Götterfutter – Coming Soon :)

 

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Hallo meine Lieben!

Es ist mal wieder etwas Zeit vergangen (tempus fugit und so weiter), aber ich proudly presente euch heute die frohe Botschaft, dass es ab nächster Woche jeden Donnerstag einen Beitrag zur Reihe namens “Götterfutter” im Lehmofen geben wird, die ich zu kochen und anzureichen gedenke. (So um 20:00 Uhr rum sollten die Beiträge fertig sein. Manchmal wird es länger dauern – ihr kennt mich.)

Das Götterfutter enthält – als natürliche Zutaten – Götter, Mythologie und Zeugs, das man vielleicht noch nicht so kennt. Sicherlich geh ich auch auf den ein oder anderen bekannteren Olympier ein, aber es werden eher so komische Sachen sein, von denen man noch nie gehört hat aus der alten Welt.

Los geht es heute mal ganz spontan mit dem schönen Bildchen da oben. Heute wird das – ausnahmsweise- mal eine Runde Rätselraten zu einem Thema, das ich recht gut kenne. Na, hat sie schon jemand erkannt? Ich fand die Darstellung allzu passend, dem Titel entsprechend. Götterfutter. Jamm Jamm. 😉 Wobei die gute Dame dann doch nicht gefressen wurde, sondern noch heute als Galaxie am Himmel thront. Genauso wie ihre Mutter, die für das ganze Schlamassel verantwortlich war. Die aber deswegen auch verkehrt herum und “nur” als Sternbild heute noch existiert. Mal wieder ging es um die Frage nach Schönheit (wieso ist das eigentlich ein so wichtiges Thema? Bei meinem Büchlein Amor und Psyche (das übrigens im Dezember erscheinen wird, es ist an die Testleser raus) ist das ja auch so! (Schleichwerbung Ende.))

Der Felsen, den man unter dem hübschen Körper gut erkennen kann, ist auch heute noch existent, aber enttäuschend mickrig. Er liegt vor der wunderschönen israelischen Stadt Jaffa und obwohl ich vor ein paar Jahren extra für diesen Beitrag dort war, ist es mir gerade nicht möglich, das dazugehörige Foto zu finden. Da Rosa Schweino nicht drauf liegen konnte, ist das auch alles nur halb so wild. Der Felsen ist auf jeden Fall unbedeutend klein, wobei man ihn bei Google findet. Allerdings kann ich keine Auskunft über die Verwendbarkeit/ freie Lizenz der Bilder geben, daher hier nur ein Beispiel: Er sieht ungefähr so aus wie die kleinen Ausdemwassergucker auf dem folgenden Bild, liegt aber etwas weiter entfernt vom Land. Scheinbar ist das kleine Ding dann aber doch so bedeutsam, dass die Israelis ihre Nationalflagge drauf stecken haben. (Nicht im Bild, wie gesagt, nur Beispiel.)

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Es würde mich auch nicht wundern, wenn es noch mehr solcher Felsen mit dem Namen der obigen Schönheit geben würde. Der Mythos ist nämlich relativ bekannt. Sein “echter” Entstehungsort ist übrigens angeblich äthiopisch. Und so, wie es auch diverse Zeus-Höhlen und Eingänge zur Unterwelt rund ums Mittelmeer (Rote Meer???) gibt, wäre das auch in diesem Fall durchaus Touristen-Napp-opportun.

Irgendwie kommt mir bei diesem Mythos spontan das Haar der Berenike in den Sinn. Wahrscheinlich, weil es auch hier um ein Sternbild geht. Berenike ist das da oben aber nicht.

Der Retter der Schönen ist übrigens dann auch in was galaktisches verwandelt worden. Nachdem er den Kopf der Medusa (dieser Schlangenhaarfrau) dazu verwendete, um das Ungeheuer zu töten, das die Prinzessin bedrohte.  (Schon wieder ein Ungeheuer! Schönheit und Ungeheuer, das scheinen die erzählerischen Motive schlechthin zu sein, zieht es sich doch durch bis in die Märchenwelt und … ja, die Schöne und das Biest lassen auch grüßen. Dreht sich denn alles nur um Sex und Tod?)

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Oder eben die hier. Tarzan und Jane. Oder wer war das gleich?

 

So. Kommen wir mal zur Auflösung. Wobei, da gab es ja noch das Haar der Berenike. Da muss ich jetzt noch mal drauf zurückkommen. Kann das ja nicht einfach ansprechen und dann stehen lassen. Das geht nicht. Niemals!

 

Die Ursprungsanekdote

Berenike lebte von etwa 270 bis 221 v. Chr. und war die Gemahlin des ägyptischenKönigs Ptolemaios III. Als dieser in den 3. Syrischen Krieg zog, versprach sie der Liebesgöttin Aphrodite ihr prachtvolles Haar zu opfern, sollte ihr Gemahl siegreich und unversehrt heimkehren. Ptolemaios siegte, Berenike schnitt ihr Haar ab und brachte es in einem Tempel dar. Als der Haarschopf am nächsten Tag verschwunden war, erklärte der Hofastronom Konon, die Götter seien über das Opfer so erfreut gewesen, dass sie die Haarpracht am Himmel verewigt hätten. – Der ebenfalls am Hof (in Alexandria) anwesende Dichter Kallimachos schrieb dazu einen Katasterismos in Gedichtform, in dem das Haar der Berenike selbst vom Himmel aus “erzählt”, was geschehen ist. Das Gedicht ist in der lateinischen Übersetzung Catullserhalten, das 66. seiner carmina (Gedichte).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Haar_der_Berenike#Die_Ursprungsanekdote

(Es musste schnell gehen. Und ja, ich führe den Expertenstatus gerade ad absurdum. Übt euch immer fein in Selbstverantwortlichkeit, liebe Leser und Leserinnen, und ich werde eure geschundenen Herzen balsamieren, denn:)

Nun gibt es die Auflösung!

