Alles hat ein Ende … (schon wieder)

 

Ihr Lieben!

Bevor die heiligen Tage zu ende gehen, möchte ich, wie schon angekündigt, ein kleines Geschenk aussprechen:

Am nächsten Donnerstag werden hier die übrigen Kapitel vom Manuskript “Amors Abenteuer” erscheinen. Das heißt, es wird ein langer Abschnitt sein, in dem, so viel darf ich vielleicht schon mal verraten, alles gut wird. 😉

Trotzdem ist das kein einfaches Happy End, denn es gibt dann keine Donnerstagsgeschichten, keinen Fortsetzungsroman mehr.

Und dennoch gibt es Grund zur Freude, denn was ich hier im Lehmofen verspreche, setze ich fast immer in die Tat um, also:

In ein paar Wochen werde ich mit der Überarbeitung der Geschichte fertig sein. Sie wird unter dem Titel “Amor und Psyche” als Ebook und als Hardcover erscheinen und ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mit den mir zugewandten Menschen, denen ich per E-Mail (wie altmodisch!) davon berichten werde, die Amazon Verkaufscharts für das Büchlein in die Höhe treibt.

Hehe.

Die Menschheit muss gebildet werden und Liebe siegt bekanntlich immer!

An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass die hier erscheinenden Kapitel noch nicht überarbeitet sind und ich dann mit grummelig verzogenem Blick auf “Veröffentlichen” klicken werde, da ich natürlich extrem unzufrieden bin mit dem Rohentwurf. (Das ist kein Fishing for Compliments, sondern die pure Wahrheit. Falls ihr Anmerkungen oder Hinweise habt, immer her damit.)

Und jetzt schnell noch “Frohe Weihnachten”, denn in 35 Minuten ist diese Zeit schon wieder vorbei.

 

Eure

Runa Phaino

(Die ein gesegnetes Weihnachtsfest hatte und gerade sogar eine Sternschnuppe sah. Ooooohhhhh! :))

 

 

 

 

 

 

 

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Ceres

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Pluto verschränkte die Arme und blickte zufrieden drein.
„Ich will sie oder keine.“
„Pah“, sagte Amor und rollte sich auf die Seite, um den verliebten Pluto nicht länger ansehen zu müssen. „Das dachte ich auch mal. Aber Liebe gibt es nicht. Egal wie stark die Gefühle zu Anfang sein mögen. Zum Schluss wirst du nur verraten …“
„Blödsinn“, entgegnete Pluto. „Du kommst jetzt mit mir in die Unterwelt.“
„Oh ja“, sagte Amor und streckte Pluto seine Hände entgegen. „Endlich! Töte mich!“
Kopfschüttelnd zog Pluto Amor aus dem Bett. „Nicht um zu sterben. Meine Liebste ist dort. Die Schönste und Bezaubernste von allen, mein Herzelchen, mein Augenstern!“

