Still some steps to go …

Dear visitor,

Why is the world as it is today?
In the last few years, I have studied a lot and thought about this, some of which can be read here online in the so-called “Lehmofen”.
I am currently thinking about how to put (what I think I have understood) into a useful and, above all, understandable shape.
The first contributions will probably be made at the end of 2018.

Until then I can recommend reading:

Cultural Code

Everything from him and his wife

As well as him and some other psychoanalysts

May the force be with you and read you soon. 🙂

Runa

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Die Lupercalien

Bereits ein paar Tage vor dem Fest der Bacchanalien, nÀmlich am 15. Februar, feierten die Römer die sogenannten Lupercalien, ein Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest.

Die Feier fand statt in einer Art Grotte/Höhle – einem sogenannten „Lupercal“- auf dem/in dem römischen HĂŒgel Palatin, von dem man aber heute nicht mehr genau weiß, wo es sich befand und wie es aussah. Allerdings könnte es Ähnlichkeiten mit diesem Gebilde hier, einem NymphĂ€um, gehabt haben, wobei es wahrscheinlich noch tiefer im Gestein verborgen war.

SelfhtmlCC BY-SA 3.0, Link

Möglicherweise handelt es sich bei dieser im Jahr 2007 entdeckten, reich geschmĂŒckten Höhle um das Lupercal, – das ist aber noch nicht abschließend erforscht.

SelfhtmlFair use, Link

Im Begriff Lupercalien steckt das lateinische Wort Lupa, zu Deutsch: „Wölfin“ (bzw. lupus = Wolf). Die Wölfin hatte fĂŒr Rom eine besondere mythische Bedeutung, war sie doch das Tier, das den GrĂŒnder der Stadt Romulus gesĂ€ugt hatte, – und natĂŒrlich auch seinen spĂ€ter unwichtigen, da ermordet-toten Zwillingsbruder Remus.

Selfhtml Romulus und Remus und die Wölfin. By Benutzer:Wolpertinger on WP de – Own book scan from Emmanuel MĂŒller-Baden (dir.), Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens, I, Deutsches Verlaghaus Bong & Co, Berlin-Leipzig-Wien-Stuttgart, 1904. Image copied from de:Bild:Kapitolinische-woelfin 1b-640×480.jpg, Public Domain, Link

Der Ablauf des Festes begann mit verschiedenen Bocksopfern, deren Blut und Fell von jungen, lachenden MĂ€nnern benutzt wurden, die sich in einer Zeremonie – ausgefĂŒhrt durch den sogenannten „flamen dialis“ (Jupiter/Zeus Oberpriester) und den Vestalinnen (Priesterinnen der Göttin Vesta)- damit bemalten und bekleideten (blutiger Lendenschurz 
 nun ja) und durch die römischen Straßen zogen. Dabei stellten sich ihnen gerne verheiratete Frauen in den Weg und ließen sich von sogenannten „Fellriemen“ (also abgeschnittenen, dĂŒnnstreifigen Teilen der frisch gehĂ€uteten Böcke) auf die HĂ€nde schlagen, da dies angeblich GlĂŒck in der Ehe brachte.
Man fragt sich, was fĂŒr eine Crux diese Ehe sein muss, wenn einem nur gehĂ€utete Schafsbockriemen dabei GlĂŒck bringen können. 😉

SelfhtmlBy Andrea Camasseihttp://www.museodelprado.es/imagen/alta_resolucion/P00122.jpg, Public Domain, Link

Ein „Bock“ ist ĂŒbrigens per definitionem das mĂ€nnliche Tier von Ziege, Schaf und/oder Reh. – Bei den Lupercalien wurden aller Wahrscheinlichkeit nach Ziegen geopfert.

Das Fest war wohl ein sehr beliebtes Spektakel bei den Römern, denn es konnte erst im 5. Jahrhundert nach Christus – als letztes heidnisches Fest – von der christlichen Kirche (die sich ab dem 3. Jahrhundert in Rom etablierte) verboten werden.

Die Lupercalien hatten, wie kann es anders sein, einen antiken VorlĂ€ufer in Griechenland, die sogenannten Lykaien, von lykos = Wolf. Es gibt noch heute den Berg/HĂŒgel, auf dem sie angeblich stattgefunden haben, den Berg Lykaion in Arkadien, – natĂŒrlich in Griechenland lokalisiert.

