Bona Dea

Die Göttin Bona Dea wurde im Rom etwa seit dem 3. Jahrhundert vor Christus verehrt. Zu den mit ihr verschmolzenen Göttinnen zählten wahrscheinlich die griechisch Göttin Hygieia, die für die Gesundheit der Frauen – und damit auch die Fruchtbarkeit – zuständig war.
Ein Tier, das mit all diesen Göttinnen in direkter oder indirekter Verbindung steht, ist die Schlange. Bona Dea Statuen und Abbildungen haben neben einer Schlange auch (meistens) ein „Füllhorn“, ein Gegenstand, der eigentlich der Göttin Fortuna zugeschrieben wird. Auch diese Göttin hat einen griechischen Urspung (Tyche) und mögliche Überschneidungen mit Bona Dea.
Es gibt weitere Bezüge und Verbindungen zu Fauna, Ceres, Terra, Ops, Kybele … ein Blogbeitrag dazu würde sich lohnen, in Anbetracht des Umfangs beschränke ich mich aber heute auf die zwei zunächst genannten Göttinnen: Hygieia und Fortuna und deren Hauptattribute, Schlange und Füllhorn.

Im Internet findet man – nebst Wikipedia – sehr viele Informationen über die Göttin und das, was „faktisch“ von ihr überliefert worden ist.

Beispiele für recht umfangreiche Zusammenstellungen gibt es hier (vorrangig Deutsch):

http://www.imperiumromanum.com/religion/antikereligion/bonadea_01.htm
https://artedeablog.wordpress.com/2017/02/05/santa-agatha-oder-die-brueste-der-goettin/
https://schwesternschaftderrose.wordpress.com/2015/12/03/bona-dea-die-goettin-der-fruchtbarkeit-heilung-jungfraeulichkeit-und-frauen/
https://www.thoughtco.com/bona-dea-roman-goddess-2562628
http://www.thaliatook.com/OGOD/bonadea.php

Man findet sogar den Anfang einer Dissertation zu Bona Dea und ihrem Kult online.

Es ist bemerkenswert, dass diese Göttin noch heutzutage – oder heutzutage wieder (im Zeitalter des Internets) – eine so große Resonanz erfährt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man relativ viele und gesicherte Informationen über sie hat. So stand ihr Tempel in Rom vom 3. Jahrhundert vor Christus bis ins vierte Jahrhundert nach Christus, was einen Zeitraum von 700 Jahren umfasst.

Bona Dea (oder Ceres). By Carole Raddato from FRANKFURT, Germany – Marble statue of Demeter-Ceres or Bona Dea (The Good Goddess), Nîmes Archaeology Museum, France, CC BY-SA 2.0, Link

Weil ihr Kult geheim war, ranken sich viele Legenden um Bona Dea. Mal gilt sie als Frau des Faunus, mal als dessen Tochter. Angeblich war sie so schüchtern, dass sie nie das Haus verließ, sich aber daheim mit Wein betrank, weil ihr so langweilig war. Faunus war deswegen wütend und schlug sie mit Myrtenzweigen tot. Später bereute er seine Tat und vergöttlichte seine Frau.
Als Tochter des Faunus hatte Bona Dea es sogar noch schwerer. Denn der eigene Vater stellte ihr nach und sie war erst vor ihm sicher, als sie sich in eine Schlange verwandelte.
Es gibt auch die Variante, in der Bona Dea die Schwester von Faunus ist.

Aeskulap und Hygieia. By http://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/23/e8/bf37ac7142c9354f84444d1c23f5.jpgGallery: http://wellcomeimages.org/indexplus/image/V0036061.html, CC BY 4.0, Link

Hygieia war die Tochter von Aeskulap, also dem Gott der Heilkunst, und wird im Hippokratischen Eid angerufen. Der hippokratische Eid wird in Deutschland lediglich als moralisch-ethischer Maßstab herangezogen, seit der Antike und auch heute in den USA ist es jedoch auch ein feierlicher „Eid“ im klassischen Sinne, der bei der Promotion der Absolventen medizinischer Studiengänge vorgelesen wird.
Über Hygieia gibt es keine dramatischen Geschichten, aber auch diese Göttin hat „eigene“ Verbindungen zu z.B. Salus, Sirona, … bzw. zu all diesen hier. 🙂

Sowohl mit Hygieia, als auch Aeskulap (Aeskulap-Stab) waren Schlangen als Symboltiere verknüpft.
Im Tempel der Bona Dea soll es zahme Schlangen gegeben haben.

Aeskulap-Stab. By CFCFOwn work, CC0, Link

Die Schlange ist ein ausgesprochen interessantes Symboltier, geht ihre mythische Existenz doch sogar in vorweltliche – also paradisische – Zeiten zurück.
Sie war es, die Eva angeblich dazu angestiftet hat, in den Apfel der Erkenntnis zu beißen und ihn dann an den armen, unschuldigen Adam weiter zu reichen. 😉

Doch zuvor sei noch erwähnt, dass Herkules (ein antiker Held, von dem weiter unten noch die Rede sein wird) nachgesagt wird, als Kleinkind zwei Schlangen, die seine Stiefmutter Hera/Juno geschickt hatte, um ihn zu töten, mit bloßen Händen erwürgte.

Herkules als Baby.
By Internet Archive Book Imageshttps://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14763741315/Source book page: https://archive.org/stream/barclaysuniversa00barc/barclaysuniversa00barc#page/n501/mode/1up, No restrictions, Link

Der Sündenfall. By KopiersperreOwn work, Public Domain, Link

Das Alte Testamten bzw. die Geschichte im ersten Buch Mose wurde auf Hebräisch geschrieben, eine Sprache, in der „die Schlange“ maskulin ist. Sie heißt dort נחשׁ = nâchâsh, „was manchmal als Erklärung dafür dient, dass der „Schlang“ (so die Übersetzung von Seebass, 98) sich an die Frau wendet und nicht an Adam (…)“.
Quelle: Bibelwissenschaft
Auch Adams erste Frau, Lilith, wird häufig mit Schlangen assoziiert.


Lilith. By John CollierOwn work, Public Domain, Link

Dass Adam eine erste Frau hatte, wird im Talmud (einer Art Kommentar zum Tanach/Altes Testament) erzählt. Die Geschichte – so absurd wie wahr – geht wie folgt: Da es in der Bibel zwei Schöpfungsberichte gibt (einmal werden Mann/Frau gleichzeitig erschaffen 1 Mose 1, 27, einmal entsteht Eva aus der Rippe von Adam 1 Mose 2,26), brauchte es eine Erklärung. Die Erklärung lautete so: Adam hatte eine erste Frau, Lilith, mit der er sich aber gestritten hatte. Angeblich ging es darum, wer von beiden die Oberhand (beim Sex) haben durfte. Lilith wollte oben sein, Adam auch, das ging aber nicht, also entschied Lilith, das Paradies zu verlassen und Adam sich selbst zu überlassen. – Es ging also darum, wer über wen herrscht, wer das Sagen hat.

Adam, Eva und Lilith (die Schlange). By Hugo van der Goes – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Public Domain, Link

Der Kern dieser biblischen Geschichte, wenn man so will, findet sich auch bei der Göttin Bona Dea wieder. Denn ihre Feierlichkeiten waren nur für Frauen zugänglich – und es findet sich auch die Besonderheit, dass die feiernden Frauen sich weigerten dem Helden Herkules etwas zu trinken zu geben (vielleicht, weil er als Baby zwei Schlangen tötete?). Woraufhin Herkules befahl, Frauen fortan von den Festlichkeiten an seinem Altar (ara maxima) auszuschließen.
Die Opfergaben für Herkules waren auch erstmals(?) nur an ihn selbst gerichtet, da keine anderen Götter angebetet werden durften. Im Laufe der Zeit wurden dann von reichen Patrizierfamilien am ara maxima vor allem Opfer für Geldangelegenheiten gemacht, man spendete bis zu 10% vom Gewinn des Handels. Es gab riesige Festgelage, von denen insbesondere die des Crassus (eines sehr reichen Römers, der auch mit Pompeius und Cäsar verbündet war) im Gedächtnis geblieben sind, da er die römischen Bürger drei Monate lang bewirtete.

Herkules. By SailkoOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Herkules trinkt. By Massimo Pallottino, The Etruscans, Indiana University Press, 1975 (1st edition: Etruscologia, Milan: Hoepli, 1942).References:Online commentary;Jean Bayet, Herclé, op. cit. p. 150 et pl. IV;A. J. Pfiffig, Herakles in der Bilderwelt der etruskischen Spiegel, 1980, p. 19., Public Domain, Link

Der Ursprung der Milchstraße. By Peter Paul Rubens[1], Public Domain, Link

Also die Frage, die sich gerade aufdrängt: was wollte Herkules wohl trinken beim Fest der Bona Dea? 🙂 🙂 🙂

Obwohl es eindeutig gesichert scheint, dass „Bona Dea“ die Göttin für einen reinen Frauenkult war, weist Brouwer in seiner obene genannten Dissertation darauf hin, dass möglicherweise auch Kaiser Augustus als Priester involviert war (Introduction, p. XXIII.) Auch ist auffällig, dass viele Männer der Göttin etwas schenkten oder widmeten, z.B. einen Altar, ihre Wünsche/Gebete, oder Statuen anfertigen ließen.

