Papst Franziskus

Folgendes als Zitat von https://www.pro-pope-francis.com/

Oder auch: ein kleiner Hinweis zur Bildinterpretation des letzten Beitrags. Zumindest ansatzweise.

<3-liche Grüße!

 

 

Hochgeschätzter Papst Franziskus!

 

Ihre pastoralen Initiativen und deren theologische Begründung werden derzeit von einer Gruppe in der Kirche scharf attackiert. Mit diesem öffentlichen Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für Ihre mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind.

 

Es ist Ihnen in kurzer Zeit gelungen, die Pastoralkultur der katholischen Kirche von ihrem jesuanischen Ursprung her zu reformieren. Die verwundeten Menschen, die verwundete Natur gehen Ihnen zu Herzen. Sie sehen die Kirche an den Rändern des Lebens, als Feldlazarett. Ihr Anliegen ist jeder einzelne von Gott geliebte Mensch. Das letzte Wort im Umgang mit den Menschen soll nicht ein legalistisch, sondern ein barmherzig interpretiertes Gesetz haben. Gott und seine Barmherzigkeit prägen die Pastoralkultur, die Sie der Kirche zumuten. Sie träumen von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“. Diesen Ihren Traum teilen wir.

 

Wir bitten Sie, von diesem eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen, und sichern Ihnen unsere volle Unterstützung und unser stetes Gebet zu.

 

Die Unterzeichnenden

 

 

Weitere Info bzgl. aktueller Skandale und wer sich da eigentlich gegen den Papst “wehrt”:

http://www.spiegel.de/panorama/papst-franziskus-aufruhr-der-dogmatiker-a-1174409.html

 

 

 

 

 

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Flora und Chloris

SelfhtmlBy Harold H. Piffard (Original artist)Restoration by Adam CuerdenUniversity of Victoria Digital Collections, Public Domain, Link

Memento mori, Mensch.

Diese Worte sind vielen bekannt, wenige aber wissen, was sie bedeuten. Sie sind lateinischen Ursprungs und wurden im römischen Reich ständig wiederholt. Wie ein Mantra. Memento mori, memento mori, memento mori, …
Es gab einen festen Zeitpunkt, wann diese Worte gesprochen wurden und einen klaren Adressaten. Ein Priester (oder Sklave?) flüsterte sie dem Feldherren siegreicher Truppen ins Ohr.
Die Worte waren also eigentlich nix für die Allgemeinheit, auch wenn sie heute im kollektiven Bewusstsein rumschwirren, denn viele kennen sie. Ursprünglich galten sie nur einer einzigen, äußerst starken und mächtigen Person: Dem obersten Befehlshaber der römischen Legionen, der sie zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt hörte:

Am Tage seines Triumphes.

Was sind die Hintergründe?

Für einen Triumphzug war es den römischen Oberbefehlshabern ausnahmsweise erlaubt, ihr Heer in die Stadt zu führen. Caesar hat sich nicht mehr dran gehalten und sein Adoptivsohn Augustus wurde dann zum Regelbrecher schlechthin, aber das ist eine andere Geschichte.
Lange Zeit galt es, die militärischen Angelegenheiten, all diesen Tod und das Blut, aus Rom auszulagern. Zu einem Triumphzug aber durften alle Soldaten in die Stadt kommen.

Der Feldherr, der die Legionen in den Sieg geführt hatte, wurde an diesem Tag gefeiert wie ein Gott und seinen Untergebenen ging es auch nicht schlecht.
Es gab erstklassige und zweitklassige Triumphe. Die Erstklassigen führten über das römische Forum und mitten durch die Stadt. Da, wo der Marmor blitzte und glänzte, die Leute aus den oberen Reihen Blumen schmissen und sich reiche Senatorenfrauen die Lippen leckten.

Memento Mori.

Inmitten des Triumphzuges fuhr der Feldherr auf einer Quadriga, einem Viergespann (einem Wagen, mit vier Pferden davor). Sowas kann man heute zum Beispiel noch hier, aber auch an vielen anderen Orten der Welt, bewundern:

Selfhtml Berlin, Brandenburger Tor, Detail. By א (Aleph)Creator: Johann Gottfried Schadow – Own work, CC BY-SA 2.5, Link

Als allererstes schritten die ehrwürdigen Senatoren voran. Dahinter gingen Künstler, Musiker und Maler, die die wichtigsten Etappen der Schlacht auf großen Leinwänden darstellten und beschrieen, ihnen folgte die Beute des Raubzuges: wilde Tiere, Gefangene, Gold und Silber und andere Wertgegenstände.
Ein bisschen muss man sich das wohl vorstellen, wie bei einem Karnevalsumzug, allerdings galt eben das ganze Spektakel allein dem Feldherren, der in der Mitte des Triumphes war – und natürlich seinen Soldaten.

Memento mori.

Die Soldaten liefen ihrem Feldherrn auf der Quadriga hinterher, bildeten also den Schluss des Zuges.
Ihnen war es ausnahmsweise erlaubt … vielleicht kann man auch sagen: Vom Publikum ausdrücklich gewünscht …, dass sie ihren Chef einmal so richtig durch den Kakao zogen. Also verspotteten.

Von Caesar weiß man, dass er wohl schon in jungen Jahren sein Haupthaar verloren hatte. Sueteon überliefert folgenden Ausruf, den die Soldaten bei seinen Triumphen buhten:

„urbani, servate uxores: moechum calvum adducimus“

„Städter, sperrt die Frauen ein! Wir bringen euch den glatzköpfigen Lustmolch!!!“

Die Frage ist, wie man moechus übersetzt. Zu deutsch „Lustmolch“, oder „Ehebrecher“, passt schon ganz gut, aber ich vermute, da gibt es einen tieferen Zusammenhang, wenn man sich das mal bildlich vorstellt.

Memento mori.

Während des Triumphzuges hörte der Feldherr immer wieder diese Worte.

Bedenke, dass Du sterblich bist.
Mensch, gedenke deiner Sterblichkeit.
Du sollst dich erinnern, dass Du sterben wirst.

Na ja, und dann guckte man(n) halt wieder auf all die schönen Blumen und Blüten, die aus den oberen Etagen herabgeschmissen werden.

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By Margo AlisonOwn work, CC BY-SA 4.0, Link Flora, modern.

Selfhtml By Anselm Feuerbach – http://www.bildindex.de/document/obj00052914, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3245130

Selfhtml Flora 19. Jahrhundert.

By Edward Burne-Jones – repro from artbook, Public Domain, Link

Selfhtml Flora, 16. Jahrhundert.
By Enea Vico (Italy, Parma, 1523-1567) – Image: http://collections.lacma.org/sites/default/files/remote_images/piction/ma-31880853-O3.jpgGallery: http://collections.lacma.org/node/171059, Public Domain, Link

Selfhtml Chloris.

By Ntennis – English wikipedia, Public Domain, Link

Selfhtml Zephyr und Chloris.

By Sandro BotticelliWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

Selfhtml Aus Chloris wird Flora.

By Sandro Botticelli – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.Extract to File:Sandro Botticelli 038.jpg, Public Domain, Link
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By Sandro Boticelli – Uffizi Gallery, Public Domain, Link

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Mosaik Flora(?), ohne Datum. By JerzystrzeleckiOwn work, CC BY 3.0, Link

Selfhtml Hochzeit von Zephyr und Chloris, ca. 50 n. Chr. By original file by Stefano BologniniFile:Affreschi romani – pompei – nozze zefiro e clori.JPG, Attribution, Link

SelfhtmlFlora, Fresco aus Stabiae, ca. 1 Jh. n. Chr. By unknownOwn work, Public Domain, Link

Flora, um die der Artikel heute handelt, ist die römische Göttin des Frühlings – und der Getreide-Blüte. 😉 Auf den obigen Bildern ist manchmal auch Chloris zu sehen. Flora und Chloris sind ursprünglich dieselbe, also Flora war mal Chloris – und wie man auf dem Bild von Botticelli sehr gut erkennen kann, verwandelt sich Chloris durch die Annäherung vom Zephyr (der in meinem Roman übrigens auch eine Rolle spielt) in Flora.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Irgendwann mal las ich, dass Botticellis Primavera (der Frühling), das am meisten gekaufte Bild überhaupt ist, aber so richtig interpretiert hat es noch keiner (auch wenn es einige Ansätze gibt).
Wer sich für die Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze des Bildes interessiert, der kann sich auf den folgenden Seiten dazu einlesen. Am meisten interessiert mich aber eure persönliche Ausdeutung des Bildes, ganz ohne Bezug zu den Interpretationen, wenn es eine gibt. Kurzum: wer mag, darf und soll mir bitte gerne einen Kommentar dazu hinterlassen! Ich bin soooo gespannt!!!

https://de.wikipedia.org/wiki/Primavera_(Botticelli)

http://www.kunstdirekt.net/Symbole/allegorie/botticelli/fruehling/allegorie-fruehling.htm

https://wize.life/themen/kategorie/kultur/artikel/34639/kunst-verstehen-mit-grazie-viel-erotik-und-sandro-botticelli-in-den-sanften-fruehling-&#8230;

Hier das Bild noch mal:

SelfhtmlBy Sandro Boticelli – Uffizi Gallery, Public Domain, Link

Bei all den Ausdeutungen, Blumen und Blüten, kommt mir übrigens noch ein anderer schöner Spruch (von Horaz) in den Sinn:

Carpe Diem.

Pflücke den Tag.

Ein paar abschließenden Worte.
Abschließend, weil die Reihe „komische Götter“, so langsam zu Ende geht. Am 11.12. erscheint, wenn alles klappt, mein Buch. Bis dahin gibt es noch drei Donnerstage und drei Beiträge zur Göttin Diana, zum Goldenen Esel und zu Apuleius. Der Goldene Esel, by the way, ist das Buch von Apuleius, aus dem auch „Amor und Psyche“ stammen.
Ich möchte gerne die historischen Hintergründe beleuchten und dann werde ich ein wenig in der Versenkung verschwinden. Ich plane einen Umzug (ich hatte es vor einem Jahr schon mal angekündigt, aber jetzt ist die Zeit) und außerdem werde ich – mit dem Wissen der “komischen Götter”-  ein neues Buch schreiben.

Seid herzlichst gegrüßt!

Eure

Runa
Phaino

Woher kommt das Wissen über die Antike?

– Von Runa Phaino natürlich!
– Und von Wikipedia!

🙂

Ganz so einfach ist es natürlich nicht …
Die Antike ist ein Zeitraum, der ungefähr 1000 Jahre umfasst und – je nach Anfangs- oder Endpunkt – zwischen 2500 und 1500 Jahren zurück liegt. Grob gesagt begann die Antike mit den griechischen Philosophen (ca. 500 v. Chr.) und endete mit dem Untergang des römischen Reiches (ca. 500 n. Chr.)
Wie aber ist es möglich, dass wir heute dazu in der Lage sind, uns über Anfang, Inhalt und Ende dieser Epoche Gedanken zu machen? Woher und wieso wissen wir eigentlich, was damals vorgefallen ist?
Es gibt, wie so oft, keine genauen Eckdaten. So kann man auch behaupten, die Antike habe mit den Schriften Homers ihren Anfang gefunden (ca. 900 v. Chr.) und sei mit dem Erstarken des Christentums (etwa 300 n. Chr.) zu Ende gewesen. Bei all den Überlegungen sollte man auch nicht vergessen, dass es bereits vor der Antike schon eine ganze Menge Zivilisations-Zeugs gab.

