La Tercera Mano

dali-1507409_1920

Eigentlich poste ich ja so gut wie nie was über Kunst, aber ab und zu packt es mich dann doch und ich möchte euch heute eine Künstlercombo vorstellen, die mich vor ein paar Stunden sozusagen umgehauen hat, als Amors Pfeil mich traf beim Anschauen der Bilder.

http://terceramano.tumblr.com/

Es sind surrealistische Werke mit teils magischen und/oder psychologischen Elementen, deren Stil an alte Kupferstiche und darin eingewobene Zeichnungen von Salvador Dalí erinnert.

Ich bin, ganz frühlingshaft, total verliebt und habe vorhin auf dem Flohmarkt ordentlich zugeschlagen. Morgen suche ich an meinem Schreibtisch einen schönen Platz für die Bilder.

Getraue mich nicht, die Bilder einfach hier auf dem Blog posten, daher bleibt auch ein Geheimnis, für welche der vielen ich mich entschieden habe, aber guckt ruhig dort auf Tumblr vorbei, ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.

 

Viele Grüße und einen guten Start in die Woche!

Eure

Runa

Advertisements

Cover Design zu “Amors Abenteuer”

 

Ich habe mal wieder eine Cover-Frage! Dieses Mal bin ich ganz allein für die Gestaltung verantwortlich: Nachdem ich mich ungefähr drei Wochen lang in Gimp und Inkscape “eingefuchst” habe, sind dies nun zwei erste, brauchbare Varianten.

Was haltet ihr davon?

Welche würdet ihr bevorzugen?

Was würdet ihr verbessern/ändern? (Hintergrund, Rahmen, Schrift – es kann alles geändert werden. Wobei ich den Rahmen und Hintegrund schon ganz hübsch finde.)

Wie gesagt, ist ein erster, vorzeigbarer Entwurf, aber noch nicht “das Ende”. Aber ich wollte es einfach schon mal zeigen! (Zumal ich dieses alte Bild zu Amor mittlerweile echt nicht mehr sehen kann! 😉 )

Eure

Runa

 

PS. Wenn Tipps und Hilfe gewünscht ist, wie ich das angestellt habe, dann schreibt mir das in die Kommentare. Gebe mein Wissen gerne weiter, wenn gewünscht.

 

Rosa Schweinos Reisen – In welcher Stadt ist Rosa? (2)

Heute ging es wieder los. Unruhiges Rosa-Schwein, das Ausflugsziel fest im Blick. Doch wo war Rosa?

DSC_0115
Dort gab es solch schmusige Denkmale oder Denkmäler …
DSC_0118
… und solch ungerührte. (Wobei, man beachte das zarte Lächeln, das vorher nicht da war!)
DSC_0122
Eigentlich ging es aber – wie beim letzten Mal – um Literatur. Um einen großen Mann und um seine Bücher, …
DSC_0124
… Bücher, Bücher. In einem sehr modernen Museum, wo einige Schüler …
DSC_000001 (8)
… so etwas Hübsches gestaltet haben. Denn alles war sehr tragisch, Liebe, Leben, fast so wie in der Antike …
DSC_000001 (7)
… und tatsächlich entdeckte Rosa ein Trojanisches Pferd, – in einem netten Bistro auf einer Insel, wo sonst keiner war!

Amors Abenteuer (2)

valentine-31858_1280

Apollos Wagen funkelte und strahlte wie die Sonne selbst. Der Zephyr gab mir Antriebskraft. Unter mir zogen Wolken dahin, dazwischen konnte ich die Erde sehen: Flüsse, Berge, Städte. Das Meer mit winzigen weißen Punkten, Schaumkronen und Wellen.
Apollo schätzte es nicht, wenn ich ihn bei der Arbeit besuchte, aber dies war ein Notfall. Außerdem, fand ich, arbeitete er gar nicht, sondern jagte mit einer mordsmäßigen Geschwindigkeit durch den Äther. Cooler Job.

