Die Bacchanalien

Bevor es ans Schreiben bzw. Lesen geht, erst einmal ein paar Bilder zur Einstimmung.

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By Pierre MignardCoyau, 25 March 2011, Public Domain, Link

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By Frederick William Macmonnies – Brooklyn Museum, No restrictions, Link

SelfhtmlBy JamesMacMillanOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

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By Annibale CarracciWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

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By François Boucher (1703–1770)http://www.sothebys.com/en/auctions/ecatalogue/2013/old-master-paintings-n08952/lot.91.html, Public Domain, Link

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By Roland zhOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

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By Roland zhOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Wie man gut erkennen kann, waren die Baccanalien ein rauschendes Fest, das im antiken Rom im März gefeiert wurde, wahrscheinlich auch in Zusammenhang mit verschiedenen anderen Festen, die den Beginn des Frühlings zelebrierten.
Die Bacchanalien haben ihren Namen vom römischen Weingott Bacchus und ein griechisches Pendant, nämlich die Dionysien, vom griechischen Weingott Dionysus.

Während des Festes gab es in Athen einen großen, von verschiedenen Musikern begleiteten, Umzug, bei dem ein riesiger Phallus (repräsentativ für Dionysus) durch die Stadt getragen wurde. An den darauffolgenden zwei Tagen wurden zunächst Tragödien und dann Komödien im Dionysus-Theater aufgeführt. Dabei wurden auch Sieger ermittelt, je nachdem, auf welchen Autoren die Gunst der ausgelosten Richter fiel.

Selfhtml Das Dionysustheater. Von From the German 1891 encyclopedia Joseph Kürschner (editor): “Pierers Konversationslexikon”. Pierers Konversationslexikon. Siebente Auflage. Mit Universal-Sprachen-Lexikon nach Prof. Joseph Kürschners System. Union. (published by) Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, 1891. herausgegeben von (edited by) Joseph Kürschner. – Wikified and scanned by —Immanuel Giel 12:02, 20 May 2005 (UTC), Gemeinfrei, Link

Unter den Siegern waren so bekannte Autoren wie Sophokles und Aischylos oder Aristophanes. Einige der Stücke findet man in sehr ähnlicher oder abgewandelter Form auch in der modernen Literatur wieder. So hat Beispielsweise Goethe ein Stück namens „Iphigenie auf Tauris“ geschrieben, das auf den griechischen Autor Euripides zurückgeht.

SelfhtmlBy Bertholet Flemallehttp://www.culture.gouv.fr/public/mistral/joconde_fr?ACTION=RETROUVER_TITLE&FIELD_5=REPR&VALUE_5=DIANE&GRP=1&SPEC=5&SYN=1&IMLY=&MAX1=1&MAX2=1&MAX3=100&REQ=%28%28DIANE%29%20%3aREPR%20%29&DOM=All&USRNAME=nobody&USRPWD=4%24%2534P, 2012-07-17, Public Domain, Link

In dieser Erzählung geht es um die Opferung von Iphigenie, die – um den trojanischen Krieg zu gewinnen – für ihr Vaterland (Griechenland) geopfert werden soll, und zwar der Göttin Diana.
Es fällt auf, dass es solche Opfer-Geschichten auch in der Bibel (Altes Testament) gibt, wenngleich in einer anderen Beziehungskonstellation (Vater-Sohn) und aus einem anderen Grund (Vertrauen).

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By workshop of RembrandtMrArifnajafov (Privatarchiv Foto von MrArifnajafov fotografiert), Public Domain, Link

Zum Glück retten in beiden Varianten die Götter die potentiellen Opfer!

Auch psychologische Erkrankungen werden in den griechischen Tragödien, die damals bei den Dionysien aufgeführt wurden, schon benannt, z.B. der Oedipus-Komplex im Stück „König Oedipus“ von Sophokles.

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By Bénigne Gagneraux – Nationalmuseum, Stockholm, Public Domain, Link

Oedipus ist jemand, der nichtsahnend seine Mutter heiratet und seinen Vater tötet und sich darüber dann aus Verzweiflung die Augen aussticht. Den Kindern, die er mit seiner Mutter gezeugt hat, ergeht es auch sehr tragisch (z.B. Antigone).
Bachhofen, ein Gelehrter aus dem 19. Jahrhundert, wollte insbesondere in der Geschichte der Antigone die mythische Verarbeitung der gesellschaftlichen Veränderung vom Matriarchat zum Patriarchat sehen. Die Geschichte in Kurzform: Antigone hat Probleme mit ihrem Onkel Kreon, der ihr nicht gestatte will, ihren Bruder zu bestatten, der im Krieg (gegen seinen Bruder) umgekommen war.
Bachhofen schreibt nun davon, dass diese „kriegerischen“ und „staatlichen“ Elemente (Krieg, König, Verbot der Beerdigung) etwas „Neues“ und „Partriarchales“ seien, da es in einer Gesellschaft, in der die Frauen frei entscheiden, von wem sie wann Kinder bekommen, eigentlich nur Geschwister gebe.
Na, ich finde es auf jeden Fall ganz erstaunlich, dass solche Aussagen von einem Gelehrten des 19. Jahrhundert stammen, wo doch tendenziell eher der Tenor von Weibern und Peitschen schwang. 😉
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipus#Aufnahme_des_Mythos_in_Psychoanalyse_und_Philosophie