SelfhtmlBy Danno1Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Über die Lykaien weiß man noch weniger als ĂŒber die Lupercalien. Es ist auf jeden Fall die Rede von Kannibalismus und jungen „Werwolf“-MĂ€nnern, und auch  – laut Platon – von Menschenopfern.

Das Fest der Lykaien geht zurĂŒck auf einen Mythos, der von einer kannibalistischen Opferungsgeschichte handelt, von der mehrere Varianten vorliegen.

Selfhtml

By Hendrik Goltziushttp://instruct1.cit.cornell.edu/courses/shum404/gallery.htm, Public Domain, Link

Wie man auf dem Bild sehen kann, geht es ums Essen (Tisch), um die Verwandlung in einen Wolf (ganz rechts) und um Zeus/Jupiter, den Göttervater, (ganz links). In allen ĂŒberlieferten Varianten setzt Lycaon, König der Arkadier, den Göttern Menschenfleisch zum Essen vor und denkt, sie merken es nicht. Tun sie aber doch und dafĂŒr wird Lykaon zur Strafe in einen Wolf verwandelt. In manchen Varianten ist das Essen sogar sein eigener Sohn, in manchen Varianten der Sohn von Zeus/Jupiter und Kallisto – ein junger BurschÂŽ namens Arcas.

Die Geschichte dieses Jungen namens Arcas verdient ebenfalls eine nÀhere Betrachtung.

Selfhtml By Peter Paul RubensOwn work, Elinore, 2015-07-09 00:11:01, Public Domain, Link

Auf diesem Bild sehen wir zwei Frauen: Kallisto und 
 Jupiter.
Jupiter hatte sich in eine Frau verwandelt, um Kallisto zu verfĂŒhren. Die gehörte nĂ€mlich zur Nymphenschar von Diana und war so gar nicht interessiert an MĂ€nnern. Allerdings mochte sie Diana wohl ganz gerne, so dass Jupiter sich entschied, ihr in dieser Gestalt zu begegnen und so auch erfolgreich bei seinen AnnĂ€herungsversuchen war.
Beide bekommen dann ein Kind, den bereits erwĂ€hnten Arkas, was der Vater von Kallisto – namentlich unser wolfiger Lykaon – dann Jupiter ins Essen mixt. (In dieser Version also Jupiters Kind und Lykaons Enkel.)
Lykaion wird dann, wie gesagt, zur Strafe in einen Wolf verwandelt, Arkas allerdings wird von Jupiter wieder zum Leben erweckt und entwickelt sich zu einem geschickten JĂ€ger.
Allerdings jagt er eines Tages seine eigene Mutter Kallisto, die zuvor von Juno/Hera (der Ehefrau Jupiters/ZeusÂŽ) aus Eifersucht in einen BĂ€ren verwandelt wurde.
Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, setzt Jupiter sowohl Arkas als auch Kallisto als Sternenbild an den Nachthimmel, und dort sind sie noch heute.

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Von Till CrednerEigenes Werk: AlltheSky.com, CC BY-SA 3.0, Link

Die Indianer sahen in dem Sternbild ĂŒbrigens ebenfalls einen BĂ€ren, die Kirgisen einen bzw. mehrere Wölfe. Im Alten Ägypten war das Sternbild als „Schenkel des Seth“, Gott des Chaos und Verderbens, bekannt.

Interessant ist an dieser Stelle ein Blick in den Ă€gyptischen Mythos von Seth. Es ist nĂ€mlich eine Kampfgeschichte: Horus (Lichtgott) gegen Seth (Onkel von Horus), ein Motiv (Götterkampf), das wir im Ansatz schon im Beitrag ĂŒber Saturn kennegelernt haben. Die Geschichte hat als Motiv u.a. auch HomosexualitĂ€t (gerade thematisiert bei Jupiter-Kallisto/Sternbild) und einige sehr verwirrende Elemente. Ich zitiere:

„Horus fing jedoch den Samen des Seth auf und brachte ihn seiner Mutter Isis. Diese schnitt ihm daraufhin die Hand ab und warf sie ins Wasser. Doch anschließend ließ Isis die Hand des Horus wieder nachwachsen und benutzte nunmehr den Samen des Horus fĂŒr eine List, in dem sie ihn auf die Lattiche goss, die Seth tĂ€glich aß. Dadurch wurde Seth nun unwissentlich geschwĂ€ngert.“ Quelle

(Ich kenn ja ein paar krude Mythen, aber WHAT THE FUCK?????) 🙂

Selfhtml Seth. By NeithsabesOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Die Lupercalien als Fest bezogen sich auch auf eine Gottheit, nĂ€mlich den Gott Faunus, der fĂŒr Natur, Hirten, Bauern und Äcker verantwortlich war.
Faunus Gattin Fauna wird bisweilen mit Bona Dea identifiziert. Faunus selbst galt als „Wolfsabwehrer“, spĂ€ter wurde er dann zu einer Art lĂŒstern-charmantem Waldgreis – Ă€hnlich einem Satyr. Im Griechischen entspricht ihm Pan.

Selfhtml Pan. By Arnold Böcklin – 1. artonline.it2. echos-de-mon-grenier.blogspot.de, Public Domain, Link

SelfhtmlBy Annibale CarraccinAHM7NeACl7Xpg at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Übrigens, der oben erwĂ€hnte Lykaion (der König, der Kinder verfĂŒttert und dann in einen Wolf verwandelt wird), ist der Sohn von König Pelasgos, der in manchen antiken Quellen gar als eine Art „Adam“ (bzw. erster Mensch) daher kommt.
König Pelasgos hat den Menschen angeblich die Landwirtschaft beigebracht und sie davon ĂŒberzeugt nur gesundes Zeug zu essen. Außerdem gibt es ein StĂŒck von Aischylos ĂŒber ihn, das wie ein Spiegelbild zum „Raub der Sabinerinnen“ wirkt, zumindest, wenn man dem grundlegenden ErzĂ€hlstrang folgt.
Die Sabinerinnen, wir erinnern uns, wurden von den Römern so mehr oder weniger gekidnappt, weil sie gerne auch ein paar Frauen und nicht nur Krieger sein wollten.

Aischylos nun schreibt (noch zeitlich vor der Geschichte mit den Sabinerinnen ĂŒbrigens) ein StĂŒck mit dem Namen „Danaiden“ oder „Die Schutzflehenden“.

SelfhtmlBy Auguste Rodin, French, 1840 – 1917.Own work by Ad Meskens., CC BY-SA 3.0, Link

Die Danaiden kommen zu König Pelasgos, oder besser gesagt, sie fliehen vor einer Zwangsheirat mit ihren Vettern. König Pelasgos ist hin und hergerissen zwischen der Gefahr eines Krieges und seinem Gewissen, denn er mĂŒsste „Schutzflehenden“ eigentlich Gastfreundschaft und Schutz anbieten. Sofern ich die Geschichte richtig verstanden habe, erhalten die Danaiden am Ende der ErzĂ€hlung diesen Schutz.

Aber.

Was ein wenig verrĂŒckt anmutet ist Folgendes.
Es gibt einen sehr alten Ausdruck namens „Danaiden-Arbeit“. Der eine sehr anspruchsvolle und mĂŒhevolle (und sinnlose) Arbeit bezeichnet, wie zum Beispiel die auf dem Bild unten gezeigte: Wasser in einen hohlen Kessel schĂŒtten.
Wie passt das mit der Geschichte von Aischylos zusammen?

Selfhtml Waterhouse, The Danaids. Von John William Waterhousehttp://www.art-reproductions.net/images/Artists/James-Waterhouse/The-Danaides.jpg, Gemeinfrei, Link

Die Autoren, auf die die etwas andere Art der Danaiden-Geschichte zurĂŒckgeht, sind ein wenig jĂŒnger als Aischylos.
AuffĂ€llig ist, dass diese jĂŒngeren Autoren die Danaiden als Mörderinnen ihrer EhemĂ€nner darstellen, die dann ebenfalls nach Griechenland fliehen, aber zur Strafe im Tartaros Wasser in hohle Kessel fĂŒllen mĂŒssen.

