Diana – Göttin der Jagd

SelfhtmlBy Design by Géza Maróti (1875-1941), BudapestOwn work; Photo by Szilas in the Budapest Museum of Applied Arts; temporary exhibition of the Masters of the Art Nouveau, May 2013 – February 2014, Public Domain, Link

 

Die Göttin, um die es heute geht, – Diana –  könnte wie viele andere Frauen und Göttinnen der Antike heute bei der Kampagne #metoo mitmachen.

Allerdings stellte ihr nicht der Göttervater nach (der laut Postillon nach Belästigungsvorwürfen aus der griechischen Mythologie gestrichen worden sei), sondern ein Normalsterblicher namens Aktation – und sie wusste sich ganz trefflich zu wehren.

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By Nordisk familjebok – From http://runeberg.org/nfba/0250.html, Public Domain, Link

Diana verwandelte den Belästiger nämlich ganz einfach in einen Hirsch und ließ dessen Jagdkumpanen und Hunde dann den Rest erledigen. Sehr anschaulich und schön hat dies Ovid in den folgenden Zeilen beschrieben:

„Wie er (also Aktaion) jedoch das Gesicht und die Hörner im Wasser erblickte,
Wollt’ er rufen entsetzt: “Weh mir!” Nicht folgte die Stimme.
Dafür kam ein Gestöhn. Feucht ward von Tränen das Antlitz,
Welches das seinige nicht. Den Geist nur hatt’ er behalten.
Was nun soll er tun? Heimkehren zum Königspalaste

Oder sich bergen im Wald? Scham hinderte jenes, die Furcht dies.
Während er schwankt, ersehn ihn die Hund’, und das Zeichen mit Bellen
Gibt Melampus zuerst und Ichnobates trefflich im Spüren,
Dieser von gnosischem Stamm, von spartanischer Rasse Melampus.
Flüchtiger rennen herbei als sausende Winde die ändern:

Pamphagos, Dorkeus auch und Oribasos, Arkader alle;
Theron grimmig und wild, mit dem starken Nebrophonos Lailaps,
Pterelas hurtig im Lauf und die scharf auswitternde Agre
Und, von dem Eber gehaun unlängst, der kecke Hylaios,
Nape, gezeugt vom Wolf, und Poimenis, welche den Schafen

Achtsam folgt, und, begleitet von zweien der Söhne, Harpyia,
Ladon dazu mit schmächtigem Bauch, sikyonischer Herkunft,
Kanake, Dromas sodann und Stikte und Tigris und Alke,
Abolos schwarz von Haar und Leukon mit schneeigen Zotten,

Thoos und flink und behend mit dem kyprischen Bruder Lykiske
Und, an der dunklen Stirn mit schneeiger Mitte gezeichnet,
Harpalos, Melaneus auch und Lachne mit struppigem Leibe;
Labros, Agriodos dann, die Söhne lakonischer Mutter,
Vom Diktaier gezeugt, und mit gellender Stimme Hylaktor,

Und viele andre dazu. Die stürmen nach Beute begierig
Über Gestein und Felsen und unzugängliche Klippen,
Da, wo schwierig der Weg, und da, wo keiner gebahnt ist.
Selbst nun fliehet er dort, wo oft er Verfolger gewesen;
Ach, er flieht vor dem eignen Gefolg’! Gern hätt’ er gerufen:

“Ich, Aktaion, ja bin’s! Erkennt doch euren Gebieter!”
Worte gebrechen dem Wunsch. Vom Gebell hallt wieder der Aither.
Melanchaites zuerst verwundete jenem den Rücken,
Dann Theridamas auch; Oresitrophos biss sich am Bug ein.
Später begann ihr Lauf, doch über den Berg auf dem Richtpfad

Eilten dem Schwärm sie voraus. Indes den Gebieter sie hielten,
Drängt sich die Meute herzu und schlägt in den Körper die Zähne.
Schon zu Wunden gebricht es an Raum. Er stöhnet, und Töne,
Nicht wie ein Mensch, doch auch wie ein Hirsch niemals sie hervorbringt,
Stößt er aus und erfüllt das bekannte Gebirge mit Wehruf,

Und mit gebogenem Knie demütig und Bittenden ähnlich
Trägt er schweigend umher, als wären es Arme, die Blicke.
Aber den bissigen Trupp hetzt noch mit dem üblichen Zuruf
Sein argloses Gefolg’ und sucht mit den Augen Aktaion –
Und ruft laut, als wär’ er entfernt, um die Wette Aktaion –

Jener bewegt bei dem Namen das Haupt – und alle beklagen,
Dass er fern und des Fangs Schauspiel so lässig versäume.
Fern sein möcht’ er, allein er ist nah. Er möchte der Meute
Grimmiges Tun nur sehn und nicht auch selber empfinden.

