Ein verdutztes Gefühl

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Gut, das Foto passt nicht so 100%, aber es ist megasüß und wahr … so wie mein bald erscheinendes Büchlein, das FERTIG IST!

Also nicht ganz fertig, aber ziemlich fertig und es muss jetzt nur noch ein paar Mal überarbeitet werden und gelesen und probegelesen und und und … und dann es ist wirklich fertig.

Will sagen: Vielleicht.

Will sagen: Ich habe heute den letzten Satz geschrieben. Mein Gefühl war darüber äußerst verdutzt.

Will sagen: in den nächsten Wochen werdet ihr hier die versprochenen Schlusskapitel von “Amor und Psyche” finden, ich werde euch das Cover vorstellen und sicherlich auch ein wenig Werbung machen, wenn es das komplette Exemplar dann käuflich zu erwerben gibt.

Übrigens: Nebenbei stricke ich gerade an einer neuen Identität, aber pssst, dazu dann demnächst an dieser Stelle mehr.

Gehabt euch wohl!

Eure

Runa Phaino

 

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Der Sieger

***Heute etwas später als sonst am Abend, das neuste Kapitel von “Amors Abenteuern”. Rosa Schweino ist schuld. Viel Freude beim Lesen!***

„Was für ein Ritt, was für ein Tag!“, rief Jupiter, streckte seinen Arm in die Höhe und ließ Blitze zucken. „Ich fühle mich um tausend Jahr verjüngt! Deinen Job, mein lieber Sohn, möchte ich haben!“

Galant sprang er aus der Kutsche und übergab Apollo Peitsche und Zügel, küsste ihn links und rechts auf die Wange und klopfte ihm auf die Schulter. Dann wandte er sich zu Amor.

„Amor, sei gegrüßt!“

Jupiter schüttelte ihm die Hand. „Sohn meiner schönsten Tochter Venus! Welche Freude, dich hier zu sehen! Und Diana natürlich, meine Holde“, sagte Jupiter und verneigte sich leicht.

„Vater, du willst bestimmt wissen, warum du heute Morgen für Apollo einspringen musstest. Also: Amor hat einen Liebespfeil auf Apollo und das Gegenteil auf so eine Nymphe geschossen. Er hat dafür gesorgt, dass sich mein armer Bruder, dein Sohn, bis auf die Knochen blamiert hat!“

„Sie hieß Daphne“, sagte Apollo trocken.

„Es ist eine Freude euch alle hier zu sehen!“, rief Jupiter und drehte sich im Kreis. „Ja, ein gänzlich unverhofftes, aber freudvolles Treffen!“

„Aber Vater!“, rief Diana.

„Aber Diana!“, Jupiter klatschte in die Hände. „Keine Beschwerden, zumindest vorerst. Lasst uns diesen Abend mit Nektar, Ambrosia und Wein vollenden, denn so jung wie heute kommen wir nicht mehr zusammen!“

Verwundert schlurfte Amor hinter Vater und Sohn in den olympischen Palast. Apollo und Jupiter fachsimpelten über Lenktechniken und Feuerpferdpflege. Hinter sich hörte er Diana fluchen.

Der Palast bestand fast gänzlich aus weißem Marmor. Hier und da standen ein paar Stelen auf denen massige Fratzen thronten.

Amor musste an Psyche denken, die jetzt, nach Sonnenuntergang, mit seiner Rückkehr rechnete. Er seufzte sehnsüchtig.

„Das ist die Galerie unserer Ahnen“, sagte Jupiter und drehte sich nach ihm um. „Dieser alte Haudegen hier, mein Vater Saturn, hatte alle meine Geschwister verspeist.  Hätte meine Mutter mich damals nicht vor ihm versteckt und ihm statt meiner einen Stein zu fressen gegeben: wir alle würden nicht existieren.“

Die Statuen zogen an ihnen vorbei. Im nächsten Raum, riesengroß und strahlend weiß, fand sich in der Mitte eine gedeckte Tafel. Jupiter geleitete Amor, Diana und Apollo dorthin und befahl ihnen, sich zu setzen.

Auf einen Fingerzeig Jupiters füllten sich die Kelche mit einer roten Flüssigkeit.

„Dann lasst uns anstoßen“, sagte Jupiter. „Auf das Wohl meines Sohnes Apollo und seine erste große Liebe!“

„Vater, bitte, das ist doch kein Grund …“, sagte Apollo.

„Doch. Prost!“, unterbrach Jupiter und die Kelche stießen klangvoll zusammen. Amor nahm einen kräftigen Schluck.