»Oh Shit!« Ich purzelte kopfüber auf die Rückbank, wobei eine meiner Federn brach.
»Ey, Alter!«, Apollo dreht sich zu mir um, »Was is`n los, Mann?«
»Ich dachte, ich komm mal vorbei …«
Apollo ließ die Peitsche knallen und die Pferde wieherten. Es waren vier riesige Tiere mit flammend hellen Mähnen, wilden Augen und gefährlich schlagenden Hufen.
»Krass schnell, was?«
»In der Tat«, bestätige ich, während ich versuche, meinen Kopf nach oben und meine Beine nach unten zu bekommen.
»Das is´n Phaeton, zehn Ellen lang. Üppiger Radstand, goldene Karosserie, kaum Schnörkel, dafür straffe Linien an den Seiten – das Teil hat Charakter. Zwei Pferdestärken mehr und heizt richtig rum!«
»Meinst du, ich kann vielleicht den alten Wagen haben?«, fragte ich, mittlerweile richtig positioniert. Es war zwar nicht mehr das neuste Modell, aber es war ein WAGEN, kein Westwind, keine Wolke und vor allem keine affigen Flügel mit weißen (und ein paar hellrosa) Federn, die aufgeregt flatterten, wenn ich flog.
»Klaro, wenn deine Alte das erlaubt …« Apollo lachte. »Was willste? Ich muss arbeiten, weißte doch.«
»Jaja«, sagte ich und schüttelte kurz den Kopf, was Apollo nicht sehen konnte. Arbeiten, von wegen.
»Ich habe eine Frage. Und du bist der schlauste aller Götter, also …«
Apollo ließ die Peitsche knallen.
»Haste schon gemerkt, dass die Sonne jetzt weiter hinten hängt?«, fragte Apollo.
Ich drehte mich um.
»Stimmt, ist nicht mehr so heiß hier wie früher.«
Apollo nickt zufrieden.
»Und die Sitze sind aus Leder«, er machte eine bedeutungsvolle Pause, »vom kalydonischen Eber.«
Gerade hatte ich mir eine richtig gute Frage überlegt, aber seine Worte brachten mich aus dem Konzept.
»Aus Leder? Von einem Tier? Und deine Schwester?«
Apollos Zwillingsschwester Diana war, was Tiere anbelangte, ziemlich eigen. Zwar war sie eine Jägerin, aber gleichzeitig auch selbsterklärte: »IchbeschützealleTiererin«
»Das ist das Beste!«, feixte Apollo. »Die hat ihn auf dem Gewissen.«
»Echt jetzt?«
»Ja, irgend so ein König hat vergessen ihr Opfergaben darzubringen und dann hat sie den kalydonischen Eber auf ihn gehetzt. Der ist dabei leider umgekommen.«
»Und opfern die Leute ihr jetzt wieder?«
»Klaro.«
Den Gedanken, dass die Verbreitung von Angst und Schrecken eine Lösung für mein Opfergabenproblem sein könnte, verwarf ich sofort wieder. Dianas Methoden waren zu extrem.
»War Vollmond?«, fragte ich.
Apollo grinste. »Zu meinem Glück! Guck dir das Leder mal an, komplett weiß, wunderbar weich; ey, pass mit deinen Füßen auf!«