Und zerfleischen den Herrn im Bilde des trügenden Hirsches.
Erst, wie am Ende geflohn durch vielfache Wunden das Leben,
Ruhte der Zorn, wie man sagt, der köchertragenden Göttin.“Quelle: http://www.gottwein.de/Lat/ov/met03de.php (2, 200-253)

 

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By Carole RaddatoOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

SelfhtmlBy Antonio Tempesta – Image: http://collections.lacma.org/sites/default/files/remote_images/piction/ma-31724028-O3.jpgGallery: http://collections.lacma.org/node/234460, Public Domain, Link

Leg Dich lieber nicht mit Diana an, könnte man da sagen.

Diana ist die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt. Sie ist die Zwillingsschwester von Apollo, die Tochter von Zeus/Jupiter und Leto/Latona, und ihr wird nachgesagt, schon als frisch geborenes Baby ihrer Mutter bei der Entbindung von Apollo geholfen zu haben. In der griechischen Mythologie entspricht ihr Artemis. Ich denke, dass die Attribute “Mond” und “Geburt” erst später für Diana galten. Zunächst ist sie sehr wahrscheinlich vor allem eine Jagdgöttin gewesen.

Historisch betrachtet gab es viele Orte in Italien und Griechenland, an denen Diana verehrt wurde, allerdings lagen die römischen Stätten fast alle außerhalb von Rom, also außerhalb der Stadtgrenze. Einige Forscher vermuten, dass Diana daher möglicherweise von den heimkehrenden römischen Truppen verehrt wurde, die bis zum Ausruf des Triumphes draußen vor der Stadt zu warten hatten und die Grenze (Pomerium) nach Rom nicht überschreiten durften.

Besonders interessant ist das außerhalb von Rom gelegene Heiligtum der „Diana Nemorensis“.

SelfhtmlVon Pippo-b – eigenes Foto, CC BY-SA 3.0, Link

Wikipedia beschreibt sehr treffend:
„Zentrum des Heiligtums war eine der Göttin Diana (gleichgesetzt der griechischen Göttin Artemis) geweihte Eiche, die von einem Priesterkönig, dem rex nemorensis, bewacht wurde. Dieser war ein entlaufener Sklave, der Tag und Nacht den Baum bewachte. Er hatte sein Amt so lange inne, bis es einem anderen Entlaufenen gelang, ihn zu töten, einen Ast von der Eiche zu brechen und so seinerseits dieses gefährliche Amt zu übernehmen. Dieser Umstand war für die Antike so unüblich, dass (… vermutet wurde), der Kult könne aus vorgeschichtlicher Zeit stammen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligtum_der_Diana_Nemorensis

In dieser Erzählung findet sich, wenn man so will, lediglich das Motiv “Wald” (Eiche) und “Wache”, – noch kein Hinweis auf Mond oder Geburt.

