Die Prüfung

Prüung 09.07

Aus gegebenem Anlass veröffentliche ich heute eine Kurzgeschichte, die der ein oder andere von euch eventuell noch kennt. 🙂 Viel Erfolg allen Prüflingen da draußen!!! Oder: “Es ist alles halb so wild.” 🙂 🙂 🙂

 

Es ist mitten in der Nacht, mein Handy klingelt. Ich hab es extra neben das Bett gelegt, angle es hinauf, -Staubflusen, Haare: Igitt!-, einmal pusten und wischen. Bling – ich bin verbunden.
„Hallo Claudi“, gähne ich.
„Hallo …“, flüstert Claudi am anderen Ende.
„Was´n los?“
„Ich pack´ das nicht.“
Och nee, das wird ein längeres Gespräch. Ich dreh mich auf die Seite, Handy unters Ohr, zieh mir die Decke über den Kopf und schließe die Augen.
„Na, dann …“, seufze ich.
„Oh Mann, danke, dass du das mitmachst. Ich hab solche Angst. Morgen, ich kann nicht, wie soll ich das schaffen? Ich glaub´, ich pack das einfach nicht, ich …“
Claudi erzählt und erzählt, ich hör mir alles an, geduldig, abwartend. Was soll ich auch sonst tun? Ich hab ihr gesagt, dass sie mich jederzeit anrufen kann. Wir sind Freundinnen, Freundinnen machen so was. Dass sie mein Angebot so ausgiebig nutzen würde, hätte ich nicht gedacht.
„Doch, das wird schon“, sage ich.
„Meinst du wirklich?“, fragt sie. Dann legt sie noch mal los, sie habe sich gut vorbereitet, sie habe alles gelernt, sie könne den Reader in und auswendig, aber dann gäbe es Momente, wo sie alles wieder vergessen würde.
„Das ist wie ein schwarzes Loch“, sagt sie. „Dann erinnere ich mich an gar nichts mehr!“
„Das ist doch normal“, sag ich. „Jeder hat Angst vor Prüfungen. Da spielen die Nerven schon verrückt. Es ist wichtig, dass du dich beruhigst, dass du versuchst zu schlafen.“
„Ich kann nicht schlafen, Marie!“, japst Claudi. „Ich dreh echt durch. Ich kann nicht! Ich glaube, ich muss mich morgen krank melden …“
Nur das nicht, denke ich und bin mit einem Mal wieder hellwach.
„Nein, mach das nicht!“

Ich versuche, meine Stimme so vernünftig wie möglich klingen zu lassen. Wenn sie das morgen nicht durchzieht, dann wiederholt sich dieses Drama wohlmöglich bis in alle Ewigkeit.
„Du hast sehr nette Prüfer. Professor Kümmerling, von dem hab ich gehört, dass er sehr fair prüfen soll. Weißt du noch, Natalie hatte sich gar nicht vorbereitet und ist trotzdem irgendwie durchgerutscht.“
„Aber mir passiert sowas nicht“, sagt Claudi und knirscht mit den Zähnen.
„Nee, du hast dich ja auch vorbereitet“, sag ich. „Das wird morgen bestimmt richtig gut für dich laufen.“
„Meinst du?“, fragt Claudi mit leiser Stimme.
„Ja“, antworte ich und setze mich wie zur Bestätigung im Bett auf.

Außerdem, wenn du das morgen nicht machst, dann kommst du vielleicht zu Professor Fieser.“

Claudi sagt nichts. Das ist gut. Jetzt denkt sie nach.

Schließlich: „Du hast Recht, Marie.“
„Na gut, dann leg ich jetzt auf.“
„Warte!“
„Was denn?“
„Und was ist, wenn sich morgen bei der Prüfung einfach der Boden unter mir auftut und ich in ein riesiges Loch falle, vor lauter Scham, weil ich die einfachsten Antworten nicht mehr weiß?“

Ich lache leise. „Dann bestehst du die Prüfung trotzdem, weil du die schwierigen Fragen beantworten kannst.“

Und wie geht es dir?“, frage ich, als ich Claudi wenige Minuten vor der Prüfung vor dem Seminarraum treffe.

Die Frage hätte ich mir sparen können.
Sie sieht kaputt aus und blass, unter den Augen dicken Ringe, überall aufgekratzte Pickel, auf denen zu viel Camouflage pappt. Sie sieht richtig scheiße aus. Verzweifelt guckt sie mich an.
„Ach, komm her“, sag ich und umarme sie fest.

Dann kommt, ich glaub‘, Ines heißt sie, gefolgt von Professor Kümmerling aus dem Büro. Sie strahlt wie ein Goldpokal. Das war bestimmt ’ne gute Prüfung, denke ich.

