Rosa Schweinos Reisen – Wo ist sie gewesen?

Rosa Schweino wollte raus aus dem nasskalten Deutschland und hat sich mal wieder auf Tour begeben. Aber wo ist sie gewesen? Wer kriegt es raus?

 

 

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Dort gab es unmengen von Ruinen, Steinen und Ruinen …
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So viele, dass sich Rosa glatt darin verirrte!
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Zwei Männer meinten, es wäre am besten, wenn man fliegen würde, um der Verwirrung zu entgehen …
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… doch Rosa mag das Fliegen nicht. Sie fragte daher Hundkopf, Katzenkopf und Frauenstatuette nach Klarheit. Die rieten ihr, einen vergleichsweise jungen Baum zu befragen …
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… der aber war teils müde, teils schlief er …
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Doch auf einmal erschienen zwei neue, byzantinische Begleiter, die Rosa …
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… nach kurzer Zappelei und panischen Flugangstszenarien zu einer Wiese geleiteten …
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… wo Rosa so mirnichtsdirnichts durch einen Erdspalt in die Unterwelt gezogen wurde!
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Dort traf sie Pluto, den Cerberus und eine nette, hübsche Dame (Plutos Dame nämlich, deren Name hier noch nicht verraten wird)  …
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… und, man glaubt es kaum, Amor, der nämlich Pluto und seine Dame, nun ja. Rosa fand´s gut und verzechte die Nacht mit Amor, Prose… äh, und Pluto in der Unterwelt …
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… bis sie in den frühen Morgenstunden in die Tasche eines schwarzen Schattens sprang, der gerade im Begriff war, die Unterwelt zu verlassen …
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… und draußen, am Eingang, war Rosa doch sehr froh, das Tageslicht wieder zu sehen. Die allerherzlichsten Rosa-Grüße!!! – Wo ist sie wohl gewesen?
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Feldherr der Blumen

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In seinen jungen Jahren, da gab Franz Befehle.
„Stillgestanden!“
„Rechts um!“
„Rührt euch!“
Und die grün gekleideten Zöglinge bogen ihre Beine und strafften ihre Schultern vor der malerischen Kulisse grauer Kasernen auf Waschbetonplatten, durch die sich ein paar Unkräuter ihren Weg gen Sonne bahnten.
Bis Pauls Panzer alles plattmachte. Paul, der Leutnant, der Franz schon so oft aus der Patsche geholfen hatte. Der selbst im sibirischen Winter seinen Mann stand und den Feind vernichtete.

Diese goldenen Zeiten standen Franz vor Augen, während er sich über die Beete beugte und das Saatgut in Löcher vom Kaliber einer Granatpistole steckte. Die Blumenzwiebeln schmiegten sich in seine Hand wie Munitionsgeschosse, bald würden sie platzen und in die Höhe schießen.
Zufrieden betrachtete er sein Werk. Die Anpflanzung war perfekt angelegt, abgesteckt und eingezäunt von Ecke zu Ecke mit Schnur. Alles würde wachsen in Reih und Glied.

Franz lehnte sich in den Gartenstuhl und wartete. Die Vögel um ihn herum zwitscherten und die Sonne wärmte stärker von Tag zu Tag. Bald folgte Bombenwetter und Franz blinzelte durch die halb geschlossenen Lider unter seinen buschigen Augenbrauen hindurch.
Er sah die ersten Keime, hellgrün und zart. Er zupfte an seinem Bart und sah, dass es … Doch halt, was war das!
Da spross einer der Triebe schneller als ein anderer. Da zog die Osterglocke pfeilschnell an dem Veilchen vorbei! Da erhob sich die Narzisse über den Krokus! Da überwand gar ein freches Vergissmeinnicht die Grenze!

Und Unordnung herrschte in der Ordnung.

So war es nicht gut und Franz erhob sich aus seinem Stuhl. Er stellte sich auf zur vollen Größe, Schulter zurück, Gewehr bei Fuß, – denn so hatte er es gelernt.
„Stillgestanden!“, brüllte er das Vergissmeinnicht an.
„Rechts um!“, erging der Befehl an die Osterglocke.
„Rückzug! Rüüückzug!“, versuchte Franz den Krokus vor der überlegenen Narzisse zu retten.

“Ich bin der Herr dieses Feldes!”, rief Franz. “Ihr müsst mir gehorchen!”