Eine Göttin, mit der Bona Dea ebenfalls verknüpft wird, ist nebst der oben genannten Hygieia die Göttin Fortuna.

Hier Fortuna in einer mittelalterlichen Darstellung links vom Rad des Schicksals. By Universidade Federal do Espírito SantoVitória [1], Public Domain, Link

Fortuna (griechisch Tyche) antik. By DaderotOwn work, Public Domain, Link

Füllhorn. By bukkOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Das Füllhorn ist ein ebenfalls interessantes antikes Symbol, das für Reichtum, Überfluss und „Fülle“ steht. Das Füllhorn wird auch sehr häufig in Verbindung mit Ceres (Göttin des Getreides und Wachstums) und Plutos (Gott des Reichtums) gebracht.

Es geht auf die Nymphe (oder Ziege) Amalthea zurück, die mit dem Horn einer Ziege den kleinen Zeus fütterte oder eben selbst diese Ziege war. Sie ist darüber hinaus auch die Mutter (oder Ehefrau) von Pan, dem Hirten- und Ziegengott.

Zeus/Jupiter verewigte die Ziege(?) Amalteia aus Dank über seine Rettung (sie hatte ihn ja mit ihrer Milch ernährt/Füllhorn) am nächtlichen Firmament als Sternbild.
Das Sternbild Capricornus bzw. „Ziege“. CC BY-SA 3.0, Link

Auch findet sich hier wieder eine Verbindung zu Herkules, denn die antiken Autoren berichten auch davon, dass Herkules beim Ringen mit dem Flussgott Acheloos diesem ein Horn abgebrochen habe, was dann zum Füllhorn wurde.

Warum Herkules das tat, ist wiederum eine interessante Geschichte.
Acheloos war nämlich genauso an der schönen Deianeira interessiert wie Herkules. Er kämpft mit Herkules um die Hand der schönen Deianeira (deren Name übrigens „Männerhasserin“ bedeutet), verwandelt sich in eine Schlange und in einen Stier, aber all das half ihm nix, Herkules tötete ihn.

Beeindruckend in Szene gesetzt hat diesen Kampf Thomas Hart Benton (1947).

By Thomas Hart BentonThis file was provided to Wikimedia Commons by the Smithsonian American Art Museum as part of a cooperation project., Public Domain, Link

Doch auch die alten Etrusker hatten schon einen ganz fidelen Blick auf die Problematik. By www.androphile.org, Gemeinfrei, Link

Es geht sogar noch etwas weiter. Denn die Geschichte „Kampf mit Fluss/Wesen“ wiederholt sich in der Geschichte von Herkules.
Als er und Deianeira einen Fluss überqueren müssen, bietet sich der Kentaur Nessos an, Deianeira hinüber zu tragen. Das tut er natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn er will Deianeira für sich.

Hier Deianeira, die Schöne, und Nessos. – Was hat sich Arnold Böcklin dabei nur gedacht??? 🙂 Von Arnold Böcklin – 1. pfalzgalerie.de2. lessing-photo.com, Gemeinfrei, Link

Auch hier greif Herkules ein und gewinnt, indem er Nessos tötet. Doch hat Nessos zuvor Deianeira noch eine List ins Ohr gepflanzt. Er riet ihr, sollte Herkules ihr jemals untreu werden, ihm einen Mantel von Nessos zu geben, der ihr ewige Treue garantieren würde.
Viele Jahre später guckt sich Herkules tatsächlich mal nach anderen Frauen um.
Was tut Deianeira?
Sie gibt Herkules den Mantel, der daraufhin an elendigen Qualen (nicht) stirbt.

Sie selbst aber denkt, dass Herkules gestorben ist und bringt sich daraufhin um. Die Parallelen zu Didosind offenkundig.

Deianeira verzweifelt. By Evelyn De Morgan[1], Public Domain, Link

Herkules stirbt (doch nicht). By Francisco de Zurbarán – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Public Domain, Link

Herkules wird nämlich kurz vor seinem Tod von den Göttern in den Olymp aufgenommen. Dort versöhnt er sich dann auch mit seiner Stiefmutter Hera/Juno und heiratet eine andere Frau: Hebe, die Göttin der rosigen Wangen = der Jugend. (Also keine Männerhasserin mehr.)

Faktisch und historisch gesichert schafft es Herkules als Gott sogar in den Buddhismus:

Er steht mit seiner Keule rechts hinter Buddha.
CC BY-SA 3.0, Link</

Bona Dea – und die dazu gehörigen Göttinnen – lebten und leben(?) insbesondere einigen weiblichen Heiligenfiguren weiter.

Heilige mit dem Attribut „Schlange“ sind unter anderem: Goar, Phillipus der Apostel, Wilburgis, Amandus von Maastricht, Hilarius von Poitiers, Jakobos von der Mark.
Diese Heilige haben die Schlange „nur“ als Symboltier, teils auch noch andere Symbole, stehen aber in keiner erzählerischen Verbindung zu dem Tier.

Für einige Heilige mit dem Attribut Schlange gibt es aber längere oder kürzere Geschichten, in denen die Schlangen mal in einem positiven, mal in einem negativen Licht erscheinen.

Notburga von Hochhausen erhält von einer Schlange heilende Kräuter, nachdem sie durch ihren gewalttätigen Vater einen Arm verliert.

Patrick von Irland wird nachgesagt, dass bei seiner Ankunft in Irland sämtliche Schlangen die Insel verlassen haben. Die letzte Schlange Irlands aber wurde von ihm in eine Kiste gelockt mit dem Versprechen, sie „morgen“ wieder frei zu lassen. Als die Schlange dann am nächsten Tag nach ihrer Befreiung fragte, antwortete er: „Morgen.“

Thekla von Ikonium weigerte sich, einen „Heiden“ zu heiraten, weil sie Christin geworden war. Da sie im noch heidnischen Rom lebte und als Christin damals sehr benachteiligt war, führte man sie in einen Kerker voller giftiger Schlangen, aber ein Blitzstrahl tötete die Reptilien. Thekla erfährt noch ein paar andere Gemeinheiten, diese gehen aber immer gut aus, da sie von Gott beschützt wird.

Benedikt von Nursia, der Gründer des Benediktinerordens, dem der schöne Spruch ora et labora zugeschrieben wird (dt. „bete und arbeite“), sollte von seinen eigenen Mönchen vergiftet werden. Doch das Gift entwich als Schlange aus dem Kelch, in dem es sich befand, als Benedikt ein Kreuzzeichen darüber machte.

Das Füllhorn scheint es nicht in die christliche Gedankenwelt geschafft zu haben. Allerdings scheinen der Prophet Joel (Altes Testament) und der Heilige Kajetan von Tiene ein Füllhorn als Attribut (allerdings ohne dahinter liegende Erzählung) zu haben.

Abschließend sei noch auf das Martyrium von Christina von Bolsena verwiesen, die von Schlangen gepflegt wird, nachdem sie unendliches Leid erlitt.

„Christina wurde geschoren und nackt vor eine Apollo-Statue geschleift, diese zerfiel zu Staub, der Richter starb vor Schreck. Sein Nachfolger sperrte sie fünf Tage in einen glühenden Ofen, sie wandelte darin und sang mit den Engeln. Schlangen wurden gebracht – sie leckten ihren Schweiß ab und legten sich kühlend um ihren Hals. Als ein Zauberer nun die Schlangen reizen sollte, stürzen sich diese auf ihn und töten ihn; Christina aber gebot den Schlangen, an einen wüsten Ort zu entweichen und erweckte den toten Zauberer. Schließlich wurden ihr die Brüste abgeschnitten, sie verströmten Milch statt Blut. Als ihr die Zunge abgeschnitten wurde, behielt Christina die Sprache, und sie warf die Zunge dem Richter ins Gesicht, worauf der erblindete. Von den Pfeilen, die er nun auf sie abschoss, trafen sie zwei und töteten sie.“
Quelle: Heiligenlexikon.

Noch heute gibt es in Italien Feierlichkeiten, die das Schicksal von Christina reinszenieren. Einen tollen Artikel mit vielen Fotos darüber findet man bei Bizzarrobazar.
Wirklich toll gemacht, klare Leseempfehlung.

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Anna Perenna

Anna Parenna ist eine eher unbekannte römische Göttin, die in einem kleinen Heiligtum an der Via Flaminia verehrt wurde. Daneben hatte sie auch ein Heiligtum auf Sizilien und in Rom selbst gab es einen Brunnen, an dem ihr zu Ehren Feste gefeiert wurden.

Der Urprung von Anna Perenna liegt im Dunkeln. Es könnte sich
1. um eine alte, etruskische Muttergöttin gehandelt haben,
2. vielleicht war sie (auch) die Schwester von Dido, einer karthagischen Königin,
3. oder es war eine ältere Frau, die sich während der römischen Ständekämpfe um die Plebejer (das einfache Volk) gekümmert hat – und deswegen von ihnen als Göttin verehrt wurde.

Daneben hat Anna Perenna auch viele Bezüge zu anderen Göttinnen, insbesondere der Mondgöttin Diana/Artemis.

Im Folgenden werde ich – ausgehend von den Feierlichkeiten für die Göttin – auf die möglichen Ursprünge Anna Perennas eingehen.