Bei Diana handelt es sich also um eine Göttin, deren Ursprünge recht weit zurückliegen. Dies wird auch deutlich, wenn man sich die Verbindungen zu anderen Gottheiten ansieht.
So findet sich beispielsweise eine Gottheit namens Britomartis, die angeblich eine Vorform von Diana/Artemis war und auf Kreta verehrt wurde. Den Ursprungsmythos von Britomartis zu rekonstruieren ist so gut wie unmöglich, – angeblich stellte Minos ihr nach und sie rettete sich durch einen Sprung ist Meer, woraufhin die Göttin Artemis ihr beistand. (Hier ist historisch aber unklar, wie Artemis, die doch eigentlich eine weitere Ausdeutung bzw. spätere Entwicklung von Britomartis ist, „sich selbst“ in dieser Situation hätte helfen können. – Vermutlich wurde die Gestalt von Britomartis in spätere Mythen über Diana wieder eingebunden. Kompliziert das Ganze. ;))
Historisch einleuchtend ist die Vermutung, dass Britomartis in der frühen minoischen Zeit einen Tempel hatte, der mit „wilden Tieren“ (Hunden, ggf. Bären) assoziiert war. Dass sie also eine Art Jagdgöttin darstellte. Selbiges trifft auf eine indogermanische Gottheit namens „Artio“ zu, die schon vom Wortlaut her Ähnlichkeiten mit „Art“emis aufweist. Es gibt auch Annahmen, die Artemis auf ein altes Wort für “Bär” zurückführen. Dem Religionswissenschaftler George Dumézil zufolge ist Diana eine Art „Rahmen-Gottheit“, die viele archaische Elemente vereint und daher sehr alt sein muss. Er vergleicht Diana in ihrer Funktion mit dem nordischen Gott Heimdall, der Asgard bewacht. James Frazer (ein anderer Religionswissenschaftler) sieht eher eine Verbindung zwischen Diana und Janus.

Es ist sicherlich nicht falsch, „Diana“ vorrangig als sehr, sehr alte Jagdgöttin zu sehen, in die andere weibliche Jagdgottheiten „aufgegangen“ sind. Auch ein Diana geopferte Votivstein, in dem sich jemand für die reiche Bärenjagd bedankt, belegt diese Vermutung. Zudem gab es an einer anderen Kultstätte, in Brauron, noch lange Zeit die Tradition, dass sich junge Mädchen zu Ehren Dianas in Safran-Farbene Gewänder hüllten und eine Bärenjagd nachstellten.

Selfhtml Britomartis wird von Edmund Spenser im 16. Jahrhundert als englische Tugendfrau beschrieben. – Ein Bestseller. Von photo: C J Thomson – photo: Special:Contributions/SusanWynneThomson, GFDL, Link

SelfhtmlDie Göttin Artio, – 19. Jahrhundert.  Von Own photograph by Sandstein, CC BY 3.0, Link

Selfhtml Votivstein mit Dank für Bärenjagd. Von den SEX CAPTIS (UR)SIS sieht man allerdings nur das “SIS”.  Von Diagram LajardEigenes Werk, CC0, Link

Für das „mythische Alter“ der Göttin spricht auch eine Geschichte, die sehr stark an alte Themen wie „Inanna und Dumuzi“ erinnert. – Also Mann/Frau, Tod und Wiederauferstehung im weitesten Sinn.

Ich zitiere: „In römischer Zeit war die Legende verbreitet, der Hain von Nemi sei die Heimstatt der Nymphe Egeria, deren Obhut Diana ihren von den Toten erweckten Jagdgefährten Hippolytos anvertraute. Hippolytos, ein schöner Jüngling, hatte die Begehrlichkeit der Liebesgöttin Venus geweckt (die wiederum der griechischen Göttin Aphrodite entsprach). Hippolytos sah sich allerdings als Jünger der Diana der Jagd wie der Keuschheit verpflichtet und blieb gegenüber dem Liebeswerben der Venus standhaft. Diese sann auf Rache und verzauberte seine Stiefmutter Phädra dergestalt, dass sie für Hippolytos entflammte. Wiederum wies Hippolytos seine Verehrerin ab. Phädra schwärzte ihn daraufhin bei seinem Vater (und ihrem Gatten) Theseus an und behauptete, Hippolytos habe versucht, sie zu vergewaltigen, und beging sodann Selbstmord. Theseus wiederum verstieß seinen Sohn und beauftragte Poseidon, Hippolytos zu töten. Der Meeresgott vollbrachte dies, indem er ein Seeungeheuer losließ, das Hippolytos’ Streitwagen zu Fall brachte.
Diana wiederum wandte sich an Asklepios, der den Jüngling wieder zum Leben erweckte – nach göttlicher Auffassung ein Frevel, und aus Verärgerung darüber verbannte der Göttervater Jupiter Äskulap in den Hades. Damit Hippolytos nicht ähnliches widerfahre, versteckte Diana ihn bei ihrer Nymphe Egeria, gab ihm zudem ein paar Altersfalten, damit er nicht allzu leicht zu erkennen sei, und umnebelte ihn zudem mit einer Wolke. Der auferstandene Hippolytos nahm den Namen Virbius an und zeugte mit Egeria einen Sohn, der ebenso genannt wurde. Virbius war neben Diana daher eine der in Nemi verehrten Gottheiten.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligtum_der_Diana_Nemorensis
Diana erweckt also ihren Geliebten Hippolytos mit Hilfe von Asklepios wieder zum Leben. Ähnliche Züge weist auch der Mythos um Diana und Orion auf. – Wobei das mit Diana und den Männern so eine Sache ist. In erster Linie waren es wohl nicht ihre “Geliebten”, sondern lediglich “Jagdgefährten”, denn die Göttin war nicht gerade für ihr ausschweifendes Liebesleben bekannt.

