Apuleius von Madaura

Und so, mein lieber Glaukon, ist denn dieser Mythos erhalten worden und ist nicht untergegangen, und er wird vielleicht auch unsere Seelen retten, wenn wir ihm nämlich folgen. (Platon, Politeia 621c)

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Lucius verwandelt sich vom Esel zurück zum Menschen. By Bartolomeo di Bartoli for Bruzio Visconti – 2D copy of a scan of an medieval manuscript, Public Domain, Link

Warum ein Eingangszitat von Platon für einen Beitrag über Apuleius von Madaura?

Nun, der Autor vom Goldenen Esel, um den es letzte Woche ging, war ein bekennender Mittelplatoniker, möglicherweise Neupythagoreer, lebte im Umfeld von verschiedenen christlichen Schulen und kannte sicherlich auch die Stoa. – Und man sagt ja, dass alle Philosophie irgendwie von Platon ausging. 😉

Es würde zu weit führen, die verschiedenen platonischen Gedankenschulen, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, genaustens darzustellen, aber um sich dem Menschen Apuleius zu nähern, sind ein paar Hintergründe hilfreich. Nicht zuletzt ist der Platonismus nur eine der verschiedenen Gedankenrichtungen, die “Lucius” Apuleius beeinflussten oder mit denen er im Laufe seiner zahlreichen Reisen in Berührung kam, denn das zweite Jahrhundert nach Christus erscheint rückblickend wie eine Art “Einmachglas” mit unterschiedlichsten Leckereien gefüllt, die Welt – und das Leben – zu verstehen.

Und mittendrin schwimmt der berühmte Autor des Goldenen Esels: Apuleius.

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Apuleius auf einem Cover von 1902. Zu sehen ist rechts der „goldene“ Esel, links Pamphile, eine der Hexen ganz zu Beginn des Buches, die sich in eine Eule verwandelt. By Unknownhttp://www.jnanam.net/golden-ass/goldass/apu01.jpg, Public Domain, Link

Apuleius (ca. 123-170) lebte in Madauros/Madaura im Nordosten des heutigen Algeriens. Apuleius ist nicht der Vorname, sondern ein Familienname. Möglicherweise hieß Apuleius mit Vornamen „Lucius“ – und hätte damit denselben Namen wie die Hauptfigur des Goldenen Esels – doch das ist Spekulation und nicht gesichert.

Man kann noch heute ein paar antike Überreste von Madaura finden.

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Madaura befand sich damals im Königreich der Numider, war aber eine römische Provinz. Apuleius bezeichnete sich einst als “halber Numider”. Die römischen Kaiser, unter denen Apuleius lebte, waren Hadrian (117-138), Antonius Pius (138-161) und Marc Aurel (161-180). Gerade letzterem wird eine intensive philosophische Beschäftigung nachgesagt, sein Buch „Selbstbetrachtungen“ gehört noch heute zum Kanon der Weltliteratur und hat auf Amazon fast durchweg mehr als vier Sterne. 😉  Ich spreche hiermit eine klare Leseempfehlung aus! (Meine Oma hat es auch gelesen und für gut befunden, übrigens.)

https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Ddigital-text&field-keywords=marc+aurel

Das Buch von Marc Aurel basiert auf stoischer Philosophie, die – grob gesagt – versucht, dem einzelnen Menschen einen Platz (Sinn) im Leben (Kosmos) zuzuweisen, wohingegen das Ziel des Lebens im platonischen Sinne darin bestand, ganz abseits vom Leben irgendwie herauszubekommen, was denn eigentlich nun das „Wahre“ und „Gute“ wirklich ist. – Also eher so Gedankenspekulationen.
Platon – über den mal geschrieben wurde, dass sämtliche philosophischen Gedanken der Moderne eigentlich nur „Fußnoten“ (also kleinere Erklärungen) zu seinen antiken Schriften seien – ging davon aus, dass die Welt nicht so ist, wie sie ist, sondern dass es irgendwo von jedem Ding, das wir sehen (oder auch nicht sehen) ein Idealbild gibt. Also das perfekte Abbild – oder vielleicht besser „Urbild“ – von dem sich alle anderen Gegenstände (oder Gedanken) ableiten. Das nannte er dann: „Idee“.
Die „Idee“ des Guten ist also „besser“ (da originaler) als „das Gute“, oder was auch immer der Mensch vornehmlich darunter versteht.
Man kann vielleicht sagen: Platon war ein lebensfernerer Perfektionist, wohingegen die Stoa (Gründer: Zenon von Kition) sich eher damit beschäftigte, inwiefern das, was die Philosophie so herausfand und beforschte, für das Leben des Einzelnen wirklich nutzbar gemacht werden konnte.
Allerdings würde Platon – ganz perfektionistisch – dem natürlich widersprechen und mittels verschiedener Fragen zeigen, dass nur die „Idee“ des Nützlichen wirklich Nutzen bringen kann.