Es gab darüber hinaus auch Stücke, die – das wird jetzt ein bisschen Mise en abyme hier- 😉 bei den Dionysien aufgeführt wurden und das Thema des heutigen Beitrags behandeln, so zum Beispiel „Die Bakchen“ von Euripides.

Selfhtml So sah er vermutlich aus, der gute Euripides. By Marie-Lan Nguyen (2006), Public Domain, Link

„Die Bakchen“ ist eine Tragödie und darin geht es eher drastisch zur Sache.

Die Geschichte:
Dionysus, der Gott des Weines und der Freude, kehrt in seine Heimatstadt Theben zurück, doch der dort ansässige König Pentheus will ihn nicht empfangen und verehren, sondern ganz im Gegenteil, er will Krieg gegen ihn führen.
Frauen begleiten und feiern mit Dionysus auf einem Berg in der Nähe der Stadt, Pentheus wird neugierig und schleicht sich (auf Rat von Dionysus) als Frau verkleidet auf die Party.
Dummerweise kriegen die Frauen aber mit, dass sich ein Mann unter ihnen befindet und dummerweise finden die das – in ihrer göttlichen und berauschten Stimmung – gar nicht gut und zerreißen ihn.
Besonders makaber ist, dass sich unter den feiernden Frauen sogar die Mutter von Pentheus, Agaue, befindet, die ihren Sohn aber nicht erkennt und ihm daher auch nicht hilft.

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By UnknownJastrow (2007), Public Domain, Link

In den „Bakchen“ findet man, – einer modernen Interpretation zufolge – ebenfalls die Auseinandersetzung mit dem „wilden, unstaatlichen Leben“. Quelle: Louise Bruit Zaidman / Pauline Schmitt Pantel: Die Religion der Griechen. Kult und Mythos. Beck Verlag, München 1994. S. 178.

Ein ganz ähnliches Todesschicksal wie Pentheus erleidet übrigens Orpheus, der als bester Musiker der Antike galt und um den sich verschiedene Erzählungen ranken. Angeblich hat er so gut gespielt, dass sogar die wilden Tiere kamen, um seiner Musik zuzuhören.

Selfhtml By Jacob HoefnageltgFGkixo83eXkQ at Google Cultural Institute, zoom level maximum, Public Domain, Link

Bekannt ist die Geschichte von Orpheus und Eurydike, in der der Sänger seine verstorbene Liebste aus der Unterwelt geleiten darf, weil er den Gott des Todes mit seinem Gesang so sehr berührt, dass der sich ausnahmsweise mal entschließt, von seinem Credo “Niemand kommt hier wieder raus” abzuweichen. Die einzige Bedingung, die Orpheus einhalten muss ist, dass er der Liebsten voranschreitet und sich nicht umdrehen darf. Leider tut er es kurz vor Ende des Aufstiegs dann doch und sie verschwindet zurück in Staub und Schatten.

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By Urheber: Erich SchicklingNutzungsrechtinhaberin: Erich-Schickling-Stiftung – Erich Schickling, CC BY-SA 4.0, Link

Es gibt eine interessante historische Verbindung zwischen Orpheus und Dionysus. Orpheus war der Sohn von der Muse Kalliope und einem Flussgott (oder Apollo). Historisch betrachtet gab es in der Antike tatsächlich einen „echten“ Kult um ihn, einen sogenannten Mysterienkult, genauso wie es auch für die Götter Bacchus/Dionysus zutraf, – von ihrem Fest ist hier die Rede. Die Orphiker, wie die Anhänger von Orpheus hießen, waren wahrscheinlich jüngeren Datums und haben sich möglicherweise als eine Art Gegenbewegung zum Bacchus-Kult gegründet.

Bei ihnen ging es um die Unsterblichkeit der Seele und in erhaltenen “orphischen Schriften”  ist oft von der Entstehung der Erde die Rede.
In der Spätantike (nach der Entstehung des Christentums), gibt es dann auch die theologische Verbindung von Orpheus und Jesus. Orpheus wird durch seinen Gang in die Unterwelt als so eine Art „Vor“Jesus angesehen. Man kennt diesen Erzählstrang aber auch schon aus den ganz alten Mythen, z.B.  Inanna und Dumuzi.

