu dem Schluss, dass die Sicht des Individuums auf die Welt, die individuelle Wahrnehmung, demnach das „Maß“ der Dinge für den einzelnen Menschen ist.

Anders gesagt: so, wie der Einzelne die Welt wahrnimmt, erscheint sie ihm auch. Die Welt wäre also ein Abbild dessen, was der Mensch selbst für wahr hält. Oder kann von dem Menschen nur so erfahren werden, “wie” er sie für wahr/echt/real/wahrnehmbar hält.

 

Aber was halten Menschen für wahr und: wieso? Oder anders: Was nehmen Menschen wahr und: wieso?

(Darauf gibt es viele Antwortmöglichkeiten, sehr individuelle, evtl. kategorisierbar durch Psychologie.)

 

Und was mich viel mehr interessiert:

 

Gibt es einen „Funken“, den vielleicht alle Menschen „für wahr“ halten – oder für wichtig?

 

Ist das dann „das Menschliche“?

 

Was meint ihr?

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12 thoughts on “Was sieht “der Mensch”?

  1. Ich bin mir gerade nicht sicher, was im Original als Begriff für “Mensch” verwendet wird, aber der Begriff der Menschheit ist als Vorstellung eh nicht so einfach. Für Protagoras geht es ja hauptsächlich um die Unterscheidung von dem, was ist und dem was nicht ist. Und damit um Wahrheit und Falschheit. Darüber zu sprechen, macht aber nur Sinn, wenn man eine gemeinsame Basis fürs Urteilen annimmt, sonst braucht es keine Sätze. Man kann, aber Heraklit es gemacht hat, irgendwann schweigen. Von daher ist meine Deutung von “homo mensura”: Jenseits der menschlichen Vernunft gibt es nichts, keine höheren Mächte oder Schicksal. Der Mensch bestimmt, aber auch er allein ist verantwortlich.

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    1. Bestimm antropos … also im Original, denke ich.
      Ist für Protagoras dann das, was ist, wahr? (Und was ist das Sein? – Nee, brauchst Du nicht zu beantworten *hihi*)
      Und: hat Heraklit irgendwann geschwiegen? Ich glaube, der hat sogar noch im Misthaufen auf die Menschheit geschimpft! 😉

      Danke für Deine Gedanken!

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      1. Ich beantworte dir die Grage trotzdem: Das Sein hat Heidegger erfunden, um Student*innen zu ärgern. 😉
        Aber ja, du hast dir wirklich einen unglaublich vieldeutigen Satz vorgenommen, insbesondere wegen diesem Einen kann ich mich für antike Philosophie wenig begeistern. ^^

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  2. Vielleicht so: Jeder Mensch glaubt und hofft, alle anderen wären die selben Dinge wichtig, wie einem selbst. Das ist natürlich falsch&frommer Wunsch. Aus diesem artkonstituierenden Fehlschluss entsteht auf tönernen Füßen das ganze Verwirrnis: Neid und Hass aber auch Interesse und Liebe.

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  3. Alle Menschen hielten Geburt und Tod für wahr, aber seit Empfängnis auch ohne Menschen funktioniert ist nur noch der Tod wahrhaftig. Die griechischen Philosophen glaubten an den Menschen allgemein als erhabenstes Geschöpf, kamen doch viele Neuerungen dieser Zeit aus Griechenland, die sogar noch heute Gültigkeit haben. Heute könnte man uns als Krone der Schöpfung durchaus kritisch sehen, auch wenn Darwin mit seiner Evolutionstheorie das Überleben des Strkeren vermutete, haben wir doch den programmierten Fehler unsere Umwelt (auch im sozialen Bereich) zu zerstören, was der Auslese der Schöpfung nicht unterlaufen sollte. Aber das ist alles Philosophie und keine Wissenschaft 😉

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  4. Hallo Runa,
    was sieht “der Mensch” fragst Du, nachher unterscheidest Du zwischen dem Menschen, dem Menschlichen und dem Individuum. Du beginnst mit dem “homo mensura”-Satz, der Mensch ist das Maß aller Dinge. Vielleicht hilft es, den Satz im Zusammenhang zu betrachten mit dem “Deus mensura”-Satz, Gott oder das Göttliche sei das Maß aller Dinge. Protagoras half mit seinem Widerspruch Sokrates und Platon gedanklich auf die Sprünge.
    Arno von Rosen erläutert oben, die Griechen glaubten an dem Menschen als erhabenstes Geschöpf. Dies ermöglicht zwei Fragen, nach dem Geschöpf und nach dem Schöpfer.
    Viele Fragen. Was sieht der Mensch? Was “der Mensch” sieht, weiß ich nicht. Für meinen Teil sehe ich, höre ich, ganz Unterschiedliches. Viele Menschen fliehen vor Krieg und Not. Einige engagieren sich als Freunde,
    http://www.start-with-a-friend.de/
    Ob alle Menschen einen “Funken” kennen, für wahr oder wichtig halten, weiß ich nicht. Mir scheint, der Funke ist unterwegs.
    Bernd

