Selbstständigkeit

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Hallo ihr Lieben!

Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich mich nur noch so selten hier melde. Es ist einiges los, sowohl – als auch – und sowieso.

Amor und Psyche ist immer noch in der Überarbeitung. Je mehr Zeit vergeht, desto häufiger denke ich, wie „schlecht“ der Text eigentlich ist. Das liegt daran, dass ich das einfach so runtergeschrieben habe, ohne mir im Vorfeld konkrete Gedanken zu machen. Ich verinnerliche nämlich langsam, wie das Schreiben an sich funktioniert. Und für mich funktionieren könnte. Seit ein paar Tagen arbeite ich an einem neuen, relativ kommerziellen, Produkt und bin gerade dabei, so vorzugehen, wie es die ganzen Schreibratgeber empfehlen: Stück für Stück und Kapitel für Kapitel. Fast schon seltsam, dass ich für diese Erkenntnis so lange gebraucht habe, aber nun gut. So ist das eben.

Ergo: erst einmal mache ich einen groben Entwurf und dann erst gehe ich ans Feintuning, also an den Fliestext. Bin mal gespannt, wie das so wird. Der Entwurf alleine macht auf jeden Fall schon schrecklich viel Spaß!

Vielleicht liegt das auch daran, weil sich das Buch um eine so simple wie auch grundlegende Frage drehen wird:

Gestalten wir unser Leben selbst, oder werden wir von den Umständen gesteuert? 

Ich selbst habe selbstverständlich eine Antwort auf diese Frage gefunden und werde sie demnächt in eine längere Erzählung gießen.

 

Aber was meint ihr? 

Ich bin ganz gespannt auf eure Antworten! 🙂

 

 

Und Amor und Psyche werde ich wohl oder übel noch ein Mal überarbeiten (ein MAL, das reicht dann(!!!)) und dann kostenlos anbieten, weil ich wirklich finde, dass es keine gute, im Sinne von durchdachte, Geschichte ist. Aber ich bin ja auch nicht ganz doof *hihi * und werde sie deshalb erst veröffentlichen, wenn auch das zweite Buch, Arbeitstitel „Zwischenzeilen“ online geht. Dann kann Amor und Psyche vielleicht ein wenig Werbung machen, bei all den Verrückten, die sich (auch) noch für sowas abgefahrenes wie die Antike und Philosophie interessieren.

Das Herzmärchen, übrigens, bleibt für immer in der Versenkung verloren. Ich hatte es vor einiger Zeit gelöscht und bin froh drum. Es ist zwar eine wunderschöne Geschichte, aber ich möchte nicht mehr, dass man sie kaufen kann.

 

Ich wünsche euch alles Liebe und ganz viel Erfolg und Schaffenskraft!

 

Frühlingshafte Grüße

 

Eure

 

Runa Phaino

 

 

Vom Loslassen einer Geschichte …

Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer. (Erich Kästner, Der August)

Zurzeit brüte ich über die letzten Schritte zur Veröffentlichung meines ersten eBooks. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es so schwer sein kann, eine Geschichte „gehen“ zu lassen. Vielleicht legt es daran, dass es „mein erstes Mal“ ist.

Alles, was man zum ersten Mal tut, ist, glaube ich, intensiver und damit auch schmerzhafter als seine Wiederholung.

Jeder hat andere Ursachen für das „Festhalten“ am Beständigen. Jeder Neuanfang birgt ein Risiko im Positiven und Negativen. Die Erfahrung hat mich aber gelehrt, dass es meistens weder so dramatisch ist, wie befürchtet, noch so grandios wie erhofft.

Das Neue ist zwar tiefgreifend und überraschend, aber durch seine Dauer wird es irgendwann zum Mittelmaß. Daher ist vielleicht das Schwierigste am Loslassen zu akzeptieren, dass sich keiner unserer gegenwärtigen Wünsche erfüllen wird. Weder die Guten noch die Schlechten.

Und was kann man tun?

Erich hatte es raus.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

In diesem Sinne: Euch allen frohes Schaffen!

Beste Grüße

Runa

Das Herz des Zackenbarsches

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„Dieses Ding“, hörte es die Menschen sagen, „hat kein Herz.“
Ein Herz zu haben ist wichtig, wusste das Ding und machte sich auf die Suche danach. Es fand Fliegenpilze und einen Nasenzwerg, gelbe Schuhe und Blut, sogar den Tod fand es, aber der schüttelte nur seine schwarze Kapuze.
Schließlich traf das Ding einen Zackenbarsch.

„Was tust du hier in meinen eisigen Gefilden?“, wollte der Zackenbarsch wissen.
„Ich suche ein Herz“, sagte es.
„Vielleicht findest du eines in mir“, sagte der Zackenbarsch, denn das Mädchen gefiel ihm gut. „Hier ist der Schlüssel.“ Und er spuckte ihm einen goldenen Schlüssel vor die Füße.
Das Mädchen nahm den Schlüssel, machte sich ganz klein und kletterte vorbei an den spitzen Zähnen in den Bauch des Zackenbarsches. Der tauchte glücklich unter in die Tiefen des Nordmeeres. Sie wärmte sich in seinem Innern.
Doch so sehr das Mädchen auch suchte, dort waren Leber, Geist und Mut, ein Herz fand es nicht. Es wurde unruhig und fürchtete sich.
„Hier ist kein Herz! Lass mich hinaus!“
Der Zackenbarsch spürte ihre Angst und sorgte sich. Er überlegte genau, was er sagen sollte, und antwortete schließlich:
„In mir hast du ein Herz.“
Das Mädchen wunderte sich über diese Worte, sah hinunter auf seine Brust, doch da war nichts. Es spürte nichts. Alle Menschen hatten gesagt, es sei herzlos. Der Zackenbarsch musste lügen.
„Lass mich gehen und weiter suchen“, rief das Mädchen und hoffte insgeheim, er täte es nicht, denn in ihm fühlte es sich warm und gemütlich an.
Doch der Zackenbarsch schwamm zurück ans Land, weil er nicht wollte, dass sich jemand vor ihm fürchtete. Dort kroch das Mädchen hinaus aus dem Bauch und kletterte auf das Eis. So einfach lässt er mich gehen, dachte es bekümmert. Aber kein Wunder, dachte es weiter, das geschieht einem, wenn man herzlos ist.

Der Zackenbarsch betrachtete sie und er sah traurig aus. Das Mädchen stand zitternd am Ufer und der Himmel wurde langsam heller.
Einmal noch hob er an zu sprechen, um sie zu behalten, denn sie gefiel ihm wirklich gut.
„Wir sind wie Nebelschwaden, Schatten in der Dämmerung der Zeit. Wir verschwinden, wenn die Sonne aufgeht. Es wäre schöner, wenn du bei mir wärst.“
Was redet er für seltsames Zeug, dachte das Mädchen, denn es verstand seine Worte nicht. „Verschwinde jetzt“, schrie es wütend und schleuderte ihm den Schlüssel gegen sein Maul. Da brach einer der spitzen Zähne, flog blitzschnell zu dem Mädchen zurück und schnitt ihm den Brustkorb auf. Erschrocken blickte es zu der Stelle, fasste dorthin, fühlte es, spürte den kräftigen, tuckernden Schlag. Tief in ihrer Brust pochte ein kleines Herz.
Die ersten Strahlen der Morgensonne schienen über die weiten Eisflächen, ließen sie glitzern und funkeln. Der Zackenbarsch aber war verschwunden.