In den orphischen Schriften kann man dann auch (noch mal) etwas über die antike Vorstellung der Weltentstehung lesen, inklusive „orphischem Ei“ und Dionysus. Ich zitiere:

„In [einem] Überlieferungszweig erscheint die Zeit (Chronos) als das Prinzip, das den Ursprung von allem bildet. Chronos bringt zunächst zwei Prinzipien hervor, Aither und Chaos. Die zweite Phase der kosmischen Geschichte beginnt mit der Entstehung des silbrig glänzenden Welteis, das Chronos im Aither erschafft. Aus dem Weltei wird der geflügelte Lichtgott Phanesgeboren. Phanes ist eine Hauptgottheit der Orphiker, außerhalb orphischer Kreise scheint er nicht verehrt worden zu sein. Er wird in der spätantiken, vielleicht auch schon in der frühen Orphik mit Eros gleichgesetzt. Seine Gefährtin ist Nyx, die Nacht; ihr vertraut er sein Szepter an. Nyx gebiert den Gott Uranos, der als nächster die Welt regiert. Dies ist die dritte Phase. Uranos wird von seinem Sohn Kronos gestürzt; dieser Machtwechsel leitet die vierte Phase ein. Auf Kronos folgt Zeus, dessen Regierung die fünfte Phase bildet. Zeus verschlingt Phanes, womit er sich dessen gesamte Kraft und Macht aneignet. Mit seiner Mutter zeugt er die Tochter Persephone, mit Persephone den Sohn Dionysos. Später überlässt Zeus die Herrschaft dem noch kindlichen Dionysos, womit die sechste Phase beginnt. Gegen Dionysos stachelt Hera, die eifersüchtige Gattin des Zeus, die Titanen auf. Die Titanen locken Dionysos in eine Falle, töten und zerstückeln ihn. Dann kochen sie seinen Leichnam und beginnen ihn zu verzehren, wodurch sie etwas von seinem Wesen in sich aufnehmen. Zeus überrascht die Mörder jedoch und verbrennt sie mit seinem Blitz zu Asche. Aus der Asche, in der Titanisches mit Dionysischem gemischt ist, steigt Rauch auf und es bildet sich Ruß; daraus erschafft Zeus das Menschengeschlecht. Damit erklärt eine Variante des Mythos die Ambivalenz der menschlichen Natur, die zwei gegensätzliche Tendenzen aufweist: einerseits einen zerstörerischen, titanischen Zug, der zur Rebellion gegen die göttliche Ordnung anstachelt, andererseits aber auch ein dionysisches Element, das zum Göttlichen hinführt. Apollon sammelt die Stücke von Dionysos’ Leichnam ein, Athene bringt sein intaktes Herz zu Zeus, der nunmehr den Ermordeten zu neuem Leben erweckt.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Orphiker#cite_ref-15

In dieser Erklärung zur Weltentstehung sind viele Elemente der bekannten Autoren Hesiod, Homer u.a. enthalten, aber Damaskios, auf den der Text zurückgeht, hat sich im 5. Jahrhundert nach Christus, als er den Text schrieb, auch ein paar Dinge dazu gedacht und damit eine eigene Deutung geschaffen: Weltentstehung auf Grundlage des dionysischen und titanischen Prinzips, womit sich wieder so ein schöner Dualismus findet, auf den ich bei meinen ersten Beiträgen im August schon einmal hingewiesen hatte.

In einer anderen der orphischen Schrift heißt es laut Damaskios: „[Anfangs gab es] zwei Prinzipien, das Wasser als Prinzip der Zerstreuung und die Erde als Prinzip der Zusammenfügung. Aus ihnen ist als drittes Prinzip ein Drache hervorgegangen, der zugleich den Namen des nicht alternden Chronos (Zeit) und des Herakles trägt. Dieses Wesen trägt Flügel auf den Schultern und ist dreiköpfig; neben einem Stier- und einem Löwenkopf hat es in der Mitte einen göttlichen. Seine Gefährtin ist Ananke, die weltumfassende Notwendigkeit. Chronos ist der Vater von Aither und Chaos. Später erzeugt Chronos aus Aither, Chaos und Erebos (der Finsternis) das Weltei.“ Quelle: ebd.