Die Erkenntnis erhellte Psyches Herz, genauso wie die Sonne, die gerade ihre Strahlen über die Lichtung schickte.
„Es ist wahr“, sagte Psyche. „Ich liebe ihn. Ich muss ihn sehen. Es kann nicht einfach so vorbei sein!
Ich habe einen Fehler gemacht. Ich war unvorsichtig, unbedacht. Das alles ist wahr. Aber ich liebe ihn. Und das ist das einzige, was zählt. Ich werde ihn finden, und wenn es das letzte ist, was ich tu.“
So stand Psyche an diesem Morgen auf. Tief und fest hatte sie geschlafen, bedeckt von dichten Spinnenweben auf einem kleinen Hügel aus Moos.
„Dank euch ihr Nymphen und Faune, Dank auch dir, Pan“, flüsterte Psyche und wischte sich mit dem morgendlichen Tau den Schlaf aus den Augen. Und dann schritt sie über die Wiese, die im Sonnenlicht glitzernder funkelte als ein Kristallpalast.
Es gab nur einen Weg, wie sie Amor wiederfinden konnte. Sie musste die Götter selbst aufsuchen. Der Gedanke daran ließ sie erschaudern. Aber blieb ihr eine andere Wahl? Sie wollte, wenn es nötig war, bis ans Ende der Welt gehen, um Amor noch einmal zu sehen.
Psyche entdeckte einen schmalen Weg, dem sie folgte, bis sie in eine kleine Siedlung gelangte. Sehnsüchtig betrachtete sie die Eingänge zu den Tavernen, roch gebratenes Fleisch und hörte, wie Wein aus Schläuchen in Krüge gluckste. Während Psyche noch darüber nachdachte, wie sie es anstellen wollte, an etwas Essbares zu gelangen, stolperte sie auf einmal über einen Krug, der umgefallen war und aus dem sich eine Menge Korn ergoss. Nicht weit davon entfernt, zwischen zwei kleinen Häusern, hockte eine vermummte Gestalt, die bitterlich weinte.
Niemand der Menschen aus der Siedlung schien von ihr Notiz zu nehmen. Alle gingen vorbei. Psyche aber schaufelte das Korn, das aus dem Krug hinausgeflossen war, mit beiden Händen zurück und stellte ihn neben die Frau.
„Sehr her, Mütterchen“, sagte sie. „Es ist doch alles wieder gut.“
Die Alte aber antwortete nicht, sondern schluchzte.
Da setzte sich Psyche eben sie, eben wie es Pan bei ihr getan hatte, legte ihr eine Hand auf den Rücken und fragte:
„Was ist es denn, das euch so sehr auf dem Herzen liegt?“
Die Alte beruhigte sich etwas, schien erst jetzt wahrzunehmen, dass Psyche da war und ergriff ihre Hände.
„Ich danke dir, mein Kind“, sagte sie. „Du musst ein gutes Herz haben, dass du mir hilfst. Dass du dich um die Gabe kümmerst, die hier achtlos auf dem Weg lag. Ich danke dir.“
Psyche zuckte mit den Schultern. „Das ist doch selbstverständlich.“
„Es ist nicht selbstverständlich, dass man mich sieht“, widersprach die Alte und blickte Psyche an. Ihr Gesicht wirkte unerwartet jung, ihr Haar hatte die Farbe von goldenem Korn, in ihren Augen meinte Psyche für einen kurzen Moment den Himmel zu sehen, so wie er aussah kurz vor Einbruch der Dunkelheit.
Dese Frau wirkte nicht wie ein schwaches Mütterlein.
„Wer bist du?“, fragte Psyche.
„Du scheinst einen feinen Sinn für das Luminose zu haben. Nur wenige können uns Götter sehen. Ich bin Ceres.“
Psyche schluckte. Ceres war die Göttin der Fruchbarkeit, des Ackerbaus und der Ehe. Seltsam, dass sie ihr begegnete. Das konnte kein Zufall sein.
„Ich … ich kannte Amor“, sagte Psyche erklärend. „Ich suche ihn!“
„Amor?“, fragte Ceres verblüfft und verengte dann die Augen. „Bist du die, für die ich dich halte? Bist du Psyche?“
Psyche nickte hoffnungsvoll.
Doch Ceres Blick verdunkelte sich.
„Ich kann dir nicht helfen. Es tut mir leid. Venus ist meine Freundin und sie ist so zornig auf dich. So zornig, wie sie es auf keinen Menschen war.“
„Aber warum?“
„Sie duldete es nicht, dass ihr Sohn eine Sterbliche liebt.“
„Er liebt mich?“
„Er ist krank vor Kummer“, antwortete Ceres. „So wie es eben ist, wenn man jemanden verliert, den man liebt …“ Und wieder begannen die Tränen von Ceres Wangen zu rinnen. „Ich weiß, wie das ist, denn ich suche meine Tochter.“

Ungeheure Schmerzen

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Die Schmerzen in Amors Schulter waren unerträglich. Sein neuer Bogen war im Schloss zerplatzt. Es war alles ruiniert, zerstört, vernichtet. Wegen ihr. Diesem misstrauischen Menschlein!

Er war ein solcher Idiot. Selbst seine Mutter hatte er verraten. Was hatte er nicht alles getan! Und sie, sie war nicht imstande, nur ein einziges Versprechen zu halten. Ein einziges!

Den alten Bogen bewahrte in seiner Wolke auf. Genauso, wie die Pfeile. Wütend wie er war, machte er sich daran sie alle abzuschießen. Nicht die goldenen. Nur die bleiernen.

Das Geräusch brechender Herzen erklang wie Musik in Amors Ohren.

Er hätte sie alle abgeschossen. Alle bleiernen Pfeile. Aber die Schmerzen in seiner Schulter waren gewaltig.

Mit letzter Kraft schleppte sich Amor auf die Stufen von Venus Wolkenpalast, dort blieb er erschöpft liegen. Und als die Sonne unterging und es eigentlich Zeit gewesen wäre, für ihn zu Psyche zurückzukehren, da weinte er vor Schmerz und vor Wut.

„Mein Schätzchen, das war aber ein schöner Ausflug heute!“

„Stern meiner Augen, Schönste der Schönen, es war mir eine Ehre, euch zu begleiten!“

Schnell wischte sich Amor die Tränen aus dem Gesicht. Endlich, da war seine Mutter. Doch sie war nicht alleine. Jemand begleitete sie, – es war nicht Mars, irgendjemand anderes, kleineres, sterbliches …

Amor schlug sich mit der Hand vor die Stirn. Er war so ein Dummkopf! Natürlich war Adonis bei Venus. Sein genialer Plan hatte sich erfüllt.