Um die Gedanken der beiden Schulen etwas „greifbarer“ zu machen, stelle ich im Folgenden mal ein paar Zitate gegenüber.

Platon  428/427 v. Chr. in Athenoder Aigina; † 348/347 v. Chr. in Athen

SelfhtmlBy SilanionUser:Bibi Saint-Pol, own work, 2007-02-08, Public Domain, Link

Zenon 333/332 v. Chr. in Kition; gestorben 262/261 v. Chr.

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Von Paolo MontiVerfügbar in der digitalen Bibliothek BEIC und hochgeladen in Partnerschaft.Dieses Bild stammt aus der Stiftung Paolo Monti, die im Besitz von BEIC ist und and im Städtischen Fotoarchiv von Mailand angesiedelt ist., CC-BY-SA 4.0, Link

Freundschaft
Wo aber keine Gemeinschaft ist, da kann auch keine Freundschaft sein.

Ein Freund: meine anderes Ich.

Gott
Als nun aber der Vater, welcher das All erzeugt hatte, es ansah, wie es bewegt und belebt und ein Bild der ewigen Götter geworden war, da empfand er Wohlgefallen daran, und in dieser seiner Freude beschloß er denn, es noch mehr seinem Urbilde ähnlich zu machen.

Gott ist der Ursprung von allem, er ist der reinste Körper und seine Vorsehung durchdringt alles.

Das Gute
Das Gute schafft die Ordnung, das Schöne ist sie.

Nicht in dem Großen liegt das Gute, sondern in dem Guten liegt das Große.

Der Mensch
Als Naturwesen bleibt der Mensch an den Körper gebunden, als Geisteswesen aber hat er Flügel.

Der Charakter ist die Quelle des Lebens, aus der die einzelnen Handlungen fließen.

Das Leben
Das Leben ist eine kurze Verbannung.

Das Ziel des Lebens ist ein Leben im Einklang mit der Natur.

Das jeweils erste Zitat unter dem Thema gehört zu Platon, das zweite stammt von Zenon. Ich finde, man erkennt daran ganz gut, dass die Stoa insgesamt etwas „lebenspraktischer“ unterwegs war. Zenon würde wahrscheinlich mit Erich Kästner übereinstimmen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und Platon würde Kästner lange befragen, um dieses „Gute“ zu definieren – und wahrscheinlich würde er auch versuchen das „Tun“ irgendwie einzugrenzen, bevor es denn überhaupt zum “guten Tun” kommt.

Es gibt eine dritte „geistige“ Strömung, der Apuleius ausgesetzt war: Das Christentum.
Die Christen waren damals noch ziemlich neu und erstmal auch nicht besonders beliebt. Während es im 1. Jahrhundert zu kleineren Christenverfolgungen kam, konnte sich das Christentum im 2. Jahrhundert (also zur Lebenszeit Apuleius) relativ ungehindert entfalten. Allerdings gab es damals noch nicht „die Kirche“, sondern verschiedene Bereiche, wo über theologische Fragen (was ist Gott, wie soll man sich verhalten, wie ist die Kirche organisiert, was soll eigentlich gelehrt werden und so weiter …) gesprochen wurde. Für den Raum Afrika ist dabei vor allem die sogenannte Gnosis interessant, die dort durch einen Mann namens Marcion eine recht große Verbreitung fand.