Selbstverständlich gibt es noch ein paar andere Varianten, wie die Welt entstanden sein soll – und das nur bei den Orphikern! Wer soll da denn noch wissen, was richtig ist? 🙂

Gerade mit Blick auf die erste Ausdeutung zur Weltentstehung wundert es mich übrigens, dass man an vielen Stellen lesen kann, Bacchus/Dionysus und Orpheus wären voneinander getrennte Kulte gewesen. Vielleicht hatten sie ja doch mehr gemeinsam, als bisher bekannt ist?
Den Orphikern wird auf jeden Fall abseits der Hymnen nachgesagt, dass sie streng vegetarisch lebten und selbst Eier (Kosmisches Ei) bei ihnen Tabu waren. Ein hoher Anteil Orphiker war weiblich. Alkohol war wohl zumindest in der Anfangszeit noch erlaubt. Der Kult existierte etwa vom 5. Jh. v. Chr. bis zum 5. Jh. n. Chr., aber auch in den Jahrhunderten danach ist immer mal wieder von Orpheus – und seiner Verbindung mit Jesus – die Rede.

Selfhtml Orpheus. By Gustave Surand – http://www.mutualart.com/Artist/Gustave-Surand/640C684E1ED61D52/AuctionResults, Public Domain, Link

Die Bacchanalien als Fest in Rom waren wie die Dionysien in Athen ebenfalls ein Frühlingsfest, die mit der Zeit aber eine Ausweitung erfuhren und zum Teil mehrere Nächte jeden Monat zelebriert wurden.
Der englischspachige Wikipedia-Artikel über die „Bacchanalia“ ist wirklich sehr gut und ausführlich. Unter Bezug auf Livius, einem römischen Historiker, kann man hier allerhand über die Bacchanalien erfahren. Beispielsweise sollen sie aus Griechenland stammen, zunächst ein eher moderates Fest gewesen sein, dem dann aber Wein hinzugefügt wurde. Meistens waren mehr Frauen anwesend als Männer und angeblich gab es keine Unterschiede, was die soziale Stellung der Mitglieder anbelangte. Die religiösen Praktiken dort waren wohl auch sexueller Natur, Livius schreibt auch von missbräuchlichen Geschehnissen.
Bacchus wurde bei diesen Feiern mit dem Liber Pater identifiziert, der einen Tempel auf dem Aventin besaß und als Gott für das einfache Volk galt (er teilte sich den Tempel u.a. mit Ceres).

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By Published by Guillaume Rouille (1518?-1589) – “Promptuarii Iconum Insigniorum”, Public Domain, Link

Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde dieser Kult dann stark eingeschränkt durch den „Senatus consultum de Bacchanalibus“, wahrscheinlich, weil die Feiern sich nach und nach ausweiteten und in ganz Rom verbreiteten und damit in Konkurrenz zur römischen Religion/Priesterschaft standen.
4000 Menschen wurden zum Tode verurteilt, darunter vor allem führende Priester und Priesterinnen des Kultes.
Man beachte, dass Livius lange nach diesem Verbot und den Ereignissen, nämlich erst im 1. Jh. v. Chr. schrieb. – Wer also weiß, was richtig ist.

Selfhtml Bacchus/Dionysus tröstet Ariadne. By Alessandro TurchiWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

Ihren Ursprung haben die römischen Bacchanalien wahrscheinlich in den Dionysischen Feiern, von denen oben weiter die Rede war.

Wer sich für die mythische Geschichte von Bacchus/Dionysus interessiert, dem sei an dieser Stelle die unten angehängte, sehr gute, gut gemachte und interessante Aufarbeitung von Arte empfohlen. Dionysus/Bacchus ist übrigens auch der Gott, der dafür sorgt, dass die verlassene Ariadne (Theseus, Minotauros, Labyrinth) nicht ganz alleine bleiben musste.

 

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Psyche und Pan (1)

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Psyche stolperte durch das Unterholz. Es war bitterkalt, die Äste verfingen sich in ihrem Gewandt, rissen daran, es war Psyche egal. Spitze Steine bohrten sich in ihre Ferse, Psyche spürte es kaum.  Dornen piksten in ihre Haut, Psyche schnaufte verächtlich und rannte einfach weiter.

Sie war so wütend, so unendlich wütend. Amor hatte sie einfach fallen gelassen, mitten in der Nacht in diesen gottverlassenen Wald.

„Ungeheuer!“, spuckte Psyche aus. „Du Ungeheuer!“

Hätte der Zephyr sie nicht aufgefangen, sie wäre auf dem Boden zerplatzt wie eine reife Pflaume. Und vielleicht wäre das am besten gewesen!

„Na na na …“, hörte sie da auf einmal eine tiefe, sonore Stimme. „Wer ist denn da so aufgebracht? Schon zu Beginn der Nacht?“

„Zu Beginn der Nacht“, echote es aus allen Ecken und Enden des Waldes. Verdutzt hielt Psyche inne und blickte sich um.