Via Flaminia

Teil der Via Flaminia, die Rom mit der Adriaküste verband. By No machine-readable author provided. Samba~commonswiki assumed (based on copyright claims). – No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims)., Public Domain, Link

Brunnen Anna Perenna Opfergaben an die Göttin, gefunden im Brunnen. By Self-photographed by Szilas in the Museo Nazionale Romano – Terme di Diocleziano – Own work, Public Domain, Link

Anna Perenna Mögliches Profilbild der Göttin auf einer Münze (gefunden in Italien oder Spanien) 1. Jh. v. Chr. By Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com, CC BY-SA 3.0, Link

Ob der heutige Brauch, Münzen in einen Brunnen zu werfen, wohl auf Anna Perenna zurück geht?
Neben diesen „Geldopfern“ sind auch Feste zu Ehren der Göttin bekannt.
Ihr Haupttag wurde im März gefeiert. Dabei floss angeblich Wein in Strömen und es gab derbe Witze und obszöne Lieder. Es war ein Fest für das einfache Volk, die sogenannten „Plebejer“, das in den Iden, also um Vollmond herum, gefeiert wurde.

Der römische Kalender (ein Mondkalender) hatte für jeden Monat bestimmte Termine:

Iden (Vollmond),
Kalenden (Neumond)
Nonen (zunehmender Mond)
Terminalien (abnehmender Mond)

Insgesamt gab es 13 Monate. Es waren mehrheitlich die uns heute noch bekannten, wenn auch mit teils anderen Namen, und ein 13. „Schaltmonat“ namens Mensis intercelaris oder – Plutarch folgend – Mercedonius. Die Einberechnung des Schaltmonates war äußerst kompliziert und fiel in Kriegszeiten teilweise aus. Normalerweise wurde in einem Zeitraum von acht Jahren drei Mal ein solcher Mercedonius „geschaltet“, er erschien dann zwischen Februar und März.
Umstritten ist, inwiefern der Schaltmonat auch Auswirkungen auf die Zinswirtschaft hatte. Möglich ist, dass in diesem Monat dann keine Zinsen fällig wurden. (Münzgeld – in einer Ausprägung, wie wir es heute kennen inklusive Verleih usw., trat übrigens erstmals im 3. Jh. v. Chr. flächendeckend (Griechenland, Rom, Persien, Indien) in Erscheinung.)

Wenn man sich den Hauptfesttag der Göttin ansieht, ist festzustellen, dass der erste Vollmond im Monat März zeitlich nah an der Frühlings-Tages und Nachtgleiche liegt. In einigen heutigen Kulturen (Iran u.a., Nouruz) wird der Beginn des Jahres an diesem Ereignis fest gemacht. Das neue Jahr beginnt also dann, wenn das „Licht“ (Tag) die „Dunkelheit“ (Nacht) gerade überholt. In unserer christlich geprägten Kultur hat sich dagegen der Zeitraum der Wintersonnenwende (die Tage werden wieder länger) um den 21./22. Dezember und darüber hinaus (also 1. Januar) als Jahresanfang durchgesetzt. Das lag unter anderem auch an den Römern, die im 2. Jh. v. Chr. beschlossen, das Amtsjahr im Januar beginnen zu lassen, wobei der offizielle Neujahrstermin noch im März lag.
Zuletzt gibt es noch weitere Möglichkeiten, das Jahr enden/beginnen zu lassen. Welcher Termin davon der „ursprünglichste“ war, lässt sich schwer ausmachen. Auffällig ist aber, dass sich gerade die jüngeren Termine eher von den kosmischen Ereignissen entfernt haben.

Bild mit verschiedenen Tag und Nachtgleichen Übersicht über Tagundnachtgleiche usw. Von Horst Frank aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

solstice Hier eine Illustration zur Sonnenwende. CC BY-SA 2.0, Link

Aber wann auch immer das Jahr nun beginnen und/oder enden mag, fest steht folgendes:

Ende des Jahres Das alte Jahr ist dann Geschichte. By John T. McCutcheon – Cartoon by John T. McCutcheon, scanned from book “The Mysterious Stranger and Other Cartoons by John T. McCutcheon”, New York, McClure, Phillips & Co. 1905. Book reprints a collection of McCutcheon’s cartoons, some dating back a few years., Public Domain, Link

Festzuhalten ist, dass ähnlich der Entwicklung von „Erde“ und „Wind/Regen/Donner“ zu abstrakteren Versionen = Gottheiten, auch die Einteilung der Zeit in eine Phase mit „Anfang“ und „Ende“ eine Erfindung der Menschen ist, die sich im Laufe der letzten Jahrtausende entwickelt hat.

Ausgehend von der möglicherweise ursprünglichen oder ersten Vorstellung Gottes als „Erdenmutter“ und „Wettergott“, wäre es denkbar, dass auch die Einteilung des Jahres sich an dieser Idee orientierte.
Das alles ist sehr hypothetisch und spekulativ, aber es erscheint mir logisch, dass der für den frühen Menschen so wichtige Kreislauf von Aussaht, Regen/Befruchtung und Ernte als Grundstruktur der Zeiteinteilung diente.
Nimmt man die Vorstellung von antropomorphen Wesen wie „Wettergott“ und „Mutter Erde“ hinzu, die sich gegenseitig aneinander erfreuen, dann stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wann „es“ eigentlich beginnt.
Beginnt das Leben mit der „Befruchtung“? = Jahresanfang im Frühling.
Beginnt das Leben mit der Rückkehr der Sonne, also mit der Ahnung von und Hoffnung auf „Befruchtung“? = Jahresanfang um die Wintersonnenwende.
Beginnt das Leben mit der Geburt? = Jahresanfang zur Erntezeit.
Oder ist gar schon der Frühling eine Art „Geburt“?

Also es gibt, wenn auch unterschiedlich interpretiert, grundlegende Gemeinsamkeiten in allen Kulturen der Welt was die Jahresanfänge anbelangt.
1. Die Orientierung an einem Zyklus von Werden und Sterben.
2. Die Einteilung dieses Zyklus in immer kleinere und genauere Zeitphasen.

Lebenskreis Kreis des Lebens. Bulgarien. By Edal Anton LefterovOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Kreis des Lebens Lebensrad. Nordindien. CC BY-SA 3.0, Link

Stonehedge Stonehedge. By Janßonius – Biblioteca Nacional de España, Public Domain, Link

Man bedenke, was aus den Windgöttern geworden ist.

Etruscan woman holding an egg Etruskische Frau, die ein Ei hält (Symbol für Fruchbarkeit und Wiedergeburt) By Anonymous (Etruscan)Walters Art Museum: Home page  Info about artwork, Public Domain, Link

Mit der Göttin Anna Perenna ist dieser Kreislauf eng verbunden. Denn ihr zweiter Name „Perenna“ leitet sich ab vom lateinischen Adjektiv „perennis“, das so viel bedeutet wie „jährlich wiederkehrend“. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihr um eine etruskische Göttin, eine ältere Göttin also, als sie uns von den Römern bekannt sind, denn die Etrusker lebten bereits vor den Römern auf der italienischen Halbinsel und wanderten noch vor dem 1. Jahrtausend aus dem orientalischen Raum dorthin ein.

So wurde sie wahrscheinlich zunächst als klassische Muttergottheit verehrt und bekam im Laufe der Zeit dann andere Attribute zugeschrieben. Beispielsweise als „Retterin“ der Plebejer, die der Sage nach einst aus Rom auswanderten, weil sie keine Lust mehr hatten, für die reichen Patrizier dort zu arbeiten.
Der Bezug zu Didos Schwester ist insofern interessant, als dass etwa ab der Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus männliche Gottheiten nach und nach den Glauben der Menschen dominieren. Ganz klar zu sehen in der Entstehung des Manichäismus, Mithraismus und Christentums um das 1. Jh. n. Chr.

Mithraism Mithras und der Stier. Public Domain, Link

Mani Mani, der Gründer des Manichäismus. Public Domain, Link

Jesus Jesus und vier Erzengel. By Internet Archive Book Imageshttps://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14742744896/Source book page: https://archive.org/stream/christianiconogr02didr/christianiconogr02didr#page/n89/mode/1up, No restrictions, Link

Die Geschichte von Dido – und Aeneas – repräsentiert nämlich auf verschiedenen Ebenen diesen Wandel im Denken weg von den Frauen hin zu den Männern.
Aeneas, als Stammvater der Römer, der aus Troja floh und auf Geheiß der Götter eine neue Heimat finden sollte, landete auf seiner Reise über das Mittelmeer eines schönen Tages in Karthago, der Hauptstadt des später mit Rom so verfeindeten Reiches. (Ab dem 3. Jh. v. Chr. drei Punische Kriege, Hannibal, – das ist alles historisch bezeugt und „korrekt“, also kein Mythos wie die Geschichte von Aeneas und Dido.)
Dort traf er auf die schöne Dido und verliebte sich unsterblich in sie.
Doch Aeneas war es nicht vergönnt, lange bei seiner neuen Liebe zu bleiben. Die Götter, namentlich der Botengott Merkur, forderten ihn auf, seine Reise fortzusetzen und sein Schicksal zu vollenden.
Was Dido daraufhin tat, ist sehr gut in dem unteren Bild zu erkennen.