Herr Kümmerling winkt Claudi aus dem Schatten an meiner Seite.
„Guten Tag, Frau Mai, herzlich willkommen!“
„Ja“, haucht Claudi aus blutleeren Lippen. Taumelnd geht sie auf ihn zu. Ich fürchte, sie ist der Ohnmacht nahe.
„Und sie haben Zuschauer mitgebracht!“
„Ich bin Marie“, sag ich, dirigiere Claudi mit der einen und reiche Herrn Kümmerling die andere Hand.
„Na, dann kommen Sie herein, Frau Mai und Marie.“

Herr Kümmerling hält uns die Tür auf. Drinnen sitzen noch ein paar andere Doktoranden und Professoren, die ich aber nicht kenne. Ich nehme in der Ecke Platz und Claudi tapst in die Mitte des Raumes, direkt vor die Prüfungskommission. Die sehen echt nett aus, finde ich. Sie lächeln sogar.

Und dann fängt sie an, die Prüfung, und die werten Herrn Professoren stellen wirklich einfache Fragen. Die könnte sogar ich beantworten, finde ich, aber ich muss mir auf die Zunge beißen. Claudi sitzt nämlich stumm da und zappelt mit den Beinen, als wäre sie ein Fisch auf dem Trockenen oder eine ähnliche bemitleidenswerte Kreatur. Sie kriegt keinen Ton raus. Die Situation ist furchtbar. Am liebsten würde ich ihr irgendetwas auf den Kopf hauen.

Herr Kümmerling hakt noch einmal nach, freundlich, aber bestimmt.
Claudi sagt immer noch nichts. Stattdessen spielt sie mit ihrer Haarsträhne und guckt betreten aus dem Fenster.

Ich frage mich, weiß sie es wirklich nicht? Das ist doch leicht! Die Gesichter der Kommission werden länger. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Vielleicht hätte sie sich doch besser krankschreiben lassen sollen? Wieso kann sie diese simplen Fragen nicht beantworten? Hätte ich ihr besser Zureden sollen? Ich bin eine schlechte Freundin! Arme Claudi!!! Die einfachsten Fragen – und nicht mal die kann sie beantworten.

Auf einmal ertönt ein seltsames Geräusch, das ich noch nie gehört habe. Irgendwas zwischen Schaben und Hämmern. Dann vibriert es leicht, ruckelt, ruckelt stärker, stärker, rüttelt und schüttelt. Ein Erdbeben?

Der Fußboden wölbt sich, Claudis Stuhl sinkt einen halben Meter nach unten, Holz knackst und splittert, Claudi kreischt, der Boden kracht und Claudi verschwindet samt Teppich und Stuhl in einem gewaltigen Loch.

Die Kommission guckt mich an, ich gucke die Kommission an, Staub auf unseren Häuptern. Wir sind alle ziemlich baff. Ratlosigkeit steht in unseren Gesichtern. Herr Kümmerling sieht außerdem bekümmert aus. Überall wirbeln Flusen durch die Luft, die sich langsam absetzen.
Vorsichtig stehe ich auf und nähere mich dem Rand des Einbruchs. Claudi ist unverletzt. Mit verschränkten Armen steht sie da und sieht hoch. Ihr Gesicht ist ganz rot, energisch pustet sie sich die Haarsträhne von der Nase.

Die Prüfer erheben sich von ihren Stühlen und gucken über den Rand in die Grube.
„Frau Mai …“, stammelt Herr Kümmerling und klopft sich den Staub von seinem Jacket. „Geht es Ihnen gut?“
„ICH KANN SIE NICHT HÖREN“, schreit Claudi. „SPRECHEN SIE LAUTER UND STELLEN SIE MIR ENDLICH SCHWIERIGE FRAGEN!“

Die Herren Professoren und Doktoren wechseln Blicke, Herr Kümmerling runzelt die Stirn und setzt sich wieder. Zögernd greift er zu Papier und Stift, dann geht alles ganz schnell:
Die nächsten fünfzehn Minuten schreien sich Herr Kümmerling und Claudi an, als gäbe es kein Morgen. Seine Fragen knallen in die Grube, ihre Antworten stemmt sie mit Rufen in die Höhe, direkt auf den Tisch der Kommission.
Ich halte mir die Ohren zu, das hält kein Mensch aus.

Während sich Herr Kümmerling und Konsorten an die Notenfindung machen, werde ich losgeschickt um vom Hausmeister eine Leiter für Claudi zu besorgen.
„SIE HABEN UNS EINEN GANZ SCHÖNEN SCHRECKEN EINGEJAGT!“, höre ich Herrn Kümmerling sogar im Treppenhaus schreien.
„ABER INSGESAMT SIND WIR ZU DEM ERGEBNIS GEKOMMEN, DASS IHRE LEISTUNG NOCH IM SEHR GUTEN BEREICH ANZUSETZEN IST!“
Höchst zufrieden klettert Claudi an der Leiter aus der Grube. Ich helfe ihr ein bisschen. Sie wischt sich den Schmutz aus dem Gesicht, tänzelt den Rand des Einbruchs entlang, reicht allen galant die Hand und schwebt aus dem Gebäude.