Kurze Zeit war es wieder still. Lediglich ein paar Vögel zwitscherten. Der Mond schien hell und Psyche spürte den nassen Tau an ihren Füßen, der sie angenehm kühlte. Und als sie schon dachte, sie hätte sich verhört, da schwebten aus den Tiefen des Waldes auf einmal kleine Wesen heran, die trugen Gewänder aus Spinnweben und leuchteten im Mondlicht. Es waren kleine Frauen mit Flügeln, gefolgt wurden sie von einer Schar kleiner Kerle, die hatten Ziegenfüße und winzige Hörner und einen spitzen Bart.

Sie strömten durch den Wald und zogen Psyche mit sich auf eine Lichtung, in deren Mitte ein großer Steinblock lag. Sie umringten Psyche und zupften neugierig an ihrem Gewand. „Was ist denn das für ein Ding?“, fragte eine der geflügelten Frauen keck. „Ist es ein Mensch?“

„Vielleicht ist es ein Zyklop“, bemerkte einer der kleinen, ziegenbockfüßigen Kerle.

Psyche war völlig verblüfft vom Geschehen, doch als sie hörte, dass sie mit einem Zyklopen verglichen wurde, schnaubte sie empört auf.

„Nein, sieh nur“, sagte die kleine Frauengestalt, „sie hat ja auch zwei Augen, das eine ist etwas unter dem Wulst da versteckt, aber ein Zyklop kann es nicht sein.“

„Na na na, Kinder Kinder!“, rief da die tiefe, sonore Stimme. Der Kreis aus den winzigen Gestalten lichtete sich an einer Stelle und hindurch schritt ein großer Mann. Ein Mann, der, Psyche erkannte es, als er näherkam, ebenfalls Ziegenfüße hatte und einen spitzen Bart. Aus seinen dichten Locken stachen zwei Hörner.

„Ihr solltet eine Dame nicht so schimpflich beleidigen!“, führte der Herr aus. „Wir haben hier eine … wahre Schönheit vor uns.“ Er kam näher und musterte Psyche. „Schönheit, die im Auge des Betrachters liegt,“ schloss er räuspernd. „Liebchen, sag uns, was verschlägt dich allein in diesen Wald?“

„Wer, wer seid ihr?“, stammelte Psyche.

Der Gehörnte machte eine tiefe Verbeugung. „Gestattet, Werteste, ich bin Pan, der Rächer der Gerächten, Herr und Meister von Nymphen und Satyrn und Faunen – und solchen, die es werden wollen. Wie ist euer Name, Holdeste?“

„Ich … Ich bin Psyche“, stammelte Psyche und drückte sich gegen den Felsen.

„Ihr mögt die Standhaftigkeit meines Throns, seine Festigkeit?“, fragte Pan. „Für gewöhnlich betrachte ich von dort das Treiben meiner Nymphenschar.“

„Oh, Entschuldigung …“, sagte Psyche und ließ den Felsen verwirrt los.

„Habt ihr geweint?“, fragte Pan. Er war jetzt so nahegekommen, dass Psyche seinen Atem auf ihrer Wange spürte. Er roch nach würzigem Waldluft.

Psyche schüttelte den Kopf.

„Doch, ihr habt geweint“, befand Pan. „Und für gewöhnlich weinen Mädchen alleine im Wald, wenn sie Kummer haben?“

Psyche schüttelte abermals den Kopf.

„Liebeskummer?“

Psyche blickte Pan in die Augen und fand darin so viel Verständnis, dass sie entkräftet nickte.

„Gut“, sagte Pan zufrieden. „So kommen wir der Sache näher.“

Er drehte sich zu den Nymphen und Faunen um, die bisher schweigend zugesehen hatten.

„Das Mädchen hat Liebeskummer!“

Ein trauriges Stöhnen und Klagen raunte durch die Menge.

„Aber! Aber!“, sagte Pan und schmunzelte. „Ich kann dir einen Tipp geben. Zufällig kenn ich da jemanden, etwas frech und tollpatschig, der könnte dir bestimmt helfen.“

Erstaunt blickte Psyche ihn an. „Wer sollte mir denn helfen können?“

„Na, Amor!“, rief Pan und klatschte lachend in die Hände. „Hast Du denn noch nie vom Gott der Liebe gehört?“

Psyche brach in heftiges Schluchzen aus.

„Es … es ist Amor!“

Das Grinsen verschwand aus Pans Gesicht und ein verblüfftes Staunen machte ihm Platz.

„Du weinst wegen Amor? Wegen diesem Dickerchen?“

Traum und Albtraum

War das wirklich echt? War das tatsächlich sie, die hier saß? Und dieser gutaussehende Prinz, hatte er in ihre Richtung gesehen?