»Okay«, begann ich, »mal angenommen, deine Opfergaben würden schwinden, was würdest du tun?«
»Das passiert nich.«
»Ja, aber mal angenommen.«
»Nee, das passiert nich.«
Ich versuchte es noch einmal.
»Ja, aber mal angenommen!«
Apollo guckte mich skeptisch an. »Was´n los, Kleiner, gibt´s Probleme?«
»Nein«, antwortete ich, konnte aber nicht verhindern, dass meine Flügel aufgeregt zitterten.
»Du kriegst eh nix. Also isses … deine Ma?«
»Quatsch!«, rief ich. Jetzt zitterte mein ganzer Körper. Mist!
»Deine Ma. Wusste ich´s doch.«
Ich seufzte.
»Sag´s nicht weiter«, bat ich, enttäuscht, dass er mir so schnell auf die Schliche gekommen war. Aber ich konnte ihm vertrauen. Bestimmt. Er war schließlich mein bester Freund.
»Mann, voll peinlich, Alta, das sollte sich echt nicht rumsprechen«, sagte Apollo.
»Ja«, pflichtete ich ihm kleinlaut bei. »Ich versuche, der Sache auf den Grund zu gehen und dachte mir, du kannst mir helfen.«
Apollo rieb sich das Kinn.
»Woran könnte es liegen, dass die Göttin der Liebe keine Opfergaben mehr kriegt?«
Er guckte nach links und nach rechts, nach oben und nach unten. Das alles wirkte sehr theatralisch auf mich.
»Was meinst du?«, fragte ich.
Jetzt sah er mich direkt an mit seinen stechenden blauen Augen, während den Pferden der Schaum vom Maul flog.
»Wer is´n verantwortlich für die Liebe?«
»Na …«, ich dachte kurz nach, »Ich.«
»Und was machst du den ganzen Tach?«
»Äh …«
Ich hatte das untrügliche Gefühl, dass das jetzt sehr, sehr unangenehm werden würde.
»Nix!«, fuhr Apollo fort. »Du machst nix. Du pennst bis in die Puppen, du säufst wie ein Loch, du jammerst rum und vor allem: Du machst deine Arbeit nicht, seit – ich weiß gar nicht wie lange!«
»Aber …«, ich wollte das nicht auf mir sitzen lassen. DAS konnte unmöglich der Grund sein. »Aber wenn Du Deine Arbeit nicht machst …«
Apollos Blick verfinsterte sich.
»Äh, ich meine, wenn du sie nicht machen kannst, weil deine Schwester den Mond vor die Sonne schiebt, klar, du machst ja immer deine Arbeit und tut mir leid, ich wollte dich jetzt echt nicht kritisieren …«
»Das hoffe ich.«
»Okay«, fuhrt ich fort, »wenn irgendwas deiner Arbeit im Wege steht, dann opfern die Menschen doch wie verrückt!«
»Klaro«, entgegnete Apollo ungerührt. »Weil sie Angst haben. So eine Verdunkelung der Sonne ist eben schwer zu ertragen für die Menschen. Meine Schwester darf sich solche Späße auch nicht allzu oft erlauben.«
Ich pflichtete ihm bei. Diana hatte einen makabren Sinn für Humor.
»Ja, aber meine Schwester kriegt ´ne Menge Opfergaben«, fuhr Apollo fort. »Sie zieht ihr Grausamkeits-und-Ich-bin-doch-ganz-nett-Ding konsequent durch. Du aber solltest jetzt echt mal zusehen, den ganzen Mist der letzten Zeit wieder auf die Reihe zu kriegen. Ich hab´s dir von Anfang an gesagt.«
»Du hast nicht gesagt, dass es keine Opfergaben mehr geben würde!«, protestierte ich.
Apollo rollte mit den Augen. Er hielt die Hand in die Luft, streckte den Daumen aus, dann den Zeigefinger, dann den Mittelfinger.
»EINS, ZWEI, DREI!«, zählte er. »Oder anders gesagt: Lo-gik.«
»Konquesennzen?«, fragte ich bekümmert.
»Genau, Amor. Das sind Kon-se-quen-zen.«
»Scheiße«, seufzte ich.
Apollo drehte sich zu mir um kräuselte die Brauen.
»Jetzt schwirr ab und lass mich meine Arbeit machen.«
»Was soll ich denn jetzt tun?«
»Dir wird schon was einfallen.«
»Und wenn nicht?«
»Tja, dann … gibt´s halt keine Opfergaben mehr und du wirst ein armer Schlucker.«
»Apollo!« Langsam machte er mir wirklich Angst.
»Komm, Kleiner, das wirste doch selber hinkriegen.« Er gab mir einen Klaps auf die Schulter. Das untrügliche Zeichen, dass ich abflattern sollte. Es machte mich auch ein bisschen stolz, dass er glaubte, ich selbst würde eine Lösung finden.
»Na gut,« sagte ich, »Danke, du bist echt toll, Mann.«
»Na klaro«, entgegnete Apollo, »Ich bin Apollo.«
Ich war schon halb in der Luft, als Apollo mir hinterherrief: »Denk heute Abend an den Retsiner!«
Apollo hatte einen ausgezeichneten Geschmack. Der Retsiner war der beste Tropfen im Weinkeller meiner Mutter.