„Siehst du“, sagt Claudi, „war doch gar nicht so schlimm, oder?“

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Ungeheure Schmerzen

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Die Schmerzen in Amors Schulter waren unerträglich. Sein neuer Bogen war im Schloss zerplatzt. Es war alles ruiniert, zerstört, vernichtet. Wegen ihr. Diesem misstrauischen Menschlein!

Er war ein solcher Idiot. Selbst seine Mutter hatte er verraten. Was hatte er nicht alles getan! Und sie, sie war nicht imstande, nur ein einziges Versprechen zu halten. Ein einziges!

Den alten Bogen bewahrte in seiner Wolke auf. Genauso, wie die Pfeile. Wütend wie er war, machte er sich daran sie alle abzuschießen. Nicht die goldenen. Nur die bleiernen.

Das Geräusch brechender Herzen erklang wie Musik in Amors Ohren.

Er hätte sie alle abgeschossen. Alle bleiernen Pfeile. Aber die Schmerzen in seiner Schulter waren gewaltig.

Mit letzter Kraft schleppte sich Amor auf die Stufen von Venus Wolkenpalast, dort blieb er erschöpft liegen. Und als die Sonne unterging und es eigentlich Zeit gewesen wäre, für ihn zu Psyche zurückzukehren, da weinte er vor Schmerz und vor Wut.

„Mein Schätzchen, das war aber ein schöner Ausflug heute!“

„Stern meiner Augen, Schönste der Schönen, es war mir eine Ehre, euch zu begleiten!“

Schnell wischte sich Amor die Tränen aus dem Gesicht. Endlich, da war seine Mutter. Doch sie war nicht alleine. Jemand begleitete sie, – es war nicht Mars, irgendjemand anderes, kleineres, sterbliches …

Amor schlug sich mit der Hand vor die Stirn. Er war so ein Dummkopf! Natürlich war Adonis bei Venus. Sein genialer Plan hatte sich erfüllt.

„Oh du Held meiner schlaflosen Nächte, möchtest du vielleicht noch mit hochkommen? Auf einen Tee, vielleicht etwas Nektar und Ambrosia?“

„Nichts könnte besser schmecken als deine Lippen, meine Holde!“, sagte Adonis und küsste Venus wild. Die ließ sich von ihm an die Brüstung der Treppe drücken und begann, ihr Kleid hochzuschieben.

Das ging zu weit.

„Ma!“, rief Amor. „Hallo! Ich bin … da … “

Sowohl Venus als auch Adonis hielten in ihrer Bewegung inne. Langsam drehten sie ihre Köpfe empor und Venus entfuhr ein spitzer Schrei als sie ihren Sohn erkannte.

„Es ist nicht das, wonach es aussieht …“, stammelte Venus errötend.

„Ist das dein eifersüchtiger Ehemann?“, fuhr Adonis aufbrausend hoch. „Ich habe keine Angst vor ihm!“

„Das ist mein … Sohn“, sagte Venus und sah betreten zur Seite.

„Sponta-anbesuch“, stotterte Amor. Dann brach er in Tränen aus.

Im nächsten Moment fand er sich wieder in der parfümierten Wolke seiner Mutter. Sie drückte ihn an ihren Busen und streichelte ihm über das Haar. Diesmal beruhigte es Amor zutiefst, ihren Duft zu riechen. Er schlang seine Arme um ihren Hals und weinte hemmungslos.

„Was ist denn los, mein kleiner Schatz?“, fragte Venus. Nebenbei hob sie einen Arm und warf Adonis einige Kusshände zu.

„Ist er endlich weg?“, fragte Amor zwischen seinen Schluchzern.

„Ja, mein Schatz“, sagte Venus und wandte ihren Blick zurück zu Amor. „Was hast du denn?“

„Ich bin ver- verletzt!“, schniefte Amor und zeigte Venus seine Schulter.

„Oh ihr Götter!“, keuchte Venus entsetzt. „Das muss sofort behandelt werden!“

Sie klatschte in die Hände und wies eine ganze Heerschar Nymphen und Satyrn an, Amor zu verpflegen. Ein Verband wurde angelegt, ein Kräutersud gekocht, Amor wurde in sein Kinderzimmer getragen und in sein Bett gelegt. Venus setzte sich neben ihn.

„Besser?“, fragte sie.

„Etwas“, seufzte Amor und drehte sein Gesicht ins Kissen. Unaufhörlich rannen ihm die Tränen die Wange hinab. Unvorstellbar, dass überhaupt so viel Flüssigkeit in ihm war.

„Nun, wenn du mich fragst“, sagte Venus, „sieht es so aus, als ob du Kummer hast. Tieferen Schmerz, als ihn diese Wunde zufügen könnte. Schmerz in deinem Herzen.“

„Woher weißt du das?“, fragte Amor entgeistert.