Und während er noch versuchte, diese Schlacht zu gewinnen, da erging ein Befehl von höherer Stelle.
„Herr Meyer, beruhigen Sie sich bitte. Folgen Sie mir auf die Krankenstation. Dort werden Sie dringend gebraucht.“
„Ich kann meine Kameraden nicht im Stich lassen.“
„Gewiss, Herr Meyer. Aber Leutnant Paul wird hier gleich alles plattmachen.“
Leutnant Paul, sibrischer Winter, der nie jemanden zurück ließ. Bis zu dem Tag, als er … Der aufkeimende Gedanke verlor sich in Franz. Da war ein Fräulein, das hübsch lächelte.
„Nun denn, jawohl, Frau Oberleutnant!“

Und Franz folgte der jungen Dame im Schwesterngewand bis auf die Krankenstation, wo gefallene Krokusse, Narzissen und Vergissmeinnicht in Wasserbetten tranken, sicher dem Tode geweiht und schön anzusehen, wie Franz fand, der an seinem Kaffee nippte und ein Stück Marmorkuchen gereicht bekam.

Baumblick

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Ich bin ein Baum und dies ist mein Raum. Seit einhundert Jahren schon. Mit meinen Wipfeln spielt der Wind, fliegt sie durchpflügend über die Wellen, die plätschern unten an den Stamm.

Herum um mich ist Weite, ist Wasser, ist eine Wand. Gräser und Blumen, ein schmaler Weg und ein Backsteinhaus, dabei: ein kleiner Streifen Land. Nicht alles war schon immer da. Ach, – die Blumen. Doch sind sie anderes, jedes Mal.

Neben mir geht die Sonne auf, Tag für Tag. Und neben mir geht sie unter, auf der anderen Seite und dann ist es Nacht. Mal ist´s der Schnee, mal die Blätter, dann viele Früchte, die meine Zweige nach unten beugen. Es schmilzt, es weht davon, mit der Zeit wird alles anders.

Doch die Blätter, sie streiten und verwirren meine fruchtigen Kinder.

So sprechen die Blätter, die das Wasser sehen:

„Dieser See, das einzig Wahre, das Ewige, das Beständige. Auch regnet es auf euch herab, auf uns alle. Also glaubt dem Wasser.“

„So wollen wir den Blätter glauben, die dort wachsen, wo die Sonne untergeht“, sagen meine Kinder.

Jene Blätter aber, die das Backhaus sehen, sprechen:

„Es gibt wohl Wasser von oben, doch keines von unten. Eine Sammlung von Wasser existiert nur in kleinen Flächen, niemals aber ist es so, wie die anderen Blätter sagen. Bestand hat nur dieses Haus, sein Gras und die Blumen vor dem Haus.“

Dann entzweien sich meine Kinder, ein manches wird gar faul dabei und fällt ab.

Die Blätter aber, die ins Weite sehen, sagen:

„Wohl gibt es Wasser und Blumen, doch ein Haus, – was soll das sein? Wir sehen es nicht, also gibt es kein Haus. Und das Wasser in seiner Sammlung, wir können es erahnen. Mag es möglich sein. Doch zu behaupten, es gäbe ein Haus – das ist eine Lüge!“

Und meine Kinder erröten wegen ihrer Unwissenheit, werden reif und schwer.

Die Blätter aber streiten über die Wahrheit, über Richtig und Falsch, über den einzigen Blick.

Und wenn es Herbst wird, dann verlassen sie mich. Lassen mich kahl und nackt zurück.

Meint doch ein jedes, ihm sei die Richtung gegeben. Meint doch ein jedes, sein Weg wäre klüger. Meint doch ein jedes, die Sonne scheine nur für sich.

Einst war ich klein, ein Samenkorn allein. Licht und Wasser ließen mich entstehen, machten mich zu dem, der ich jetzt bin: alt und groß. Nie brauchte ich viel, war immer genügsam. Meine dunkle Rinde ein guter Schutz.

Törichte Blätter. Wissen nichts vom Stamm und Zweigen, wissen nichts von der Erde, die sie nährt. Haben vergessen, dass sie alle am gleichen Baum hängen, dass sie alle dieselben Wurzeln haben. Erzählen meinen Kindern nur die Wahrheit, die sie sehen.

Doch wenn die Früchte sich lösen und ihr Samen auf guten Grund fällt, ja, dann …