Akropolis, Athen. By Leo von Klenze – Pinakothek Museum, Munich, Public Domain, Link

Grob unterscheidet man auch zwischen griechischer und römischer Antike. Die Griechen gab es schon etwas eher als die Römer – und ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. hat dann ein gewisser Ennius (Quintus Ennius) viel griechisches Kulturgut nach Rom importiert. Er war in Griechenland ausgebildet worden (wie auch viele römische Schriftsteller nach ihm) und hat dafür gesorgt, dass die griechischen Sagen/Theaterstücke/Erzählungen usw. latinisiert und in Rom populär wurden. Er gilt als „Vater der römischen Dichtung“.

Forum Romanum. Gemeinfrei, Link

Ennius. Mit Kranz (!). Public Domain, Link

Vielleicht kennt jemand die Spekulationen über Karl den Großen. In den letzten Jahren gab es Behauptungen, dass dieser König nie gelebt habe und dass alles nur eine Erfindung gewesen sei.

Für die Antike könnte selbiges gelten. Doch bevor die Antike wie eine Seifenblase zerplatzt, soll fernab von diesen Spekulationen versucht werden, die „Überlieferungsgeschichte“ antiken Wissens zu rekonstruieren.

 Public Domain, Link

In Rom und Griechenland gab es viele Autoren (Philosophen, Historiker, Schriftsteller von Komödien/Tragödien, Naturwissenschaftler (im weitesten Sinne)). Sie schrieben meistens auf Papyrus, da es damals noch kein Papier gab, und ihre Werke wurden in verschiedenen Bibliotheken aufbewahrt.

Public Domain, Link So ungefähr sah das aus.
 Zwei Varianten einer Papyrus-Rolle. By AudihOwn work, GFDL, Link

Es gab eine Menge an Bibliotheken in der Antike, irgendwo las ich mal was von knapp 50.000. Ein paar waren berühmt, wie z.B. die Bibliothek in Alexandria (heute Kairo). Herrscher hatten eigene Bibliotheken, genauso wie manche Kaufleute oder Gelehrte. Es gab private Bibliotheken und öffentliche.

Celsus-Bibliothek in Ephesos. Von Benh LIEU SONGEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

(Mögliches) Innenleben der Bibliothek von Alexandria. By O. Von Corven – Tolzmann, Don Heinrich, Alfred Hessel and Reuben Peiss. The Memory of Mankind. New Castle, DE: Oak Knoll Press, 2001, Public Domain, Link

Nachbau der Papyrus-Villa aus Herkulaneum (Neapel) in Los Angeles. Hier wurden vor wenigen Jahren Papyrus-Fragmente gefunden, die den Ausbruch des Vesuv halbwegs überstanden haben. Sie werden immer noch entschlüsselt. Von Bobak Ha’EriEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Mit dem Ende des römischen Reiches verschwanden auch die Bibliotheken, doch es ist schwer, ein genaues „Datum“ oder genaue Ursachen für „das Ende“ festzumachen, noch schwerer ist es, das für die unzähligen Bibliotheken zu tun. Bei Herkulaneum ist die Sache relativ klar: 79 nach Christus brach der Vesuv aus und begrub alles unter sich, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

In den anderen Fällen ist nicht ganz so klar, warum Bibliotheken geschlossen wurden oder verschwanden.
Die Celsus-Bibliothek ist möglicherweise von den Goten zerstört worden oder wurde im Laufe der Zeit einfach für andere Dinge genutzt.
Die Bibliothek in Alexandria ist wahrscheinlich im Zusammenhang mit Krieg zerstört worden (Römer gegen Ptolemäer), eventuell aber hatte sie bis ins Mittelalter noch einen kleinen „Ableger“ unweit vom Haupthaus entfernt, das „Serapeion“, das unter anderem auch die Araber nutzten.

Es gab sicherlich mehrere Gründe, warum die Bibliotheken im Laufe der Zeit verschwanden.
Plünderungen, neue Herrscher, Feuer, Umwidmung der Gebäude, Desinteresse, Profit, Krieg, … um nur ein paar Ursachen zu nennen.
Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch die Entstehung des Christentums. Manche antiken Schriften passten inhaltlich nicht so besonders gut zu der neuen Lehre und wurden daher auch ganz gerne mal ins Feuer gehalten (oder so).

Trotzdem waren es dann doch die christlichen Klöster, die etwa 10% der antiken Texte „retteten“.

90% des antiken Wissens sind also verloren gegangen und von den 10% die „überlebt haben“ gibt es keine originale „Handschrift“ mehr. Wir wissen also nicht, wie Cicero, Ovid, Vergil – und wie sie alle hießen-, wirklich geschrieben haben, denn es gibt keinen Text auf einem Stück Papyrus (oder Pergament) aus der Lebzeit der antiken Autoren. (Mal abgesehen von den kohlrabenschwarzen Papyrus-Fragmenten aus Herkulaneum, wer weiß, was bei deren Entzifferung noch rauskommt.)
Das, was zum Beispiel Vergil geschrieben hat, kennen wir vor allem aus einem Buch aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Vergil lebte aber im ersten Jahrhundert vor Christus.
Wie kann das sein?

Zum Ende der Antike wurden ein paar der antiken Texte „gerettet“, die – wie auch immer – in christliche Klöster gelangten und nicht in die Flammen gehalten wurden.
In den Klöstern gab es Skriptorien. Skriptorien sind nichts anderes als Schreibwerkstätten in Klöstern. Nicht jedes Kloster hatte eine, aber in jedem Fall die, die etwas auf sich hielten.
In den Skriptorien wurden die Texte gehegt und gepflegt und auf dickes Pergament überschrieben (Pergament besteht aus Tierhaut und hält sich länger als Papyrus, ist aber auch deutlich teurer) und reich bebildert, zudem auch vervielfältigt, da die Mönche und Nonnen ja sonst nicht so viel zu tun hatten, – außer zu arbeiten und zu beten.

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By Peter Paul Rubens – [1], Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5096194

By Unknownhttp://www.bassenge.com/, Public Domain, Link

Ovids Metamorphosen. 15. Jahrhundert. Public Domain, Link

Vergilius Vaticanus. Älteste Variante von Vergils Aeneis. Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Bibhistor in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch PHansen., Gemeinfrei, Link

In sehr vielen Klöstern wurden antike und christliche Schriften transkribiert (St. Gallen, Citeaux, Frankenthal, Montecassino), … innerhalb der verschiedenen Orden (Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner) … man muss sagen: das alles geschah über komplett Europa verteilt, auch und gerade in östlicheren Gefilden (wo sich die orthodoxe Tradition vom Christentum entwickelte). Überall wurden Texte abgeschrieben.  – Wobei es sich wohl zu 99%(?) um christliche Literatur handelte, aber eben auch um antiken Texte.

So kommt es, dass wir heute zwar keine Originalhandschrift von Vergil (und all den anderen) mehr haben, aber dafür verschiedene Varianten ein und desselben Werkes (z.B. der Aeneis oder den Metamorphosen), die in unterschiedlichen Klöstern von unterschiedlichen Schreibern abgeschrieben wurden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass manche Mönche und Nonnen in Skriptorien arbeiteten, die gar nicht verstanden, was sie dort abschrieben. Wie bei dem Spiel „stille Post“ entstanden bei der Weitergabe von Informationen Fehler – und darüber versucht man heutzutage die „älteste“ Handschrift und die „originale“ Variante der antiken Texte zu rekonstruieren.

Manche Mönche und Nonnen waren so fleißige oder bekannte Abschreiber, dass man sie heutzutage identifizieren kann. Manche waren auch so selbstbewusst, dass sie sich ihr eigenes Schreiberzeichen ausdachten und unter ihren Texten abbildeten. Bei manchen Texten vermuten die Wissenschaftler nur, dass sie „aus derselben Hand“ stammen.
Es gibt auch sogenannte Stemma (Stammbäume) für die Rekonstruktion eines Textes. Man sucht alle Handschriften eines Textes zusammen und guckt anhand der Fehler, welcher der älteste ist und wie die Zusammenhänge sind. Wer sich dafür interessiert, einfach mal hier klicken.

Selbstportrait des Skriptors „Rufilius“.

Von Frater Rufillus (wohl tätig im Weißenauer Skriptorium) – http://www.e-codices.unifr.ch/en/list/one/cb/0127, Gemeinfrei, Link

Kleinere Figur links: der Schreiber Gero.
Von Buchmaler der Reichenauer Schule – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, Link

Bis auf die Mönche und Nonnen, die die Texte abschrieben und vielleicht den ein oder anderen christlichen Gebildeten, der sie lesen konnte, waren die Schriften aber für lange Zeit vergessen. Bis zu dem Tag – oder besser „dem Zeitraum“, als auf einmal ein neuer Wind durch das Denken vieler Köpfe wehte, als eine neue Epoche begann, die man gemeinhin als „Neuzeit“ bezeichnet.
Auch hier ist schwierig zu bestimmen, wann die Neuzeit denn nun eigentlich anfängt. Einige Eckdaten und Ereignisse werden häufiger für den Zeitraum des Beginnens benannt:

Eroberung von Konstantinopel 1453
Humanismus
Buchdruck 1450

Kopernikus` heliozentrisches Weltbild (Sonne im Zentrum, nicht Erde)
Entdeckung Amerikas 1492
Reformation 1517

Grob kann man sagen, dass die Neuzeit ab 1500 beginnt. (Womit das Mittelalter den Zeitraum von ca. 500-1500 umfasst.)

Eine tolle, grafische Übersicht über den Anteil von Literatur in Bibliotheken im Laufe der Zeit. Erinnert irgendwie ein wenig an einen Aktien-Chart. Hm. Sollte man jetzt noch kaufen? 😉 By Bibhistor at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

Ein anderer Begriff für eine etwas kleinere Zeiteinheit in dieser „Neuzeit“, eine Mini-Epoche sozusagen, war „Renaissance“ (dt. Wiedergeburt). Das, was wiedergeboren wurde, waren vor allem Erkenntnisse aus den Schriften der Antike.
Es fing an mit ein paar gelehrten Schriftstellern wie Petrarca, Dante und Boccaccio, die in ihren Werken auf antike Autoren Bezug nahmen. Es gibt auch die Meinung, dass die antiken Schriften die Neuzeit erst möglich machten. Mit der Zeit gewannen die alten Ideen nämlich an Bekanntheit und andere Autoren bemühten sich darum, ihrer habhaft zu werden. Man muss sagen, dass es eine Zeitlang wohl nichts tolleres gab als behaupten zu können, man habe in irgendeinem Kloster einen antiken Text wieder entdeckt. Durch den Buchdruck wurden die Schriften dann entsprechend verbreitet und erlangten eine immer größere Bekanntheit.

Petrarca. By nach einem Stahlstich, herausgegeben von Gustav Schauer Photographische Kunstanstalt, Grosse Friedrichs Str. 188 Berlin. – Carte de Visite – Foto 5,6 x 8,3 cm., Public Domain, Link

Dante. By Sandro Botticellitelegraphhttp://www.pileface.com/sollers/article.php3?id_article=312, Public Domain, Link

Boccaccio. By Engraved by Raffaello Sanzio Morghen (1758-1833) after Vincenzo Gozzini – The Best Portraits in Engraving at Project Gutenberg, Public Domain, Link

Es war Zufall und ist auch nicht bei jeder Abbildung der Fall, aber augenscheinlich haben alle diese Gelehrten einen Kranz auf dem Kopf. Damit nehmen sie (bzw. die Künstler, die die Bilder erstellt haben) möglicherweise Bezug auf den Gott Apollo. (Es gibt einen schönen Mythos, warum Apollo einen Kranz trägt. Den habe ich aber schon im Artikel über Apollo nicht verraten, da er Bestandteil meines Buches – Amor und Psyche – ist.)