„Cupido, ich bin die Göttin der Liebe und deine Mutter. Ich hatte da schon länger einen Verdacht, aber jetzt ist es offensichtlich.“

„Wieso?“, schniefte Amor.

„Weil du leidest. Deine Schulter sieht schlimm aus, viel schlimmer aber ist dein gebrochenes Herz. Ich kann es fühlen.“

„Echt?“, fragte Amor.

„Ja“, sagte Venus. „Und ich möchte wissen, wer dir das angetan hat!“

Amor schauderte. Zorn lag in Venus Stimme.

„Niemand“, sagte er daher.

„Das ist nicht wahr. Nimm sie nicht in Schutz. Oder ihn? Oh ihr Götter, hast du deswegen die Männer von Mars …“

„Nein Ma“, sagte Amor schniefend. „Es ist ein Mädchen, … ach … aber was willst du denn machen?“

„Ich will es wissen, Cupido!“

„Es war … Psyche“, sagte Amor leise.

„Was? Diese Prinzessin? Die sich einst für mich ausgab und alle meine Opfergaben gestohlen hat? Die hat meinen Sohn verführt? Wie hat sie es angestellt? Ich dachte, sie ist längst mit einem Ungeheuer vermählt und tot!“

Als Amor „Ungeheuer“ hörte, musste er laut schluchzen. „Ma, versteh doch, ich war das Ungeheuer.“

 

Vater Morgana

 

Psyche kannte mittlerweile alle Nuancen der Dunkelheit. Sie öffnete die Augen und fühlte ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Es war noch finstere Nacht, doch das Untier war fort.
Sie legte eine Hand auf ihren Bauch. War es falsch gewesen, dem Untier die Wahrheit zu sagen? Es war weggelaufen. Sie hätte ihm nichts sagen sollen. Sie kannte es gar nicht. Quälend wurde der Gedanke laut, dass das Untier an diesem Abend nicht zurückkehren würde, dass sie als hässliches Monster mit ihrem Kind leben müsste, allein in diesem menschenleeren Schloss.
Als die Sonne langsam aufging, erhellten die Strahlen das riesige Zimmer, in dem Psyche auf einem Bett lag, das so groß war, als könne es zehn Menschen einen Schlafplatz bieten. Und die seltsamen Winde raschelten durch die Vorhänge und forderten Psyche auf, ihr Frühstück einzunehmen.
Psyche betrachtete das kleine Tischchen, auf dem sich ihr Frühstück entfaltete. Die Tassen mit Blumenmustern und goldenen Henkeln, die perfekt zusammengestellten Häppchen, die kleinen, dampfenden Schüsseln mit Milch, Honig und Mus. Heute wirkte es grau und unappetitlich. Psyche ignorierte das Frühstück und ließ sich von den Winden ankleiden.
Als ihr schwindelig wurde, setzte sie sich auf einen Stuhl, den die Lüfte eiligst herangeschoben hatten. Besorgt huschte es links und rechts an ihr vorbei, wirbelte das Gewandt ein wenig auf und pustete ihr ins Gesicht. Psyches Blick fiel in den Garten, wo ein paar Vögel ihr Gefieder badeten.
„Die Vögel“, sagte Psyche, „die sind frei. Aber ich, ich bin nur ein kleiner Spatz in einem goldenen Käfig. Oder … vielleicht bin ich auch nur ein dummes Huhn in einem goldenen Käfig.“
Und dann rannte sie los, so als ob sie jemand oder etwas verfolgte. Die Winde hatten Mühe, die Flügeltüren schnell genug zu öffnen. Psyches Füße flitzten die leeren, gähnenden Gänge hinab bis zum Eingangsportal des Schlosses. Psyche stolperte hinaus, lief keuchend weiter, bis sich ihr Atem mehrmals überschlug und sie gezwungen war anzuhalten.
Langsam, ganz langsam, kam sie wieder zu sich. Das Blut wallte durch den Körper. Ihre Gedanken waren jetzt klarer, leiser.
„Hatschi!“
Sie stand mitten auf der Wiese, an dem Ort, wo sie zum ersten Mal das Schloss gesehen hatte. Damals hatte sie große Angst verspürt, die sich als unbegründet herausstellte. „Ich dachte, das Untier würde mich fressen“, überlegte Psyche.
„Bestimmt wird das Untier heute Nacht wiederkommen“, sagte Psyche zu sich selbst. Und zu ihrem Bauch gewandt sagte sie: „Es hat gesagt, dass es mich liebt, also liebt es auch dich. Bestimmt.“
Und wieder musste Psyche niesen. Tränen traten ihr in die Augen und erinnerten sie daran, warum sie es normalerweise vermied, das Schloss zu verlassen.
„Die Tatsache, dass ich immer niesen muss, wenn ich euch sehe, kann selbst ein verzaubertes Schloss nicht verändern“, sagte Psyche zu den hübschen Blumen und tupfte sich mit einem Tüchlein die Tränen vom Gesicht.
Da nahm sie auf einmal ein leises, hohes Geräusch wahr. Es schien von weither zu kommen und war Psyche doch auf eine unbestimmte Art vertraut. Sie spitzte die Ohren. Das Geräusch wurde lauter, ebbte dann wieder ab. Es war ein unterbrochenes Keuchen, ein Schniefen, ein Schluchzen.
Verwundert folgte Psyche den seltsamen Tönen, da erschien hinter den Wolken am Horizont auf einmal ein klares Bild. Psyche erkannte die Bergspitze, auf die sie einst geklettert war, kurz bevor sie ohnmächtig wurde. Dort saßen zwei Gestalten, gehüllt in schwarzen Stoff, umring von Soldaten und allerlei Gerätschaften. Sie kauerten aneinander, genau in der Felsnische, in der Psyche einst auf ihren Tod gewartet hatte. Das Bild erschien so klar und deutlich vor ihr, das Psyche fast das Gefühl hatte, sie stünde mitten darin. Und als sie noch etwas genauer hinsah, da erkannte sie: es waren Tessa und Gorda, die dort in der Felsnische saßen und weinten. Sie weinten um ihre jüngste Schwester. Sie weinten um Psyche.
Psyche winkte, nieste und Tränen liefen ihr in Strömen über die Wange. Sie spürte eine tiefe Sehnsucht nach ihren Schwestern, wollte sie trösten, ihnen sagen, dass es ihr gut ging. Doch so sehr sie sich auch anstrengte, so laut sie rief, – ihre Schwestern hörten sie nicht. Als die Sonne langsam unterging und das Bild verblasste, machte sich Psyche verzweifelt auf den Weg zurück zum Schloss.