(…)

https://lehmofen.wordpress.com/2015/07/25/amors-abenteuer/

Amors Abenteuer (1)

cupid-31853_1280

„Amor, mein Honigschätzchen, Amor!“

„Nur noch fünf Strahlen“, murmelte ich. Mein Kopf dröhnte. Die Scheißsonne kitzelte meine Nasenspitze. Apollon war also schon wieder auf seinem Wagen. Es war erstaunlich. Egal, wie viel wir den Abend vorher gesoffen hatten, egal, was wir geräuchert hatten, er zog die Sonne pünktlich übers Firmament. Er war ein Übergott. Und mein bester Freund.

„Amor, wo bist du?“, schallte ihre Stimme durch den Himmel.

Ich drehte mich auf die andere Seite und verbarg mein Gesicht in der Wolkenwatte. Dann spürte ich, dass Wolke sich langsam in Bewegung setzte.

„Wolke, bleib hier, bitte!“, stöhnte ich in die Watte und versuchte, sie festzuhalten. Das erwies sich als sinnlos, weil sie durch den Himmel flog und ich auf ihr lag.

Dunkele Erinnerungen traten in mein Bewusstsein. Weinkrüge über Weinkrüge, die Apollon und ich gestern leerten, diverse Kräuter, die wir in kleinen Tongefäßen räucherten. Auf meiner Wolke musste es aussehen wie auf einem Schlachtfeld.

Scheiße. Wenn Mutter das sah, wäre sie bestimmt nicht amüsiert.

Also aufstehen. Ich holte tief Luft. Aufstehen. Jetzt. Oh ihr Götter, das würde nicht einfach werden!

Irgendwie schaffte ich es, meinen Körper aufzurichten. Mein Kopf explodierte vor Schmerzen. Ich presste meine Hände auf die Schläfen. Der Wein, der Wein … lass ihn lieber sein … pochten die Gedanken.

»Amor, mein Liebling, komm zu deiner Mama!«

Unter Qualen klaubte ich Krüge, Kräuter und die Statuetten mit den üppigen Brüsten zusammen und schmiss sie aus vollen Händen runter gen Erde.

Keinen Sonnenstrahl zu früh, wie es schien, denn auch wenn Wolke normalerweise ein eher behäbiges Tempo flog, wenn meine Mutter nach ihr rief, war sie kaum zu bremsen.

„Mein kleiner Cupido!“

Venus lächelte verzückt und warf mir eine Kusshand zu. Sie stand am Rand ihrer rosafarbenen Wolke und blickte auf mich herab. Hinter ihr blitzte ein goldener Palast im Licht der aufgehenden Sonne. Zwischen meinen Kopfschmerzen nagte genauso schmerzhaft die Frage, warum ich eigentlich immer noch mit dieser kleinen, widerspenstigen Ausstattung einer Cumuluswolke versehen war, kaum größer als ein King-Size Bett.

„Guten Morgen, Ma“, sagte ich. „Du bist heute so wunder-, wunderschön, Ma.“

Immer weckte sie mich wegen irgend so einem langweiligen Schwachsinn, ob ihr das Gewand gut stände –Pastellrosa oder doch lieber Himmelblau?-, ob sie „die Schönste im Götterhimmel und auf Erden“ sei, und ob sie „die Allerschönste im Götterhimmel und auf Erden“ sei.