Apollo, Gott des Lichts, der Weissagung und der (Schreib)Künste.
By maarjaara – originally posted to Flickr as Apollo with his laurel wreath, CC BY 2.0, Link

Nun gibt es, wie im Fall von Karl dem Großen, die Behauptung, dass die Antike in letzter Konsequenz eine Erfindung dieser Leute war, die die angeblich antiken Schriften in Klöstern wiederentdeckt haben. Theoretisch könnte man wirklich meinen, dass sich ein paar Gelehrte hingesetzt haben und „das alles“ erfanden, viele Bücher schrieben und als antik deklarierten. Wer weiß, vielleicht ist das in dem ein oder anderen Fall ja sogar so. 😉

Dante meditiert. Oben die Inschrift: Amor condusse noi ad una morte = Die Liebe verführte uns zu einem gemeinsamen Tod.
By Joseph Noel Patonhttp://www.liveinternet.ru/users/nadynrom/post74333253/comments#comment483390274, Public Domain, Link

Ich persönlich glaube übrigens nicht daran, dass „das alles“ nur erfunden sei. Es gibt ja neben den Schriftquellen genügend archäologische Zeugnisse (Ruinen usw.), die übrigens ab dem frühen 18. Jahrhundert „entdeckt“ und wissenschaftlich erforscht wurden. Diese Bauwerke kann man mittels verschiedener Techniken sehr genau datieren. Schwer vorstellbar, dass Menschen, die solche Bauten und Statuen erschufen, keinerlei Vorstellungen von Schrift, Kultur usw. gehabt haben.
Allerdings gehe ich davon aus, dass vieles von dem, was wir heute aus der Antike vermeintlich wissen, über die Jahrhunderte eine ziemliche Verfälschung abbekommen hat. Da wurde ganz sicher (je nach Zeitgeist), etwas hinzugedichtet oder weggelassen. Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass insbesondere Mythen oder „vollständige Geschichten“ noch immer einen Kern der damaligen Wahrheit – also des ursprünglichen Zeitgeistes – enthalten.
Wissen also, das die Zeiten überdauert.

By Luc-Olivier MersonArt Renewal Center, Public Domain, Link

Links zum Thema „Erfundene Antike“

http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/5276781/NeoChronologie_Ist-die-ganze-Antike-eine-Erfindung

Ist unsere Antike nur eine Erfindung der Rennaissancezeit?

https://zeitgeist-online.de/printausgabe/32-printausgabe/heft-nr-22-1-2004/431-das-altertum-eine-erfindung-der-renaissance.html

Und Karl der Große

https://www.stephan-matthiesen.de/texte-blog/geschichte/31-erfundenes-mittelalter-illig.html

https://www.welt.de/geschichte/article135827634/Hat-Karl-der-Grosse-wirklich-gelebt.html

Ovid

Heute geht es mal weniger um Mythen und Götter als vielmehr um einen Menschen, der vieles davon aufgeschrieben hat.

Sein Name war Publius Ovidius Naso und gerade bei letzterem Namen fragt man sich – zu Recht –, ob er ihn aufgrund seiner Nase bekommen hat.

Selfhtml By AuréolaOwn work, Public Domain, Link

Ovid wurde 43. v. Chr. in Sulmo (ca. 100 km entfernt von Rom) geboren, er starb – wahrscheinlich – im Jahr 17. n. Chr. in Tomis. Seine Eltern gehörten dem Ritterstand an und Ovid wurde eine klassische Ausbildung zuteil, die unter anderem auch Bildungsreisen nach Griechenland beinhalteten.
Eigentlich sollte er wohl eine eher politische Laufbahn einschlagen, aber die Liebe zu den Worten führte ihn schnell in den Autorenkreis rund um den reichen Kunstpatron Messalla (Marcus Valerius Messalla Corvinus).
Mit etwa 35 Jahren war er, nach der Veröffentlichung seines Werkes „Amores“ einer der meistgefeierten Dichter des antiken Roms.

Die Autoren damals schrieben nämlich keine Prosa sondern Verse, – also Dichtung. Diese Gedichte reimten sich aber nicht wie bei uns heute, sondern wurden in einer Art Singsang vorgetragen. Wie das klingt, kann man ganz wunderbar in diesem Video hören, das die lateinische Metrik (bzw. einen Teil davon, das sogenannte „elegische Distichon“) thematisiert. (Ich komm übrigens auch drin vor, -mit dem Käpppi der 10. Saturnalien. 🙂 )

Der Ganam-Style-Song thematisiert den Anfang der Amores, in dem Ovid beschreibt, dass er eigentlich im sogenannten Versmaß Hexameter dichten wollte – und zwar Kriegsgeschichten – , dann aber Cupido kam (also Amor) und ihm einfach einen Fuß vom letzten Vers geklaut habe. So entstand – laut Ovid – der Pentameter.
Hexameter und Pentameter ergeben im Wechsel das „elegische Distichon“, das typisch ist für die römische Liebeslyrik. – Danke Cupido! 😉

Ovids Werke haben die gesamte europäische Literatur irgendwie beeinflusst, darunter auch so berühmte Leute wie z.B. Shakespeare – man denke z.B. an den “Mitsommernachtstraum”. Auch sein Gönner Messalla wurde im 17. Jahrhundert noch auf der Giebelfassade des Palastes der polnischen Adelsfamilie Krasinski verewigt. Messalla war sowohl ein Förderer der Künste als auch jemand, der sich in der Politik und im Krieg hervorgetan hatte. Im Kreis um Messalla fanden sich so bekannte Persönlichkeiten wie Horaz (Carpe Diem) oder Tibull. Bevor Ovid ein berühmter Dichter wurde, befand sich das Römische Reich eigentlich permanent in irgendwelchen Aufständen und/oder Bürgerkriegen, die erst 31. v. Chr. in der Schlacht bei Actium ihr Ende fanden. Ovid war damals erst 12 Jahre alt.

Selfhtml Mittsommernachtstraum. By Fuseli, Henry, 1741-1825, artist. Simon, John Peter, 1764?–c.1810, engraver. – Library of Congress[1], Public Domain, Link

Selfhtml Messalla Relief. By MMOwn work (Original text: Self made photo), Public Domain, Link

Ovids Förderer Messalla war eigentlich ein Befürworter der Republik, also jemand, der sich für eine weitgehend demokratische Ordnung einsetzte und dafür kämpfte, allerdings wechselte er irgendwann die Seiten und unterstützte Kaiser Augustus, für den er auch den Titel „pater patriae“ (Vater des Vaterlandes) ersann.
Die, die damals miteinander kämpften, kann man grob in zwei Gruppen einteilen: die einen wollten mehr Mitbestimmungsrecht für das Volk (Populare), die anderen wollten die bestehenden politischen Institutionen so beibehalten (Optimaten). Raus kam dann, nach einigem Hin und Her, was ganz Neues.

Selfhtml Kaiser Augustus. By Alexander Z.Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Augustus war jemand, der sich in direkter Nachfolge von Gaius Iulius Caesar sah (er war auch sein Adoptivsohn). Er erfand das Kaiseramt sozusagen und erschuf damit eine Art Ehrenamt, um an seinen Adoptivvater zu erinnern (der Begriff Kaiser leitet sich ab von „Caesar“). Er machte es so: die Strukturen der Republik (Senat, Volksversammlung, Magistraten) ließ er bestehen, besetzte aber alles mit seinen eigenen Leuten. Es führt nicht zu weit zu behaupten, dass Augustus im Prinzip eine Diktatur errichtete.
Allerdings eine Diktatur, die – nachdem ein paar Köpfe rollten – den Römern eine lange Friedenszeit brachte. Man sprach schon damals von der sogenannten „pax augusta“, dem Augustusfrieden.

Selfhtml Augustusbogen in Rimini. Ältester erhaltener Triumphbogen, (ca. 27. v. Chr.) By Carole Raddato from FRANKFURT, Germany – Arch of Augustus at Ariminum, dedicated to the Emperor Augustus by the Roman Senate in 27 BC, the oldest Roman arch which survives, Rimini, Italy, CC BY-SA 2.0, Link

Ovid also blieb vom Krieg – anders als viele römische Autoren vor ihm – weitgehend verschont und konnte sich voll und ganz seinem literarischen Schaffen widmen. Zumindest bis zu dem Tag, als er mit dem Diktatorenkaiser aneinander geriet.

Zuvor jedoch hielt er sich nicht nur im Dichterkreis und Messalla auf, sondern es gab noch andere Autorengruppen in Rom, die unterschiedliche Förderer hatten, so auch jemanden mit dem Namen „Maecenas“ (Gaius Cilnius Maecenas, auch Mäcenas).  Sein Name hat die Jahrhunderte in etwas abgewandelter Form überdauert, nennt man doch noch heute einen Kunstförderer auch „Mäzen“. Maecenas war ebenfalls politisch unterwegs, kämpfte in vielen Schlachten und beriet dann in seinen letzten Lebensjahren den jungen Kaiser Augustus in politischen Fragen.

Kaiser Augustus ist übrigens der Kaiser, von dem auch in der Weihnachtsgeschichte die Rede ist, die man jedes Jahr in der Kirche hört, sofern aus dem Lukasevangelium vorgelesen wird. Ich zitiere:

„1 Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. 3 Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
4 Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger.“ (Lk 2, 1-5)

Selfhtml Allerdings dauert es von da an noch 300 Jahre, bis sich das Christentum in Rom etabliert. By Unknown Master, Bohemian (active around 1430 in Vyssi Brod)Web Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

Die Zeit um das Jahr 0 war also in vielerlei Hinsicht besonders. Historisch, politisch, religiös … und eben auch kulturell-künstlerisch. Das sieht man auch mit Blick auf folgende, die Zeit überdauernde, Zitate:

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. +++ Gut Ding will Weile haben. +++ Im Dunkeln ist gut munkeln. +++ Steter Tropfen höhlt den Stein. +++ Doppelt hält besser. +++ Gegen die Liebe ist kein Kraut gewachsen. +++ Wie du mir, so ich dir. +++ Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. +++ Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. +++ Jedes Ding hat zwei Seiten. +++ Aller Anfang ist schwer. +++ Einmal ist keinmal. +++ Man muß das Eisen schmieden, solange es heiß ist. +++ Was lange währt, wird endlich gut. +++ Nachts sind alle Katzen grau. +++ Von nichts kommt nichts. +++ Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind. Quelle: https://www.aphorismen.de/suche?f_autor=2850_Ovid (Seite 1ff.)

Ich war selber ein wenig überrascht, als ich es entdeckte, denn: alle diese – ich sage jetzt mal etwas salopp – „Binsenweisheiten“ stammen von Ovid. Wer bei Facebook ist, wird ein paar davon in den letzten Tage auf meiner Seite gelesen haben.

Die Sinnsprüche entstammen natürlich seinen literarischen Werken, die sich in drei relativ klar voneinander getrennte Phasen einteilen lassen, die sich sogar reimen: 1. Liebe, 2. Sage, 3. Klage.