„Wisst ihr“, sagte der Göttervater und richtete sich auf. „Bevor es Amor gab, fand die Liebe die Götter auf seltsamen Wegen, einen Weg aber fand sie immer. Ich fürchtete schon, in den heutigen Tagen sei sie für die Wolkenbewohner verloren. Also, freu dich einfach, dass du auch mal von ihr heimgesucht wurdest. Nebenbei gefragt: wie war es? Wild, leidenschaftlich, besessen?“

„So ungefähr“, sagte Apollo. Er schmunzelte verlegen.

„Aber die Angebetete hat dich nicht erhört?“

Apollo schüttelte den Kopf.

„Tja …“, Jupiter legte seine Stirn in Falten. „Dabei bist du ein Gott. Diese Frauen … unberechenbar.“

Diana verdrehte die Augen.

„Wie ich schon sagte, das war Amor. Es war sein Pfeil, ein falscher Pfeil! Es war nicht die Schuld einer Frau!“, rief Diana.

„Es lag am Pfeil?“, fragte Jupiter.

„Ja! Hörst du mir überhaupt zu? Und abgesehen davon, wollte sie … sie wollte das wirklich nicht, diese Nymphe, sie hat ihren Vater um Hilfe angefleht, wollte, dass er sie verwandelt,-  und Apollo hat einfach nicht aufgehört … es war schauderhaft!“

„Wie du sagtest, es lag am Pfeil“, schloss Jupiter. „Eigentlich wollte sie es auch.“

Apollo nickte.

„Das glaube ich nicht!“, rief Diana. „Das glaube ich einfach nicht.“ Die Wangen der Göttin leuchteten  Rot.

„Das ist einfach mal wieder so typisch … Männer!“

Sie nahm einen kräftigen Schluck, wischte sich mit dem Handgelenk über die Lippen und sagte mit fester Stimme: „Ich verstehe. Ihr seid einfach nicht mehr bei Trost. Da kann man nichts machen.“

Sie atmete tief ein und grollte dann, als wäre sie eine Donnergöttin: „Ich für meinen Teil wünsche, Vater, dass du diesem da“, – sie zeigte auf Amor – „für immer verbietest, Pfeile auf mich zu schießen. Denn ich, ich will mich niemals verlieben!“

Amor wäre am liebsten unter dem Tisch verschwunden, um sich vor den Blitzen aus Dianas Augen zu verstecken.

„Schwöre es!“, kreischte Diana.

„Also, äh, gut“, keuchte Amor. „Ich tu´s nicht, versprochen. Hätt ich eh nicht, ich meine …“

„Gut“, sagte Diana und faltete die Hände vor ihrem Gewand. „Vater, du hast seinen Schwur vernommen?“, fragte Diana.

„Gewisse, mein Kind“, sagte Jupiter und prostete ihr nickend zu.

“Dann werde ich jetzt gehen”, sagte sie. Sie ließ einen kurzen Pfiff ertönen und die Mondhirsche kamen mit der Kutsche durch den Lichtschacht des Speiseraumes getrappelt. Ohne ein weiteres Wort schwang sich die Göttin auf ihre Kutsche. Jupiter, Apollo und Amor blickten Diana schweigend hinterher.

„Vater, ich habe auch eine Bitte an dich“, sagte Apollo nach einer Weile. „Die Nymphe, die ich liebte, hat sich in einen Baum verwandelt. Einen Lorbeerbaum. Und ich möchte gerne, im Andenken an sie, dass dieser Baum geehrt wird. Es soll ein heiliger Baum sein, dem sich jeder nur mit Ehrfurcht nähert. Jeder soll wissen, dass dieser Baum einst Daphne war, meine erste große Liebe. – Hier.“

Apollo übergab Jupiter den grünen Zweig, den er die ganze Zeit über in der Hand gehalten hatte.

„Ein wirklich schönes Exemplar“, sagte Jupiter. „Um welche Art von Baum handelt es sich?“

„Es ist ein Lorbeer“, antwortete Apollo.

„Hm“, sagte Jupiter und betrachtete den Zweig genau. Dann hauchte er ihn mit seinem Atem an. Aus dem Zweig sprossen weitere Blätter hervor, er bog sich und verwandelte sich in einen Kranz. Jupiter legte Apollo den Kranz auf den Kopf.