Amors Abenteuer (2)

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Apollos Wagen funkelte und strahlte wie die Sonne selbst. Der Zephyr gab mir Antriebskraft. Unter mir zogen Wolken dahin, dazwischen konnte ich die Erde sehen: Flüsse, Berge, Städte. Das Meer mit winzigen weißen Punkten, Schaumkronen und Wellen.
Apollo schätzte es nicht, wenn ich ihn bei der Arbeit besuchte, aber dies war ein Notfall. Außerdem, fand ich, arbeitete er gar nicht, sondern jagte mit einer mordsmäßigen Geschwindigkeit durch den Äther. Cooler Job.

»Oh Shit!« Ich purzelte kopfüber auf die Rückbank, wobei eine meiner Federn brach.
»Ey, Alter!«, Apollo dreht sich zu mir um, »Was is`n los, Mann?«
»Ich dachte, ich komm mal vorbei …«
Apollo ließ die Peitsche knallen und die Pferde wieherten. Es waren vier riesige Tiere mit flammend hellen Mähnen, wilden Augen und gefährlich schlagenden Hufen.
»Krass schnell, was?«
»In der Tat«, bestätige ich, während ich versuche, meinen Kopf nach oben und meine Beine nach unten zu bekommen.
»Das is´n Phaeton, zehn Ellen lang. Üppiger Radstand, goldene Karosserie, kaum Schnörkel, dafür straffe Linien an den Seiten – das Teil hat Charakter. Zwei Pferdestärken mehr und heizt richtig rum!«
»Meinst du, ich kann vielleicht den alten Wagen haben?«, fragte ich, mittlerweile richtig positioniert. Es war zwar nicht mehr das neuste Modell, aber es war ein WAGEN, kein Westwind, keine Wolke und vor allem keine affigen Flügel mit weißen (und ein paar hellrosa) Federn, die aufgeregt flatterten, wenn ich flog.
»Klaro, wenn deine Alte das erlaubt …« Apollo lachte. »Was willste? Ich muss arbeiten, weißte doch.«
»Jaja«, sagte ich und schüttelte kurz den Kopf, was Apollo nicht sehen konnte. Arbeiten, von wegen.
»Ich habe eine Frage. Und du bist der schlauste aller Götter, also …«
Apollo ließ die Peitsche knallen.
»Haste schon gemerkt, dass die Sonne jetzt weiter hinten hängt?«, fragte Apollo.
Ich drehte mich um.
»Stimmt, ist nicht mehr so heiß hier wie früher.«
Apollo nickt zufrieden.
»Und die Sitze sind aus Leder«, er machte eine bedeutungsvolle Pause, »vom kalydonischen Eber.«
Gerade hatte ich mir eine richtig gute Frage überlegt, aber seine Worte brachten mich aus dem Konzept.
»Aus Leder? Von einem Tier? Und deine Schwester?«
Apollos Zwillingsschwester Diana war, was Tiere anbelangte, ziemlich eigen. Zwar war sie eine Jägerin, aber gleichzeitig auch selbsterklärte: »IchbeschützealleTiererin«
»Das ist das Beste!«, feixte Apollo. »Die hat ihn auf dem Gewissen.«
»Echt jetzt?«
»Ja, irgend so ein König hat vergessen ihr Opfergaben darzubringen und dann hat sie den kalydonischen Eber auf ihn gehetzt. Der ist dabei leider umgekommen.«
»Und opfern die Leute ihr jetzt wieder?«
»Klaro.«
Den Gedanken, dass die Verbreitung von Angst und Schrecken eine Lösung für mein Opfergabenproblem sein könnte, verwarf ich sofort wieder. Dianas Methoden waren zu extrem.
»War Vollmond?«, fragte ich.
Apollo grinste. »Zu meinem Glück! Guck dir das Leder mal an, komplett weiß, wunderbar weich; ey, pass mit deinen Füßen auf!«