„Oh du Held meiner schlaflosen Nächte, möchtest du vielleicht noch mit hochkommen? Auf einen Tee, vielleicht etwas Nektar und Ambrosia?“

„Nichts könnte besser schmecken als deine Lippen, meine Holde!“, sagte Adonis und küsste Venus wild. Die ließ sich von ihm an die Brüstung der Treppe drücken und begann, ihr Kleid hochzuschieben.

Das ging zu weit.

„Ma!“, rief Amor. „Hallo! Ich bin … da … “

Sowohl Venus als auch Adonis hielten in ihrer Bewegung inne. Langsam drehten sie ihre Köpfe empor und Venus entfuhr ein spitzer Schrei als sie ihren Sohn erkannte.

„Es ist nicht das, wonach es aussieht …“, stammelte Venus errötend.

„Ist das dein eifersüchtiger Ehemann?“, fuhr Adonis aufbrausend hoch. „Ich habe keine Angst vor ihm!“

„Das ist mein … Sohn“, sagte Venus und sah betreten zur Seite.

„Sponta-anbesuch“, stotterte Amor. Dann brach er in Tränen aus.

Im nächsten Moment fand er sich wieder in der parfümierten Wolke seiner Mutter. Sie drückte ihn an ihren Busen und streichelte ihm über das Haar. Diesmal beruhigte es Amor zutiefst, ihren Duft zu riechen. Er schlang seine Arme um ihren Hals und weinte hemmungslos.

„Was ist denn los, mein kleiner Schatz?“, fragte Venus. Nebenbei hob sie einen Arm und warf Adonis einige Kusshände zu.

„Ist er endlich weg?“, fragte Amor zwischen seinen Schluchzern.

„Ja, mein Schatz“, sagte Venus und wandte ihren Blick zurück zu Amor. „Was hast du denn?“

„Ich bin ver- verletzt!“, schniefte Amor und zeigte Venus seine Schulter.

„Oh ihr Götter!“, keuchte Venus entsetzt. „Das muss sofort behandelt werden!“

Sie klatschte in die Hände und wies eine ganze Heerschar Nymphen und Satyrn an, Amor zu verpflegen. Ein Verband wurde angelegt, ein Kräutersud gekocht, Amor wurde in sein Kinderzimmer getragen und in sein Bett gelegt. Venus setzte sich neben ihn.

„Besser?“, fragte sie.

„Etwas“, seufzte Amor und drehte sein Gesicht ins Kissen. Unaufhörlich rannen ihm die Tränen die Wange hinab. Unvorstellbar, dass überhaupt so viel Flüssigkeit in ihm war.

„Nun, wenn du mich fragst“, sagte Venus, „sieht es so aus, als ob du Kummer hast. Tieferen Schmerz, als ihn diese Wunde zufügen könnte. Schmerz in deinem Herzen.“

„Woher weißt du das?“, fragte Amor entgeistert.

„Cupido, ich bin die Göttin der Liebe und deine Mutter. Ich hatte da schon länger einen Verdacht, aber jetzt ist es offensichtlich.“

„Wieso?“, schniefte Amor.

„Weil du leidest. Deine Schulter sieht schlimm aus, viel schlimmer aber ist dein gebrochenes Herz. Ich kann es fühlen.“

„Echt?“, fragte Amor.

„Ja“, sagte Venus. „Und ich möchte wissen, wer dir das angetan hat!“

Amor schauderte. Zorn lag in Venus Stimme.

„Niemand“, sagte er daher.

„Das ist nicht wahr. Nimm sie nicht in Schutz. Oder ihn? Oh ihr Götter, hast du deswegen die Männer von Mars …“

„Nein Ma“, sagte Amor schniefend. „Es ist ein Mädchen, … ach … aber was willst du denn machen?“

„Ich will es wissen, Cupido!“

„Es war … Psyche“, sagte Amor leise.

„Was? Diese Prinzessin? Die sich einst für mich ausgab und alle meine Opfergaben gestohlen hat? Die hat meinen Sohn verführt? Wie hat sie es angestellt? Ich dachte, sie ist längst mit einem Ungeheuer vermählt und tot!“

Als Amor „Ungeheuer“ hörte, musste er laut schluchzen. „Ma, versteh doch, ich war das Ungeheuer.“

 

Amor schießt wieder!

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Am nächsten Donnerstag, den 6. Oktober 2016, geht es weiter mit dem Blogroman “Amors Abenteuer”. Jede Woche ein neues Kapitel, immer so gegen 18:00 Uhr.

Wer sich noch einmal einlesen möchte, der klicke HIER, scrolle ganz nach unten und lese.

Habt ein schönes Wochenende und eine schöne Woche, wir lesen uns hoffentlich dann am Donnerstag – bin schon ganz kribbelig, wie euch die restlichen Kapitel gefallen werden!

 

Alles Liebe

Eure

Runa

 

PS. Das schöne Bild habe ich von Jörg Bittner Unna – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35823161

 

 

Gefallen

Ein paar Vorbemerkungen, ausnahmsweise. 