„Mag Liebe dich besiegt haben, so bist doch du der Sieger. Denn wer liebt, siegt immer. Verlierer sind die, die niemals lieben. So soll dieser Kranz das Zeichen eines Siegers sein und du sollst ihn tragen, bis in alle Ewigkeit.“

Amors Abenteuer (2)

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Apollos Wagen funkelte und strahlte wie die Sonne selbst. Der Zephyr gab mir Antriebskraft. Unter mir zogen Wolken dahin, dazwischen konnte ich die Erde sehen: Flüsse, Berge, Städte. Das Meer mit winzigen weißen Punkten, Schaumkronen und Wellen.
Apollo schätzte es nicht, wenn ich ihn bei der Arbeit besuchte, aber dies war ein Notfall. Außerdem, fand ich, arbeitete er gar nicht, sondern jagte mit einer mordsmäßigen Geschwindigkeit durch den Äther. Cooler Job.

»Oh Shit!« Ich purzelte kopfüber auf die Rückbank, wobei eine meiner Federn brach.
»Ey, Alter!«, Apollo dreht sich zu mir um, »Was is`n los, Mann?«
»Ich dachte, ich komm mal vorbei …«
Apollo ließ die Peitsche knallen und die Pferde wieherten. Es waren vier riesige Tiere mit flammend hellen Mähnen, wilden Augen und gefährlich schlagenden Hufen.
»Krass schnell, was?«
»In der Tat«, bestätige ich, während ich versuche, meinen Kopf nach oben und meine Beine nach unten zu bekommen.
»Das is´n Phaeton, zehn Ellen lang. Üppiger Radstand, goldene Karosserie, kaum Schnörkel, dafür straffe Linien an den Seiten – das Teil hat Charakter. Zwei Pferdestärken mehr und heizt richtig rum!«
»Meinst du, ich kann vielleicht den alten Wagen haben?«, fragte ich, mittlerweile richtig positioniert. Es war zwar nicht mehr das neuste Modell, aber es war ein WAGEN, kein Westwind, keine Wolke und vor allem keine affigen Flügel mit weißen (und ein paar hellrosa) Federn, die aufgeregt flatterten, wenn ich flog.
»Klaro, wenn deine Alte das erlaubt …« Apollo lachte. »Was willste? Ich muss arbeiten, weißte doch.«
»Jaja«, sagte ich und schüttelte kurz den Kopf, was Apollo nicht sehen konnte. Arbeiten, von wegen.
»Ich habe eine Frage. Und du bist der schlauste aller Götter, also …«
Apollo ließ die Peitsche knallen.
»Haste schon gemerkt, dass die Sonne jetzt weiter hinten hängt?«, fragte Apollo.
Ich drehte mich um.
»Stimmt, ist nicht mehr so heiß hier wie früher.«
Apollo nickt zufrieden.
»Und die Sitze sind aus Leder«, er machte eine bedeutungsvolle Pause, »vom kalydonischen Eber.«
Gerade hatte ich mir eine richtig gute Frage überlegt, aber seine Worte brachten mich aus dem Konzept.
»Aus Leder? Von einem Tier? Und deine Schwester?«
Apollos Zwillingsschwester Diana war, was Tiere anbelangte, ziemlich eigen. Zwar war sie eine Jägerin, aber gleichzeitig auch selbsterklärte: »IchbeschützealleTiererin«
»Das ist das Beste!«, feixte Apollo. »Die hat ihn auf dem Gewissen.«
»Echt jetzt?«
»Ja, irgend so ein König hat vergessen ihr Opfergaben darzubringen und dann hat sie den kalydonischen Eber auf ihn gehetzt. Der ist dabei leider umgekommen.«
»Und opfern die Leute ihr jetzt wieder?«
»Klaro.«
Den Gedanken, dass die Verbreitung von Angst und Schrecken eine Lösung für mein Opfergabenproblem sein könnte, verwarf ich sofort wieder. Dianas Methoden waren zu extrem.
»War Vollmond?«, fragte ich.
Apollo grinste. »Zu meinem Glück! Guck dir das Leder mal an, komplett weiß, wunderbar weich; ey, pass mit deinen Füßen auf!«

