Strafe muss sein …

***Dieses Kapitel ist ein Teil von meinem Projekt “Amors Abenteuer”, einer modernen Adaption des antiken Märchens “Amor und Psyche”, das ich aus Spaß an der Freude schreibe und nach einer Überarbeitung als eBook veröffentliche. Wer von Anfang an lesen möchte, ist herzlich eingeladen, bis ans untere Ende der Seite zu skrollen. Ich freue mich über jeden Kommentar. Donnerstags gibt es ein neues Kapitel und manchmal auch zwischendurch. Viel Vergnügen beim Lesen!***

 

Amor lag auf seiner Wolke und blickte abwechseln nach unten und nach oben. Über ihm zog die Sonne ihre Bahn, doch Apollo schien tief in seinen Wagen gesunken, er ließ sich nicht blicken. Unter ihm lag das Schloss, in dem Psyche weilte. Amor war hin und hergerissen. Sollte er Apollo einen Besuch abstatten? Warten? Psyche die Wahrheit sagen?
Das war so unglücklich gelaufen gestern Nacht. Alles, was schiefgehen konnte, war schief gegangen. Wie es Apollo wohl ging?
Amor knirschte mit den Zähnen. Er war ein Dummkopf! Selbstverständlich ging es Apollo nicht gut, das zeigte alleine die Tatsache, dass die Sonne am heutigen Morgen später aufgegangen war, als jemals zuvor.
Und er selbst hatte sogar noch davon profitiert, wenn er es recht bedachte. Augenblicke länger konnte er in den süßen Armen seiner Psyche weilen. Oh, was war das für eine Nacht gewesen! Am liebsten wäre er gar nicht aufgestanden, aber er musste es tun, denn niemals durfte Psyche erfahren, wer er wirklich war.
Apollo wusste von Psyche. Das hatte er gesagt, bevor er Daphne hinterher gerannt war.
„Oh man“, seufzte Amor.
Apollo hatte jetzt gewiss allen Grund, seine Beziehung mit Psyche zu zerstören. Und Amor konnte es ihm nicht einmal übel nehmen, wenngleich der Gedanke daran ihm Qualen bereitete. Für immer wollte er mit Psyche zusammen sein. Ewiglich. Nicht nur in der Nacht. Also doch die Wahrheit sagen? Ungeachtet aller Gefahren? Mit Psyche fliehen?
„Ach, was soll ich bloß tun?“, klagte Amor. „Ich bekomme noch Kopfschmerzen von all den Gedanken.“
„Du tust gar nichts!“
Erschrocken blickte Amor auf und sah einen kleinen, silbrigen Wagen, gezogen von Hirschkühen, der in rasendem Tempo auf seine Wolke zusteuerte. Dann schoss etwas direkt neben seinen Fuß. Silbrig wie Mondlicht und mit weißen Federn am Ende. Ein ausgesprochen schönes, gut gearbeitetes Exemplar.
Dianas Pfeil.
„Du … Du Tyrann! Du Stück eines stinkenden Misthaufens! Du Monster!“
Diana legte nach. Ihr verzerrtes Gesicht ließ erahnen, wie zornig sie war.
Amor duckte sich und versuchte, sich die Wolkenwatte über den Kopf zu ziehen. Diana sah aus, als ob sie ihn töten wollte.
„Bleib hier!“, kreischte Diana. „Wage es ja nicht!“
Ein weiterer Pfeil bohrte sich direkt neben seinen großen Zeh. Amor schlug die Watte zurück. Es würde ihm nichts nützen, sich zu verstecken. Sollte Diana ihn also erschießen, er hatte es verdient.
Diana lenkte ihren Wagen vor Amors Wolke und hob triumphierend das Kinn.
„Fesselt ihn“, befahl sie ihren Nymphen. Die sprangen aus dem Wagen und legten Amor in dünne Ketten aus Spinnenweben. Dann hoben sie den stöhnenden Liebesgott in den Wagen, ein ziemlicher Kraftakt und für Amor äußerst unangenehm. Aber er biss die Zähne zusammen. Diana hatte Recht. Hatte Recht mit allem, was sie sagen und tun würde.
„Jetzt kriegst du deine Strafe“, sagte Diana mit finsterem Blick. Sie schnalzte mit der Zunge und die Hirschkühe setzten sich in Bewegung.
Amor blickte in den Himmel. Dort oben leuchtete die Sonne, viel weniger stark als sonst.
„Wie geht es ihm?“, fragte Amor.
Diana schüttelte ihren Kopf und schnalzte noch einmal mit der Zunge. Die Mondhirsche trippelten etwas schneller.
„Wir fahren zu ihm.“

 

 

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