Dies ist der vorerst letzte Teil vom Blogroman “Amors Abenteuer”. Ich hoffe, er wird euch gefallen. Habe lange daran herumgedoktort, fast jedes Wort zig Mal umgewälzt. Selbstverständlich bin ich nicht zufrieden, aber dank euch veröffentliche ich es trotzdem! 

Dieses “trotzdem” zu tun ist es auch, was ich lernen durfte. Daneben die kontinuierliche Arbeit an einer längeren Geschichte. – Danke! 

Eine kleine Warnung: Ich habe euch da einen ziemlich üblen “Cliffhanger” am Ende eingebaut und die Geschichte wird erstmal nicht fortgeführt! 😉 

Einen wunderschönen Sommer und alles Liebe! – Ganz viel Spaß beim Lesen! 

Eure

Runa Phaino

 

 

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Als Amor ins Schloss zurückkehrte, plagten ihn Gewissensbisse. Ob es richtig gewesen war, seine Mutter mit einem Sterblichen zu verbinden? Was würde Mars dazu sagen, wenn er davon hörte? Was Vulkanos?

Wie Tiere waren Venus und Adonis übereinander hergefallen. Wahrscheinlich lagen sie noch immer auf der Lichtung, derart ineinander verschlungen, dass man sie kaum auseinanderhalten konnte. Eine groteske Szenerie und so peinlich, dass es weh tat. Wie um alles in der Welt würde er diese Bilder wieder aus seinem Kopf bekommen?
„Scheiße!“, fluchte Amor und feuerte seinen Bogen in die Ecke des Flures. „Ist denn alles falsch, was ich mache?“ Er zog seinen Köcher von der Schulter und schmiss ihn hinter dem Bogen her.
Doch als er ins Schlafzimmer gelangte und seine Nase in Psyches Haar tauchte, da verflog seine schlechte Laune. Er erinnerte sich daran, wie sein Vater einst sagte, dass im Krieg alles erlaubt wäre. Und Venus flötete damals: „Genauso wie in der Liebe, ihr Schätzchen.“ Seine Mutter in einen Menschen zu verlieben, war die einzige Chance, um sie dazu zu bringen, Psyche als seine Frau zu akzeptieren.
„Hallo meine Schöne, wie war es mit deinen Schwestern?“, raunte er. „Hattet ihr einen angenehmen Tag?“
Psyche drehte sich weg. Verunsichert schlüpfte Amor unter die Decke. Er nahm an, dass sie sauer auf ihn war. Und er konnte sich schon denken, warum.
Seufzend begann er zu erklären: „Es ist nicht so leicht. Weißt du, meine Eltern wissen alles besser und sie sind vor allem total intolerant. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass wir dieses Versteckspiel ab sofort beenden könnten. Wirklich, Psyche, das musst du mir glauben. Ich dachte ja auch, dass meine Ma sich ein wenig geändert hätte. Hat sie aber nicht. Aber ich habe etwas gemacht, das …“ Amor hielt kurz inne. „Du würdest es, glaube ich, nicht verstehen. Ich bin ja selber nicht mal sicher, ob es richtig war. Vielleicht war es ein Fehler, aber weißt du, wenn du bei mir bist, dann fühlt es sich nicht falsch an. Es ist der einzige Weg …“
Amor lauschte in die Dunkelheit, doch Psyche antwortete nicht. Ihr gleichmäßiges Atmen war alles, was er von ihr hörte.
„Ich verspreche dir, nein, ich schwöre es. Ich schwöre es bei allem, was mir heilig ist: Du musst nicht mehr lange warten. Bitte sei nicht böse.“
Gerne hätte er noch mehr gesagt, aber er spürte, dass er heute nichts mehr ausrichten konnte. „Wie war es denn mit deinen Schwestern?“
Amor rüttelte Psyche sanft an der Schulter.
„Hallo?“
Nichts. Nur Atem. Vielleicht träumte sie schon?
Amor beschloss, nicht weiter nachzufragen. Erst jetzt spürte er, wie erschöpft er war. Binnen kurzer Zeit schlief er ein.