Selfhtml Die Danaiden töten ihre MÀnner. By Robinet Testardhttp://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10532597d/f346.item, Public Domain, Link

Besonders spannend wird es, wenn man sich bei diesen Autoren die Namen der – angeblich – 50 Danaiden durchliest. Darunter sind nĂ€mlich so bekannte Namen wie Kleopatra, Philomela, Skylla 
 (gut, manche sind nicht sooo bekannt, aber fĂŒr Antike-Kenner durchaus mal schon so vom Hörensagen zumindest). 😉
Ich belasse es aber erstmal dabei, der Artikel dreht sich ja um das schöne Wolfsfest.

Selfhtml Evander. By Published by Guillaume Rouille (1518?-1589) – “Promptuarii Iconum Insigniorum”, Public Domain, Link

Evander (Euandros; Evander von Pallantion (Stadt)), war ein Königssohn aus Arkadien, dem in manchen Mythen sogar göttliche Abstammung zuteil wird (Sohn von Hermes/Merkur, Botengott und der Nymphe, bzw. spĂ€teren Göttin Carmenta (carmen, inis n. = Gedicht)). Einige Quellen nennen ihn auch als (Mit)GrĂŒnder der Stadt Rom, die ja heute noch einen HĂŒgel hat (Palatin), der augenscheinlich Ähnlichkeit mit dem Namen und der Herkunft Evanders aufweist (siehe: “Pallantion”).
Darin steckt etymologisch ein und dasselbe, mythisch sehr faszinierende, Wort, vermute ich zumindest, nĂ€mlich: „PALLAS“. Das wiederum bedeutet „Kriegerin“ und ist auch in “Pallas Athene” enthalten.

Selfhtml

By Bartholomeus Spranger[1], Public Domain, Link

Pallas und Athene waren ursprĂŒnglich zwei voneinander unterschiedene Geschöpfe.
Sie mochten sich und kĂ€mpften bzw. ĂŒbten ab und zu miteinander, was Jupiter/Zeus (der Vater von Athene) in große Sorge versetzte. Er entschied sich, seine Tochter zu schĂŒtzen und griff in den Kampf ein – und zwar mit einem Ziegenfell, also ein Bocksfell, wie es bei den Lupercalien zerschnitten wurde(!) -, das ĂŒber einen Schild gespannt war.
Diesen Schild nannte man “die Aigis” und er wurde hĂ€ufiger dafĂŒr verwendet, wenn die Götter jemanden schĂŒtzen wollten. – Vom Motiv „Schutz“ war ja auch bei den Danaiden schon die Rede.
Bei Pallas und Athene erwies sich dieser Schutz aber als nutzlos. Pallas starb und seither trÀgt Athene ihren Namen.

In vielen Quellen gilt Evander als Stifter und GrĂŒnder der Lupercalien. Der damalige König Faunus (ist die Namensgleichheit mit dem Gott Faunus ein Zufall?) hatte Evander das Gebiet des Palatin geschenkt, auf dem er dann seine Stadt grĂŒndete. Das alles soll ĂŒbrigens einige Jahrzehnte vor dem Trojanischen Krieg geschehen sein.

Selfhtml Carmenta. Von Published by Guillaume Rouille (1518?-1589) – “Promptuarii Iconum Insigniorum”, Gemeinfrei, Link

Über Evanders Frau (bzw. Mutter, wie sie in einigen Quellen auch bezeichnet wird) kann man folgendes lesen:

„Die römischen Frauen feierten ihr zu Ehren am 11. und 15. Januar das Fest der Carmentalia. In der NĂ€he der nach ihr benannten porta Carmentalis befanden sich zwei AltĂ€re, an denen ihr geopfert wurde. Der jĂŒngere dieser AltĂ€re wurde gestiftet, nachdem den Matronen seitens des Senatsdie Benutzung von Wagen (carpenta)verboten worden war. Sie reagierten mit Entzug des ehelichen Geschlechtsverkehrs, bis das Verbot wieder aufgehoben wurde. In der Folge kam es zu einem reichen Kindersegen, fĂŒr den die Frauen zu Ehren der Carmenta einen Altar errichteten.
Der spĂ€tere Mythos machte sie zur Mutter des Euandros und sie wurde mit dessen anderen MĂŒttern gleichgesetzt, mit Themis und Tyburs, der Stadtgöttin von Tibur, vor allem aber mit Nicostrata (altgriechischΝÎčÎșÎżÏƒÏ„ÏÎŹÏ„Î·Â NikostrĂĄtē). Nur Plutarch sah sie als Gattin des Euandros. Als dessen Mutter wurde Carmenta in die Legendenbildung um die GrĂŒndung Roms aufgenommen. Sie soll mit Euandros den Palatin erstiegen haben. Dabei kam ihr die Vision der spĂ€teren Stadt Rom. Als sie ein Alter von 110 Jahren erreicht hatte, soll ihr Sohn sie getötet haben. Unterhalb des Kapitols errichtete er ihr den ersten Altar.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carmenta

In dieser ErzĂ€hlung liegen bekannte Motive vor: „Kein Sex (wenn Krieg)“, kennt man schon aus Aristophanes noch heute gerne aufgefĂŒhrtem StĂŒck Lysistrata.
Der Muttermord ist vor allem ein Motiv in AischylosÂŽ Orestie. … Es wĂ€re interessant, darĂŒber nachzudenken, warum diese Mythen sich gerade in diesem Mythos wiederfinden, zumal es ja auch gerade bei Arkas um einen beinahe Muttermord geht, der von Jupiter durch die Erschaffung eines Sternbilds verhindert wird.

Historisch betrachtet lösten die Lupercalien die sogenannten Februalien/Februalia ab, ein wahrscheinlich noch Ă€lteres Reinigungsfest. Der Name unseres Monats Februar geht  darauf zurĂŒck.
Es ist fraglich, ob die Lupercalien auch etwas mit dem Valentinstag zu tun haben könnten. Zeitlich liegen/lagen beide Termine fast auf demselben Tag, zum Valentinstag ist allerdings zu sagen, dass dieser auf einen christlichen Bischof in Rom zurĂŒckgeht, der trotz des Verbotes (das Christentum war ja erst ab dem 3. Jahrhundert offiziell Staatsreligion und vorher wurden Christen in Rom verfolgt und getötet) christliche Liebespaare verheiratete.
Eine mögliche Verbindung könnte darin bestehen, dass auch bei den Lupercalien fĂŒr „GlĂŒck in der Liebe/Ehe“ gesorgt wurde, durch eben diese abgeschnittenen und zerteilen Bocksfellriemen.
Gibt es eine schönere Art, seine Liebe zu zeigen??? 🙂

Mutunus Tutunus

Mutinus Caninus Der Pilz Mutinus Caninus. By Sanja565658Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Dieser Pilz verdankt seinen lateinischen Namen „Mutinus Caninus“ (dt. „Hundsrute“) einer römischen Gottheit: Mutunus Tutunus.

Mutunus Tutunus ist eine phallische Gottheit. HĂ€ufiger findet man auch den Namen „Priapus“, wobei es sich um zwei verschiedene Gottheiten handelte, deren Aufgaben sich aber ĂŒberschnitten.

Im folgenden Beitrag werden Name und Herkunft des Gottes Mutunus Tutunus vorgestellt und BezĂŒge zu anderen Göttern – soweit möglich – angerissen.

Vorab: die Thematik phallischer Gottheiten ist sozusagen unerschöpflich! Daher erhebt dieser Blogpost auch keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit. 🙂

Mutunus Tutunus Mutunus Tutunus, einzige (mögliche) Darstellung. By Unknown (coin) – [1], Gemeinfrei, Link