Venus warf sich in Pose und lächelte verzückt.

„Findest du? Das Kleid ist erst vor ein paar Stunden in meinen Detoto-vonalien erschienen!“

„Äh, was?“

„In meinen Detoto-votialien oder wie das heißt.“ Mutter klatschte in die Hände und drehte sich einmal im Kreis.

„Nenn es doch einfach: Opfergaben“, schlug ich vor.

„Wie findest du es?“

Apollon sollte mich später mit einem süffisanten Lächeln aufklären, dass es Devotionalien hieß. Apollon wusste alles.

Ma besaß unten auf der Erde – im- Gegensatz zu mir – jede Menge Tempel, Altäre, Priester und alles, was dazugehörte. Die Menschen opferten ihr beständig irgendwas, das in ihrem Opferschrank landete, ein großes, braunes Ungetüm aus Zedernholz, mit vielen magischen Zeichen.

Mir war ja am liebsten, wenn die Menschen Wein oder Kräuter opferten, weil ich davon am meisten profitierte. Davon kam jedoch weniger als ein Viertel nach oben. Die Priester waren ebenfalls keine Kostverächter. Besonders gierige Exemplare beschoss ich hin und wieder mit einem Liebespfeil, dann hatte deren Karriere im Tempel zumeist ein jähes Ende. An Kleider waren die meisten wie ich, nicht besonders interessiert.

„Jaja“, sagte ich. „Ganz fantastisch. Dieses Purpur. Grandios.“

„Das sind Korallensplitter“, tadelte Venus.

„Oh, wie konnte ich das übersehen? Natürlich, Korallensplitter. Entzückend! Hast Du es Pa und Vulcanus schon gezeigt?“

Natürlich interessierten Mars oder mein Stiefvater Vulcanus sich nicht im geringsten für Mas Outfit, aber ich wurde nicht müde, mehr Unterstützung einzufordern. Meine Mutter war unglaublich eitel und brauchte ständig Bestätigung. Wäre das nicht eigentlich die Aufgabe meiner Väter? Statt meine? Mich morgens früh aus dem wohlverdienten Schlaf zu wecken! Wegen sowas!

„Ach, Dein Vater“, Venus machte eine abfällige Handbewegung. „Der lebt doch nur für den Krieg. Und Vulkanos …“, Venus kicherte, wobei sie sich die Hand vor den Mund hielt.

„Allein die Vorstellung, dass Vulcanus irgendwas von Schönheit weiß …, ach, du verstehst es, mich aufzumuntern!“

„Aber Vulcanus kann echt tolle Karren bauen.“

Ich witterte die Chance, das Thema mal wieder auf meinen derzeit größten Wunsch zu lenken: Einen Wagen, so wie Apollon ihn fuhr. Dann wäre die Unterredung mit Ma wenigstens zu etwas nutze.

Venus hob tadelnd den Finger. „Fang ja nicht wieder mit diesem kindischen Wunsch an.“

»Aber Apollo hat auch einen.«

»Amor, Du kannst selber fliegen.«

»Aber, … ich könnte viel schneller fliegen, wenn …«

»Wenn du schneller fliegen willst, dann steht dir der Zephyr zur Seite.«

»Aber das ist nur ein blöder Wind! Ich will ne richtige Karre, so mit Gold und Felgen und so!«

Venus verdrehte die Augen. „Jetzt hör endlich auf mit diesem kindischen Wünschen!“

„Das ist nicht kindisch.“

„Doch. Das ist ein kindischer Wunsch, kleiner Cupido!“

Ich hasste es, wenn sie mich „Cupido“ nannte. Dieser verdammte Name. Ich weiß nicht, wie oft ich meiner Mutter in den letzten hundert Sonnenläufen gesagt habe, dass ich so nicht mehr genannt werden möchte. Ihre stete Antwort darauf war, dass ich ja immer noch und bis in alle Ewigkeit ihr kleiner Cupido sein würde und dass ich immer noch Babyspeck hätte, wobei sie mich meistens Waden oder Unterarm kniff. Sowas von peinlich.