Zur Liebesdichtung gehören die oben erwähnte „Amores“, darin geht es um Liebe und was dieses Gefühl mit einem macht, dann die „Ars Amatoria“, ein etwas praktischeres Werk – z.B. wie man ein Mädchen für sich gewinnt -, die „Remedia Amoris“, Heilmittel und Tipps gegen Liebeskummer, und auch solche lustigen Titel wie „De Medicamine Faciei“ – ein Buch über Schönheitsmittel. Er schreibt in dieser Phase auch fiktive Liebesbriefe antiker Heldinnen, z.B. Dido (Freundin von Aeneas), Penelope (Frau von Odysseus) und anderen … Ein Welt-Reporter betitelte Ovid jüngst als “Roms-Sex-Experten”, womit er vielleicht sogar Recht haben könnte. Ich verlinke euch den Artikel unten.

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By Kempffer – http://gso.gbv.de/, Public Domain, Link

Zur Sagendichtung gehörten vor allem die Metamorphosen, ein sehr großes, umfangreiches Werk mit vielen Bezügen zur Weltentstehung und Mythologie (aus dem ich übrigens auch für Amor und Psyche schöpfe) und die Fasti, – ein römischer Erklärtext zu den zahlreichen Feiertagen, inklusive mythischen Erläuterungen.

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Hier erschaffen Deukalion und Pyrrha nach einer Sintflut gerade neue Menschen. (Metamorphosen, Buch 1) By Scan by Hans jean paul gautier – http://www.latein-pagina.de/ovid_illustrationen/virgil_solis/buch1/vs1_11.htm (see main page), Public Domain, Link

In der letzten Phase, der Klagephase, schrieb Ovid angeblich aus seinem Exil in Tomis, wohin er von Augustus verbannt wurde. Angeblich, denn die neuere Forschung geht davon aus, dass diese Verbannung möglicherweise reine literarische Fiktion war, dass Ovid also gar nicht verbannt wurde.
In den Tristien (Tristia), beschreibt Ovid nämlich die Geschichte eines verbannten Dichters, der Geschichten schreibt. (Schon wieder so ein wenig mise-en-abym-mäßig hier.) Es finden sich auch traurige Briefe, in denen er wieder und wieder betont, wie sehr er Rom vermisst. – Aber ob er wirklich verbannt wurde, wird diskutiert.

Sollte es so gewesen sein, dann ist Ovid hier gelandet.

Konstanza, eine Stadt im heutigen Rumänien, hieß damals noch Tomis und liegt laut GoogleMaps 1709 Kilometer und 321 Stunden Fuß- und Schwimmweg von Rom entfernt. (Mit Schwimmen wahrscheinlich noch längern.)

Es wäre auf jeden Fall ein tragisches Schicksal gewesen, … fernab von Frau, Tochter, Enkelkind(ern), Freunden und der pulsierenden Metropole Rom.

Selfhtml Ovids Verbannung. Turner 1838. By J. M. W. Turner – The Athenaeum (http://www.the-athenaeum.org/art/detail.php?ID=21466), Public Domain, Link

Apropos Frau:
Ovid war drei Mal verheiratet.
In Bezug darauf und mit Blick auf sein Werk kann man wohl behaupten, dass er ein sehr lebensfroher und umtriebiger Mann gewesen sein muss, der auch nicht allzu viel auf Anstand und Moral gegeben hat.

In seinen Liebesbüchern ist immer wieder die Rede von Ehebruch und davon, dass das alles halb so wild sei, wenn man sich nur wirklich liebt. Die Texte, die Ovid schrieb, führten unter anderem auch dazu, dass im – doch eher prüden?- 16. Jahrhundert dieser recht freizügige Holzschnitt mit dem Titel „Ovid und Corinna“ erschien. Corinna ist die Liebste, um die das lyrische Ich (möglicherweise identisch mit Ovid?) in den Amores wirbt.

Selfhtml Public Domain, Link

Möglicherweise war also Ovids lockere Einstellung Augustus ein Dorn im Auge, der zur Zeit seiner Herrschaft die Ehegesetze verschärfte. Augustus führte nämlich eine „Ehepflicht“ ein. Alle Eheleute mit Kindern wurden begünstigt (zum Beispiel kamen sie schneller in wichtige Ämter). Wer nicht verheiratet war, musste Gebühren bezahlen. Grund dafür war, dass nur eheliche Kinder im Römischen Reich in der Armee tätig sein durften und Augustus brauchte zur Sicherung seiner Herrschaft frische Soldaten.

Was genau dann zur Verbannung von Ovid führte – so es denn geschehen ist – bleibt  vage. Mag sein, dass es (auch) an seinem freizügigen Schreiben lag, Ovid selbst deutet an, dass er etwas gesehen habe, das er nicht hätte sehen dürften.
Ungefähr zeitgleich mit Ovid wurde auch Julia, eine Enkelin von Augustus, verbannt, da sie Ehebruch begangen hatte. In diesem Zusammenhang ist auch von einer Verschwörung gegen den Kaiser die Rede, von der Ovid möglicherweise wusste. Trotz oder gerade wegen all seiner Liebeslyrik war Ovid jemand mit klaren Vorstellungen und ein guter Menschenkenner, was die abschließenden, eher unbekannten Zitate eventuell verdeutlichen:

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Wenn einer Geld hat, darf er so dumm sein, wie er will.
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Auch wenn es dich empört: Das unerlaubte Vergnügen macht Spaß.
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Das Geben erfordert Verstand.
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Aus schlaffem Bogen fliegt kein Pfeil.
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Die Last wird leicht, wenn mit Geschick man sie trägt.
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Was sich nicht abbürsten läßt, muß man abstreicheln.
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Einst waren Geist und Talent mehr wert als goldene Münze; nichts zu besitzen ist heute die größte Geschmacklosigkeit.
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An Versprechungen ist jeder so reich, wie er will.
+++
Entferne die Hoffnung aus dem Herzen des Menschen und du machst ihn zum wilden Tier.
+++

Heimlich und hastig entrinnt uns unbemerkt flüchtig das Leben – schneller ist nichts als die Jahre. Wir aber dachten, es wäre noch soviel Zeit.

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Gesetze wurden gemacht, damit der Stärkere seinen Willen nicht in allen Dingen durchsetzt.
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Wir loben die gute alte Zeit, leben aber gerne in der Gegenwart.
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Wenn Jupiter seine Blitze schleudern würde, sooft die Menschen sündigen, dann wäre er in kurzer Zeit ohne Waffen.
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Ein Schiffbrüchiger hat Angst auch vor ruhiger See.
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Die Realität hilft mir nicht immer, aber die Hoffnung.
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Der Arme liegt überall am Boden.
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Welches auch die Gaben sein mögen, mit denen du erfreuen kannst, erfreue.
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Es herrscht nun wahrlich das goldene Zeitalter, die meiste Ehre gehört dem Gold, mit Gold verschafft man sich Liebe.
+++
Es bleibt der Weg durch den Himmel; durch den Himmel zu gehen werden wir versuchen!
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Gib deinem leeren Geist eine Aufgabe, die ihn packe!
+++
Tugendhaft ist die Frau, die man noch nicht gefragt hat.
+++
Das arme Menschenherz muß stückweis’ brechen.
+++
Das ist Genuß, wenn zugleich Mann ihn empfindet und Weib.
+++
Es müssen sich nicht alle heiraten, die einmal zusammen gähnen.
+++
Erst mach dein Sach, dann lach.
+++
Gleiche Rechte, gleiche Pflichten.
+++
Mancher hat die Einsicht, aber keine Aussicht.
+++
An der einen Seite zieht mich die Liebe, an der anderen die Logik.
+++
Die Seelen kennen keinen Tod; so oft sie ihren Sitz verlassen,
nehmen neue Wohnungen sie auf.

Quelle: https://www.aphorismen.de/suche?f_autor=2850_Ovid (Seite 1ff.)

Weiterführende Links:

Ovid, der “Sex-Experte”: https://www.welt.de/geschichte/article155205238/Roms-Sex-Experte-stieg-sogar-Kaisers-Tochter-nach.html

2017 ist das 2000ste Todesjahr von Ovid. Daher möchte ich noch auf folgenden Artikel aufmerksam machen, der einen guten Einblick gibt in das Thema meines Blogbeitrages am nächsten Donnerstag: Woher kommt eigentlich das Wissen über die Antike?

http://www.sueddeutsche.de/kultur/jahre-wiederentdeckung-von-de-rerum-natura-feiert-lukrez-statt-luther-1.3723464

Folgende Blogbeiträge des Lehmofens streifen Ovid:

https://lehmofen.wordpress.com/2017/10/12/kybele/

https://lehmofen.wordpress.com/2017/09/21/cardea/ (!!!)

 

Die Lupercalien

Bereits ein paar Tage vor dem Fest der Bacchanalien, nämlich am 15. Februar, feierten die Römer die sogenannten Lupercalien, ein Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest.

Die Feier fand statt in einer Art Grotte/Höhle – einem sogenannten „Lupercal“- auf dem/in dem römischen Hügel Palatin, von dem man aber heute nicht mehr genau weiß, wo es sich befand und wie es aussah. Allerdings könnte es Ähnlichkeiten mit diesem Gebilde hier, einem Nymphäum, gehabt haben, wobei es wahrscheinlich noch tiefer im Gestein verborgen war.

SelfhtmlCC BY-SA 3.0, Link

Möglicherweise handelt es sich bei dieser im Jahr 2007 entdeckten, reich geschmückten Höhle um das Lupercal, – das ist aber noch nicht abschließend erforscht.

SelfhtmlFair use, Link

Im Begriff Lupercalien steckt das lateinische Wort Lupa, zu Deutsch: „Wölfin“ (bzw. lupus = Wolf). Die Wölfin hatte für Rom eine besondere mythische Bedeutung, war sie doch das Tier, das den Gründer der Stadt Romulus gesäugt hatte, – und natürlich auch seinen später unwichtigen, da ermordet-toten Zwillingsbruder Remus.

Selfhtml Romulus und Remus und die Wölfin. By Benutzer:Wolpertinger on WP de – Own book scan from Emmanuel Müller-Baden (dir.), Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens, I, Deutsches Verlaghaus Bong & Co, Berlin-Leipzig-Wien-Stuttgart, 1904. Image copied from de:Bild:Kapitolinische-woelfin 1b-640×480.jpg, Public Domain, Link

Der Ablauf des Festes begann mit verschiedenen Bocksopfern, deren Blut und Fell von jungen, lachenden Männern benutzt wurden, die sich in einer Zeremonie – ausgeführt durch den sogenannten „flamen dialis“ (Jupiter/Zeus Oberpriester) und den Vestalinnen (Priesterinnen der Göttin Vesta)- damit bemalten und bekleideten (blutiger Lendenschurz … nun ja) und durch die römischen Straßen zogen. Dabei stellten sich ihnen gerne verheiratete Frauen in den Weg und ließen sich von sogenannten „Fellriemen“ (also abgeschnittenen, dünnstreifigen Teilen der frisch gehäuteten Böcke) auf die Hände schlagen, da dies angeblich Glück in der Ehe brachte.
Man fragt sich, was für eine Crux diese Ehe sein muss, wenn einem nur gehäutete Schafsbockriemen dabei Glück bringen können. 😉

SelfhtmlBy Andrea Camasseihttp://www.museodelprado.es/imagen/alta_resolucion/P00122.jpg, Public Domain, Link

Ein „Bock“ ist übrigens per definitionem das männliche Tier von Ziege, Schaf und/oder Reh. – Bei den Lupercalien wurden aller Wahrscheinlichkeit nach Ziegen geopfert.

Das Fest war wohl ein sehr beliebtes Spektakel bei den Römern, denn es konnte erst im 5. Jahrhundert nach Christus – als letztes heidnisches Fest – von der christlichen Kirche (die sich ab dem 3. Jahrhundert in Rom etablierte) verboten werden.