Dido Dido ersticht sich. By Augustin Cayot (1667-1722)Marie-Lan Nguyen (2011), Public Domain, Link

Doch damit nicht genug. Wie oben bei der Skulptur zu erkennen, ersticht sich Dido, während sie auf einem „Podest“ aus Holz steht. Sie hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach zeitgleich verbrannt. Und zwar am Strand, wo Aeneas sie sehen konnte, während er mit seiner Mannschaft zur Küste Italiens zog.

Hier ein Bild aus glücklicheren Tagen:

Aeneas und Dido Aeneas und Dido begegnen sich zum ersten Mal. By Nathaniel Dance-HollandXQGCpNt3tbJiAw at Google Cultural Institute, zoom level maximum Tate Images (http://www.tate-images.com/results.asp?image=T06736&wwwflag=3&imagepos=1), Public Domain, Link

Gut zu sehen ist hier im Hintergrund Didos (linke Seite) ihre Schwester Anna. Die Anna, die also auch einen mögliche Gleichsetzung mit „Anna Perenna“ erfährt. Anna stand Dido immer zur Seite, riet ihr sogar zu der Beziehung mit Aeneas.
Nach Didos Tod muss Anna aus Karthago fliehen und wird nach einer längeren Odyssee über das Mittelmeer schlussendlich in eine Flussnymphe verwandelt.

Vielleicht geht es zu weit, wenn man behauptet, dass der Tod Didos mythisch eine Art „Endpunkt“ von Muttergottheiten darstellt. Dazu würde sich auch ein genauerer Blick auf Dido selbst lohnen, die ja hier eigentlich eher am Rande von „Anna Perenna“ auftaucht.

Wer möchte, findet einige Informationen dazu im wikipedia Artikel hier. https://de.wikipedia.org/wiki/Dido_(Mythologie)
Allerdings fehlt darin der Bezug zur karthagischen Religion, die übrigens schwierig zu rekonstruieren ist, da die Sieger über Karthago (also die Römer), natürlich nicht mit Verteufelungen über die Stadt sparten.
So könnte die Geschichte um Aeneas und Dido auch „nur“ beinhalten, dass Vergil (der Autor der sogenannten „Aeneis“) eine schöne Gründungsgeschichte und Lobhudelei auf Rom schrieb.

Aeneas selbst lebte auf jeden Fall glücklich und froh – und das auch mit mehreren Frauen.

Wohingegen z.B. Odysseus, ein anderer Mittelmeerreisender, dessen Mythos noch ein wenig älter ist (ca. 9. Jh. v. Chr.), trotz vieler Affären schlussendlich doch wieder zurück zu seiner Ehefrau Penelope fand.

Kreusa Aeneas mit seinem Vater Anchises auf dem Rücken (der die Hausgötter festhält), seinem Sohn Askanius im Vordergrund und Kreusa, seiner ersten Frau, die es leider nicht schafft, aus Troja zu fliehen. By Federico BarocciWeb Gallery of Art, Uploaded to en.wikipedia 03:45 28 Jul 2004 by en:User:Wetman., Public Domain, Link

Lavinia Aeneas römische Frau Lavinia mit ihrer Mutter Amata und Bacchantinnen. By Wenceslaus Hollar – Artwork from University of Toronto Wenceslaus Hollar Digital CollectionScanned by University of TorontoHigh-resolution version extracted using custom tool by User:Dcoetzee, Public Domain, Link

Odysseus und Penelope Als Odysseus von seiner Odyssee zurück kehrt, muss er erstmal die ganzen Freier beseitigen, die sich um seine Frau geschart hatten. Das waren noch Zeiten! By kladcatWoodcut illustration of Odysseus’s return to Penelope, CC BY 2.0, Link

Die Zwei-Zehn-Götter


Der Olymp. Von Charles-Amédée-Philippe van Looonline, Gemeinfrei, Link

Der folgende Beiträg enthält eine Übersicht über die Herkunft der zwölf olympischen Götter und ihren Auftritt in meinem im Dezember 2017 erscheinenden Roman „Amor und Psyche“. Abschließend gibt es einen Exkurs zur Zwei-Zehn oder Zwölf (12) – eine Zahl mit mythologischem Hintergrund.

Die Götter der Griechen und Römer waren überaus zahlreich. Es gab aber sowohl in Griechenland als auch in Rom ein festes Pantheon, also ein Verständnis davon, wer zu den Hauptgöttern zählte. Bereits von antiken Autoren werden 12 Götter zu den Hauptgöttern gezählt.
Die europäische Kultur-Geschichte begann allerdings weder mit den Römern (ca. 6. Jh. v. Chr.) noch mit den Griechen (ca. 9. Jh. v. Chr.), sondern mit solch weitgehend unbekannten Völkern wie den Hethitern, Assyrern, Urartäern, Babyloniern, Sumerern. Dies sind alte Hochkulturen, die ebenfalls mehrere Götter verehrten. Die Geschichte der Sumerer beginnt beispielsweise schon im Jahr 5000 vor Chr. Bekannter, aber nicht älter, sind nur die Ägypter.

Typisch für die Assyrer: Menschenköpfige, bärtige Flügelwesen. Von Austen Henry Layard 1817-1894. – (Originaltext: aus Layards Buch “Nineveh and Babylon; a narrative of a second expedition to Assyria during the years 1849, 1850, & 1851”), Gemeinfrei, Link

Keilschrift Keilschrift. Schriftzeichen dieser alten, eher unbekannten Kulturen. – Der Grund, warum auch der „Lehmofen“ seinen Namen trägt, denn die alten Texte wurden früher im Ofen wie Kekse „gebacken“. Von Hammurabi, King of Babylonia;Ungnad, Arthur, b. 1879 – https://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14576489278/Source book page: https://archive.org/stream/briefeknighamm00hamm/briefeknighamm00hamm#page/n19/mode/1up, No restrictions, Link

Die Geschichte „vor” dem Jahre 0 mit den Menschen, die an viele Götter glaubten, dauerte also bereits viel „länger“ als die Geschichte nach dem Jahr 0, die – zumindest heute – erst in den achten von insgesamt 12 Monaten, also August 2017, reicht.

Man kann sagen, dass alle römisch-griechischen Götter schon in den Gottheiten der alten Kulturen angelegt sind. Ähnlich wie im Beitrag über Mutunus Tutunus  sind es zwar niemals dieselben Götter, aber ihre Eigenschaften überschneiden sich. So ist z.B. Venus die Göttin der Liebe bei den Römern, Aphrodite bei den Griechen, Ishtar bei den Babyloniern, Inanna bei den Sumerern.
Auf der Website http://www.diegoetter.de findet man dazu viele Hintergrundinformationen.

Venus Venus/Aphrodite in einer bildnerischen Version des frühen 20. Jh. By Herbert James Draperhttp://1.bp.blogspot.com/_-H-t Wz1VNU/SoBcp_6TLKI/AAAAAAAAFIc/oIs6S25o8C4/s1600-h/Draper_PearlsOfAphrodite_100.jpg (cropped), Public Domain, Link

Ishtar Ishtargravur auf einem Tongefäß. By © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons, Public Domain, Link

Teil eines ehemaligen Inanna-Tempels in Uruk. By Miguel Hermoso CuestaOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Doch nicht nur die Götter und ihre Eigenschaften, auch die Erzählungen von den Göttern überschneiden sich, verändern sich aber auch mit der Zeit. So gibt es einen sehr alten Mythos über Inanna und Dumuzi, wo – je nach Quelle – mal er, mal sie in die Unterwelt geschickt wird oder selber dorthin geht und später wieder rauskommt. Bei den Griechen/Römern findet sich die Geschichte in abgewandelter Form für Persephone/Proserpina und Hades/Pluto wieder.
Und auch im Christentum hat die Geschichte – in etwas anderer Form – Einzug gehalten und wird bis auf den heutigen Tag erzählt. An Karfreitag stirbt Jesus, am Ostersonntag darf er das Totenreich verlassen, ist „auferstanden von den Toten“. Und auch viele andere Kulturen kennen diese Art von Erzählung. Ein eigener Blog-Artikel dazu würde sich lohnen. 🙂

Unterwelt Hier ein Beispiel aus der nordischen Mythologie. Heimdall verlangt die Rückkehr Iduns aus der Unterwelt. By Carl Emil Doepler (1824-1905) – Wägner, Wilhelm. 1882. Nordisch-germanische Götter und Helden. Otto Spamer, Leipzig & Berlin. Page 285., Public Domain, Link

Diese Erzählung von “Tod und Auferstehung” hat also den Wandel der Zeiten bis auf den heutigen Tag überdauert. Warum das so ist, kann man nur vermuten. Ich denke: Zum Einen erleichtern diese Unterwelts-Rückkehr-Geschichten die Tatsache, dass der Mensch irgendwann einmal stirbt. Zum Anderen gibt es diesen Kreislauf von „Untergang“ und „(Wieder)Geburt“ auch ganz faktisch schon seit Menschengedenken, da sich die Sonne (oder auch der Mond) mal länger und mal kürzer am Himmel aufhält im Laufe unseres in 12 Abschnitte eingeteilten Jahres.