Psyche fühlte sich wie in einem Traum.
Sie saß an einer reich gedeckten Tafel, neben ihrer Mutter und ihren Schwestern. Die Gäste unterhielten sich und kosteten vom festlichen Mahl. Es wirkte alles so friedlich. Keine Schreie, keine entsetzen Gesichter. Wieder kreuzten sich die Blicke von Psyche und dem jungen Prinzen.
Er war Psyche sofort aufgefallen, denn er war begleitet von seinen Freunden auf einem weißen Hengst in den Burghof geritten. Aktaion von Theben. Was für ein Mann!
Psyche fasste sich ungläubig ins Gesicht, was von ihren Schwestern mit einem leisen Zischen quittiert wurde.
„Lass das, du siehst gut aus!“
Und Psyche nickte, lächelte und konnte es immer noch nicht glauben.
Das letzte Mal, dass sie sich so „normal“ gefühlt hatte, lag Ewigkeiten zurück. Als sie noch ein Kind war, erinnerte sich Psyche, musste sie sich nicht verstecken. Doch nachdem Psyche zur Frau wurde, veränderte sich die Reaktion der Menschen. Eines Tages konnte niemand mehr ihren Anblick ertragen. Selbst der Vater und die Mutter. Seither musste Psyche unter einem Schleier leben.
Psyche hatte häufig darüber nachgedacht, was genau die Ursache dafür war, und eine Erklärung gefunden.
Sie war nicht so groß wie ihre Schwestern. Ihre Arme und Beine aber waren unverhältnismäßig lang. Und sie hatte einen dicken, runden Bauch. Keine schmale Taille wie ihre Mutter. Keine grazile Statuette wie ihre Schwestern.
Die Unverhältnismäßigkeit ihrer Proportionen setzte sich an Händen und Füßen fort. Die Füße einer jeden Frau im Palast waren klein und schmal. Psyches Füße aber waren viel zu lang. Und die Zehen! Sie waren krumm und schief und der kleine Zeh spreizte sich in einem unnatürlichen Winkel vom Fuß ab.
Am Schlimmsten aber musste es um ihr Gesicht bestellt sein. Tessa und Gorda hatten süße Stupsnasen. Wenn Psyche mit verdrehten Augen auf ihre Nase blickte, dann erschien sie riesengroß und schief. Aber heute Abend war alles anders. Tessa und Gorda hatten ein wahres Wunder bewirkt.
Schon wieder sah Aktaion zu ihr. Ob er sie zum Tanzen auffordern würde? Psyche schlug die Augen nieder. Oh, wie sie schön es wäre, endlich einmal zu tanzen!
„Der Ball ist ein voller Erfolg!“, plauderte Gorda. Die Königin nickte zufrieden und prostete Aktaion zu. „Schau mal, dieser Prinz von Theben, er guckt immer wieder zu dir rüber. Er wäre eine ausgezeichnete Partie.“
Psyche lächelte verlegen.
„Es ist wirklich erstaunlich, was ihr aus Psyche gezaubert habt!“, sprach die Königin in Richtung ihrer Töchter.“
„Wir sollten sie so schnell wie möglich vermählen“, antwortete Tessa. „Dieser Putz wird nicht ewig halten.“
„Vorerst wirkt es“, entgegnete Gorda. „Und bis zur Hochzeit bleiben wir an ihrer Seite.“
Aktaion verbeugte sich schwungvoll vor der Königin.
„Dürfte ich Eure Tochter zum ersten Tanz entführen?“, fragte er.
Die Königin nickte ihm wohlwollend zu. „Ihr seid ein Mann der Tat, Aktaion, das gefällt mir.“ Sie erhob sich und klatschte in die Hände. „Spielt auf!“, rief sie. „Der erste Tanz gebührt dem ehrenwerten Prinzen von Theben und meiner Tochter!“
Psyches Herz klopfte, als Aktaion ihr die Hand reichte. Alle Augenpaare im Saal waren auf sie gerichtet. Psyche hatte noch nie mit einem Unbekannten getanzt, aber die zahlreichen Stunden, die sie unterrichtet worden war, zahlten sich nun aus. Galant setzte sie die Füße auf, passte ihre Bewegungen denen von Aktaion an, ließ sich umherwirbeln, lächelte und tanzte. Psyche war, als ob sie auf Wolken schwebte. In den Gesichtern der Menschen las sie Anerkennung, Wohlwollen, Staunen. In keinem Blick fand sie die üblichen Angst, den Schrecken und das Entsetzen, das ihr sonst zu Teil wurde.
„Großartig, großartig!“, rief die Königin und die Menge applaudierte dem Paar.