Starr vor Angst hielt Psyche den Dolch an ihrer Brust gepresst. Sie wartete noch eine Weile. Dann schlug sie vorsichtig die Decke zurück und verließ das Schlafzimmer. In einer Kommode auf dem Flur hatte sie ein Lämpchen bereitgelegt. Ein kleines Gefäß gefüllt mit Öl, an dessen Rand ein Docht angebracht war.
Im Schloss gab es unzählige kleine und große Öllampen, ja sogar Kerzen und einen Kamin. Dort hatte sie auch Feuersteine gefunden und sich gewundert, warum sie nicht schon viel eher davon Gebrauch gemacht hatte.
Psyche trug das kleine Lämpchen vor das Eingangsportal des Schlosses. Draußen neben der Treppe hatte sie die Feuersteine unter einem Büschel trockenen Gras` verborgen. Der Nachthimmel zeigte keine Sterne, keinen Mond und Psyche hatte Mühe, das Gras zu finden.
„Was für ein unheimlicher, unwirklicher Ort das hier ist …“, wisperte sie, um sich selber Mut zu machen.
Sie entdeckte die Steine, schlug sie aneinander und entfachte eine kleine Flamme in der bitterschwarzen Nacht. Sie entzündete die Lampe am brennenden Gras und löschte das Feuer mit Schmutz und Staub.
Das, was sie tat, fühlte sich unwirklich an. „So weit hast du es also gebracht“, dachte Psyche. „Von der hässlichen Prinzessin zur Gefangenen im Traumschloss bis hin zur … zur … Monsterjägerin.“
Sie nahm die Lampe und schlich auf Zehenspitzen zurück ins Schloss. Den Dolch hielt sie fest umklammert. Im Flur wirkten die Edelsteine wie von einem grauen Schleier überzogen, doch aus einer Ecke glitzerte es golden. Erschüttert kniete Psyche daneben. „Es will mich töten“, schoss es ihr durch den Kopf. „Es will mich wirklich töten …“
Unzählige Pfeile lagen dort, einer schöner als der andere. Ein paar von ihnen schimmerten kaum, die hatten dumpfe, graue Enden. In der Mitte aber, zwischen den goldenen Spitzen, lag ein glänzendes Exemplar, dessen Anfang geformt war wie ein geschnörkeltes Herz. Psyche berührte ihn fasziniert. Ein Tropfen Blut quoll aus ihrem Finger. Erschrocken ließ sie los, erhob sich und öffnete die Tür zum Schlafzimmer. Ihr Herz drohte fast zu zerspringen, so schnell schlug es.
Kein haariges Monster, kein menschenfressendes Ungeheuer, kein grausames, heimtückisches Wesen. Dort lag ein wunderschöner Jüngling mit hellbraunem Haar und bronzefarbener Haut, makellos wie eine Statue.
„Das kann nicht wahr sein“, keuchte Psyche. Nichts war echt, nichts war wirklich, konnte es gar nicht sein, in keinem irdischen Sinn zumindest. Der kunstvoll verzierte Bogen, die Pfeile mit den bleiernen und goldenen Spitzen, all die Unwirklichkeit, die das Schloss umgab. Kein Sterblicher war es, der sie liebte, sondern Amor, die Liebe selbst.
Und als wäre es ebenfalls überrascht von dem Anblick, löste sich ein winziger Tropfen Öl aus der Lampe und fiel hinab auf die Schulter des Schlafenden. Erschrocken sprang Amor hoch. Er presste seine Hand auf die Schulter, in die sich der neugierige Tropfen bohrte. Er brauchte ein paar Augenblicke, um zu verstehen, was geschah. Er erkannte Psyche, die mit zitternden Händen ein Lämpchen hielt. Er sah das Licht. Schmerzhaft verzog er das Gesicht.
„Was … was tust du?“, keuchte Amor.
„Du … Du bist ein Gott?“, stammelte Psyche, nicht minder erschrocken.
Selbst die Zeit wirkte erstarrt.
Da begannen die Wände zu wanken und das Gebälk des Schlosses bebte. Amor schnappte sich einen Stuhl und zertrümmerte das Fenster. Er ergriff Psyche und schoss hinaus, während das Schloss mit einem Knall in sich zusammenbrach.
Atemlos lauschte Psyche dem Schlag der riesigen Flügel. Ein scharfer Wind streifte über ihre Wangen, wo ihr die Tränen hinabflossen. Eng presste sie sich an den geflügelten Geliebten. Sie spürte das Gefühl deutlich. Zwischen der Angst und all dem Schrecken fühlte sie ein warmes, sehnsüchtiges Pochen, das ihr Herz für immer mit diesem Gott verband.
Auf der Bergspitze, wo Amor sich einst in Psyche verliebte, setzte er sie ab. Der Zauber, der das Schloss umgab, war verschwunden. Die Nacht zeigte alle Lichter, den hellsten Mond und funkelnde Sterne. Amor war, als sähe er Psyche zum ersten Mal. Ihre Lippen, die er so oft geküsste hatte, waren trocken. Ihre Augen, diese glänzenden Perlen, schimmerten verzweifelt. Ihr liebreizendes Gesicht wirkte verzerrt von Trauer. „Ich liebe dich“, schluchzte sie. „Ich liebe dich!“
Er trat einen Schritt zurück.
„Meine Mutter hat mich vor euch gewarnt“, sagte er. „Ich habe es nicht glauben wollen. Aber jetzt …“
„Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid. Ich … es tut mir leid. Lass mich dir erklären …“
„Es gibt nichts zu erklären. Was geschehen ist, ist geschehen. Ich muss dich jetzt verlassen.“
Amor schlug seine Flügel auf.
„Nein!“, kreischte Psyche, ergriff Amors Füße und hielt sich dort fest, während er sich gen Himmel emporschwang.
„Du darfst mich nicht verlassen!“, rief Psyche. „Ich liebe dich!“
„Du bist doch bloß ein Mensch“, keuchte Amor. „Und Menschen, das weiß ich jetzt, können nicht lieben.“
Er schwang sich noch höher und Psyche hatte Mühe, ihn festzuhalten. „Dann rette wenigstens unser Kind!“, rief Psyche verzweifelt. „Es kann doch nichts für meinen Fehler.“
„Auch das ist nur ein Mensch.“
Die Worte raubten Psyche jede Kraft. Sie konnte sich nicht länger festhalten, konnte Amor nicht länger greifen. Also ließ sie ihn los, ließ sich selbst los und fiel hinab, fiel hinab in die Tiefe.