Tagundnachtgleiche Ein Astrologe beobachtet die Tag-und-Nachtgleiche. Im Hintergrund Adonis und Venus. (ca. 17. Jh. n. Chr.) By Domenicus van Wijnenpl.pinterest.com, Public Domain, Link

Dieser Erzählung – auf ihre Grundaspekte reduziert – ist auch kein europäisches, sondern ein weltweites Phänomen. Denn auch in anderen, alten und moderneren Gedankensystemen findet sich diese Spannung zwischen „Werden“ und „Vergehen“, „Tag“ und „Nacht“, „Frau“ und „Mann“.
Das bekannteste Symbol dafür ist wohl dieses hier:

Ying Yan Yin Yang. By Kenny Shen – Own work, Public Domain, Link

Für Spannungen ist auch das römisch-griechische Pantheon bekannt. Denn darin finden sich genau 6 Frauen und 6 Männer, verquere Beziehungen, Liebe und Triebe. Bzw. dieselbe Anzahl männlicher und weiblicher Gottheiten.

Namentlich sind es griechisch/römisch:

Zeus/Jupiter
Hera/Juno
Poseidon/Neptun
Demeter/Ceres
Minerva/Athene
Apollon/Apollo
Artemis/Diana
Ares/Mars
Aphrodite/Venus
Hephaistos/Vulkanus
Hermes/Merkur
Hestia/Vesta

Hochzeit Hier ein Schnappschuss von ihnen auf der Hochzeit von Amor und Psyche. (16. Jh. n. Chr.) By Creator:Raphael (Raffaello Sanzio or Santi)http://www.metmuseum.org/art/collection/search/692282This file was donated to Wikimedia Commons by as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. See the Image and Data Resources Open Access Policy Deutsch | English | Esperanto | Português | +/−, CC0, Link

Der Einfachheit halber bleibe ich bei der Namensverwendung in der römischen Variante. So habe ich es auch in “Amor und Psyche” gehandhabt.

Jupiter ist der Göttervater und wurde im Großen und Ganzen in seiner ursprünglichen, antiken Variante belassen. Als letztgeborener Sohn des Titanenpaares Kronos und Rhea, erhält er von seiner Mutter die Aufgabe, all seine Geschwister, die der Vater aus Angst vor Entmachtung gefressen hatte, zu befreien und dann über die Erde zu herrschen.
Nicht alle Olympier sind aber die Geschwister Jupiters. Und sein Bruder Pluto, der Gott der Unterwelt, der in meinem Buch eine ganz entscheidende Rolle spielt, zählt historisch betrachte nicht einmal zu den großen 12 Göttern, die über die Erde herrschen. – Er ist eben ein Unterweltsgott.

Jupiter Adler. Jupiter und Ganymed. Und Prometheus. (16. Jh.) By Christian Griepenkerl – found online [2], James Steakley, Public Domain, Link

Hades Pluto und Proserpina. Und der Zerberus. (19. Jh.) By Publisher: Eduard Trewendt, Atelier für Holzschnittkunst von August Gaber in Dresden – Mythologie der Griechen und Römer für die reifere und gebildete weibliche Jugend,Von Julie Hoffmann; 264 Seiten, Breslau 1864, Public Domain, Link

Apollo und Diana kommt in meinem Roman eine besondere Stellung zu. Diana, die Mondgöttin, habe ich in ihren Eigenschaften ebenfalls sehr „natürlich“ übernommen. An Apollo, Amors bestem Freund, habe ich mich schriftstellerisch allerdings ausgetobt.
Klassischerweise ist er der Gott der Erkenntnis und des Lichts, in meinem Roman „Amor und Psyche“ wird er zum Sonnengott erhoben.
Das mag unter anderem an Bildern wie diesen liegen:

Phaeton Phaeton auf dem Wagen von Apollo. (18 Jh.) By Nicolas Bertin, Public Domain, Link

Apollo Apollo in seinem Wagen. By Cosmas Damian AsamHQFUx1ynbAZohw at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Aurora und Apollo Aurora und Apollo. By Costantino Cedini – Sotheby’s, Sale N08952 (New York, 2013-01-31–2013-02-01), Public Domain, Link

Venus und Mars spielen als Amors Eltern eine ebenfalls wichtige Rolle. Daneben auch Vulkanos, der beziehungstechnisch betrachtet der Stiefvater von Amor ist.

Venus und Mars Venus und Mars (antikes Fresco mit Magd und Amor). By SailkoOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Venus und Mars Venus, Mars und Amor. By SailkoOwn work, CC BY 3.0, Link

Vulkanos und Venus und Mars Vulkanos genervt von Venus und Mars Affaire. By Guillemot, Alexandre Charles (1786 – 1831) – Artist (French)Details of artist on Google Art ProjectNgFVL6Vteg3K6Q at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Juno (Muttergöttin), Ceres (Göttin des Getreides), Neptun (Gott des Meeres), Athene (Göttin der Weisheit), Merkur (Götterbote) und Vesta (Göttin des ewigen Herdfeuers) spielen bei „Amor und Psyche“ keine umfangreiche Rolle, kommen aber als Nebenfiguren vor.

Hera Juno. By VaskryOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Demeter Ceres. By SteffenheilfortOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Poseidon Neptun. By No machine-readable author provided. Neuceu assumed (based on copyright claims). – No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0, Link

Minerva Athene. By Miguel Hermoso CuestaOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Hermes Merkur. By Phidias (?) – original photo by Marie-Lan Nguyen (September 2009), CC BY 2.5, Link

Hestia Vesta. By Unknown[1], Public Domain, Link

Dafür finden sich in „Amor und Psyche“ einige andere Figuren der Antike, z.B. diese hier:

Pan Pan. Hier mit Venus und Amor. By Tilemahos Efthimiadis from Athens, Greece – Group of Aphrodite, Pan and Eros. About 100BCUploaded by Marcus Cyron, CC BY-SA 2.0, Link

Musen Die Musen. By Pierre Puvis de Chavannes – Pierre Puvis de Chavannes, 1884-1889, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19584966

Und nicht zuletzt gebührt eine besondere Ehre den beiden Protagonisten, die allerdings nicht zu den Hauptgöttern des Olymp zählen.

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Reinhold Begas (1831-1911) – Alte Nationalgalerie, CC0, Link

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Ernst Roeber (1849-1915) – Dorotheum, Public Domain, Link

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Adamo Tadolini (Skulptur), Carlo Brogi (Fotografie) – Eigener Scan, Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Public Domain, Link

In meiner Interpretation handelt es sich bei ihnen um die beiden “Urprinzipien” von “Herz” und “Verstand” oder Liebe und Geist (Gedanken), einem göttlichen und einem menschlichen Aspekt, die eigentlich zusammen gehören, sich aber erst dann erkennen, wenn sie einander verlieren.

Was hat es nun mit der Zahl 12 auf sich?

Wenn man sich die Entstehung von Zahlsystemen ganz allgemein ansieht, landet man unweigerlich wieder bei den frühen Hochkulturen. Auf die Babylonier geht beispielsweise unsere – noch heute gültige – Einteilung der Stunde in 60 Minuten zu je 60 Sekunden zurück. Sehr wahrscheinlich ist dies ein Ansatz, den auch schon die Sumerer verfolgten.

Babylonisches Zahlsystem Babylonische Zahlen. Von Josell7File:Babylonian_numerals.jpg, GFDL, Link

60 besteht aus 5 x 12. Der Tag besteht aus 2 x 12 Stunden. Das Jahr aus 12 Monaten (der Mond umrundet die Erde in einem Jahr meistens 12 Mal, manchmal auch 13 Mal, dazu gkazakou).
Das römisch-griechische Pantheon besteht, wie oben beschrieben, aus 12 Hauptgöttern.

Daneben findet man diese Zahl in vielen anderen Gedankensystemen:

Odin hatte 12 Söhne.

Das heidnische Fest der „Rauhnächte“ dauert(e) 12 Tage. (Nacht Wintersonnenwende/etwa Weihnachten bis 6. Januar.)

Jesus hatte 12 Jünger.

Jakob (eine Figur des Alten Testaments/Bibel) hatte 12 Söhne, die die 12 Stämme Israels (Judentum) begründeten.

Die Stadt Jerusalem hat (immer noch) 12 Tore, die von 12 Engeln bewacht werden (wer weiß?).

Mohammed hatte – in einer Richtung des Islam (Shia, 12er-Shiiten, heute v.a. im Iran ansässig) – 12 ihm nachfolgende Imame. Ein Imam ist ein muslimisches Oberhaupt, an das man sich mit religiösen Fragen wenden kann. Sie sind also als eine Art Priester tätig, haben aber auch politische/weltliche Aufgaben.

In China gibt es die Einteilung der Zeit in einen 12-Jahres-Rhythmus, sogenannte „Erdzweige“. (Vergleichbar mit unseren Sternzeichen, Horoskopen.)

Die Ritter der Tafelrunde hatten die Anzahl 12.

Mit etwa12 Jahren galten Menschen im Mittelalter (und auch in der Antike) als „erwachsen“. Heutzutage beginnt etwa dann die Pubertät.

Die Gebrüder Grimm haben die Zahl in einigen Märchen verwendet. (Dornröschen, Die 12 Brüder …)

Im römischen Reich gab es 12 Liktoren (Bodyguards für damalige Politiker), die Rutenbündel (teils 12 Ruten + Beil) als Zeichen ihrer Macht getragen haben.

Im 12. Monat des Jahres 2012 sollte – dem Maya-Kalender zufolge – die Welt untergehen.