Der Name „Mutunus Tutunus“, oft auch als Mutinus Titinus wiedergegeben, leitet sich wahrscheinlich von den lateinischen Slang-Substantiven „muto“ (auch: mutto, spĂ€ter: mutonium) und „titus“ ab. Man findet die Worte beispielsweise in Klo-Graffiti aus Pompei.
Aber auch der altehrwĂŒrdige Satiriker und Dichter Horaz (1 Jh. v. Chr.) schreibt in seiner Satire 1.2. von „muttonis“. In der Satire geht es um Ehebruch und dessen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Ansehen. So fragt der Verstand (animus) in einer sehr unangenehm ertappten Situation den mutto: „Was willst du denn noch alles von mir?“ Darauf antwortet der mutto bloß, dass die begehrte junge Dame doch immerhin die Tochter eines angesehenen Vaters sei und er somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlĂŒge.
In der Antike wurde dem mĂ€nnlichen Geschlechtsteil eine Art Eigenleben nachgesagt. [Btw: In Ägypten gab es diese Vorstellung auch fĂŒr die GebĂ€rmutter. So wurde Frauen mit Menstruationsbeschwerden geraten, sich ĂŒber ein RĂ€ucherefĂ€ĂŸ mit Weihrauch zu stellen, um das „im Körper umherwandernde“ Organ wieder einzufangen.]

Augustinus Der Kirchenvater Augustinus. By Lua error in mw.wikibase.entity.lua at line 37: data.schemaVersion must be a number, got nil instead.Web Gallery of Art:   Image
Info about artwork, Public Domain, Link

Über Mutunus Tutunus als Gott ist leider nicht mehr sehr viel bekannt. Was man weiß, geht aus Beschreibungen hervor, die einige Jahrhunderte spĂ€ter verfasst wurden, in einer Zeit als vor allem christliche Intellektuelle schrieben. Wahrscheinlich spielte Mutunus Tutunus eine Rolle wĂ€hrend römischer Hochzeitszeremonien, wohl um das Paar mit vielen Kindern zu segnen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auf jeden Fall die Ausdeutungen spĂ€terer KirchenvĂ€ter, wie z.B. Augustinus (4 Jh. n. Chr.), die bekanntermaßen zölibatĂ€r lebten. In seinem Buch „Über den Gottesstaat“ (De Civitate Dei) kann man seine Meinung und Vorstellung ĂŒber die vermeintliche Hochzeitsnacht der Römer lesen. Der dort erwĂ€hnte Gott „Priapus“ entspricht weitgehend Mutunus Tutunus in seiner Funktion als „Hochzeitsgott“.

„Da stellt sich ein die Göttin Virginiensis und der Gott Vater Subigus und die Göttin Mutter Prema und die Göttin Pertunda, dazu Venus und Priapus. Was soll das sein? Wenn ĂŒberhaupt der Mann bei diesem Werk eine Hilfe von Göttern brauchte, wĂŒrde nicht irgend einer oder irgend eine genĂŒgen? WĂ€re hier Venus allein nicht ausreichend, die sogar davon ihren Namen haben soll, daß ohne Kraftanwendung ein Weib seine Jungfrauschaft nicht verliert? Wenn sich bei Menschen noch ein Rest von Schamhaftigkeit findet, die den Göttern abgeht, mĂŒssen sie nicht in ihrer Vereinigung bei dem Gedanken, daß soviele Götter beiderlei Geschlechtes zugegen sind und sich um das Werk zu schaffen machen, so von Scham ergriffen werden, daß der Mann weniger erregt wird und das Weib sich heftiger widersetzt? Und jedenfalls, wenn die Göttin Virginiensis da ist, um der Jungfrau den GĂŒrtel zu lösen, wenn der Gott Subigus da ist, damit sie sich dem Manne hingebe, wenn die Göttin Prema da ist, damit sie sich, ohne sich zu rĂŒhren, umarmen lasse, was hat noch die Göttin Pertunda dabei zu leisten? Sie soll sich schĂ€men und wegheben; etwas wird doch auch der Mann zustande bringen. Es wĂ€re sehr unanstĂ€ndig, wenn das, wonach sie benannt ist, jemand anderer als er vollbrĂ€chte. Aber vielleicht duldet man sie deshalb, weil sie angeblich eine Göttin ist und nicht ein Gott. Denn wĂŒrde man diese Gottheit fĂŒr mĂ€nnlichen Geschlechtes halten und Pertundus nennen, so mĂŒĂŸte sich der Gemahl wider ihn fĂŒr die Keuschheit seiner Frau noch um eine krĂ€ftigere Hilfe umsehen als die Wöchnerin wider Silvanus. Aber wozu diese Bemerkung? Ist doch auch Priapus anwesend, der ĂŒbermĂ€nnliche, auf dessen ungeheuerliches und abscheuliches Glied sich die NeuvermĂ€hlte setzen mußte, nach der höchst ehrbaren und frommen Sitte der Matronen.“
(De Civitate Dei 6,9 http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1924-9.htm)