Die Lupercalien hatten, wie kann es anders sein, einen antiken Vorläufer in Griechenland, die sogenannten Lykaien, von lykos = Wolf. Es gibt noch heute den Berg/Hügel, auf dem sie angeblich stattgefunden haben, den Berg Lykaion in Arkadien, – natürlich in Griechenland lokalisiert.

SelfhtmlBy Danno1Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Über die Lykaien weiß man noch weniger als über die Lupercalien. Es ist auf jeden Fall die Rede von Kannibalismus und jungen „Werwolf“-Männern, und auch  – laut Platon – von Menschenopfern.

Das Fest der Lykaien geht zurück auf einen Mythos, der von einer kannibalistischen Opferungsgeschichte handelt, von der mehrere Varianten vorliegen.

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By Hendrik Goltziushttp://instruct1.cit.cornell.edu/courses/shum404/gallery.htm, Public Domain, Link

Wie man auf dem Bild sehen kann, geht es ums Essen (Tisch), um die Verwandlung in einen Wolf (ganz rechts) und um Zeus/Jupiter, den Göttervater, (ganz links). In allen überlieferten Varianten setzt Lycaon, König der Arkadier, den Göttern Menschenfleisch zum Essen vor und denkt, sie merken es nicht. Tun sie aber doch und dafür wird Lykaon zur Strafe in einen Wolf verwandelt. In manchen Varianten ist das Essen sogar sein eigener Sohn, in manchen Varianten der Sohn von Zeus/Jupiter und Kallisto – ein junger Bursch´ namens Arcas.

Die Geschichte dieses Jungen namens Arcas verdient ebenfalls eine nähere Betrachtung.

Selfhtml By Peter Paul RubensOwn work, Elinore, 2015-07-09 00:11:01, Public Domain, Link

Auf diesem Bild sehen wir zwei Frauen: Kallisto und … Jupiter.
Jupiter hatte sich in eine Frau verwandelt, um Kallisto zu verführen. Die gehörte nämlich zur Nymphenschar von Diana und war so gar nicht interessiert an Männern. Allerdings mochte sie Diana wohl ganz gerne, so dass Jupiter sich entschied, ihr in dieser Gestalt zu begegnen und so auch erfolgreich bei seinen Annäherungsversuchen war.
Beide bekommen dann ein Kind, den bereits erwähnten Arkas, was der Vater von Kallisto – namentlich unser wolfiger Lykaon – dann Jupiter ins Essen mixt. (In dieser Version also Jupiters Kind und Lykaons Enkel.)
Lykaion wird dann, wie gesagt, zur Strafe in einen Wolf verwandelt, Arkas allerdings wird von Jupiter wieder zum Leben erweckt und entwickelt sich zu einem geschickten Jäger.
Allerdings jagt er eines Tages seine eigene Mutter Kallisto, die zuvor von Juno/Hera (der Ehefrau Jupiters/Zeus´) aus Eifersucht in einen Bären verwandelt wurde.
Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, setzt Jupiter sowohl Arkas als auch Kallisto als Sternenbild an den Nachthimmel, und dort sind sie noch heute.

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Von Till CrednerEigenes Werk: AlltheSky.com, CC BY-SA 3.0, Link

Die Indianer sahen in dem Sternbild übrigens ebenfalls einen Bären, die Kirgisen einen bzw. mehrere Wölfe. Im Alten Ägypten war das Sternbild als „Schenkel des Seth“, Gott des Chaos und Verderbens, bekannt.

Interessant ist an dieser Stelle ein Blick in den ägyptischen Mythos von Seth. Es ist nämlich eine Kampfgeschichte: Horus (Lichtgott) gegen Seth (Onkel von Horus), ein Motiv (Götterkampf), das wir im Ansatz schon im Beitrag über Saturn kennegelernt haben. Die Geschichte hat als Motiv u.a. auch Homosexualität (gerade thematisiert bei Jupiter-Kallisto/Sternbild) und einige sehr verwirrende Elemente. Ich zitiere:

„Horus fing jedoch den Samen des Seth auf und brachte ihn seiner Mutter Isis. Diese schnitt ihm daraufhin die Hand ab und warf sie ins Wasser. Doch anschließend ließ Isis die Hand des Horus wieder nachwachsen und benutzte nunmehr den Samen des Horus für eine List, in dem sie ihn auf die Lattiche goss, die Seth täglich aß. Dadurch wurde Seth nun unwissentlich geschwängert.“ Quelle

(Ich kenn ja ein paar krude Mythen, aber WHAT THE FUCK?????) 🙂

Selfhtml Seth. By NeithsabesOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Die Lupercalien als Fest bezogen sich auch auf eine Gottheit, nämlich den Gott Faunus, der für Natur, Hirten, Bauern und Äcker verantwortlich war.
Faunus Gattin Fauna wird bisweilen mit Bona Dea identifiziert. Faunus selbst galt als „Wolfsabwehrer“, später wurde er dann zu einer Art lüstern-charmantem Waldgreis – ähnlich einem Satyr. Im Griechischen entspricht ihm Pan.

Selfhtml Pan. By Arnold Böcklin – 1. artonline.it2. echos-de-mon-grenier.blogspot.de, Public Domain, Link

SelfhtmlBy Annibale CarraccinAHM7NeACl7Xpg at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Übrigens, der oben erwähnte Lykaion (der König, der Kinder verfüttert und dann in einen Wolf verwandelt wird), ist der Sohn von König Pelasgos, der in manchen antiken Quellen gar als eine Art „Adam“ (bzw. erster Mensch) daher kommt.
König Pelasgos hat den Menschen angeblich die Landwirtschaft beigebracht und sie davon überzeugt nur gesundes Zeug zu essen. Außerdem gibt es ein Stück von Aischylos über ihn, das wie ein Spiegelbild zum „Raub der Sabinerinnen“ wirkt, zumindest, wenn man dem grundlegenden Erzählstrang folgt.
Die Sabinerinnen, wir erinnern uns, wurden von den Römern so mehr oder weniger gekidnappt, weil sie gerne auch ein paar Frauen und nicht nur Krieger sein wollten.

Aischylos nun schreibt (noch zeitlich vor der Geschichte mit den Sabinerinnen übrigens) ein Stück mit dem Namen „Danaiden“ oder „Die Schutzflehenden“.

SelfhtmlBy Auguste Rodin, French, 1840 – 1917.Own work by Ad Meskens., CC BY-SA 3.0, Link

Die Danaiden kommen zu König Pelasgos, oder besser gesagt, sie fliehen vor einer Zwangsheirat mit ihren Vettern. König Pelasgos ist hin und hergerissen zwischen der Gefahr eines Krieges und seinem Gewissen, denn er müsste „Schutzflehenden“ eigentlich Gastfreundschaft und Schutz anbieten. Sofern ich die Geschichte richtig verstanden habe, erhalten die Danaiden am Ende der Erzählung diesen Schutz.

Aber.

Was ein wenig verrückt anmutet ist Folgendes.
Es gibt einen sehr alten Ausdruck namens „Danaiden-Arbeit“. Der eine sehr anspruchsvolle und mühevolle (und sinnlose) Arbeit bezeichnet, wie zum Beispiel die auf dem Bild unten gezeigte: Wasser in einen hohlen Kessel schütten.
Wie passt das mit der Geschichte von Aischylos zusammen?

Selfhtml Waterhouse, The Danaids. Von John William Waterhousehttp://www.art-reproductions.net/images/Artists/James-Waterhouse/The-Danaides.jpg, Gemeinfrei, Link

Die Autoren, auf die die etwas andere Art der Danaiden-Geschichte zurückgeht, sind ein wenig jünger als Aischylos.
Auffällig ist, dass diese jüngeren Autoren die Danaiden als Mörderinnen ihrer Ehemänner darstellen, die dann ebenfalls nach Griechenland fliehen, aber zur Strafe im Tartaros Wasser in hohle Kessel füllen müssen.

Selfhtml Die Danaiden töten ihre Männer. By Robinet Testardhttp://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10532597d/f346.item, Public Domain, Link

Besonders spannend wird es, wenn man sich bei diesen Autoren die Namen der – angeblich – 50 Danaiden durchliest. Darunter sind nämlich so bekannte Namen wie Kleopatra, Philomela, Skylla … (gut, manche sind nicht sooo bekannt, aber für Antike-Kenner durchaus mal schon so vom Hörensagen zumindest). 😉
Ich belasse es aber erstmal dabei, der Artikel dreht sich ja um das schöne Wolfsfest.

Selfhtml Evander. By Published by Guillaume Rouille (1518?-1589) – “Promptuarii Iconum Insigniorum”, Public Domain, Link

Evander (Euandros; Evander von Pallantion (Stadt)), war ein Königssohn aus Arkadien, dem in manchen Mythen sogar göttliche Abstammung zuteil wird (Sohn von Hermes/Merkur, Botengott und der Nymphe, bzw. späteren Göttin Carmenta (carmen, inis n. = Gedicht)). Einige Quellen nennen ihn auch als (Mit)Gründer der Stadt Rom, die ja heute noch einen Hügel hat (Palatin), der augenscheinlich Ähnlichkeit mit dem Namen und der Herkunft Evanders aufweist (siehe: “Pallantion”).
Darin steckt etymologisch ein und dasselbe, mythisch sehr faszinierende, Wort, vermute ich zumindest, nämlich: „PALLAS“. Das wiederum bedeutet „Kriegerin“ und ist auch in “Pallas Athene” enthalten.

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By Bartholomeus Spranger[1], Public Domain, Link

Pallas und Athene waren ursprünglich zwei voneinander unterschiedene Geschöpfe.
Sie mochten sich und kämpften bzw. übten ab und zu miteinander, was Jupiter/Zeus (der Vater von Athene) in große Sorge versetzte. Er entschied sich, seine Tochter zu schützen und griff in den Kampf ein – und zwar mit einem Ziegenfell, also ein Bocksfell, wie es bei den Lupercalien zerschnitten wurde(!) -, das über einen Schild gespannt war.
Diesen Schild nannte man “die Aigis” und er wurde häufiger dafür verwendet, wenn die Götter jemanden schützen wollten. – Vom Motiv „Schutz“ war ja auch bei den Danaiden schon die Rede.
Bei Pallas und Athene erwies sich dieser Schutz aber als nutzlos. Pallas starb und seither trägt Athene ihren Namen.

In vielen Quellen gilt Evander als Stifter und Gründer der Lupercalien. Der damalige König Faunus (ist die Namensgleichheit mit dem Gott Faunus ein Zufall?) hatte Evander das Gebiet des Palatin geschenkt, auf dem er dann seine Stadt gründete. Das alles soll übrigens einige Jahrzehnte vor dem Trojanischen Krieg geschehen sein.