 

 

Blinde Passagiere

Für Psyche dauerten die Stunden so lange wie Wochen. Ungeduldig ersehnte sie die Dunkelheit und das süße Gefühl, sich mit dem fremden Vertrauten zu verlieren, um sich gegenseitig zwischen den Laken zu entdecken. Das Schloss allein bei Tageslicht war kaum auszuhalten. Das einzige, was Psyche in dieser Zeit etwas Ablenkung verschaffte, waren die seltsamen Vierecke, deren Inneres sich zu Geschichten formte.
Das Untier nannte die eckigen Exemplare Bücher und hatte ihr erklärt, dass sie genauso verzaubert waren, wie das gesamte Schloss. Verwundert stellte Psyche eines Tages fest, dass sie eine Geschichte las, in der ein Mädchen, Bella genannt, in ein verwunschenes Schloss zu einem Ungeheuer gelangte. Dieses Buch las Psyche in einem Zug. Zu deutlich waren die Parallelen zwischen ihren Erlebnissen und der Geschichte von Bella. Nur eines stimmte nicht. Bella war ein wunderschönes Mädchen und keine hässliche Kröte wie sie, Psyche. Dagegen war das Ungeheuer furchtbar aussehend mit Klauen und einem Löwenkopf. Bella aber hatte sich in das Ungeheuer verliebt trotz seiner Hässlichkeit. Vielleicht, überlegte Psyche, wollte diese verzauberte Geschichte ihr also mittteilen, dass selbst die hässlichsten Wesen geliebt werden konnten. Anderseits aber verwandelte sich das Ungeheuer direkt nach Bellas Kuss in einen schönen Prinzen. Das war also kein wirklicher Beweis.
Bella hatte wirklich Glück, fand Psyche. Für ihren Kuss wurde sie mit einem schönen Prinzen belohnt. Doch am meisten beneidete Psyche das Ungeheuer. Denn sie selbst hatte sich trotz einer Unzahl an Küssen überall auf ihrem Körper nicht verändert. Kein Stück.
Psyche stand also den Geschichten eher skeptisch gegenüber. In manchen Büchern nämlich las sie auch von Zwergen, Feen und Elfen, Wesen, die sich Psyche kaum vorzustellen vermochte.
Und wieder andere Erzählungen berichteten von „Autos“, „Hochhäusern“ und „Versicherungsvertretern“. Für Psyche ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Bücher legte sie sofort zurück ins Regal, denn nicht einmal ansatzweise formten sich die Beschreibungen in ihrem Kopf zu einem Gedankenbild.
Eines Abends erzählte sie dem Ungeheuer von ihren Beobachtungen.
„Es ist so“, sagte Amor, „dass die Bücher in dieser Bibliothek größtenteils noch nicht geschrieben wurden. Sie werden es einmal sein, in ferner Zukunft.“
„Du bist so klug. Woher weißt du all diese Dinge?“, fragte Psyche.
„Ich weiß es einfach. Ich bin der Herr dieses Schlosses.“
Amor fühlte sich prächtig, dass er Psyche die Welt erklären konnte. Wie gut, dass er neulich Kalliope und Thalia über die Vorkommnisse befragt hatte. Die Musen der Schreibkunst hatten ihn zwar entsetzt angeguckt und gemeint, er hätte da ein Luftschloss erschaffen, ein Traumgebilde, das irgendwann platzen würde, aber das kümmerte Amor wenig. Psyche liebte Bücher, Psyche bewunderte ihn. Das war die Hauptsache.