„Ma …“

Ihre Miene verfinsterte sich und ich verschluckte den weiteren Protest. Meine Zeit würde kommen. Auf hundert Sonnenläufe mehr oder weniger kam es dabei nicht mehr an. Ich knipste also mein „Ich bin ein lieber Junge“-Lächeln an.

„Ich habe dich übrigens nicht rufen lassen, um mir Komplimente zu machen. Auch wenn ich das sehr schätze, Cupido.“

Es dauerte ein paar Sekunden, dann war mir klar, was sie wollte. Mutter sagte häufig nicht einfach, was sie dachte, sondern versuchte mich dazu zu bringen, ihre Gedanken zu lesen.

„Was ist los?“, fragte ich also. Eine Frage, die sich bisher sehr bewährt hatte.

Mit einem Satz sprang sie runter zu mir und kniff mir in die Waden.

„Aua! Lass das!“

„Cupido“, sagte sie, packte meine Schultern und versuchte unter ihren langen Wimpern einen ernsthaften Blick auszusenden.

„Cupido, es ist was Ernstes.“

Der Griff an meinen Schultern verstärkte sich.

„Guck mal, dieses Kleid, es ist wirklich schick. Aber …“ Sie blickte nach links und rechts, so als ob uns niemand hören dürfte.  „Es ist das erste seit ein paar Tagen! Die Menschen bringen mir keine Opfergaben mehr dar. Meine Altäre rauchen nicht mehr!“

„Vielleicht sind die Priester schuld?“

Vor meinem inneren Auge zeigte sich das Bild, das ich bei einer der letzten Visiten auf der Erde beobachten konnte. Einer der jungen Novizen trug tatsächlich die Kleider meiner Mutter! Ein pausbäckiger Junge in einem purpurnen Prinzessinnenkleid. Wie er dastand und posierte, hätte er meiner Mutter fast Konkurrenz machen können. Umgeben von Fackeln, mitten in der Nacht, ganz allein.

Hauptsache er ließ die Finger vom Wein.

„Das ist es ja …“, flüsterte Ma, „die meisten Priester sind verschwunden!“

Ich fühlte, dass mir flau im Magen wurde und das lag nicht an der Tatsache, dass ich gestern ordentlich gebechert hatte.

„Bist du dir sicher?“, fragte ich. „Du hast doch dieses hübsche Kleid …“

„Ja“, wisperte Mutter, „das erste seit Tagen.“

„Ich kümmere mich drum, Ma“, sagte ich. Natürlich hatte ich keinen blassen Schimmer, wo ich anfangen sollte, aber die Sache schien mir bedenkenswert.

„Woher soll ich denn jetzt schöne Kleider bekommen?“, jammerte Mutter.

„Ich kümmere mich …“, wiederholte ich. Dabei dachte ich an die Weinvorräte im Palast meiner Mutter, die sicherlich auch schon seit Tagen nicht mehr angefüllt worden waren.

Mutter hauchte einen Kuss auf meine Stirn.

„Danke, mein Kleiner. Aber pass bitte auf, dass sich das nicht rumspricht unter den Göttern. Wie stehen wir denn sonst da?“

Ich nickte ihr tapfer zu. Wäre doch gelacht, wenn ich das Problem nicht in den Griff kriegen würde. Immerhin kannte ich den schlausten aller Götter: Apollon. Er wusste bestimmt Rat, auch wenn das der Bitte meiner Mutter widersprach, niemandem etwas davon zu erzählen. Aber wozu sonst hat man Freunde? Ich musste nur geschickt genug vorgehen.

(…)