Es folgten Tänze, bei denen die gesamte Gesellschaft gefordert war. Erstaunt stellte Psyche fest, dass Aktaion sie dabei kaum aus den Augen ließ. Es war wirklich wahr. Wirklich Wirklichkeit. Immer wieder trafen sich ihre Blicke. Vielleicht war er der Eine. Psyche drehte sich um sich selbst und ein Gefühl heiterer Freude überkam sie. Endlich geschah das, wonach sie sich so lange gesehnt hatte.
Die Tanzenden bildeten Pärchen und Psyche erwartete zitternd die Begegnung mit Aktaion. Als sie aufeinander trafen, zog Aktaion Psyche so kräftig, dass sie bei der Drehung ins Straucheln geriet. Er fing sie auf und presste sie an seinen Körper.
„Du bleibst hier und tanzt mit mir“, raunte er in ihr Ohr. Der Druck war so stark, dass Psyche einen kurzen Moment keine Luft bekam.
Der Tanz begann, Aktaion und Psyche waren umgeben von wallenden Kleidern und sich drehenden Paaren. Aktaions Hand lag an Psyches Taille. Er bewegte sie in verschiedene Positionen, sein Rhythmus wurde abgehackter und schneller. Psyche hatte Mühe, ihm zu folgen. Plötzlich spürte sie, wie seine Hand auf ihr Gesäß rutschte.
„Gefällt Euch das?“, zischte Aktaion.
„Ich …“, hob Psyche an. Sie versuchte, sich dem Griff zu entwinden. Doch Aktaion packte noch fester zu.
„Scht!“, zischte Aktaion. „Nicht zappeln! Ihr wollt Euch doch nicht den Abend verderben.“
In Aktaions Stimme lag ein bedrohlicher Klang. Verzweifelt sah sich Psyche um. Aktaion tat ihr weh, diese Berührung war unsittlich! Die Tanzenden aber schienen nur Augen für sich zu haben.
Aktaion schob seine Hand zurück auf Psyches Taille. Plötzlich waren sie wieder eine tanzende Prinzessin und ein tanzender Prinz, als wäre nichts geschehen.
Als die letzten Töne der Lyra erklangen, nutzte Psyche die Gelegenheit, um zu ihrem Platz zurück zu kehren. Sie musste ihre Gedanken ordnen.
„Entschuldigt mich, ich möchte mich einen Moment ausruhen.“
„Gewiss“, hörte sie Aktaions Antwort. Sie knickste in aller Form und kehrte verwirrt zu ihrem Platz zurück. Was war geschehen? Hatte sie sich das nur eingebildet? War es ein Versehen? Etwas sagte ihr, dass ganz und gar nicht in Ordnung war, was Aktaion getan hatte, aber sie wusste nicht, was sie tun sollte.
„Wo ist der Prinz?“, fragte die Königin, als sich Psyche auf ihren Stuhl sinken ließ.
„Ich brauchte eine Pause“, antwortete Psyche monoton.
„Eine Pause! Schätzchen, du hattest die letzten Jahre eine Pause! Das ist heute deine Chance auf einen Ehemann. Nutze sie und tanze!“
Die Königin sah sie stirnrunzelnd an. „Du bist das alles nicht gewohnt, richtig? Vielleicht ist das gerade zu viel für dich, nach all dem, was geschehen ist. Ruh dich ruhig aus. Einen Moment. Aber Psyche … Aktaion ist die perfekte Partie und er interessiert sich für dich. Und er sieht so gut aus! Ich werde dir helfen, damit er uns nicht durch die Lappen geht!“
Psyche sah ihrer Mutter nach, die im Tanzgetümmel verschwand.
„Ihr wollt Euch doch nicht den Abend verderben“, hörte sie Aktaions Worte. Nein, das wollte sie gewiss nicht. Bis gerade eben war alles so schön gewesen, so perfekt. Vielleicht hatte sie sich falsch verhalten. Nein, ganz gewiss hatte sie sich falsch verhalten. Aktaion war ein anständiger Prinz, ein ehrenwerter Mann. Wahrscheinlich war es nicht mehr gewesen, als eine kleine Neckerei.
Aber warum fühlte es sich so verkehrt an?
„Schätzchen, guck mal, wen ich mitgebracht habe!“, riss sie die Stimme ihrer Mutter aus den Gedanken.
Die Königin strahlte über die Maßen. Aktaion verbeugte sich edelmütig.
„Gestattet, dass ich Euch in den Palastgarten begleite. Die frische Luft wird Euch gut tun.“
Die Königin drückte ihre Tochter und flüsterte:
„Liebes, der Garten, das ist doch dein Vergnügen, und schau, der Prinz, er sagte mir, dass er Blumen liebt und … ihr habt sogar eine Gemeinsamkeit …“ Die Stimme der Mutter überschlug sich fast.
Wie in Trance ließ Psyche es zu, dass Aktaion sie zu sich hochzog.
„Kann … kann uns nicht jemand begleiten?“, brachte sie schließlich hervor.