Und last but not least:

Es gibt 12 Jyotirlinga(m)s: die 12 heiligsten indischen Tempel für den Gott Shiva.  – Ein letzter, aktueller Bezug zu: Mutunus Tutunus 🙂 

Fest zu Ehren Shivas mit Lingam-Repräsentationen. By ChaubalsOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Die Hoffnung stirbt zuletzt

An diesem Morgen verließ Amor Psyche kurz vor Sonnenaufgang, indem er sie küsste. „Ich werde heute mit meiner Mutter sprechen. Bald werden wir zusammen sein. Bis dahin lasse dich von deinen Schwestern trösten.“
„Geh nicht“, flüsterte Psyche, denn auf einmal war ihr ganz traurig zumute. Eine Träne stahl sich ihre Wange hinab und floss beinahe bis zu Amors Lippen. Doch die verschwanden, Flügel über Bein, und Amor schwang sich auf seine Wolke.
Venus bewohnte eine riesige, rosafarbenen Wolke, auf der ein gewaltiger, gold glitzernder Palast stand mit vielen kleinen Türmchen und Zinnen. Auf der höchsten von ihnen ließ Amor die Wolke landen.
„Ma!“, rief er und rannte so schnell er konnte die Wendeltreppe hinab, direkt vor Venus Schlafgemach. „Ma!“
„Amor?“, gab Venus verschlafen von sich.
„Ja, Ma, ich bin es!“, rief Amor. „Ich wünsche dir einen wunderschönen guten Morgen! Darf ich reinkommen?“
Er flitzte in den Raum, zog die Vorhänge zurück und schüttelte Venus Bett auf.
„Hast Du gut geschlafen, Ma? Lust zu frühstücken? Schau nur, was für ein herrlicher Tag das wird!“
Venus setzte sich im Bett auf und gähnte. Eine Haarsträhne umspielte ihr Gesicht.
„Du siehst toll aus, Ma!“, sagte Amor.
Venus sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an. „Ich bin noch gar nicht zurechtgemacht!“
„Doch, ehrlich, Ma. Ich finde, ohne diese ganzen Cremes und Öle … bist du richtig hübsch.“
Venus runzelte die Stirn, lächelte dann aber. „Das soll wohl ein Kompliment sein?“
„Na klar!“
„Gut, ich bitte dich trotzdem, noch etwas zu warten. Ich möchte mich erst einmal frisch machen. Bist du so gut, Cupido, und nimmst im Speiseraum Platz?“
„Aber sicher doch! Dein Cupido macht alles, was du von ihm verlangst!“, rief Amor.
„Und Danke für diesen geilen Bogen! Du bist die beste Mutter überhaupt!“
„Und du machst derzeit gute Arbeit“, entgegnete Venus kopfschüttelnd. „Was ist nur in dich gefahren?“
„Natürlich, Ma, ich verschwinde schon!“
Venus schloss die Tür zu ihrem Gemach und Amor flog ins Speisezimmer. Er fühlte sich großartig. Die Voraussetzungen für ein Gespräch waren einfach perfekt. Allerdings würde er nicht sofort mit der Sprache rausrücken. Man konnte nie wissen.
Im Speisesaal standen verschiedene Sitzmöbel und Tische. Amor ließ sich in einen der pinken Sessel sinken. Ein Satyr brachte ihm einen Krug mit Nektar und eine Schale mit Ambrosia. Amor nahm ein paar große Schlucke und merkte im selben Moment, dass ihm die Götterspeisen immer noch nicht schmeckte. Er spuckte alles in seine hohle Hand und legte es zurück in die Schale.
Und während er noch darüber sinnierte, wie sich zerkaute und unzerkaute Ambrosia voneinander unterschied, wurden die Schatten des Mobiliars allmählich länger und länger. Irgendwann trommelte Amor ungeduldig auf die Tischplatte. Er blickte nach links und nach rechts, lauschte, aber es war nichts zu hören. Wo blieb seine Mutter? Wieso ließ sie ihn so lange warten?
Endlich erschien Venus, aufgeputzt und in einem pinkten Rüschenkleid.
„Cupido!“, rief sie und breitete die Arme aus. „Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen!“
„Zuletzt vor fünf Stunden“, murmelte Amor leise. Er hätte es sich denken können, ihre Schönheit war Venus eben wichtiger als alles andere. Wichtiger als ihr eigener Sohn. Am liebsten hätte er auf den Tisch gehauen und seinen Ärger freigelassen, aber eine Stimme in seinem Herzen erinnerte ihn daran, dass es um mehr ging.
„Komm her und lass dich drücken, mein Schatz!“
Eine Wolke aus Parfum drang in seine Lungen.
„Du siehst anders aus“, stellte Venus fest und sah Amor ins Gesicht. „Bist du gewachsen?“
Amor nickte hustend.
„Und so muskulös. Anscheinen kommst du doch nach deinem Vater Mars. Das wurde auch mal Zeit.“
„Kannst du mich bitte loslassen?“
„Ach, jetzt lass dich noch einmal richtig drücken.“
„Ma, ich kriege keine Luft …“
„Jetzt hab dich nicht so!“
Aus purer Verzweiflung spannte Amor seine Arme an und versuchte sich zu befreien.
„Huch!“, rief Venus und ließ Amor augenblicklich los. „Du bist ja fast so stark wie dein Vater!“
„Also äh, Ma, eigentlich bin ich ja gekommen und mit dir über unseren Streit zu reden.“
„Ach ja?“, fragte Venus, setzte eine leidvolle Miene auf und nahm auf einem der Sessel Platz. „Worum ging es da noch mal? Ich hatte es schon total vergessen ….“
„Es ging um die Liebe“, sagte Amor.
„Ach ja?“, sagte Venus und legte ihr Kleid in Falten. „Das ist doch gar nicht so wichtig …“
„Wie findest Du Jupiters Erlaubnis, dass Götter und Menschen gleichgeschlechtliche Beziehungen eingehen dürfen?“
„Ach, jetzt lass doch dieses alte, langweilige Thema …“
„Mir ist es aber wichtig! Was denkst du darüber? Sprich!“
Amor betrachtete die Gesichtszüge seiner Mutter genau. Er brauchte eine klare und endgültige Antwort, etwas, worauf er bauen konnte. Nur dann – und nur dann – wollte er den Schritt weitergehen und ihr von Psyche erzählen.
„Nun, es ist die Entscheidung meines Vaters. Daher akzeptiere ich sie.“
„Du akzeptierst es also?“, hakte Amor nach.
„Ja“, sagte Venus und lächelte. „Und jetzt will ich über etwas Anderes sprechen.“
„Also findest du sie gut?”, fragte Amor.
„Ich stelle Jupiters Entscheidung nicht infrage.“
„Ehrlich? Also das hätte ich ja nicht gedacht. Ich dachte, du findest das vielleicht … seltsam“, führte Amor weiter aus. „Aber ich sehe, dass du jetzt damit einverstanden bist, was ich gut finde, denn ich will ich dich eigentlich was ganz anderes fra…“
Venus schnitt ihm das Wort ab und stampfte wütend mit dem Fuß auf.
„Selbstverständlich bin ich nicht damit einverstanden!“, rief sie empört. „Ich möchte nicht, dass wir deswegen streiten, aber lass mich offen sprechen: Ich finde Jupiters Entscheidung unterirdisch. Zu Pluto würde sie vielleicht passen. Aber zu unserem höchsten Gott? Dass ich nicht lache!“
„Ach so?“, fragte Amor verdattert.
„Ja, vor allem, weil wir uns jetzt alle daran halten sollen. Frechheit! Ich war von Anfang an dagegen. Männer und Männer. All diese Unwägbarkeiten! Ich darf gar nicht daran denken wohin das führt! Und damit hört es ja nicht auf! Du weißt es bestimmt selber …“
„Was denn?“ Amor schob sich in seinen Sessel zurück. Wie hatte er nur einen Moment hoffen können, dass seine Mutter die Dinge mittlerweile anderes sah?
„Na, das mit Apollo! Wahrscheinlich hat er dir gar nichts davon erzählt, weil er sich so sehr schämt. Eine Nymphe. Das ist wirklich unterstes Niveau. Man munkelt ja, dass du deine Finger da im Spiel hättest, aber das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Apollo ist dein bester Freund und du würdest ihm niemals so etwas antun.“
„Nein nein, ich war das nicht“, log Amor und drückte sich noch tiefer in den Sessel. Wie um alles in der Welt hatte sie davon erfahren?
„Eine Nymphe. Unterirdisch!“
„Nymphen leben aber gar nicht in der Unterwelt“, wagte Amor einzuwenden.
„Nein!“, rief Venus. „Sie leben auf der Erde. Genauso, wie diese Menschen. Na, es hätte Apollo noch schlechter treffen können: angenommen, er hätte sich in einen Menschen verliebt. Das wäre wirklich widerlich! Nein, ekelhaft! Wieso nicht gleich alles erlauben? Menschen und Tiere zum Beispiel, da kämen sicherlich interessante Mischwesen bei rum, eine wahre Bereicherung für die Flora und Fauna und nicht zuletzt für uns Götter!“
„Ja, widerlich …“, wiederholte Amor und fühlte sich, als hätte ihn ein Pferd getreten. „Tut mir leid, Ma“, flüsterte er.
„Ach, das muss dir doch nicht leid tun“, sagte Venus. Sie stand mittlerweile direkt vor ihm. „Das ist doch nicht deine Schuld. Dinge passieren und wie du siehst: schlimmer geht immer!“ Sie lachte spitz und wuschelte Amor durchs Haar.
„Es tut mir leid“, wiederholte Amor noch einmal und schluckte schwer. Dann streckte er sich und schenkte Venus sein strahlenstes “Ich-bin-ein-guter-Junge”-Lächeln. „Ma, würdest du bitte mit mir kommen? Ich muss dir unbedingt etwas zeigen!“