»Okay«, begann ich, »mal angenommen, deine Opfergaben würden schwinden, was würdest du tun?«
»Das passiert nich.«
»Ja, aber mal angenommen.«
»Nee, das passiert nich.«
Ich versuchte es noch einmal.
»Ja, aber mal angenommen!«
Apollo guckte mich skeptisch an. »Was´n los, Kleiner, gibt´s Probleme?«
»Nein«, antwortete ich, konnte aber nicht verhindern, dass meine Flügel aufgeregt zitterten.
»Du kriegst eh nix. Also isses … deine Ma?«
»Quatsch!«, rief ich. Jetzt zitterte mein ganzer Körper. Mist!
»Deine Ma. Wusste ich´s doch.«
Ich seufzte.
»Sag´s nicht weiter«, bat ich, enttäuscht, dass er mir so schnell auf die Schliche gekommen war. Aber ich konnte ihm vertrauen. Bestimmt. Er war schließlich mein bester Freund.
»Mann, voll peinlich, Alta, das sollte sich echt nicht rumsprechen«, sagte Apollo.
»Ja«, pflichtete ich ihm kleinlaut bei. »Ich versuche, der Sache auf den Grund zu gehen und dachte mir, du kannst mir helfen.«
Apollo rieb sich das Kinn.
»Woran könnte es liegen, dass die Göttin der Liebe keine Opfergaben mehr kriegt?«
Er guckte nach links und nach rechts, nach oben und nach unten. Das alles wirkte sehr theatralisch auf mich.
»Was meinst du?«, fragte ich.
Jetzt sah er mich direkt an mit seinen stechenden blauen Augen, während den Pferden der Schaum vom Maul flog.
»Wer is´n verantwortlich für die Liebe?«
»Na …«, ich dachte kurz nach, »Ich.«
»Und was machst du den ganzen Tach?«
»Äh …«
Ich hatte das untrügliche Gefühl, dass das jetzt sehr, sehr unangenehm werden würde.
»Nix!«, fuhr Apollo fort. »Du machst nix. Du pennst bis in die Puppen, du säufst wie ein Loch, du jammerst rum und vor allem: Du machst deine Arbeit nicht, seit – ich weiß gar nicht wie lange!«
»Aber …«, ich wollte das nicht auf mir sitzen lassen. DAS konnte unmöglich der Grund sein. »Aber wenn Du Deine Arbeit nicht machst …«
Apollos Blick verfinsterte sich.
»Äh, ich meine, wenn du sie nicht machen kannst, weil deine Schwester den Mond vor die Sonne schiebt, klar, du machst ja immer deine Arbeit und tut mir leid, ich wollte dich jetzt echt nicht kritisieren …«
»Das hoffe ich.«
»Okay«, fuhrt ich fort, »wenn irgendwas deiner Arbeit im Wege steht, dann opfern die Menschen doch wie verrückt!«
»Klaro«, entgegnete Apollo ungerührt. »Weil sie Angst haben. So eine Verdunkelung der Sonne ist eben schwer zu ertragen für die Menschen. Meine Schwester darf sich solche Späße auch nicht allzu oft erlauben.«
Ich pflichtete ihm bei. Diana hatte einen makabren Sinn für Humor.
»Ja, aber meine Schwester kriegt ´ne Menge Opfergaben«, fuhr Apollo fort. »Sie zieht ihr Grausamkeits-und-Ich-bin-doch-ganz-nett-Ding konsequent durch. Du aber solltest jetzt echt mal zusehen, den ganzen Mist der letzten Zeit wieder auf die Reihe zu kriegen. Ich hab´s dir von Anfang an gesagt.«
»Du hast nicht gesagt, dass es keine Opfergaben mehr geben würde!«, protestierte ich.
Apollo rollte mit den Augen. Er hielt die Hand in die Luft, streckte den Daumen aus, dann den Zeigefinger, dann den Mittelfinger.
»EINS, ZWEI, DREI!«, zählte er. »Oder anders gesagt: Lo-gik.«
»Konquesennzen?«, fragte ich bekümmert.
»Genau, Amor. Das sind Kon-se-quen-zen.«
»Scheiße«, seufzte ich.
Apollo drehte sich zu mir um kräuselte die Brauen.
»Jetzt schwirr ab und lass mich meine Arbeit machen.«
»Was soll ich denn jetzt tun?«
»Dir wird schon was einfallen.«
»Und wenn nicht?«
»Tja, dann … gibt´s halt keine Opfergaben mehr und du wirst ein armer Schlucker.«
»Apollo!« Langsam machte er mir wirklich Angst.
»Komm, Kleiner, das wirste doch selber hinkriegen.« Er gab mir einen Klaps auf die Schulter. Das untrügliche Zeichen, dass ich abflattern sollte. Es machte mich auch ein bisschen stolz, dass er glaubte, ich selbst würde eine Lösung finden.
»Na gut,« sagte ich, »Danke, du bist echt toll, Mann.«
»Na klaro«, entgegnete Apollo, »Ich bin Apollo.«
Ich war schon halb in der Luft, als Apollo mir hinterherrief: »Denk heute Abend an den Retsiner!«
Apollo hatte einen ausgezeichneten Geschmack. Der Retsiner war der beste Tropfen im Weinkeller meiner Mutter.