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By Unknown(Life time: 1100?) – Original publication: Manuscript, Italy, 11th centuryImmediate source: http://corsair.themorgan.org/cgi-bin/Pwebrecon.cgi?BBID=338126, Public Domain, Link

Marcion war ein christlicher Kaufmann, der ein beträchtliches Vermögen an die damals entstehenden Kirche in Rom spendete, der mit „seinen Leuten“ aber immer wieder aneinander geriet und daher irgendwann frustiert eine eigene Kirche gründete.
Marcion lehrte (vielleicht beeinflusst von Platon?), die Idee eines „Gottes der Liebe“, der den Menschen bis dato gänzlich unbekannt gewesen, was bedeutet, bis Jesus auf die Erde kam und Marcion seine Jesus-Kirche gründete. Marcion mochte Jesus voll gerne, fand das Alte Testament aber ziemlich doof, weil es seiner Meinung nach von einem strafenden, bösen „Demiurgen“ (einem Schöpfergott) handle, den die Menschen nicht brauchten. Die gängige Lehrmeinung damals war aber, dass das Alte Testament und das Neue Testament (was damals so langsam entstand) zusammen gehörten. Durch Jesus, so Marcion, habe sich Gott aber in seiner wahren (idealen? Platon lässt grüßen) Natur der „Liebe“ gezeigt – und dies sei der einzige Gott, den man anbeten sollte, also weg mit dem ollen Alten Testament.
Marcions Lehren haben sich in der christlichen Kirche in den folgenden Jahrhunderten übrigens nicht durchgesetzt, ganz im Gegenteil, die Anhänger dieser Vorstellung wurden bald von den „offiziellen Christen“ (Rom, Byzanz) verfolgt.
Erst mit Adolf von Harnack (+ 1930) ist Marcion wieder ins christliche Blickfeld geraten und wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts von vielen Theologen für seine Ansichten geschätzt.

Selfhtml Apuleius rät zum Gebrauch von Dämonen als Mediatoren zwischen Menschen und Göttern – ein zentraler Aspekt seiner philosophischen Lehre. By Maître FrançoisApuleius advises the use of demons as mediators between mankind and the gods – Maïtre François CC0 View item at Koninklijke Bibliotheek , Public Domain, Link

Irgendwo zwischen all diesen Gedanken und Ideen, die damals kreuchten und fleuchten  (man bedenke noch die verschiedenen Mysterienkulte), schreibt Apuleius dann sein Buch „Der Goldene Esel“. Es gibt auch noch eine weitere geistige Strömungen, die Apuleius Denken möglicherweise beeinflusst haben, doch dazu unten mehr.

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By ApuleiusAvailable in the BEIC digital library and uploaded in partnership with BEIC Foundation., Public Domain, Link

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By Matteo Maria Boiardohttp://www.metmuseum.org/art/collection/search/345033This file was donated to Wikimedia Commons by as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. See the Image and Data Resources Open Access Policy বাংলা | Deutsch | English | Esperanto | português | +/−, CC0, Link

Apuleius war der Sohn eines Bürgermeisters und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er studierte in Kathargo und später auch in Athen. Er bereiste verschiedene Städte im Mittelmeerraum (Athen, Samos, Phrygien, Rom) und arbeitete als Rechtsanwalt.

Zusätzlich zu den bisher benannten Ideenlehren, kam Apuleius bei seinen Reisen auch mit ziemlicher Sicherheit mit den Vorstellungen der Neupythagoreer in Berührung, die damals in Athen eine Art Renaissance erfuhren. Wikipedia informiert über die Pythaoreer folgendermaßen:

„Für die Pythagoreer charakteristisch ist die Überzeugung, dass der Kosmos eine nach bestimmten Zahlenverhältnissen aufgebaute harmonische Einheit bildet, deren einzelne Bestandteile ebenfalls harmonisch strukturiert sind oder, soweit es sich um menschliche Lebensverhältnisse handelt, harmonisch gestaltet werden sollten. Sie nahmen an, dass in allen Bereichen – in der Natur, im Staat, in der Familie und im einzelnen Menschen – dieselben zahlenmäßig ausdrückbaren Gesetzmäßigkeiten gelten, dass überall Ausgewogenheit und harmonischer Einklang anzustreben sind und dass die Kenntnis der maßgeblichen Zahlenverhältnisse eine weise, naturgemäße Lebensführung ermöglicht. Das Streben nach Eintracht beschränkten sie nicht auf die menschliche Gesellschaft, sondern dehnten es auf die Gesamtheit der Lebewesen aus, was sich in der Forderung nach Rücksichtnahme auf die Tierwelt zeigte. (…) Ausgangspunkt der konkreten Zahlenspekulation war der Gegensatz von geraden und ungeraden Zahlen, wobei die ungeraden als begrenzt (und damit höherrangig) und – wie im chinesischen Yin und Yang – als männlich bezeichnet wurden und die geraden als unbegrenzt und weiblich. Die als Prinzip der Einheit aufgefasste Eins galt als der Ursprung, aus dem alle Zahlen hervorgehen (und infolgedessen die ganze Natur); so gesehen war sie selbst eigentlich keine Zahl, sondern stand jenseits der Zahlenwelt, obwohl sie rechnerisch als Zahl wie alle anderen erscheint.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreer#Mathematik_und_Zahlensymbolik