Mehr als ein Kuss

Psyche wartete schon seit Stunden. Wartete auf das Untier, das ihr versprochen hatte, nach Sonnenuntergang bei ihr zu sein. Das liebe, weiche, kuschlige Untier, das ihr seine Liebe gestanden hatte und sie die gesamte letzte Nacht über küsste, als würde es kein Morgen geben. Dann war es verschwunden wie jeden Tag.
Heute Nacht aber schien es nicht zu kommen. Ob ihm etwas passiert war? Unruhig schritt Psyche auf und ab. Sie konnte aufgrund der Dunkelheit längst nicht mehr erkennen, wohin sie trat, aber sie hatte sich die Gegebenheiten des Raumes gut eingeprägt und Überflüssige zur Seite geräumt.
Hier stand eine Kommode, da in der Mitte der Tisch, daran zwei Stühle. Auf dem Tisch duftete ein köstliches Mahl. Psyche hatte viel Zeit darauf verwendet, Speisen zu probieren, die die unsichtbaren Winde hervorzauberten, bis sie die schmackhaftesten Leckerbissen herausgeschmeckt hatte. Sie wollte ihr Untier damit überraschen. Sie wollte herausfinden, wie es hieß. Wie er hieß. Denn dass es männlich war, daran bestand keinen Zweifel. Sie wollte …
Psyche biss sich auf die Lippen. Ja, was wollte sie eigentlich? Auf jeden Fall spürte sie eine gewaltige Ungeduld in sich, so als ob sie platzen müsste, wenn das Untier nicht bald käme.
Sie tastete nach der Stuhllehne. Setzte sich. Fühlte über den Tisch, bis sie die Schale erreichte. Sie zog die Schale zu sich heran und tauchte den Finger hinein.
„Wir sind ein Liebespaar, würde ich sagen“, sagte Psyche und probierte die Speise.
Stille.
„Es ist so still hier“, sagte Psyche. „Könntet ihr nicht etwas lauter sein? Mit Geschirr klappern zum Beispiel, oder vielleicht kann auch mal ein Tor quietschen oder eine Tür? Es ist wirklich sehr still hier.“
Stille.
„Jetzt raschelt doch mal, ihr Winde!“
Ein Luftzug durchzog den Raum und gab ein leises Säuseln von sich.
„Oh, da seid ihr! Aber wo ist das Untier? Was meint ihr, wann das Untier heute kommt? Oder kommt es vielleicht gar nicht? Meint ihr, es kommt nicht, weil …“
Vor Psyches innerem Auge tauchte das Bild auf, das sie heute im Spiegel gesehen hatte. An Stelle des Untieres würde sie nicht zu diesem Ding zurückkehren, doch diesen Gedanken fand sie so entsetzlich, dass sie die Fäuste ballte und aufsprang.
„Nein!“, rief Psyche. „Ich will das nicht. Ich will das einfach nicht denken!“
Das Zersplittern von Tongefäßen, einige „Auas“ und „Autschs“ und ein eifriges Tapsen ließen Psyches Herz federleicht schlagen.
„Untier!“, rief sie und eilte zur Tür.
Und direkt auf der Schwelle fand sie das Untier, ließ sich von seinen Armen umschließen und an seine Brust drücken und atmete den warmen, würzigen Duft. Ließ sich die Stirn küssen und dann die Lippen.
„Es tut mir leid, meine Liebste“, flüsterte er. „Es tut mir so leid.“
Psyches lächelte bis sie über das ganze Gesicht grinste.
“Jetzt bist du da!“, sagte sie. „Ich habe dich so vermisst!“
„Ich dich auch“, wisperte das Untier und drückte seine Nase in ihr Haar. „Und du riechst so gut.“
„Du auch“, raunte Psyche. „Und ich habe etwas für dich vorbereitet!“
Psyche nahm die Hand des Untiers und führte es zum Tisch.
„Setz` dich“, sagte sie. „Wenn ich könnte, würde ich dir jetzt die Augen verbinden. Aber es ist stockfinster, daher brauche ich das nicht.“
„Was hast du vor?“, fragte das Untier. Psyche konnte die wohlige Spannung in seiner Stimme hören.
„Probier` mal“, sagte Psyche. Sie hatte sich gut eingeprägt, wo die verschiedenen Speisen standen. Vom würzigen Kuchen, den sie am ersten Tag im Schloss gegessen hatte, schnitt sie ein Stück ab und steckte es dem Untier in den Mund.
„Mh“, sagte es kauend. „Das schmeckt gut!“
„Wenn du das magst“, freute sich Psyche, „wirst du das hier lieben!“
Sie nahm etwas von der süßen Paste und strich sie auf ein dünnes Brot.
„Hier.“
Das Unter kostete bereitwillig auch diese Speise. „Süß“, sagte es. „Fast so süß wie deine Küsse.“
„Dann willst du vermutlich“, sagte Psyche, „diese Speise als nächstes ausprobieren.“
Und sie küsste das Untier, das sie auf seinen Schoß zog.
Als sich ihre Lippen berührten, wusste Psyche, was das Untier dachte. Es dachte nur an sie. Sie war überwältigt von der Liebe, die es für sie empfand. Und auch Psyche spürte dieses Gefühl, fühlte es fremd und schön, tauchte darin ein und wusste bald nicht mehr, wer sie war. Sie vergaß sich selbst. Immer dichter drängten sie aneinander. Ihre Münder verschmolzen zu einem Mund und bald atmeten sie denselben Atem. Ein und aus.

Der Sieger

***Heute etwas später als sonst am Abend, das neuste Kapitel von “Amors Abenteuern”. Rosa Schweino ist schuld. Viel Freude beim Lesen!***

„Was für ein Ritt, was für ein Tag!“, rief Jupiter, streckte seinen Arm in die Höhe und ließ Blitze zucken. „Ich fühle mich um tausend Jahr verjüngt! Deinen Job, mein lieber Sohn, möchte ich haben!“

Galant sprang er aus der Kutsche und übergab Apollo Peitsche und Zügel, küsste ihn links und rechts auf die Wange und klopfte ihm auf die Schulter. Dann wandte er sich zu Amor.

„Amor, sei gegrüßt!“

Jupiter schüttelte ihm die Hand. „Sohn meiner schönsten Tochter Venus! Welche Freude, dich hier zu sehen! Und Diana natürlich, meine Holde“, sagte Jupiter und verneigte sich leicht.

„Vater, du willst bestimmt wissen, warum du heute Morgen für Apollo einspringen musstest. Also: Amor hat einen Liebespfeil auf Apollo und das Gegenteil auf so eine Nymphe geschossen. Er hat dafür gesorgt, dass sich mein armer Bruder, dein Sohn, bis auf die Knochen blamiert hat!“

„Sie hieß Daphne“, sagte Apollo trocken.

„Es ist eine Freude euch alle hier zu sehen!“, rief Jupiter und drehte sich im Kreis. „Ja, ein gänzlich unverhofftes, aber freudvolles Treffen!“

„Aber Vater!“, rief Diana.

„Aber Diana!“, Jupiter klatschte in die Hände. „Keine Beschwerden, zumindest vorerst. Lasst uns diesen Abend mit Nektar, Ambrosia und Wein vollenden, denn so jung wie heute kommen wir nicht mehr zusammen!“

Verwundert schlurfte Amor hinter Vater und Sohn in den olympischen Palast. Apollo und Jupiter fachsimpelten über Lenktechniken und Feuerpferdpflege. Hinter sich hörte er Diana fluchen.

Der Palast bestand fast gänzlich aus weißem Marmor. Hier und da standen ein paar Stelen auf denen massige Fratzen thronten.

Amor musste an Psyche denken, die jetzt, nach Sonnenuntergang, mit seiner Rückkehr rechnete. Er seufzte sehnsüchtig.

„Das ist die Galerie unserer Ahnen“, sagte Jupiter und drehte sich nach ihm um. „Dieser alte Haudegen hier, mein Vater Saturn, hatte alle meine Geschwister verspeist.  Hätte meine Mutter mich damals nicht vor ihm versteckt und ihm statt meiner einen Stein zu fressen gegeben: wir alle würden nicht existieren.“

Die Statuen zogen an ihnen vorbei. Im nächsten Raum, riesengroß und strahlend weiß, fand sich in der Mitte eine gedeckte Tafel. Jupiter geleitete Amor, Diana und Apollo dorthin und befahl ihnen, sich zu setzen.

Auf einen Fingerzeig Jupiters füllten sich die Kelche mit einer roten Flüssigkeit.

„Dann lasst uns anstoßen“, sagte Jupiter. „Auf das Wohl meines Sohnes Apollo und seine erste große Liebe!“

„Vater, bitte, das ist doch kein Grund …“, sagte Apollo.