Selfhtml Carmenta. Von Published by Guillaume Rouille (1518?-1589) – “Promptuarii Iconum Insigniorum”, Gemeinfrei, Link

Über Evanders Frau (bzw. Mutter, wie sie in einigen Quellen auch bezeichnet wird) kann man folgendes lesen:

„Die römischen Frauen feierten ihr zu Ehren am 11. und 15. Januar das Fest der Carmentalia. In der Nähe der nach ihr benannten porta Carmentalis befanden sich zwei Altäre, an denen ihr geopfert wurde. Der jüngere dieser Altäre wurde gestiftet, nachdem den Matronen seitens des Senatsdie Benutzung von Wagen (carpenta)verboten worden war. Sie reagierten mit Entzug des ehelichen Geschlechtsverkehrs, bis das Verbot wieder aufgehoben wurde. In der Folge kam es zu einem reichen Kindersegen, für den die Frauen zu Ehren der Carmenta einen Altar errichteten.
Der spätere Mythos machte sie zur Mutter des Euandros und sie wurde mit dessen anderen Müttern gleichgesetzt, mit Themis und Tyburs, der Stadtgöttin von Tibur, vor allem aber mit Nicostrata (altgriechischΝικοστράτη Nikostrátē). Nur Plutarch sah sie als Gattin des Euandros. Als dessen Mutter wurde Carmenta in die Legendenbildung um die Gründung Roms aufgenommen. Sie soll mit Euandros den Palatin erstiegen haben. Dabei kam ihr die Vision der späteren Stadt Rom. Als sie ein Alter von 110 Jahren erreicht hatte, soll ihr Sohn sie getötet haben. Unterhalb des Kapitols errichtete er ihr den ersten Altar.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carmenta

In dieser Erzählung liegen bekannte Motive vor: „Kein Sex (wenn Krieg)“, kennt man schon aus Aristophanes noch heute gerne aufgeführtem Stück Lysistrata.
Der Muttermord ist vor allem ein Motiv in Aischylos´ Orestie. … Es wäre interessant, darüber nachzudenken, warum diese Mythen sich gerade in diesem Mythos wiederfinden, zumal es ja auch gerade bei Arkas um einen beinahe Muttermord geht, der von Jupiter durch die Erschaffung eines Sternbilds verhindert wird.

Historisch betrachtet lösten die Lupercalien die sogenannten Februalien/Februalia ab, ein wahrscheinlich noch älteres Reinigungsfest. Der Name unseres Monats Februar geht  darauf zurück.
Es ist fraglich, ob die Lupercalien auch etwas mit dem Valentinstag zu tun haben könnten. Zeitlich liegen/lagen beide Termine fast auf demselben Tag, zum Valentinstag ist allerdings zu sagen, dass dieser auf einen christlichen Bischof in Rom zurückgeht, der trotz des Verbotes (das Christentum war ja erst ab dem 3. Jahrhundert offiziell Staatsreligion und vorher wurden Christen in Rom verfolgt und getötet) christliche Liebespaare verheiratete.
Eine mögliche Verbindung könnte darin bestehen, dass auch bei den Lupercalien für „Glück in der Liebe/Ehe“ gesorgt wurde, durch eben diese abgeschnittenen und zerteilen Bocksfellriemen.
Gibt es eine schönere Art, seine Liebe zu zeigen??? 🙂

Die Bacchanalien

Bevor es ans Schreiben bzw. Lesen geht, erst einmal ein paar Bilder zur Einstimmung.

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By Pierre MignardCoyau, 25 March 2011, Public Domain, Link

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By Frederick William Macmonnies – Brooklyn Museum, No restrictions, Link

SelfhtmlBy JamesMacMillanOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

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By Annibale CarracciWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

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By François Boucher (1703–1770)http://www.sothebys.com/en/auctions/ecatalogue/2013/old-master-paintings-n08952/lot.91.html, Public Domain, Link

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By Roland zhOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

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By Roland zhOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Wie man gut erkennen kann, waren die Baccanalien ein rauschendes Fest, das im antiken Rom im März gefeiert wurde, wahrscheinlich auch in Zusammenhang mit verschiedenen anderen Festen, die den Beginn des Frühlings zelebrierten.
Die Bacchanalien haben ihren Namen vom römischen Weingott Bacchus und ein griechisches Pendant, nämlich die Dionysien, vom griechischen Weingott Dionysus.

Während des Festes gab es in Athen einen großen, von verschiedenen Musikern begleiteten, Umzug, bei dem ein riesiger Phallus (repräsentativ für Dionysus) durch die Stadt getragen wurde. An den darauffolgenden zwei Tagen wurden zunächst Tragödien und dann Komödien im Dionysus-Theater aufgeführt. Dabei wurden auch Sieger ermittelt, je nachdem, auf welchen Autoren die Gunst der ausgelosten Richter fiel.

Selfhtml Das Dionysustheater. Von From the German 1891 encyclopedia Joseph Kürschner (editor): “Pierers Konversationslexikon”. Pierers Konversationslexikon. Siebente Auflage. Mit Universal-Sprachen-Lexikon nach Prof. Joseph Kürschners System. Union. (published by) Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, 1891. herausgegeben von (edited by) Joseph Kürschner. – Wikified and scanned by —Immanuel Giel 12:02, 20 May 2005 (UTC), Gemeinfrei, Link

Unter den Siegern waren so bekannte Autoren wie Sophokles und Aischylos oder Aristophanes. Einige der Stücke findet man in sehr ähnlicher oder abgewandelter Form auch in der modernen Literatur wieder. So hat Beispielsweise Goethe ein Stück namens „Iphigenie auf Tauris“ geschrieben, das auf den griechischen Autor Euripides zurückgeht.

SelfhtmlBy Bertholet Flemallehttp://www.culture.gouv.fr/public/mistral/joconde_fr?ACTION=RETROUVER_TITLE&FIELD_5=REPR&VALUE_5=DIANE&GRP=1&SPEC=5&SYN=1&IMLY=&MAX1=1&MAX2=1&MAX3=100&REQ=%28%28DIANE%29%20%3aREPR%20%29&DOM=All&USRNAME=nobody&USRPWD=4%24%2534P, 2012-07-17, Public Domain, Link

In dieser Erzählung geht es um die Opferung von Iphigenie, die – um den trojanischen Krieg zu gewinnen – für ihr Vaterland (Griechenland) geopfert werden soll, und zwar der Göttin Diana.
Es fällt auf, dass es solche Opfer-Geschichten auch in der Bibel (Altes Testament) gibt, wenngleich in einer anderen Beziehungskonstellation (Vater-Sohn) und aus einem anderen Grund (Vertrauen).

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By workshop of RembrandtMrArifnajafov (Privatarchiv Foto von MrArifnajafov fotografiert), Public Domain, Link

Zum Glück retten in beiden Varianten die Götter die potentiellen Opfer!

Auch psychologische Erkrankungen werden in den griechischen Tragödien, die damals bei den Dionysien aufgeführt wurden, schon benannt, z.B. der Oedipus-Komplex im Stück „König Oedipus“ von Sophokles.

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By Bénigne Gagneraux – Nationalmuseum, Stockholm, Public Domain, Link

Oedipus ist jemand, der nichtsahnend seine Mutter heiratet und seinen Vater tötet und sich darüber dann aus Verzweiflung die Augen aussticht. Den Kindern, die er mit seiner Mutter gezeugt hat, ergeht es auch sehr tragisch (z.B. Antigone).
Bachhofen, ein Gelehrter aus dem 19. Jahrhundert, wollte insbesondere in der Geschichte der Antigone die mythische Verarbeitung der gesellschaftlichen Veränderung vom Matriarchat zum Patriarchat sehen. Die Geschichte in Kurzform: Antigone hat Probleme mit ihrem Onkel Kreon, der ihr nicht gestatte will, ihren Bruder zu bestatten, der im Krieg (gegen seinen Bruder) umgekommen war.
Bachhofen schreibt nun davon, dass diese „kriegerischen“ und „staatlichen“ Elemente (Krieg, König, Verbot der Beerdigung) etwas „Neues“ und „Partriarchales“ seien, da es in einer Gesellschaft, in der die Frauen frei entscheiden, von wem sie wann Kinder bekommen, eigentlich nur Geschwister gebe.
Na, ich finde es auf jeden Fall ganz erstaunlich, dass solche Aussagen von einem Gelehrten des 19. Jahrhundert stammen, wo doch tendenziell eher der Tenor von Weibern und Peitschen schwang. 😉
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipus#Aufnahme_des_Mythos_in_Psychoanalyse_und_Philosophie

Es gab darüber hinaus auch Stücke, die – das wird jetzt ein bisschen Mise en abyme hier- 😉 bei den Dionysien aufgeführt wurden und das Thema des heutigen Beitrags behandeln, so zum Beispiel „Die Bakchen“ von Euripides.

Selfhtml So sah er vermutlich aus, der gute Euripides. By Marie-Lan Nguyen (2006), Public Domain, Link

„Die Bakchen“ ist eine Tragödie und darin geht es eher drastisch zur Sache.

Die Geschichte:
Dionysus, der Gott des Weines und der Freude, kehrt in seine Heimatstadt Theben zurück, doch der dort ansässige König Pentheus will ihn nicht empfangen und verehren, sondern ganz im Gegenteil, er will Krieg gegen ihn führen.
Frauen begleiten und feiern mit Dionysus auf einem Berg in der Nähe der Stadt, Pentheus wird neugierig und schleicht sich (auf Rat von Dionysus) als Frau verkleidet auf die Party.
Dummerweise kriegen die Frauen aber mit, dass sich ein Mann unter ihnen befindet und dummerweise finden die das – in ihrer göttlichen und berauschten Stimmung – gar nicht gut und zerreißen ihn.
Besonders makaber ist, dass sich unter den feiernden Frauen sogar die Mutter von Pentheus, Agaue, befindet, die ihren Sohn aber nicht erkennt und ihm daher auch nicht hilft.

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By UnknownJastrow (2007), Public Domain, Link

In den „Bakchen“ findet man, – einer modernen Interpretation zufolge – ebenfalls die Auseinandersetzung mit dem „wilden, unstaatlichen Leben“. Quelle: Louise Bruit Zaidman / Pauline Schmitt Pantel: Die Religion der Griechen. Kult und Mythos. Beck Verlag, München 1994. S. 178.

Ein ganz ähnliches Todesschicksal wie Pentheus erleidet übrigens Orpheus, der als bester Musiker der Antike galt und um den sich verschiedene Erzählungen ranken. Angeblich hat er so gut gespielt, dass sogar die wilden Tiere kamen, um seiner Musik zuzuhören.

Selfhtml By Jacob HoefnageltgFGkixo83eXkQ at Google Cultural Institute, zoom level maximum, Public Domain, Link

Bekannt ist die Geschichte von Orpheus und Eurydike, in der der Sänger seine verstorbene Liebste aus der Unterwelt geleiten darf, weil er den Gott des Todes mit seinem Gesang so sehr berührt, dass der sich ausnahmsweise mal entschließt, von seinem Credo “Niemand kommt hier wieder raus” abzuweichen. Die einzige Bedingung, die Orpheus einhalten muss ist, dass er der Liebsten voranschreitet und sich nicht umdrehen darf. Leider tut er es kurz vor Ende des Aufstiegs dann doch und sie verschwindet zurück in Staub und Schatten.

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By Urheber: Erich SchicklingNutzungsrechtinhaberin: Erich-Schickling-Stiftung – Erich Schickling, CC BY-SA 4.0, Link

Es gibt eine interessante historische Verbindung zwischen Orpheus und Dionysus. Orpheus war der Sohn von der Muse Kalliope und einem Flussgott (oder Apollo). Historisch betrachtet gab es in der Antike tatsächlich einen „echten“ Kult um ihn, einen sogenannten Mysterienkult, genauso wie es auch für die Götter Bacchus/Dionysus zutraf, – von ihrem Fest ist hier die Rede. Die Orphiker, wie die Anhänger von Orpheus hießen, waren wahrscheinlich jüngeren Datums und haben sich möglicherweise als eine Art Gegenbewegung zum Bacchus-Kult gegründet.