Augustus
Kaiser Augustus. By Unknown – Santo Attilio, Augusto, Milano 1902., Public Domain, Link

Auf der Velia, einem HĂŒgel Roms, gab es einen Tempel fĂŒr Mutunus Tutunus, der aber schon zu Kaiser Augustus Zeiten (um das Jahr 0) nicht mehr existierte. Der Gelehrte Festus (2. Jh. n. Chr.) erwĂ€hnt dies in seinem Wörterbuch und schreibt auch davon, dass der Tempel von Frauen, die in die toga praetexta gehĂŒllt waren, besucht wurde.
Das Besondere daran: Die toga praetexta war eigentlich ein KleidungsstĂŒck, das im alten Rom hochangesehenen und mĂ€nnlichen Menschen vorbehalten war. Was wohl diese Frauen dort gemacht haben? Augustinus (siehe oben) schreibt von einer „höchst ehrbaren und frommen Sitte der Matronen“.
(Btw: Kaiser August (um 0) und der Kirchenvater Augustinus (4 Jh. n. Chr.) sind trotz des Ă€hnlichen Namens zwei ganz unterschiedliche Menschen gewesen. 😉 )

Forum Romanum
Das Forum Romanum auf dem römischen HĂŒgel Palatin. CC BY-SA 3.0, Link

Caesar
Gaius Julius Caesar. By UnknownRoma Musei Vaticani (Museo Pio Clementino), Public Domain, Link

Möglicherweise gab es sogar einen Schrein auf dem Palatin fĂŒr Mutunus Tutunus, an dem Caesar kurz vor seiner Ermordung opferte. FĂŒr Augustus (den Nachfolger Caesars) war dies Anlass, den ungeliebten, frivolen Gott aus dem kollektiven GedĂ€chtnis zu bannen und seinen Tempel anders zu verwenden. Augustus war ohnehin ein Kaiser, der sehr viel verĂ€nderte im römischen Reich. Nicht zuletzt machte er den gesamten Senat um einen Kopf kĂŒrzer und so gelang ihm das, was Caesar nicht schaffte: eine Art Diktatur aufzubauen unter Wahrung der Ă€ußeren Form der Republik.

Silen
Silen. Eine Art Satyrvater. By SailkoOwn work, CC BY 3.0, Link

Satyrvorstellung nach der Renaissance Satyr-, bzw. Faunskulptur nach der Renaissance (15 Jh. n. Chr.) By EdmĂ© Bouchardon (French, 1698–1762)Jastrow (2006), Public Domain, Link

Bacchanal Ein ebenfalls post-Renaissance entstandenes GemĂ€lde eines bacchanalischen Festes. By Cornelis van HaarlemMuseum of Fine Arts, Budapest, Domini pĂșblic, Link

Priapus Darstellung des Gottes Priapus aus Pompei (1 Jh. v. Chr.) Von Wolfgang Rieger – John R. Clarke: Ars Erotica. Darmstadt: Primus 2009, Gemeinfrei, Link

Priapus Noch einmal Priapus, hier besser zu erkennen. By Đ—ĐŸĐ»ĐŸŃ‚ĐŸŃ€Ń‘ĐČ ĐŸĐ°ĐČĐ”Đ»ŃĐŸĐ±ŃŃ‚ĐČĐ”ĐœĐœĐ°Ń Ń€Đ°Đ±ĐŸŃ‚Đ°, CC0, ХсылĐșĐ°

antiker Satyr Antiker Satyr. By xeronesFlickr, CC BY 2.0, Link

Bacchanalien Bacchanalien mit einem betrunkenen Dionysus (Mitte). By World ImagingEigen werk, CC BY-SA 3.0, Link