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  5. Wiki: “Platon, bei dem der Satz überliefert ist, interpretiert: „Nicht wahr, er meint dies so: Wie ein jedes Ding mir erscheint, ein solches ist es auch mir, und wie es dir erscheint, ein solches ist es wiederum dir.“[8] Es wäre dann aber schwer, auch nur die Behauptung aufzustellen, dass es sich bei einem Wind um einen kalten handle, da er dem einen möglicherweise kalt erscheine, der andere ihn als warm wahrnehme. Und auch eine allgemein gültige Definition, was Gerechtigkeit sei, wäre schwer zu geben: „Wie einer jeden Stadt Gerechtes und Gutes scheint, so ist es für sie, solange sie davon überzeugt ist.“[9]
    Man muss die Interpretation von Platon wohl ernst nehmen, denn nur durch ihn ist uns der Satz überhaupt überliefert. Und Platon spricht sich eindeutig für die Relativität allen Erkennens aus. Das einzige, was für ihn (bzw Sokrates) sicher ist, ist, dass er nichts weiß – und das macht Sokrates zum Weisesten aller Menschen.
    Dennoch ist die Frage, die du stellst, wichtig. “Der Mensch” – was ist das? Die Idee, die herabgestiegen ist und sich eingepägt hat der Materie, oder ein Produkt der natürlichen Auswahl a la Darwin? (ich raisonniere darüber ein wenig in meinem gestrigen Beitrag “Unterwegs zur menschlischen Gestalt”)

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    1. Es gibt noch den dritten Weg: Die Übereinstimmung der subjektiven Wahrnehmungen entspricht der Wirklichkeit. So ist z.B etwas warm, das was für die meisten als warm empfunden wird.
      Es kommt auch drauf man, was man unter Wirklichkeit oder Wahrheit versteht. Man unterscheidet in der Philosophie zwischen der sozialen und naturwissenschaftlichen Wirklichkeit. Das Erste ist Produkt zwischenmenschlicher Interaktion und je nach Kultur und Volk abhängig von der Definition. Das Zweite jedoch unabhängig vom Menschen eine an und für sich geltende Wahrheit.

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  6. Liebende Runa

    in der Deckenverzierung des Bibliotheksaales nehme Ich ein Wappen mit drei Lilien wahr
    Weil Mein Schicksal davon geprägt ist
    Jener Erinnerungsfunke löst eine Zeitreise in Mir aus
    Die Katharer Templer Graf St.Germain Die Jungfrau von Orleon…
    Der Nukleus Geistkern jener Göttliche Same ach Die dingliche Realität das zivilisatorische Konstrukt
    ist abgemessen an des Menschen Mangelwesen
    Wenn die Funkenlosen drittgrößte Waffenexportnation diese Selbstaussage erkennt ist die derzeitige
    Gelöschtheit jenes Funkens tragisch grausig furchterbar
    Und im Rückschluss beweisen jene “Menschen” eine ungeheuere Angst ein völlig abhanden gekommenes
    Urvertauen von Wem gestohlen geschändet
    Ich sehe nur Mich
    Im Grade Meiner Selbstbewusstheit oder unbewussten Existens
    Als Egoist sehe Ich ausbeutbare Energiereserven Tölpel die Ich finanziell über den Tisch ziehe
    Und als Liebender selbst noch in dem sogenannten Verbrecher einen gebrochenen Bruder
    Auf der Weltenbühne finden multidimensoinale Inszenierungen des milliardenfach nuancierten Stückes
    Wer bin Ich Wer muss Ich sein Wer darf Ich sein
    Und als Höhepunkt Wer will Ich im Sinne “der Ästhetik der Wahrhaftigkeit” wirklich sein
    Seufz
    “Freude schöner Götterfunke..
    Alle Menschen werden Brüder..”

    danke für die Parzivalfrage
    Dir Joachim von Herzen

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  7. Ich nehme an, dass alle Menschen ein Wohlgefühl empfinden, wenn ihre Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit und körperlicher Unversehrtheit, Nahrung und Unterkunft erfüllt sind, das wird wohl der gemeinsame Nenner sein. Die Werte der Menschen werden wahrscheinlich davon abhängen, wie sie diese Grundbedürfnisse unter den jeweils gegebenen Umständen erreicht haben oder zu erreichen versuchen. Das wird dann wohl unterschiedlich sein.

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