Bei ihnen ging es um die Unsterblichkeit der Seele und in erhaltenen “orphischen Schriften”  ist oft von der Entstehung der Erde die Rede.
In der Spätantike (nach der Entstehung des Christentums), gibt es dann auch die theologische Verbindung von Orpheus und Jesus. Orpheus wird durch seinen Gang in die Unterwelt als so eine Art „Vor“Jesus angesehen. Man kennt diesen Erzählstrang aber auch schon aus den ganz alten Mythen, z.B.  Inanna und Dumuzi.

In den orphischen Schriften kann man dann auch (noch mal) etwas über die antike Vorstellung der Weltentstehung lesen, inklusive „orphischem Ei“ und Dionysus. Ich zitiere:

„In [einem] Überlieferungszweig erscheint die Zeit (Chronos) als das Prinzip, das den Ursprung von allem bildet. Chronos bringt zunächst zwei Prinzipien hervor, Aither und Chaos. Die zweite Phase der kosmischen Geschichte beginnt mit der Entstehung des silbrig glänzenden Welteis, das Chronos im Aither erschafft. Aus dem Weltei wird der geflügelte Lichtgott Phanesgeboren. Phanes ist eine Hauptgottheit der Orphiker, außerhalb orphischer Kreise scheint er nicht verehrt worden zu sein. Er wird in der spätantiken, vielleicht auch schon in der frühen Orphik mit Eros gleichgesetzt. Seine Gefährtin ist Nyx, die Nacht; ihr vertraut er sein Szepter an. Nyx gebiert den Gott Uranos, der als nächster die Welt regiert. Dies ist die dritte Phase. Uranos wird von seinem Sohn Kronos gestürzt; dieser Machtwechsel leitet die vierte Phase ein. Auf Kronos folgt Zeus, dessen Regierung die fünfte Phase bildet. Zeus verschlingt Phanes, womit er sich dessen gesamte Kraft und Macht aneignet. Mit seiner Mutter zeugt er die Tochter Persephone, mit Persephone den Sohn Dionysos. Später überlässt Zeus die Herrschaft dem noch kindlichen Dionysos, womit die sechste Phase beginnt. Gegen Dionysos stachelt Hera, die eifersüchtige Gattin des Zeus, die Titanen auf. Die Titanen locken Dionysos in eine Falle, töten und zerstückeln ihn. Dann kochen sie seinen Leichnam und beginnen ihn zu verzehren, wodurch sie etwas von seinem Wesen in sich aufnehmen. Zeus überrascht die Mörder jedoch und verbrennt sie mit seinem Blitz zu Asche. Aus der Asche, in der Titanisches mit Dionysischem gemischt ist, steigt Rauch auf und es bildet sich Ruß; daraus erschafft Zeus das Menschengeschlecht. Damit erklärt eine Variante des Mythos die Ambivalenz der menschlichen Natur, die zwei gegensätzliche Tendenzen aufweist: einerseits einen zerstörerischen, titanischen Zug, der zur Rebellion gegen die göttliche Ordnung anstachelt, andererseits aber auch ein dionysisches Element, das zum Göttlichen hinführt. Apollon sammelt die Stücke von Dionysos’ Leichnam ein, Athene bringt sein intaktes Herz zu Zeus, der nunmehr den Ermordeten zu neuem Leben erweckt.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Orphiker#cite_ref-15

In dieser Erklärung zur Weltentstehung sind viele Elemente der bekannten Autoren Hesiod, Homer u.a. enthalten, aber Damaskios, auf den der Text zurückgeht, hat sich im 5. Jahrhundert nach Christus, als er den Text schrieb, auch ein paar Dinge dazu gedacht und damit eine eigene Deutung geschaffen: Weltentstehung auf Grundlage des dionysischen und titanischen Prinzips, womit sich wieder so ein schöner Dualismus findet, auf den ich bei meinen ersten Beiträgen im August schon einmal hingewiesen hatte.

In einer anderen der orphischen Schrift heißt es laut Damaskios: „[Anfangs gab es] zwei Prinzipien, das Wasser als Prinzip der Zerstreuung und die Erde als Prinzip der Zusammenfügung. Aus ihnen ist als drittes Prinzip ein Drache hervorgegangen, der zugleich den Namen des nicht alternden Chronos (Zeit) und des Herakles trägt. Dieses Wesen trägt Flügel auf den Schultern und ist dreiköpfig; neben einem Stier- und einem Löwenkopf hat es in der Mitte einen göttlichen. Seine Gefährtin ist Ananke, die weltumfassende Notwendigkeit. Chronos ist der Vater von Aither und Chaos. Später erzeugt Chronos aus Aither, Chaos und Erebos (der Finsternis) das Weltei.“ Quelle: ebd.

Selbstverständlich gibt es noch ein paar andere Varianten, wie die Welt entstanden sein soll – und das nur bei den Orphikern! Wer soll da denn noch wissen, was richtig ist? 🙂

Gerade mit Blick auf die erste Ausdeutung zur Weltentstehung wundert es mich übrigens, dass man an vielen Stellen lesen kann, Bacchus/Dionysus und Orpheus wären voneinander getrennte Kulte gewesen. Vielleicht hatten sie ja doch mehr gemeinsam, als bisher bekannt ist?
Den Orphikern wird auf jeden Fall abseits der Hymnen nachgesagt, dass sie streng vegetarisch lebten und selbst Eier (Kosmisches Ei) bei ihnen Tabu waren. Ein hoher Anteil Orphiker war weiblich. Alkohol war wohl zumindest in der Anfangszeit noch erlaubt. Der Kult existierte etwa vom 5. Jh. v. Chr. bis zum 5. Jh. n. Chr., aber auch in den Jahrhunderten danach ist immer mal wieder von Orpheus – und seiner Verbindung mit Jesus – die Rede.

Selfhtml Orpheus. By Gustave Surand – http://www.mutualart.com/Artist/Gustave-Surand/640C684E1ED61D52/AuctionResults, Public Domain, Link

Die Bacchanalien als Fest in Rom waren wie die Dionysien in Athen ebenfalls ein Frühlingsfest, die mit der Zeit aber eine Ausweitung erfuhren und zum Teil mehrere Nächte jeden Monat zelebriert wurden.
Der englischspachige Wikipedia-Artikel über die „Bacchanalia“ ist wirklich sehr gut und ausführlich. Unter Bezug auf Livius, einem römischen Historiker, kann man hier allerhand über die Bacchanalien erfahren. Beispielsweise sollen sie aus Griechenland stammen, zunächst ein eher moderates Fest gewesen sein, dem dann aber Wein hinzugefügt wurde. Meistens waren mehr Frauen anwesend als Männer und angeblich gab es keine Unterschiede, was die soziale Stellung der Mitglieder anbelangte. Die religiösen Praktiken dort waren wohl auch sexueller Natur, Livius schreibt auch von missbräuchlichen Geschehnissen.
Bacchus wurde bei diesen Feiern mit dem Liber Pater identifiziert, der einen Tempel auf dem Aventin besaß und als Gott für das einfache Volk galt (er teilte sich den Tempel u.a. mit Ceres).

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By Published by Guillaume Rouille (1518?-1589) – “Promptuarii Iconum Insigniorum”, Public Domain, Link

Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde dieser Kult dann stark eingeschränkt durch den „Senatus consultum de Bacchanalibus“, wahrscheinlich, weil die Feiern sich nach und nach ausweiteten und in ganz Rom verbreiteten und damit in Konkurrenz zur römischen Religion/Priesterschaft standen.
4000 Menschen wurden zum Tode verurteilt, darunter vor allem führende Priester und Priesterinnen des Kultes.
Man beachte, dass Livius lange nach diesem Verbot und den Ereignissen, nämlich erst im 1. Jh. v. Chr. schrieb. – Wer also weiß, was richtig ist.

Selfhtml Bacchus/Dionysus tröstet Ariadne. By Alessandro TurchiWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

Ihren Ursprung haben die römischen Bacchanalien wahrscheinlich in den Dionysischen Feiern, von denen oben weiter die Rede war.

Wer sich für die mythische Geschichte von Bacchus/Dionysus interessiert, dem sei an dieser Stelle die unten angehängte, sehr gute, gut gemachte und interessante Aufarbeitung von Arte empfohlen. Dionysus/Bacchus ist übrigens auch der Gott, der dafür sorgt, dass die verlassene Ariadne (Theseus, Minotauros, Labyrinth) nicht ganz alleine bleiben musste.

 

Kybele

By Internet Archive Book Imageshttps://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14559595539/Source book page: https://archive.org/stream/greekmythologysy00scul/greekmythologysy00scul#page/n64/mode/1up, No restrictions, Link

Heute geht es um Kybele, bzw. Rhea, bzw. Magna Mater … und wer weiß, wie sie noch genannt wurde.

Ihre Entstehung geht weit zurück in die mythische Geschichte und es wurden schon allerlei Versuche unternommen, die Göttin und den Kult um sie zu klären, da vieles, wie so oft, nicht mehr verstanden werden kann.

Recht sicher scheint zu sein, dass Kybele eine Art manifestierte Weiblichkeit darstellt, da in ihrem mythischen Kontext fast immer ein (definitiv) männlicher Gegenpart auftaucht. Die Geschichte handelt von besagter Kybele und ihrem Gegenpart, einem jungen Mann namens Attis, doch zuvor seien noch ein paar andere Mann-Frau Mythen genannt, die historisch weiter(?) zurückreichen und einige Parallelen zum Mythos Kybele-Attis aufweisen.

Inanna und Dumuzi

Gemeinfrei, Link

Isis und Osiris

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Venus und Adonis.

By after Guercino – Quelle: SLUB Dresden, Public Domain, Link

Jeder, der mag, kann sich die Details in den entsprechenden Wikipedia-Artikeln durchlesen. Ganz kurz zusammengefasst geht es in allen Mythen darum, dass die Männer Dumuzi, Osiris und Adonis sterben. Wie das geschieht ist ganz unterschiedlich, teilweise gibt es auch noch andere Varianten der Erzählung, aber was auch allen Geschichten gemeinsam ist: die Frauen erwecken ihre toten Männer wieder zum Leben.

Historisch betrachtet entwickelten sich dann aus diesen Mythen(?) sogenannte Mysterienkulte, geheime Gesellschaften also, die verschiedene religiöse Praktiken teilten.

So war es auch bei Kybele, deren Kult zeitlich parallel zu den Kulten aus den oben dargestellten Varianten liegt (Orpheus/Orphiker,  Mysterien von Eleusis, die samothrakischen Mysterien, der Dionysoskult, der Kult des Liber Pater in Rom und in Süditalien, der Mithraskult, der Isis- und Osiriskult.)

Einige dieser Mysterienkulte beziehen sich nicht auf die Variante „toter Mann“, sondern beinhalten, beispielsweise wie die Mysterien von Eleusis, die Erzählung von Pluto und Proserpina (in der der Gott des Todes eine lebendige Frau von der Erde raubt). Ich gehe davon aus, dass diese jüngeren Datums sind, da sich hier die Verhältnisses umgekehrt haben.

Pluto und Proserpina. By reganiOwn work, Public Domain, Link

Tempel/Altar der Kybele, ca. 7 Jh. v. Chr. Midasstadt/Türkei. By Zeynel CebeciOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Tempel/Altar der Kybele, ca. 7 Jh. v. Chr. Midasstadt/Türkei. Von MEH BergmannEigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Wir erinnern uns, dass Kybele/Rhea auch mit der Frau von Saturn gleichgesetzt wurde. So wundert es nicht, dass ihr Mythos und Kult recht blutig daherkommt und wieder einmal von Entmannungen die Rede sein wird.