„Glaubst du denn, dass die Geschichten wahr sind? Dass es irgendwann einmal „Versicherungsvertreter“ und „Feen“ auf der Erde geben wird?“, fragte Psyche.
„Auf jeden Fall“, sagte Amor.
„Und was ist mit den Liebesgeschichten?“, fragte Psyche.
„Die stimmen selbstverständlich auch alle“, sagte Amor stolz.
„Die meisten von ihnen gehen aber schlecht aus.“
„Auf keinen Fall!“ Entrüstet richtete Amor sich auf. „Niemand ist stärker als die Liebe, nicht einmal der Tod!“
„Aber die Geschichten gehen schlecht aus“, beharrte Psyche.
„Wie das?“
„Na ja, bei Romeo und Julia zum Beispiel …“ – Psyche erzählte ihm die Geschichte der beiden Liebenden, die aus verfeindeten Familien stammten. „Und dann gab es da noch Tristan und Isolde und … Pyramus und Thisbe …“
„Was hast du gesagt?“, entsetzt richtete sich Amor auf.
„Na, diese ganzen Liebespaare, die nicht zusammen kommen … Romeo und Julia, Tristan und Isolde …“
„Und?“
„Pyramus und Thisbe.“
„Woher kennst du sie?“
„Habe ich doch gerade gesagt, ich habe ihre Geschichte gelesen. Was ist denn bloß los mit dir?“
„Das hört sich an, wie mein Liebespaar“, murmelte Amor gedankenverloren. Vor sein inneres Auge traten die Bilder der sich erdolchenden Thisbe, neben ihr der blutüberströmte Pyramus.
Psyche horchte auf. „Dein Liebespaar? Was meinst du damit?“
„Äh“, sagte Amor und zog sich die Decke bis zum Kinn. Er hätte sich ohrfeigen können. Noch nie in seinem Leben hatte er sich so unvorsichtig verhalten. Oder vielleicht auch doch, aber noch nie war es so heikel gewesen. Psyche durfte nicht erfahren, wer er war. Nicht einmal den Hauch einer Ahnung sollte sie haben. Also stammelte er: „Ich … ich, ach ehrlich gesagt, ich habe die Geschichte geschrieben!“
„Du?“, fragte Psyche.
„Ja, die Geschichte von Pyramus und Tisbe. Deswegen war ich so verblüfft. Hat sie dir gefallen?“
Einen Moment lang war nur Psyches Atem zu hören, so still war es.
Dann rief sie: „Oh Ungeheuer! Jetzt macht das alles Sinn, all die Bücher, wie du sie nennst, und dieses Schloss!“
Erleichtert atmete Amor aus. Das war die richtige Notlüge im richtigen Moment gewesen.
„Na klar macht das Sinn.“
„Du musst der größte Geschichtenerzähler der Welt sein! Und der berühmteste. Kein Wunder, dass ich dich nicht sehen darf!“
„Äh … ja.“
Amor schluckte. Hauptsache, Psyche folgte der falschen Fährte. Er würde das später irgendwann richtigstellen, nach dem Gespräch mit seiner Mutter. Und was seine beiden Liebenden anbelangte … er musste nachforschen, immerhin war er Pluto noch eine Erklärung schuldig.
„Untier“, flüsterte Psyche und schmiegte sich an ihn. „Hast du denn auch Liebesgeschichten geschrieben, die gut ausgehen?“
„Klar“, sagte Amor und biss sich auf die Lippe. „Gerade bin ich an einer dran.“
„Das ist gut“, seufzte Psyche. „Ich glaube nämlich, dass ich schwanger bin.“