Wie schon oben erwĂ€hnt und durch die Bilder zum Teil auch ersichtlich: es gab die Gottheit Mutunus Tutunus nicht nur in einer, sondern in sehr verschiedenen Formen. Über die genauen BezĂŒge, Verbindungen und Parallelen wĂŒrde es sich gewiss lohnen, eine Doktorarbeit zu schreiben. Hier sei nur ein paar Verweise genannt.
Der Gott Liber (pater liber), dem Caesar möglicherweise als Mutunus Tutunus opferte, war eine römische Gottheit fĂŒr Wein, Fruchtbarkeit und Freiheit. Er steht in enger Verbindung mit dem bekannteren römischen Gott des Weines Bacchus oder griechisch: Dionysus.
Bacchus und Dionysus sind ĂŒbrigens auch nicht „ein und derselbe“ Gott, sondern hatten einen unterschiedlichen Kult, der sich teils auch regional voneinander unterschied.
Die deutlichste Parallele zu den phallischen Gottheiten findet man in einem Fest, den sogenannten „Bacchanalien“. Da es dazu noch einen eigenen Artikel geben wird, sei hier nur exemplarisch der „Thyrsos-Stab“ herausgegriffen, der in Verbindung mit dem Gott und dem Fest stand.

Der Thyrsos besteht aus einem Stengel von einem Riesenfenchel. Er wurde mit Weinreben geschmĂŒckt und obendrauf steckte ein Pinienzapfen. Riesenfenchel wird ca. zwei Meter groß, den Stab kann man sich als eine Art „Wanderzepter“ vorstellen. Er diente den Bacchantinnen vermutlich als StĂŒtze, so nannte man die Frauen, die sich zu Anlass der Bacchanalien in den WĂ€ldern mit Wein betranken. Und es gibt andere Mythen, die sich darum ranken.
Von Bacchus/Dionysus ist es nicht mehr weit zum Hirtengott Pan, der mit Faunen, Satyrn und Nymphen in den Landschaften Arkadiens zu feiern pflegte. Seinem Völkchen wird, Ă€hnlich den Bacchantinnen (auch: MĂ€naden) die Bacchus (Dionysus) begleiteten, eine große Fröhlichkeit, Leichtigkeit und FreizĂŒgigkeit nachgesagt.
Der Gott Pan ist ein Mischwesen aus einem Menschen (Oberkörper) und einem Ziegenbock (Unterkörper). Und in ihrer dunkelsten Stunde trifft Psyche auf genau diesen Gott und seine lustige Schar. Pan ist ĂŒbrigens einer der wenigen Götter, die die gleiche römische und griechische Bezeichnung haben.

Priapus, so erzĂ€hlt der römische Dichter Ovid (um das Jahr 0), war – wie so oft in der Antike – ursĂ€chlich dafĂŒr, dass Nymphen in BĂ€ume verwandelt wurden. Als die Nymphe Lotis ihren Rausch ausschlief, wollte Priapus ĂŒber sie herfallen, aber ein Esel des Silen (eine Art „Satyrvater“) weckte sie mit lautem „I-A“. Dann verwandelte sie sich sicherheitshalber in einen Lotus und Priapus konnte ihrer nicht mehr habhaft werden. Zur Strafe dafĂŒr prĂŒgelte Priapus den Esel mit seinem riesigen Penis zu Tode.

Lingam Lingam und Yoni in trauter Zweisamkeit.By àźŽàźžàŻ. àźȘàźż. àź•àźżàź°àŻàź·àŻàźŁàźźàŻ‚àź°àŻàź€àŻàź€àźż at Tamil Wikipedia – Transferred from ta.wikipedia to Commons., GFDL, Link

Auch im Hinduisms ist des öfteren von phallischen Gott-Attributen die Rede. So reprĂ€sentiert der Lingam beispielsweise die Macht des Gottes Shiva als Zerstörer und Erneuerer. Sein GegenstĂŒck ist die Yoni, welche das Attribut der weiblichen Gottheit Shakti ist. Shakti steht fĂŒr gewaltige, ewige Energie, die das Universum durchströmt.
Historisch intressant ist an dieser Stelle die wahrscheinliche Verbindung zwischen den antiken Welten Mittelmeerraum und Indien. Oft wird angenommen, die Menschen damals wussten nichts voneinander, doch allein die Existenz der Seidenstraße zeigt ein anderes Bild.
Wohlmöglich hatten bzw. haben all die Gottheiten einen gemeinsamen Ursprung.