(…)

https://lehmofen.wordpress.com/2015/07/25/amors-abenteuer/

Die Prüfung

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Es ist mitten in der Nacht, mein Handy klingelt. Ich hab es extra neben das Bett gelegt, hebe es auf – Staubflusen, Haare, igitt!- pusten und putzen.
„Hallo Claudi“, gähne ich.
„Hallo …“, flüstert Claudi am anderen Ende.
„Alles klar?«
„Ich pack´ das nicht.“
Das wird ein längeres Gespräch. Ich dreh mich auf die Seite, Handy unters Ohr, zieh mir die Decke über den Kopf und schließe die Augen.
„Na, dann …“, seufze ich.
Die Worte sprudeln aus ihr raus wie Wasser aus einer frischen Quelle. Und das mitten in der Nacht.
„Oh Mann, danke, dass du das mitmachst. Ich hab solche Angst. Morgen, ich kann nicht, wie soll ich das schaffen? Ich glaub, ich verkacke, ich …“
Claudi erzählt und erzählt, ich hör mir alles an, geduldig, abwartend. Irgendwann eine Atempause, in die ich hineinflüstere:
„Das wird schon.«
„Meinst du wirklich?“
Claudi legt wieder los, sie habe sich gut vorbereitet, alles gelernt, den kompletten Reader in und auswendig, Seite sowieso bis sowieso, Modell xy und z, aber dann gäbe es Momente, wo sie den gesamten Scheiß, äh Stoff, vergessen würde.
„Das ist wie ein schwarzes Loch“, erklärt sie panisch. „Dann erinnere ich mich an gar nichts mehr!“
„Das ist doch normal“, murmel ich. „Jeder ängstigt sich vor Prüfungen. Da spielen die Nerven verrückt. Beruhige dich, versuche zu schlafen.“
„Ich kann nicht pennen, Marie!“, japst Claudi. „Ich dreh echt durch. Ich glaube, ich muss mich morgen krankmelden …“
Nein, denke ich und bin mit einem Mal wieder hellwach.
„Nein, mach das nicht!“
Ich versuche, meine Stimme so vernünftig wie möglich klingen zu lassen. Wenn sie das morgen nicht durchzieht, dann wiederholt sich dieses Drama wohlmöglich bis in alle Ewigkeit.
„Das sind nette Prüfer. Professor Kümmerling, von dem hab ich gehört, dass er sehr fair prüfen soll. Weißt du noch, Natalie konnte sich kaum vorbereiten und ist trotzdem durchgekommen.“
„Aber mir passiert sowas nicht“, sagt Claudi und knirscht mit den Zähnen.
„Du hast dich ja auch gut vorbereitet“, sag ich. „Das wird morgen bestimmt super.“
„Meinst du?“, fragt Claudi mit leiser Stimme.
„Ja“, antworte ich und setze mich wie zur Bestätigung im Bett auf.
„Außerdem, wenn du das morgen nicht machst, dann kommst du vielleicht zu Professor Fieser.“
Claudi denkt nach.
„Du hast Recht, Marie.“
„Klar, hab ich immer. Ich leg jetzt auf.“
„Warte!“
„Was denn?“
„Und was ist, wenn sich morgen bei der Prüfung der Boden unter mir auftut und ich in ein riesiges Loch falle, vor lauter Scham, weil ich die einfachsten Antworten nicht mehr weiß?“
Ich lache leise. „Dann bestehst du die Prüfung trotzdem, weil du die schwierigen Fragen beantworten kannst.“
»Sicher?«
»Klar«, sag ich, »Ich habe immer Recht.«
Ich treffe Claudi vor dem Seminarraum wenige Minuten vor der Prüfung. Unter ihren Augen dicken Ringe, überall aufgekratzte Pickel, auf denen zu viel Camouflage pappt. Sie sieht aus wie ein verwunschener Gnom.
Verzweifelt guckt sie mich an.
„Ach, komm her“, sag ich und umarme sie fest.