 

Kleider und Spiegel

***Dieses Kapitel ist ein Teil von meinem Projekt “Amors Abenteuer”, einer modernen Adaption des antiken Märchens “Amor und Psyche”, das ich aus Spaß an der Freude schreibe und nach einer Überarbeitung als eBook veröffentliche. Wer von Anfang an lesen möchte, ist herzlich eingeladen, bis ans untere Ende der Seite zu skrollen. Ich freue mich über jeden Kommentar. Donnerstags gibt es ein neues Kapitel und manchmal auch zwischendurch. Viel Vergnügen beim Lesen!***

 

Als Psyche erwachte war es hell und das Bett neben ihr war leer. Nur eine Vertiefung in der Decke verriet, dass sie die Nacht nicht alleine verbracht hatte. Lächelnd strich Psyche über die Mulde. Das Untier war eher zurückgekehrt als erwartet und es hatte ihr verziehen, wenn man das so sagen konnte. Gesprochen hatten sie nicht allzu viel. Zumindest nicht mit Worten.

Psyche erhob sich und klatschte in die Hände.
„Frühstück! Ich will Frühstück! Ich habe einen Mordshunger, ich könnte ein komplettes Tier verschlingen!“
Die Winde ließen nicht auf sich warten und Psyche fand augenblicklich ein ausgezeichnetes Mahl bereitet, das besser als alles schmeckte, was sie bisher gekostet hatte, ausgenommen der Küsse der letzten Nacht.
„Meint ihr, das Untier ist bald wieder hier?“, fragte Psyche kauend. „Und was mache ich, damit mir die Zeit nicht lang wird?“
Psyche blickte sich im Zimmer um.
„Oh, ich habe eine Idee!“, sagte sie und deutete auf den Kleiderschrank. „Vielleicht probiere ich es mal damit!“
Die Lüfte wirbelten aufgeregt um sie herum.
„Freut euch nicht zu früh, aber gucken will ich schon.“
Psyche spülte den letzten Bissen mit einem Schluck Tee hinunter und wischte sich die Finger an einer Serviette ab. Dann stand sie auf und ging zum Schrank. Binnen kurzer Zeit hatten die Lüfte das ganze Zimmer befüllt mit Kleidern:
Schwarze Kleider, blaue Kleider, grüne Kleider. Kleider mit Perlen mit Spitze mit Pailletten und Edelsteinen. Geraffte Kleider, geschnürte Kleider, glatte Kleider und solche mit Rüschen. In allen Regenbogenfarben glitzerten und funkelten die Stücke, kurz und lang, gemustert und einfarbig.
Dazu passend selbstverständlich Schuhe und Schmuck.
Psyche traute ihren Augen kaum.
„Das Ungeheuer hat wirklich Geschmack“, sagte sie anerkennend.
Noch immer konnte Psyche, wenn sie die Augen schloss, die Berührungen des Untiers auf ihrer Haut nachempfinden. Es verursachte ein Kribbeln in ihrem Bauch, zauberte ein Grinsen auf ihr Gesicht und ließ sie ganz zart werden.
„Vielleicht … vielleicht probiere ich das mal an“, sagte Psyche und deutete auf ein schlichtes Exemplar ganz in weiß.
Ehe sie sich versah, hatten die Lüfte ihr altes Kleid ausgezogen und Psyche in das weiße Kleid gehüllt. „Es passt sogar!“, stellte Psyche staunend fest. Was untertrieben war. Das Kleid saß, als wäre es nur für sie gemacht.
Seufzend ließ sich Psyche auf das Bett fallen. Sie sank in den Berg aus Kleidern und breitete die Arme aus. Nie hätte sie für möglich gehalten, dass ihr so ein hübsches Stück Stoff passen könnte. Das Ungeheuer musste vorzügliche Schneider beauftragt haben.
Eigentlich wusste sie gar nichts über den Herrn dieses Schlosses. Aber er hatte Geschmack. Und was konnte er gut küssen!
Psyche sprang auf und griff nach einem Kleid, das die Farbe einer dunklen Rose hatte. Am Dekollete prangte feine Spitze, abgesetzt durch schwarze Perlen. Die Lüfte halfen ihr aus dem weißen Kleid hinaus und streiften ihr das rote Kleid über.
Psyche drehte sich im Kreis.
„Und?“, fragte sie, „Wie sehe ich aus?“
Die Lüfte raschelten durch die Vorhänge und über die ausgebreiteten Kleider.
„Ich verstehe euch leider nicht“, sagte Psyche. „Aber ihr wirkt … aufgeregt. Sieht es gut aus? Kann ich dieses Kleid tragen?“
Wieder ließen die Winde die Stoffe rascheln.
„Ach“, sagte Psyche und schmunzelte, „Soll das ein “Ja” sein? Ich kann es kaum glauben. Allerdings … Vielleicht steht es mir ja wirklich. Vielleicht zaubert dieses verzauberte Kleid hier im Zauberschloss auch eine zauberhafte Schönheit aus mir?“
Die Winde drückten Psyche sanft auf einen Stuhl. Sie fuhren ihr durch die Haare, flochten sie und steckten sie hoch. Unsichtbare Finger bepinselten ihr Gesicht, schminkten ihre Augen, betupften ihre Lider.
„Ihr seid ja wie meine Schwestern. Ich würde mich zu gerne sehen“, murmelte Psyche.
Die Hände ließen von ihr ab und Psyche öffnete die Augen. Ihr Blick fiel auf einen großen, viereckigen Gegenstand, der mit einem Tuch überdeckt war.
„Ist das“, fragte Psyche, „euer Kupferspiegel? So riesig?“
Gorda und Tessa besaßen zwei Handspiegel aus polierten Kupferplatten. Diese Gegenstände waren selten und kostbar.
Sie stand auf und ging auf den Spiegel zu. Streckte die Hand aus, fühlte die kühle, glatte Fläche hinter dem Stoff.
„Ich hätte nie gedacht, dass es Spiegel in dieser Größe gibt“, sagte Psyche, „aber es wundert mich kaum, hier in diesem verwunschenen Schloss, wo sich die Wünsche so einfach erfüllen …“
Psyche zögerte.
Sollte sie oder sollte sie nicht?

Sie befürchtete, dass das Bild um einiges klarer und deutlicher war, als die verzerrte Reflexion in dem Handspiegel ihrer Schwestern.
Es war nur eine kleine Bewegung nötig, damit das Tuch vom Spiegel fiel. Psyche presste die Lippen zusammen und hob ihre Hand zum Tuch.

Was würde sie sehen?