„Um für ihre Sicherheit zu sorgen, werden meine Mannen uns begleiten“, versprach Aktaion mit bedeutungsvoller Miene.
Die Königin kicherte. „Was seid ihr doch für ein Gentleman, werter Prinz.“
„Man kann nie wissen“, sagte Aktaion bedächtig. „Immerhin ist Euer Herr Gemahl nicht im Haus.“
Die Königin lachte. „Lasst euch ruhig Zeit, ihr zwei Turteltäubchen!“
Voll von Sorgen schritt Psyche neben Aktaion her. Er hielt ihren Arm und führte sie immer tiefer in den Garten. Seine Kameraden folgten ihnen mit einigem Abstand.
Fieberhaft überlegte Psyche, was sie tun sollte. Sie fühlte sich unwohl in seiner Gegenwart, doch musste sie ihm gefallen, wollte ihm gefallen, um ihre Mutter nicht zu enttäuschen.
„Wie findet Ihr den Garten?“, versuchte sie es.
Aktaion grinste. „Er könnte ein bisschen üppiger sein, so wie du.“
Kräftig schlug er ihr auf den Po. Psyche sprang erschrocken zur Seite. Sie hörte das Lachen von Aktaions Freunden.
„Jetzt habt dich nicht so“, sprach Aktaion. „Komm her.“
Zweifelnd sah Psyche ihn an.
„Nun komm schon“, sagte er, aber in seinem Gesicht zeigte sich ein verräterisches Spötteln. Es war ganz und gar nicht mehr der hübsche Prinz, den sie zu Beginn des Balls erblickt hatte.
Psyche schüttelte den Kopf und wich noch einen Schritt zurück.
„Man nennt dich verflucht, weil du keinen Mann abkriegst. Kein Wunder, wirklich schön ist sie nicht, oder, Männer?“
Aktaions Freunde lachten höhnisch. Psyche wurde gleichzeitig heiß und kalt.
„Du solltest dich glücklich schätzen, dass wenigstens einer es mit dir versuchen will. Jetzt komm her!“
Tränen schossen Psyche in die Augen. Aktaion hatte Recht. Eigentlich sollte sie alles daran setzen, ihm zu gefallen. Aber ihr wurde schlecht bei dem Gedanken.
„Ich kann nicht!“, schluchzte sie und rannte in den unteren Teil des Gartens.
Vor einiger Zeit war hier eine kleine Grotte angelegt worden, ummauert von Steinen, mit einem künstlichen Teich und einem Wasserfall. Dorthin floh Psyche, um sich zu verstecken.
Aktaion und seine Gefährten waren ihr dicht auf den Fersen.
Kurz bevor sie den Eingang der Höhle erreichte, versperrten sie ihr den Weg.
„Jetzt hab dich nicht so, Prinzesschen!“, feixte Aktaion. „Ich werde dich schon heiraten, wenn du jetzt ein bisschen lieb zu mir bist.“
Langsam kam er auf sie zu. Seine Kumpanen bildeten einen Halbkreis und engten ihn mit jedem Schritt weiter ein.
Da war etwas in ihren Blicken, das Psyche in Todesangst versetzte.
„Nein!“, rief Psyche panisch. Sie raffte ihr Kleid und sprang über die kleine Mauer ins Wasser. Das kühle Nass schlug über ihrem Kopf zusammen, ließ Paste, Öl und Puder verschwinden. In feinen Schlieren verlor sich die Maske im Teich. Mit einem Seerosenblatt auf dem Haupt tauchte Psyche aus dem Tümpel auf.
„Was im Namen aller Götter bist du?!“, keuchte Aktaion entsetzt und stolperte rückwärts.
Die Gefährten von Aktaion hoben die Hände, als wären sie geblendet worden.
Befriedigt sah Psyche die Männer eiligst durch den Garten stürmen. Mit kleinen Schritten, zitternd und tropfend, stieg sie die Stufen zum oberen Teil des Gartens empor. Ein Gefühl von Macht durchströmte sie. Niemals würde sie heiraten, wenn der Preis dafür war, dass sie sich so behandeln lassen musste. Niemals.
„Der Ball ist zu Ende“, sagte Psyche, als sie den Saal betrat. Sie sagte es ruhig und bedächtig. Fasziniert beobachtete sie, wie die Menschen in alle Richtungen auseinanderstoben. Dann warf ihr jemand ein Tuch über den Kopf.
„Psyche, um Himmels willen!“, hörte sie die Stimme ihrer Schwester Tessa. Durch den Stoff entdeckte sie ihre Mutter, die umherlief und versuchte, die Gäste zurückzuhalten.
Das letzte, was Psyche hörte, bevor alles um sie herum schwarz wurde, war die zornige Stimme ihres Vaters.
„Was ist hier los? Kann man euch nicht mal für drei Tage alleine lassen?“