Für die Neupythagoreer war also „Harmonie“ das oberste Prinzip. Die (Neu)Pythagoreer waren Vegetarier, lebten bescheiden, halfen einander in Notlagen, waren ein wenig „kommunistisch“ drauf (wobei diese Bezeichnung nicht 100% passt), glaubten an die ewige Wiederkehr der „Seele“ und an Vernunft. Mit Gott oder Göttern hatten sie es nicht so, bzw. nahmen an, dass Götter gar nicht existieren (oder existieren, aber für das Leben der Menschen keine Bedeutung haben).
Die Neupythagoreer namen Bezug auf Philosophen vor ihnen wie z.B. Pythagoras, Solon, Anthisthenes und … Platon (oder zumindest ein Teil seiner Ansichten). Diese “alten Philosophen” lebten schon ein paar Jahrhunderte zuvor und wurden als „Sophisten“ bezeichnet. „Sophist“ bedeutete ursprünglich nur „weiser Mann“, im Laufe der Zeit (und auch durch die Verfolgung der Sophisten, Sokrates ist ein berühmtes Beispiel, ihm wird „Abesie“ vorgeworfen, also „Gotteslästerung“ und deswegen muss er den Schierlingsbecher trinken) … im Laufe der Zeit wird daraus ein Schimpfwort und es heißt wohl sowas wie „Rumschwafler“ oder „Laberkopp“ und wurde bzw. wird für Menschen gebraucht, die einfach nicht auf den Punkt kommen oder total waghalsige Behauptungen aufstellen.

SelfhtmlDer Tod des Sokrates`. By José Maria de Medeiros[1], Public Domain, Link

Von Apuleius philosophischen Texten sind nur wenige erhalten geblieben, bei vielen wird über die Echtheit spekuliert. Erhalten geblieben und wahrscheinlich “echt” (also von Apuleius) sind: „Über den Gott des Sokrates“ (De deo Socratis), „Über Platon und seine Lehre“ (De Platone et eius dogmate), „Über die Welt“ (De mundo) und Peri hermēneías (De interpretatione, „Über die Aussage“ oder „Über das Urteil“).
Außerdem verfasste er ein Buch „Über die Magie“ (De magica), das auf einem Prozess basiert, in dem er angeklagt worden war, seine Frau Pudentilla durch Magie zur Heirat gezwungen zu haben.

Nach seinen Reisen heiratete Apuleius nämlich eine reiche Witwe namens Pudentilla. Einer ihrer Söhne fand das nicht gut und begann einen Prozess gegen Apueius, in dem er ihm vorwarf, die Mutter durch magische Handlungen zur Heirat verführt zu haben. Allem Anschein nach wurde Apuleius aber freigesprochen. Bis zu seinem Tod blieb er dann in seiner Heimat Nordafrika, zunächst in einem Ort namens Oea, dem heutigen Tripolis, und später in Karthago, wo er als Priester arbeitete. Wann genau er gestorben ist, weiß man heute nicht mehr genau.

Eindrucksvoll ist in jedem Fall, wie Apuleius Schaffen nach seinem Tod weiterlebte. Im Folgenden gebe ich dazu einen kleinen Einblick, wer mag, kann sich gerne den passenden Wikipedia-Artikel mit all seinen Unterverlinkungen dazu durchlesen, – sehr lohnenswert und von Wikipedia selbst als “lesenswert” deklariert.

 

Apuleius Nachleben und Wirkung

Bereits kurz nach seinem Tod wurden Apuleius einige Statuen errichtet. Im 4. Jahrhundert gab es dann sogenannte „Kontorniaten“ mit seinem Abbild drauf. Die Verwendung dieser Kontroniaten ist umstritten, vielleicht waren es Spielplaketten, vielleicht kleine Abzeichen, um den heidnischen Glauben (gegen die Christen) zu verteidigen.