Der Mythos (in Grundzügen)

Der Legende nach schlief Jupiter/Zeus einst auf dem Berg Agdos (Phrygien) ein und verlor während des Schlafs seinen Samen. Daraus entstand das abscheuliche Wesen Agdistis, eine Art Zwergenzwitterding, das die Götter so hässlich fanden, dass sie es kastrierten.
Aus dem abgetrennten Glied entstand der gutaussehende Attis, von dem schon oben die Rede war, und aus dem entmannten Körper wurde die Göttin Kybele. In manchen Varianten gibt es auch noch eine Zwischenerzählung, in der ein Mandelbaum eine Rolle spielt und in der Attis durch eine Nymphe ausgetragen wird.
Kybele und Attis waren aber in allen Varianten ursprünglich ein und dieselbe Person. Aus diesem Grund waren sie natürlich besonderes interessiert aneinander und daran, wieder zusammen zu kommen. Nachdem sie sich gefunden haben, sind sie auch eine Zeitlang ausgesprochen glücklich miteinander, doch dann möchte Attis mehr Selbstständigkeit und plant, eine andere Frau zu heiraten.
Kybele ist natürlich total von den Socken und schlägt sowohl Attis als auch die gesamte Hochzeitsgesellschaft mit Wahnsinn.

Attis – total crazy in the head – rennt in den Wald und kastriert sich unter einer Pinie, wo er dann elendig verblutet.

Kybele bereut ihre Tat daraufhin und dann gibt es verschiedene Varianten, wie die Geschichte endet.
Attis verwandelt sich in eine Pinie.
Kybele bestattet Attis, dessen Körper aufgrund der Hilfe von Zeus/Jupiter niemals verwesen wird, in einem Berg und lässt ihn von Priestern beweinen.
Kybele erweckt Attis von den Toten und beide werden als Götter verehrt

Es gibt, wie oben schon angedeutet, noch weitere Varianten des Mythos und es würde wahrscheinlicher einer Doktorarbeit (oder zumindest einer sehr ausführlichen Abschlussarbeit) bedürfen, um die verschiedenen Quellen und Inhalte miteinander zu vergleichen.
Deutlich wird auf jeden Fall selbst bei einer oberflächlichen Betrachtung, dass wesentliche Elemente (Liebespaar, Tod, Wiedererweckung) anderer vorantiker Mythen hier wieder auftauchen.

Kybele ist eine Göttin, für die es auch noch andere Ursprungsmythen gibt als den oben erwähnten.

„Kybele soll aus einem der Steine gewachsen sein, die Deukalion und Pyrrha nach der Sintflut geworfen hatten. Oder ihr Vater war Meon (bzw. Protogonus), König in Phrygien und Lydien, ihre Mutter Dindyma. Meon wollte keine Tochter und ließ das Mädchen nach seiner Geburt auf dem Berg Kybelus aussetzen. Dort wurde sie von wilden Tieren aufgezogen, Panther und andere Raubtiere gaben dem Kind ihre Milch, bis einige Hirtinnen die Kleine fanden und zu sich nahmen.
Kybele wuchs zu einer schönen Jungfer heran, hielt sich dabei sittsam und erfand lieber Pfeifen, Trommeln und Cymbeln, die später im Kult der Göttin bedeutsam wurden, außerdem befaßte sie sich mit Heilkunde, besonders zugunsten des Viehs und der Kinder, welche sie mit ihren Worten heilte. Wegen dieses besonderen Verhältnisses nannte man sie „gebirgische Mutter”. Ein enger Freund war Marsyas, ihre Liebe der schöne Attis.“ Quelle: http://www.imperiumromanum.net/wiki/index.php/Kybele

Hier ist auf jeden Fall bemerkenswert, dass ein typischer Erzählstrang, wie er sonst nur von männlichen Nachkommen (v.a. Romulus und Remus) bekannt ist, auf eine Frau angewendet wird.
Tatsächlich finden sich in der Geschichte auch andere Mythen, in denen eine Frau von Tieren genährt und dann von Hirten und/oder Weisen gefunden wird.
Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Königin Semiramis.

By Ernest Wallcousins (1883–1976) – From Myths of Babylonia and Assyria by D. MacKenzie (1915-now in the public domain).Originally uploaded to en.wikipedia; description page was here., Public Domain, Link

Woher stammt der Mythos?

Viele Elemente des Mythos sind aller Wahrscheinichkeit nach phrygischen Ursprungs, wie man auch an den zahlreichen Attis-Darstellung (Phrygische Kleidung und insbesondere: die Mütze!) gut sehen kann.

CC BY-SA 3.0, Link

Die Phryger waren ein Königreich, das sich im Gebiet der heutigen Türkei um das 8. Jahrhundert vor Christus befand. Ein paar Jahrhunderte zuvor wohnten dort noch die Hethiter – und dann gibt es eine Zeit um das Jahr 1000 v. Chr., wo man nicht genau weiß, was passierte.
Bei den Phrygern war die Göttin Kybele so eine Art Hauptgöttin. Nebst Midasstadt wurde sie auch in anderen Städten verehrt, so zum Beispiel in Pessinus, wo der Legende nach auch der Palast von König Midas gestanden haben soll.

König Midas war wahrscheinlich eine historische existente Person, ein (erster?) König der Phryger. Auch über ihn gibt es verschiedene Legenden. So soll er ein Sohn von Kybele und Gordios gewesen sein, auf den wiederum, der Legende nach, der gordische Knoten zurückzuführen ist, den dann Alexander der Große im 3. Jahrhundert vor Christus mit einem schnöden Schwertschlag „löste“.

Midas war auch derjenige, der angeblich den törichten Wunsch hatte, dass sich alles, was er berührte in Gold verwandelt.

By Walter Crane (1845-1915) – http://www.reusableart.com/d/2974-2/midas-01.jpgGallery page http://www.reusableart.com/v/mythology/greek/midas/midas-01.jpg.html, Public Domain, Link

Die Gabe erwies sich als äußerst unpraktisch, weil er auch das, was er essen und trinken wollte, in Gold verwandelte – und sogar seine eigene Tochter -, doch nach einem Bad im Fluss Paktolos war er zum Glück wieder davon befreit.

Midas soll auch beim musikalischen Wettstreit zwischen Apoll und Pan als Schiedsrichter aufgetreten sein. In manchen Versionen findet man ihn auch als Schiedsrichter beim Streit zwischen Apoll und Marsyas.
Zur Strafe für seine falsche Entscheidung (er entschied sich in allen Varianten nicht für den Gott Apoll, sondern befand, dass Marsyas der bessere Musiker sei) hexte ihm Apollo Eselsohren an, die Midas dann unter der possierlichen phrygischen Mütze verbarg.

By Michelangelo Cerquozzihttp://www.christies.com/lotfinder/paintings/michelangelo-cerquozzi-king-midas-5022114-details.aspx, Public Domain, Link

By Anonymoushttp://www.pizan.lib.ed.ac.uk/otea.html, Public Domain, Link

By Andrea Vaccaro – http://www.dorotheum.com, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16084069

Der römische Dichter Ovid (um das Jahr 0) schreibt dazu:

„Midas verhehlet es zwar und sucht zu verhüllen die Schläfen,
Denen der hässliche Schimpf anhaftet, in purpurner Mütze.
Aber ein Diener, gewohnt mit dem Stahl ihm zu kürzen das Haupthaar,
Hatt’ es gesehn. Weil der die gesehene Schmach zu verraten
Nicht sich getraut, wie gern er zu Tage sie hätte gefördert,

Aber zu schweigen vermag auch nicht, gräbt endlich den Boden
Heimlich er auf, und was er für Ohren erblickt an dem König,
Meldet er leis und flüstert es zu dem gegrabenen Erdloch.
Wieder verscharrt er mit Erde sodann das entdeckte Geheimnis,
Geht stillschweigend hinweg und verlässt die verschüttete Grube.

Dort wuchs bald ein Gebüsch, dicht stehend von schwankendem Rohre;
Das tat kund, sobald es gereift nach vollendetem Jahre,
Wer den Acker bestellt. Denn jene vergrabenen Worte
Raunt es, erregt vom Süd, und bezichtigt die Ohren des Herren.“
Quelle: http://www.gottwein.de/Lat/ov/met11de.php

Kurz zusammengefasst: Midas versteckt seine Eselsohren, aber sein Friseur bekommt sie zu sehen und kann das Geheimnis nicht für sich behalten. Anstatt es einfach weiterzuerzählen, gräbt er ein Loch in den Boden und flüstert es dort hinein.
An dieser Stelle wächst dann Schilfrohr bzw. Binsen, das/die das Geheimnis an die Bauern ausplauderten.
Mag sein, dass unser heutiges Wort „Binsenweisheit“ darauf zurück zu führen ist. 🙂

Alles in allem bleibt also festzuhalten, dass die Phryger und insbesondere der erste große Herrscher Midas im Laufe der Geschichte eine gewisse Verhonepipelung erfahren haben.
Es wird nicht zu weit gedacht sein, wenn man behauptet, dass dies auch den Kult um Kybele betreffen könnte. Die unterschiedlichen Varianten ihres Mythos und weitere Details, die unten genannt werde, lassen so etwas auf jede Fall vermuten.
Dass die historischen Verlierer der Geschichte verunglimpft werden, ist auch etwas, das man fast immer beobachten kann, denn die Geschichte wird ja bekanntermaßen von den Siegern geschrieben, die kein Interesse daran haben, die Besiegten – wie auch immer – zu erinnern.
Schon Livius wies darauf hin (Livius war ein römischer Historiker), als er den Gallierkönig Brennus sagen ließ: „Vae victis“, also „Ihr armen Besiegten“.
Auch beim Sieg Roms über Karthago (Aeneas und Dido) kann man solcherlei Verhalten mutmaßen, wobei Kybele bei diesem Sieg eine wichtige Rolle zukommt.

Doch zuvor seien noch kurz ein paar Worte über den Kult um Kybele verloren.

Die Korybanten. By Roscher, Wilhelm Heinrich, 1845-1923 – http://ia360615.us.archive.org/2/items/ausfhrlichesle0201rosc/ausfhrlichesle0201rosc.pdf, Public Domain, Link

Bei den Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Kybele tanzten sogenannte Korybanten. Zwar heißt es im Mythos, dass die Feste vor allem in Erinnerung an ihren verstorbenen Liebsten Attis abgehalten wurden, jedoch hat sich aus dieser Trauerfeier dann alsbald eine sehr orgiastische Feier entwickelt, die große Ähnlichkeiten zur Party-Time der Bacchantinnen aufweist, wovon noch die Rede sein wird.
Übrigens, den männlichen Priestern der Kybele wird nachgesagt, dass sie sich selbst kastriert haben sollen während solch orgiastischer Feiern. – Um mal wieder auf Kastration zu sprechen zu kommen.

Im römischen Reich wird Kybele vor allem nach der Schlacht bei Zama verehrt. Der Karthager Hannibal hatte Rom über Jahrzehnte in Angst und Schrecken versetzt, und Cornelius Scipio – wie es sich für einen guten Römer gehört – konsultierte gemeinsam mit dem Senat das Orakel in Delphi, bevor er in die Schlacht gegen Hannibal zog.
Dort wurde ihnen geweissagt, dass Rom Karthago zerstören könne, wenn sie die „Große Mutter“ (Magna Mater) aus Phrygien importierten.
Gesagt getan, Kybele wurde als Magna Mater identifiziert, nach Rom verschifft und der Rest ist Geschichte. Ich denke, dass darin auch die wahrscheinlichste Antwort liegt, sie dann (auch) mit der Titanin Rhea zu identifizieren.

By Globetrotter19Own work, CC BY-SA 3.0, Link