»Okay«, begann ich, »mal angenommen, deine Opfergaben würden schwinden, was würdest du tun?«
»Das passiert nich.«
»Ja, aber mal angenommen.«
»Nee, das passiert nich.«
Ich versuchte es noch einmal.
»Ja, aber mal angenommen!«
Apollo guckte mich skeptisch an. »Was´n los, Kleiner, gibt´s Probleme?«
»Nein«, antwortete ich, konnte aber nicht verhindern, dass meine Flügel aufgeregt zitterten.
»Du kriegst eh nix. Also isses … deine Ma?«
»Quatsch!«, rief ich. Jetzt zitterte mein ganzer Körper. Mist!
»Deine Ma. Wusste ich´s doch.«
Ich seufzte.
»Sag´s nicht weiter«, bat ich, enttäuscht, dass er mir so schnell auf die Schliche gekommen war. Aber ich konnte ihm vertrauen. Bestimmt. Er war schließlich mein bester Freund.
»Mann, voll peinlich, Alta, das sollte sich echt nicht rumsprechen«, sagte Apollo.
»Ja«, pflichtete ich ihm kleinlaut bei. »Ich versuche, der Sache auf den Grund zu gehen und dachte mir, du kannst mir helfen.«
Apollo rieb sich das Kinn.
»Woran könnte es liegen, dass die Göttin der Liebe keine Opfergaben mehr kriegt?«
Er guckte nach links und nach rechts, nach oben und nach unten. Das alles wirkte sehr theatralisch auf mich.
»Was meinst du?«, fragte ich.
Jetzt sah er mich direkt an mit seinen stechenden blauen Augen, während den Pferden der Schaum vom Maul flog.
»Wer is´n verantwortlich für die Liebe?«
»Na …«, ich dachte kurz nach, »Ich.«
»Und was machst du den ganzen Tach?«
»Äh …«
Ich hatte das untrügliche Gefühl, dass das jetzt sehr, sehr unangenehm werden würde.
»Nix!«, fuhr Apollo fort. »Du machst nix. Du pennst bis in die Puppen, du säufst wie ein Loch, du jammerst rum und vor allem: Du machst deine Arbeit nicht, seit – ich weiß gar nicht wie lange!«
»Aber …«, ich wollte das nicht auf mir sitzen lassen. DAS konnte unmöglich der Grund sein. »Aber wenn Du Deine Arbeit nicht machst …«
Apollos Blick verfinsterte sich.
»Äh, ich meine, wenn du sie nicht machen kannst, weil deine Schwester den Mond vor die Sonne schiebt, klar, du machst ja immer deine Arbeit und tut mir leid, ich wollte dich jetzt echt nicht kritisieren …«
»Das hoffe ich.«
»Okay«, fuhrt ich fort, »wenn irgendwas deiner Arbeit im Wege steht, dann opfern die Menschen doch wie verrückt!«
»Klaro«, entgegnete Apollo ungerührt. »Weil sie Angst haben. So eine Verdunkelung der Sonne ist eben schwer zu ertragen für die Menschen. Meine Schwester darf sich solche Späße auch nicht allzu oft erlauben.«
Ich pflichtete ihm bei. Diana hatte einen makabren Sinn für Humor.
»Ja, aber meine Schwester kriegt ´ne Menge Opfergaben«, fuhr Apollo fort. »Sie zieht ihr Grausamkeits-und-Ich-bin-doch-ganz-nett-Ding konsequent durch. Du aber solltest jetzt echt mal zusehen, den ganzen Mist der letzten Zeit wieder auf die Reihe zu kriegen. Ich hab´s dir von Anfang an gesagt.«
»Du hast nicht gesagt, dass es keine Opfergaben mehr geben würde!«, protestierte ich.
Apollo rollte mit den Augen. Er hielt die Hand in die Luft, streckte den Daumen aus, dann den Zeigefinger, dann den Mittelfinger.
»EINS, ZWEI, DREI!«, zählte er. »Oder anders gesagt: Lo-gik.«
»Konquesennzen?«, fragte ich bekümmert.
»Genau, Amor. Das sind Kon-se-quen-zen.«
»Scheiße«, seufzte ich.
Apollo drehte sich zu mir um kräuselte die Brauen.
»Jetzt schwirr ab und lass mich meine Arbeit machen.«
»Was soll ich denn jetzt tun?«
»Dir wird schon was einfallen.«
»Und wenn nicht?«
»Tja, dann … gibt´s halt keine Opfergaben mehr und du wirst ein armer Schlucker.«
»Apollo!« Langsam machte er mir wirklich Angst.
»Komm, Kleiner, das wirste doch selber hinkriegen.« Er gab mir einen Klaps auf die Schulter. Das untrügliche Zeichen, dass ich abflattern sollte. Es machte mich auch ein bisschen stolz, dass er glaubte, ich selbst würde eine Lösung finden.
»Na gut,« sagte ich, »Danke, du bist echt toll, Mann.«
»Na klaro«, entgegnete Apollo, »Ich bin Apollo.«
Ich war schon halb in der Luft, als Apollo mir hinterherrief: »Denk heute Abend an den Retsiner!«
Apollo hatte einen ausgezeichneten Geschmack. Der Retsiner war der beste Tropfen im Weinkeller meiner Mutter.

(…)

https://lehmofen.wordpress.com/2015/07/25/amors-abenteuer/