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By Johann Jacob Bernoulli – Johann Jacob Bernoulli, Römische Ikonographie, Bd. 1: Die Bildnisse berühmter Römer mit Ausschluss der Kaiser und ihrer Angehörigen. Stuttgart u.a. 1882, Münztaf. 5,117., Public Domain, Link

Die frühen christlichen Kirchväter kannten Apuleius größtenteils und lobten in für sein Werk, kritisierten ihn teilweise aber auch als zu „belletristisch“ und deuteten seine Erzählungen in radikal christlichem Sinn. Im Mittelalter gab es Gelehrte, die auf die Schriften von Apuleius Bezug nahmen (Isidor von Sevilla, Fulgentius, Bernardus Silvestris, Johannes von Salisbury, Albert der Große). Die frühen Humanisten kannten Apuleius (Petrarca, Boccaccio, da Strada, …).
Mit der Verbreitung des Buchdrucks und dem Aufkommen von populärer Literatur, griffen einige Autoren auch auf die Erzählmotive von Apuleius` zurück.
Niccolo Machiavelli beispielsweise schrieb nicht nur etwas über Staatsphilosophie, sondern auch eine (unvollendete) Geschichte über einen verwandelten Esel. Apuleius Metamorphosen galten sogar als Vorbild für eine gesamte Literaturgattung: den sogenannten „Schelmenroman“ (bestes Beispiel: Don Quijote).

Besondere Beachtung fand allerdings die Erzählung von Amor und Psyche. Zahlreiche Humanisten und spätere Autoren haben die Geschichte ausgedeutet oder neu geschrieben, darunter Boccaccio, Niccolò da Correggio, Galeotto del Carretto, Juan de Mal Lara, Ercole Udine, Edmund Spenser (The Faerie Queene), William Browne (Britannia’s Pastorals), Shackerley Marmion (The Legend of Cupid and Psyche), Thomas Heywood (Loves Maistresse or The Queens Masque), Calderón (Ni Amor se libra de amor), Johann Ludwig Prasch (Psyche Cretica), Jean de La Fontaine (Les amours de Psyché et de Cupidon), Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Herder, Mary Thighe, …
Einige sehr bekannte Werke, wie das oben schon erwähnte „Don Quijote“ oder Shakespeares Mittsommernachtstraum enthalten einzelne Elemente oder Episoden aus Apuleius „Amor und Psyche“.

Und auch ganz aktuelle Werke heute noch bekannter Autoren thematisieren Apuleius Schreiben aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. So unter anderem
Elizabeth Barrett Browning  und C.S. Lewis, der nicht nur die „Chroniken von Narnia“ schrieb, sondern die Geschichte aus der Sicht von Psyches älterer Schwester darstellt.

Daneben gab und gibt es auch musikalische Versionen:

Auch in der Psychologie (eine Disziplin, die im 20 Jahrhundert größere Verbreitung fand) spielte die Erzählung von „Amor und Psyche“ eine Rolle. Das ist nicht allzu verwunderlich, bezeichnet der Name der Menschenfrau, in die Amor sich verliebt, ja auch tatsächlich DIE „Psyche“, – also im Sinne von „Seele, Verstand, Gedanken“ – dasselbe Wort wie in Psychologie.

Über all dem gibt es auch eine große Anzahl an Bildern, die es ohne Amor und Psyche nicht gäbe.  Anbei ein paar Beispiele (in chronologische Reihenfolge). – Und damit verabschiede ich mich dann auch erst einmal ganz schlicht und leise. Ich wünsche euch das Allerbeste, mir hat´s sehr viel Spaß gemacht diese Reihe zu schreiben! Bis ganz bald!

Eure Runa Phaino

Selfhtml ca. 70 n. Chr. (Kann das sein? Vielleicht aufgrund einer vorhergehenden Erzählung???)By Stefano BologniniOwn work, Attribution, Link

Selfhtml Wahrscheinlich 3. Jahrhundert n. Chr. By FravekatorOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Selfhtml 1345. By Bartolomeo di Bartoli for Bruzio Visconti – 2D copy of a scan of an medieval manuscript, Public Domain, Link

Selfhtml ca. 1600. By Bartholomeus Spranger – found online [2]Upload: James Steakley, Public Domain, Link

Selfhtml 1605.