Diana steht auch in Verbindung mit der Euripides Erzählung „Iphigenie in Tauris“. Von Iphigenie war hier schon mal kurz die Rede, es ist die Frau, die für ihr Vaterland in Zusammenhang mit dem Trojanischen Krieg der Göttin Diana geopfert werden soll, dann aber von der Göttin “ex machina” gerettet wird. Später errichtet Iphigenie der Sage nach im oben erwähnten Brauron einen Tempel für Diana, in dem sich junge Mädchen als Bären verkleiden.

Selfhtml By Anonymous Ophelia2, Public Domain, Link

SelfhtmlBy Jens Cederskjold, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52601662

Im Mittelalter bzw. eher der frühen Neuzeit, wo vornehmlich Verfolgungen stattfanden, wurde Diana zur Göttin der Hexen, wurde also von der Jägerin zur Gejagten.

Selfhtml By Nye, Edgar Wilson “Bill” (1850-1896) – https://archive.org/details/billnyeshistoryo00nyebrich, Public Domain, Link

In der Antike war allerdings noch Hekate für Magie und Zauberei zuständig.

SelfhtmlBy The original uploader was Medos at German Wikipedia – Transferred from de.wikipedia to Commons by Ireas using CommonsHelper., Public Domain, Link

SelfhtmlBy Maximilián Pirnerhttps://lehmofen.files.wordpress.com/2017/11/954a8-hekate1901.jpg, Public Domain, Link

SelfhtmlBy ZdeOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Am wahrscheinlichsten ist, dass eine biblische Erwähnung vom Artemis-Tempel in Ephesos zu dieser Annahme führte, dass Diana/Artemis mit Hexen im Bunde stünde. Denn als Paulus und seine Männer dort in Ephesos christianisieren und missionieren, gab es einen riesigen Aufstand, Schlägereien und Paulus landete schließlich sogar im Gefängnis. Die Epheser hatten nämlich keine Lust auf eine neue Lehre und wollten lieber weiterhin Geld mit ihren hübschen Artemis-Figürchen für den Tempel verdienen, der der Sage nach übrigens von der Amazonen-Königin Ortrere gegründet wurde.
Das konnte ja nur Hexenwerk sein!

SelfhtmlBy DC Extended Universe Wiki – http://dcextendeduniverse.wikia.com/wiki/File:JL_Wonder_Woman.jpg, CC0, Link

Da ist sie wieder. “Diana” Prince, aka Wonderwoman. 😉

 

 

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7 thoughts on “Diana – Göttin der Jagd

  1. Mir persönlich erscheint es logisch, dass eine Frau die Jagd darstellen soll, denn da dieser Part früher den Männern zufiel, benötigten diese eine Entsprechung ihrer Frauen, die währenddessen das Feuer hüteten. Vielleicht bin ich auch zu romantisch veranlagt, eine starke Frrau als geistige Begleitung auf der Jagd hat für mich etwas sehr fortschrittliches, auch wenn es in antike Mythen eingebunden ist/ war. Wieder habe ich jedes Wort genossen und bedanke mich für deine Arbeit liebe Runa!

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    1. Und ich Danke für Deinen Kommentar, lieber Arno! – Wobei ich mich zunehmend frage, ob diese Einteilung “Jäger”-“Sammlerinnen” überhaupt stimmig ist. Wahrscheinlich waren die Jungsteinzeitaltler diesbezüglich viel entspannter, als die Kneipengespräche oder Genderdiskussionen heute. 😉

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