Dann kommt, ich glaub, Ines heißt sie, gefolgt von Professor Kümmerling aus dem Büro. Die strahlt wie ein Goldpokal. Das war bestimmt ‘ne gute Prüfung, denke ich, und dass es sicherlich schwer wird, ihre Glanzleistung zu überbieten.
Herr Kümmerling winkt uns ins Büro.
„Guten Tag, Frau Mai, herzlich willkommen!“
„Ja“, haucht Claudi aus blutleeren Lippen. Taumelnd geht sie auf ihn zu. Ich fürchte, sie ist der Ohnmacht nahe.
„Und Sie bringen Zuschauer mit!“
„Ich bin Marie“, sag ich, dirigiere Claudi mit der einen und reiche Herrn Kümmerling die freie Hand.
„Na, dann kommen Sie herein, Frau Mai und Marie.“
Drinnen sitzen noch ein paar andere Doktoranden und Professoren, die ich nicht kenne. Ich nehme in der Ecke Platz und Claudi tapst in die Mitte des Raumes, direkt vor die Prüfungskommission.

Und dann fängt sie an, die Prüfung. Die werten Herren Professoren stellen leichte Fragen. Die könnte sogar ich beantworten, finde ich, aber ich muss mir auf die Zunge beißen. Claudi sagt nichts. Keinen Ton kriegt sie raus. Stattdessen spielt sie mit ihrer Haarsträhne und guckt aus dem Fenster.
Herr Kümmerling hakt noch einmal nach, freundlich, aber bestimmt.
Claudi sitzt stumm da und zappelt mit den Beinen, als wäre sie ein Fisch auf dem Trockenen oder eine ähnliche bemitleidenswerte Kreatur. Die Situation ist furchtbar. Ach, könnte ich ihr irgendetwas auf den Kopf hauen!
Die Gesichter der Kommission werden länger.
Jetzt bekomme ich es mit der Angst zu tun. Hätte ich ihr besser zureden sollen? Bin ich eine schlechte Freundin? Arme Claudi! Die einfachsten Fragen – und nicht mal die kann sie beantworten.
Auf einmal ertönt ein seltsames Geräusch, das ich noch nie gehört habe. Irgendwas zwischen Schaben und Hämmern. Dann vibriert es leicht, ruckelt, ruckelt stärker, stärker, rüttelt und schüttelt den gesamten Raum. Ein Erdbeben? Hier bei uns?
Der Fußboden wölbt sich, Claudis Stuhl sinkt einen Meter nach unten, Holz knackst und splittert, der Boden kracht, Claudi kreischt und verschwindet samt Teppich in einem gewaltigen Loch.

Die Kommission guckt mich an, ich gucke die Kommission an, Staub auf unseren Häuptern. Ratlosigkeit in unseren Gesichtern. Herr Kümmerling sieht außerdem bekümmert aus. Überall wirbeln Flusen durch die Luft.
Vorsichtig stehe ich auf und nähere mich dem Rand des Einbruchs. Claudi ist unverletzt. Mit verschränkten Armen steht sie da und sieht hoch. Ihr Gesicht ist ganz rot, energisch pustet sie sich eine Haarsträhne von der Nase.
„Frau Mai …“, stammelt Herr Kümmerling und klopft sich den Staub von seinem Jackett. „Geht es Ihnen gut?“
„ICH KANN SIE NICHT HÖREN“, schreit Claudi. „SPRECHEN SIE LAUTER UND STELLEN SIE MIR ENDLICH SCHWIERIGE FRAGEN!“

Die Professoren und Doktoren wechseln Blicke, Herr Kümmerling runzelt die Stirn. Zögernd greift er zu Papier und Stift, dann geht alles ganz schnell:
Die nächsten fünfzehn Minuten schreien sich Herr Kümmerling und Claudi an, als gäbe es kein Morgen. Seine Fragen knallen in die Grube, ihre Antworten stemmt sie mit Rufen in die Höhe, direkt auf den Tisch der Kommission.
Mir klingen die Ohren, ich halte sie mir daher zu.

Während Herr Kümmerling und Konsorten die Note besprechen, werde ich losgeschickt, um vom Hausmeister eine Leiter für Claudi zu holen.
„SIE HABEN UNS EINEN GANZ SCHÖNEN SCHRECKEN EINGEJAGT!“, höre ich Herrn Kümmerling schreien.
„ABER INSGESAMT SIND WIR ZU DEM ERGEBNIS GEKOMMEN, DASS IHRE LEISTUNG NOCH IM SEHR GUTEN BEREICH ANZUSETZEN IST!“

Höchst zufrieden klettert Claudi aus der Grube. Sie wischt sich den Schmutz aus dem Gesicht, tänzelt den Rand des Einbruchs entlang, reicht allen Prüfern galant die Hand und schwebt förmlich aus dem Gebäude.

„Du hattest Recht, Marie, wie immer“, säuselt Claudi elfengleich. »Das war ganz leicht.“