By Joseph Heintz the Elder – (Original text: Stadt Augsburg: http://www2.augsburg.de/uploads/pics/F_1548_01.jpg), 11. August 2007(11 August 2007 (original upload date)). Original uploader was Brezelsuppe at de.wikipedia, Public Domain, Link

Selfhtml 1817. By Jacques-Louis David – Author, Public Domain, Link

Selfhtml ca. 1850. By Reinhold Begas (1831-1911) – Alte Nationalgalerie, CC0, Link

Selfhtml Psyche öffnet die Tür zu Amors Garten. Waterhouse 1903. By John William Waterhousejwwaterhouse.com, Public Domain, Link

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Grüße vom Balkon

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Hallo ihr Lieben!

Dieses Mal erhaltet ihr viele Grüße von Rosa, von ihrem “Heimat-Balkon”. (Wer genau hinsieht kann sie finden!)

Zurzeit bin ich nicht ganz so produktiv, was dieses Blog anbelangt, aber umso mehr, was meine Erzählung, bzw. den Kurzroman “Das Herzmärchen der Spinnerin” betrifft. Die Geschichte liegt in den letzten Zügen – und diese sind bekanntlich die schwersten.

Wenn ihr also in den nächsten Tagen (Wochen?) nichts von mir hört:

ich arbeite fleißig. 🙂

Denn ich werde meine erste Geschichte bald veröffentlichen. Vielleicht eher, vielleicht später. Spätestens aber am 28. September.

Denn dann ist Vollmond + Mondfinsternis noch dazu!

(Ich bin ein wenig abergläubisch.)

Möglicherweise wird auch schon eher was draus. Und da gab es ja auch noch den angekündigten Fortsetzungsroman. Hm.

Die Geschichte, an der ich gerade arbeite (ich schrieb es bereits), kann ich nicht so einfach loslassen. Da bin ich Perfektionistin. Es ist ein “Herzmärchen”. Mit Herzblut geschrieben. – Und das tut immer ein bisschen weh.

Seid also geduldig, bleibt geduldig – bald ist es soweit!

Und dann kommt auch wieder mehr von mir!

Beste Grüße

Eure

Runa

PS. Allerdings werdet ihr demnächst noch einmal bezüglich des Covers befragt. Ich kann mich einfach nicht entscheiden! 😀

Der Stil und seine Mittel (2) – Ein lustiger Gesell´

Die Mode ist das, wodurch das Phantastische für einen Augenblick allgemein wird. (Oscar Wilde) 

DAS BÁTHOS

Zugegeben, es kommt nicht ganz so stark daher wie seine großen Freunde, Sarkasmus, Ironie, Zynismus. Es ist auch nicht ganz so widerspenstig wie ein Oxymoron, nicht ganz so gegensätzlich wie eine Antithese. In seinem Namen aber schwing Pathos mit, Leidenschaft und Kraft, die allerdings -seinem Namen nach – in der Tiefe bleiben.

βάθος ist altgriechisch und bedeutet “Tiefe”.

Die rhetorische Figur nutzt man, wenn in einem Satz ein hoher „Wert“ einem niedrigen „Wert“ gegenüber gestellt wird. Dieser hohe Wert kann sowohl etwas “Positives” oder “Negatives” sein.

Beispiele

„Bei dem Sturz habe ich mir den Oberschenkel gebrochen und mir ist ein Haar ausgefallen.“

Dieses Báthos besteht aus dem Bruch des Oberschenkels und dem Ausfallen des Haares. Es findet sich sowohl auf syntaktischer Ebene (beides sind Akkusativ Objekte), als auch auf inhaltlicher Ebene. Ein Bruch ist “höher” (in diesem Falle “schlimmer” als das Ausfallen eines einzelnen Haares). Daher ist dieses Báthos sogar ein doppeltes Stilmittel, wenn man so will, denn hier liegt auch eine parallele Konstruktion (siehe “mir” = Dativ) auf syntaktischer Ebene vor. Ein Parallelismus. Ein kleiner.

„Das Unwetter zerstörte das gesamte Dorf und auf unserem Hof wurde ein Vogelnest aus der Regenrinne geweht.“

Báthos inhaltlich, syntaktisch nicht 100% ausgeführt. Denn “das Dorf” ist Akkusativ (wen/was?), “ein Vogelnest” (aufgrund des Passivs) Subjekt und damit Nominativ.