„Doch. Prost!“, unterbrach Jupiter und die Kelche stießen klangvoll zusammen. Amor nahm einen kräftigen Schluck.

„Wisst ihr“, sagte der Göttervater und richtete sich auf. „Bevor es Amor gab, fand die Liebe die Götter auf seltsamen Wegen, einen Weg aber fand sie immer. Ich fürchtete schon, in den heutigen Tagen sei sie für die Wolkenbewohner verloren. Also, freu dich einfach, dass du auch mal von ihr heimgesucht wurdest. Nebenbei gefragt: wie war es? Wild, leidenschaftlich, besessen?“

„So ungefähr“, sagte Apollo. Er schmunzelte verlegen.

„Aber die Angebetete hat dich nicht erhört?“

Apollo schüttelte den Kopf.

„Tja …“, Jupiter legte seine Stirn in Falten. „Dabei bist du ein Gott. Diese Frauen … unberechenbar.“

Diana verdrehte die Augen.

„Wie ich schon sagte, das war Amor. Es war sein Pfeil, ein falscher Pfeil! Es war nicht die Schuld einer Frau!“, rief Diana.

„Es lag am Pfeil?“, fragte Jupiter.

„Ja! Hörst du mir überhaupt zu? Und abgesehen davon, wollte sie … sie wollte das wirklich nicht, diese Nymphe, sie hat ihren Vater um Hilfe angefleht, wollte, dass er sie verwandelt,-  und Apollo hat einfach nicht aufgehört … es war schauderhaft!“

„Wie du sagtest, es lag am Pfeil“, schloss Jupiter. „Eigentlich wollte sie es auch.“

Apollo nickte.

„Das glaube ich nicht!“, rief Diana. „Das glaube ich einfach nicht.“ Die Wangen der Göttin leuchteten  Rot.

„Das ist einfach mal wieder so typisch … Männer!“

Sie nahm einen kräftigen Schluck, wischte sich mit dem Handgelenk über die Lippen und sagte mit fester Stimme: „Ich verstehe. Ihr seid einfach nicht mehr bei Trost. Da kann man nichts machen.“

Sie atmete tief ein und grollte dann, als wäre sie eine Donnergöttin: „Ich für meinen Teil wünsche, Vater, dass du diesem da“, – sie zeigte auf Amor – „für immer verbietest, Pfeile auf mich zu schießen. Denn ich, ich will mich niemals verlieben!“

Amor wäre am liebsten unter dem Tisch verschwunden, um sich vor den Blitzen aus Dianas Augen zu verstecken.

„Schwöre es!“, kreischte Diana.

„Also, äh, gut“, keuchte Amor. „Ich tu´s nicht, versprochen. Hätt ich eh nicht, ich meine …“

„Gut“, sagte Diana und faltete die Hände vor ihrem Gewand. „Vater, du hast seinen Schwur vernommen?“, fragte Diana.

„Gewisse, mein Kind“, sagte Jupiter und prostete ihr nickend zu.

“Dann werde ich jetzt gehen”, sagte sie. Sie ließ einen kurzen Pfiff ertönen und die Mondhirsche kamen mit der Kutsche durch den Lichtschacht des Speiseraumes getrappelt. Ohne ein weiteres Wort schwang sich die Göttin auf ihre Kutsche. Jupiter, Apollo und Amor blickten Diana schweigend hinterher.

„Vater, ich habe auch eine Bitte an dich“, sagte Apollo nach einer Weile. „Die Nymphe, die ich liebte, hat sich in einen Baum verwandelt. Einen Lorbeerbaum. Und ich möchte gerne, im Andenken an sie, dass dieser Baum geehrt wird. Es soll ein heiliger Baum sein, dem sich jeder nur mit Ehrfurcht nähert. Jeder soll wissen, dass dieser Baum einst Daphne war, meine erste große Liebe. – Hier.“

Apollo übergab Jupiter den grünen Zweig, den er die ganze Zeit über in der Hand gehalten hatte.

„Ein wirklich schönes Exemplar“, sagte Jupiter. „Um welche Art von Baum handelt es sich?“

„Es ist ein Lorbeer“, antwortete Apollo.

„Hm“, sagte Jupiter und betrachtete den Zweig genau. Dann hauchte er ihn mit seinem Atem an. Aus dem Zweig sprossen weitere Blätter hervor, er bog sich und verwandelte sich in einen Kranz. Jupiter legte Apollo den Kranz auf den Kopf.

„Mag Liebe dich besiegt haben, so bist doch du der Sieger. Denn wer liebt, siegt immer. Verlierer sind die, die niemals lieben. So soll dieser Kranz das Zeichen eines Siegers sein und du sollst ihn tragen, bis in alle Ewigkeit.“

Strafe muss sein …

***Dieses Kapitel ist ein Teil von meinem Projekt “Amors Abenteuer”, einer modernen Adaption des antiken Märchens “Amor und Psyche”, das ich aus Spaß an der Freude schreibe und nach einer Überarbeitung als eBook veröffentliche. Wer von Anfang an lesen möchte, ist herzlich eingeladen, bis ans untere Ende der Seite zu skrollen. Ich freue mich über jeden Kommentar. Donnerstags gibt es ein neues Kapitel und manchmal auch zwischendurch. Viel Vergnügen beim Lesen!***

 

Amor lag auf seiner Wolke und blickte abwechseln nach unten und nach oben. Über ihm zog die Sonne ihre Bahn, doch Apollo schien tief in seinen Wagen gesunken, er ließ sich nicht blicken. Unter ihm lag das Schloss, in dem Psyche weilte. Amor war hin und hergerissen. Sollte er Apollo einen Besuch abstatten? Warten? Psyche die Wahrheit sagen?
Das war so unglücklich gelaufen gestern Nacht. Alles, was schiefgehen konnte, war schief gegangen. Wie es Apollo wohl ging?
Amor knirschte mit den Zähnen. Er war ein Dummkopf! Selbstverständlich ging es Apollo nicht gut, das zeigte alleine die Tatsache, dass die Sonne am heutigen Morgen später aufgegangen war, als jemals zuvor.
Und er selbst hatte sogar noch davon profitiert, wenn er es recht bedachte. Augenblicke länger konnte er in den süßen Armen seiner Psyche weilen. Oh, was war das für eine Nacht gewesen! Am liebsten wäre er gar nicht aufgestanden, aber er musste es tun, denn niemals durfte Psyche erfahren, wer er wirklich war.
Apollo wusste von Psyche. Das hatte er gesagt, bevor er Daphne hinterher gerannt war.
„Oh man“, seufzte Amor.
Apollo hatte jetzt gewiss allen Grund, seine Beziehung mit Psyche zu zerstören. Und Amor konnte es ihm nicht einmal übel nehmen, wenngleich der Gedanke daran ihm Qualen bereitete. Für immer wollte er mit Psyche zusammen sein. Ewiglich. Nicht nur in der Nacht. Also doch die Wahrheit sagen? Ungeachtet aller Gefahren? Mit Psyche fliehen?
„Ach, was soll ich bloß tun?“, klagte Amor. „Ich bekomme noch Kopfschmerzen von all den Gedanken.“
„Du tust gar nichts!“
Erschrocken blickte Amor auf und sah einen kleinen, silbrigen Wagen, gezogen von Hirschkühen, der in rasendem Tempo auf seine Wolke zusteuerte. Dann schoss etwas direkt neben seinen Fuß. Silbrig wie Mondlicht und mit weißen Federn am Ende. Ein ausgesprochen schönes, gut gearbeitetes Exemplar.
Dianas Pfeil.
„Du … Du Tyrann! Du Stück eines stinkenden Misthaufens! Du Monster!“
Diana legte nach. Ihr verzerrtes Gesicht ließ erahnen, wie zornig sie war.
Amor duckte sich und versuchte, sich die Wolkenwatte über den Kopf zu ziehen. Diana sah aus, als ob sie ihn töten wollte.
„Bleib hier!“, kreischte Diana. „Wage es ja nicht!“
Ein weiterer Pfeil bohrte sich direkt neben seinen großen Zeh. Amor schlug die Watte zurück. Es würde ihm nichts nützen, sich zu verstecken. Sollte Diana ihn also erschießen, er hatte es verdient.
Diana lenkte ihren Wagen vor Amors Wolke und hob triumphierend das Kinn.
„Fesselt ihn“, befahl sie ihren Nymphen. Die sprangen aus dem Wagen und legten Amor in dünne Ketten aus Spinnenweben. Dann hoben sie den stöhnenden Liebesgott in den Wagen, ein ziemlicher Kraftakt und für Amor äußerst unangenehm. Aber er biss die Zähne zusammen. Diana hatte Recht. Hatte Recht mit allem, was sie sagen und tun würde.
„Jetzt kriegst du deine Strafe“, sagte Diana mit finsterem Blick. Sie schnalzte mit der Zunge und die Hirschkühe setzten sich in Bewegung.
Amor blickte in den Himmel. Dort oben leuchtete die Sonne, viel weniger stark als sonst.
„Wie geht es ihm?“, fragte Amor.
Diana schüttelte ihren Kopf und schnalzte noch einmal mit der Zunge. Die Mondhirsche trippelten etwas schneller.
„Wir fahren zu ihm.“