„Er liebte sie von ganzem Herzen und betrog sie nur selten.“

Syntaktisch sind hier die Verben am Werk. Unter der Annahme, dass “Liebe” etwas sehr Hohes ist und damit einen Betrug ausschließt, wird diesem hohen Wert ein extrem niedriger Wert, “Betrug”, gegenüber gestellt.

„Ich bin wirklich sehr kleinlich und extrem genau. Meistens.“

Dieses Báthos funktioniert nur auf inhaltlicher Ebene. Es schließt sich aus, “meistens” “sehr kleinlich” und “extrem genau” zu sein. Entweder man ist es oder eben nicht.

“Das Phantastische wird für einen Augenblick allgemein.”

“Das Phantastische”, ein hoher, ideeller Wert – wird hier inhaltlich “allgemein”. Ebenfalls ein Báthos, wenn mich nicht alles täuscht.

Zur Funktion und Verwendung

Das Báthos ist ein wunderschönes Stilmittel, wie ich finde. Ich meine auch, es in verschiedenen, insbesondere humorvollen Texten schon (unbewusst) gelesen zu haben. Möglicherweise ist es daher sogar “modern”.

Das Báthos macht Texte oder/und Figuren interessant, überraschend und „locker“. Man spürt die leise Ironie in diesen leicht widersprüchlichen Aussagen. Irgendetwas wird nicht ganz ernst genommen. Oder meinen der Text/die Figur vielleicht doch ernst, was sie sagen?

Der Leser wird ein wenig an der Nase herumgeführt, denn er weiß nicht recht „Was soll das eigentlich?“. Das verwirrt und macht – im besten Fall-  neugierig auf mehr.

Beste Grüße

Eure

Runa

PS. Wie ich eingangs erwähnte, ist die Verwendung von Stilmitteln eine sehr individuelle Angelegenheit.

https://lehmofen.wordpress.com/2015/07/11/der-stil-und-seine-mittel-1-welches-kleid-passt-meiner-geschichte/

Es mag daher nicht alles 100% stimmig sein oder “passen”, was ich hier schreibe. Ich würde mich sehr über eure Gedanken und Beispiele freuen, auch Widerspruch (am besten begründet) ist gerne gesehen! Dankeschön!

Der Stil und seine Mittel (1) – Welches Kleid passt meiner Geschichte?

Bei Mode geht es darum Sachen zu tragen, die einem stehen. (Vivienne Westwood)

Heute geht es um Mode. Es geht um Stil. Es geht ums Schreiben.

Die letzten Tage und Wochen habe ich mich mit Stilmitteln beschäftigt.

Unzählige gibt es! Seit Menschengedenken! Erstmals schriftlich festgehalten in der Antike. Z.B. in der Poetik von Aristoteles oder später von Cicero in De Oratore (Über den Redner).

Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass  die meisten literarische Hüpfer heutzutage nicht mehr en vouge sind. Zumindest fallen sie kaum auf. Das heißt, die “Schreibmode” scheint zur Zeit eher “schlicht” zu sein, kurze Prägnanz, einfache Sätze, wenig Schmuck und Gepränge.

Nichtsdestotrotz habe ich gemerkt, dass die feinen Kniffe stilistischer Art Verschiedenes vermögen, sofern sie nicht inflationär eingesetzt werden.

Stil wirkt also noch heute.

Der geneigte Autor muss also “nur noch” die richtigen Klamotten für seine Figuren, Sprache und Werk finden – et voilá! Sieht gleich viel besser aus.

Viele Seiten im Internet informieren über Stilmittel, gut finde ich diese hier:

http://www.wort-satz-buch.de/wichtige-rhetorische-stilmittel-deutsch-liste/

Dort sind die 38 wichtigsten Mittel aufgelistet, ganz kurz und knapp.

Sehr ausführlich, weil weiterverlinkend, ist das gute alte Wikipedia. Fast jede der rhetorischen Figuren hat ihren eigenen Wikipedia Eintrag. Man könnte sich wochenlang damit beschäftigen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_rhetorischer_Stilmittel

In beiden Fällen und insgesamt betrachtet fehlen mir allerdings Überlegungen dazu, wann und vor allem zu welchen Zweck die Stilfiguren eingesetzt werden sollen.

Auch dazu habe ich geforscht/mir Gedanken gemacht und kam zu dem Schluss:

Es gibt kein Patentrezept für Stilmittel.

Es muss genau geprüft werden, wie sich das Mittel auf den Inhalt (und andersherum) auswirkt. Anders gesagt: jeder Geschichte steht was anderes. Solange es gut aussieht, ist alles erlaubt. Und es gibt sogar Modedesigner, die behaupten, dass es “geschmacklos” sein muss, um großartig zu sein.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Eure Runa

 

Einfach mal so …

Am heutigen Tage möchte ich, unabhängig jedweder Literaturvorgabe, meine persönlichen Schreibtipps zum Besten geben.

1. Spreche mit deinem Material

Das mag sich erstmal merkwürdig lesen. Wie oder wieso sollte man mit einem Thema “sprechen” oder – womit überhaupt soll man sprechen?

Relativ verständlich ist dieser Vorschlag bei Figuren. Man hat also Figur x,y und z und an mancher Stelle weiß man nicht, wieso sie dies oder das tun – oder: was sie überhaupt tun.

Fragt sie! Redet mit ihnen! Schreibt mit ihnen!

Es gibt die Möglichkeit, einen Steckbrief auszufüllen. Das Internet ist voller Vorschäge (Steckbrief Figur, Charakterisierung), aber ich glaube, das ist nur eine und vielleicht sogar eine “schlechte” Variante, um herauszubekommen, was und wer und wie die Figur eigentlich ist.

Ich mag Interviews. Eigene Fragen, geschriebene Antworten – die ich mir “selbst” gebe, durch die Figur. Kommt viel bei rum, finde ich. Wobei es immer noch eine Weile dauert.

Aber gerade wenn man vielleicht noch nicht in der Lage ist, seine Figuren in einen Steckbrief zu “stecken”, sollte man sich vielleicht einfach mal mit ihnen unterhalten – auf schriftlicher Ebene.

2. Sex

Wie sähe – für Dich persönlich – die beste Liebesnacht Deines Lebens aus? Was müsste passieren? Wer müsste dabei sein und wie würde “man” vorgehen?

Ich finde, um die Rhythmik und Spannung einer guten Geschichte zu eruieren – um diese herauszubekommen – sollte man sich “back to the roots” aufmachen und darüber nachdenken – und nachschreiben – wie eine perfekte Liebesnacht auszusehen hätte.

Das mag auf den ersten Blick wenig mit “der Geschichte” zu tun haben, aber – hey – subcontious it has! Oder anders gesagt: im Unbewussten wird das seine Wirkung tun.

Womit wir schon bei Punkt 3. wären:

3. Esoterik

Es gibt, laut Freud, sowas wie das Unbewusste. Nichts in den großen Romanen ist dem Zufall überlassen. Alles, was dort geschrieben steht, und sei es nur die stupide Beschreibung einer Vase, hat etwas mit unserem Unbewussten zu tun. Mag sein, dass es auch den ein oder anderen Autoren gibt, der sich da nicht 100% drauf verlässt. Aber grundsätzlich gilt: wenn z.B. von einer “Tür” die Rede ist, dann ist das immer eine Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten.

Oder wenn von “Tunneln” oder “Höhlen” geschrieben wird: hier sind reinkarnierende Kräfte am Werk! (Reinkarnation = Wiedergeburt; oder im übertragenen Sinn auch einfach: ein Neuanfang).

4. Musik

Schreiben, in letzer Konsequenz, ist meiner Meinung nach Musik. Oder “wie” Musik.

Um sich dessen zu behelfen, kann es sinnvoll sein  – aber das ist eine Typfrage – beim Schreiben Musik zu hören. Diese muss gar nicht mal zum Thema passen, solange sie den Vibe des Themas zu transportieren vermag.

Also: hört Musik und schreibt!

Nun zum letzten und wichtigsten Punkt:

5. Schreiben

Wer schreiben will, sollte schreiben. Ich habe festgestellt, dass es eigentlich egal ist, was geschrieben wird. Z.B. mein Blog hat schon sehr viel in mir ausgelöst … vielleicht auch die Gegebenheit, dass ich durch den Blog viel lese (das als Tipp 5.1. Lesen ist superwichtig), was andere Blogger so schreiben.

Das war es für heute. Morgen gibt es was über den Kaktus. Versprochen.

Beste Grüße und bis bald

Runa