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Bei dem Bild oben handelt es sich um den Mythos von: Andromeda.

Die Königin Kassiopeia rühmte sich mit der Schönheit ihrer Tochter, woraufhin der Meeresgott Neptun dem König Kepheus drohte, sein ganzes Reich auszulöschen, es sei denn, er würde eben diese Tochter opfern.

König in Bedrängnis, überlegt hin und her, Orakel befragt: Tochter ist nur eine, Volk sind viele, utilitaristische Ethik, cui bono und zack, hing die Andromeda am Felsen.

Angekettet.

Doch aufgepasst!

Der tollkühne Held Perseus bekam davon Wind, als er gerade mit dem geflügelten Pferd Pegasus – und glücklicherweise auch dem Medusenhaupt, dessen Blick alles versteinern lässt – durch die Lüfte schwebte.

Kopf ausgepackt, richtigen Winkel gefunden, Meerungeheuer tief in die Augen gesehen und versteinert, Prinzessin gerettet.
Und vermählt und verheiratet und glücklich und froh bis immerdar.

Ok. Nicht ganz. Vorher gab es noch ein wenig Drama mit einem Onkel, der Andromeda für sich haben wollte, aber da Perseus das Medusenhaupt hatte, kann man das ganze getrost als retardierendes Moment übergehen. (So wie das Haar der Berenike in diesem Beitrag hier.)

Und dann, denn gestorben sind sie nicht, wurden sie alle zu Sternbildern, Nebeln, Galaxien und kosmischen Sammelhaufen. Auch das Ungeheuer. Das hieß Ketos.

 

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Andromeda
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Hier ein Perseus Arm der Milchstraße (unten mitte links).
Kassiopeia
Die Mama-Königin.
Cepheus
Der Papa-König.
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Perseus, hier als Nebel.
Cetus
Und Cetus, bzw. Ketos, das Ungeheuer! 🙂

 

Bildquellen:

Alle unten nicht separat aufgeführten Beitragsbilder stammen von http://www.pixabay.de und wurden am 26.07.2017 kosten-, lizenz- und nachweisfrei abgerufen.

Kassiopeia; mit Dank an Stephan Brunker at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23986322

Perseus-Nebel: mit Dank an  NASA/JPL-Caltech/L. Cieza (Univ. of Texas at Austin)) – http://gallery.spitzer.caltech.edu/Imagegallery/image.php?image_name=sig06-027, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2387597

Der Papa-König: mit Dank an Till Credner – Own work: AlltheSky.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20041245

Ketos: mit Dank an (noch einmal) Till Credner – Eigenes Werk: AlltheSky.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20041266

 

 

 

 

Nah an der Wahrheit

Nach einer unendlichen Weile teilten sich das eine Wesen, das sie geworden waren, wieder in zwei Hälften. Psyche fand sich selbst inmitten von Laken und Decken. „Wie sind wir ins Schlafzimmer gekommen?“
Amor kicherte und streifte Psyche mit seinem Flügel.
„Wir sind geflogen? Nun, genauso kam es mir zumindest vor.“ Psyche streckte genüsslich die Arme aus. „Dabei kenne ich nicht einmal deinen Namen!“
„Ich bin das Untier, dein Untier, um genau zu sein.“
„Ja, aber hast du keinen richtigen Namen? Wie nennen dich deine Eltern? Hast du Eltern?“
„Je weniger du über mich weißt, desto besser“, sagte Amor und legte seinen Arm um Psyche. „Und ich muss bald gehen, meine Liebste, sobald der erste Lichtfunke über den Horizont fliegt.“
„Wo … Wohin gehst du denn dann?“, fragte Psyche.
„Nun ….Ich geh arbeiten.“
„Du arbeitest? Wie kann das sein?“
„Jeder muss arbeiten.“
„Aber du hast doch diesen Palast, hier gibt es alles, was man braucht und ebenso viele Dinge, die man nicht braucht!“
Amor räkelte sich.
„Mag sein“, sagte er. „Aber: ich muss arbeiten. Leider. Meine Mutter will das so.“
„Du hast Eltern!“ Psyche triumphierte.
„Ja“, gab Amor zu.
„Wer sind sie, wie heißen sie?“
„Das bleibt mein Geheimnis. Aber seitdem ich dich kenne, macht mir mein Job sogar Spaß.“
„Ja?“
„Ja. Ich hätte nie gedacht, dass Liebe … alles so viel leichter macht. Das ganze Leben ist auf einmal so anders, so locker, so lustig, so … leicht.“
Psyche knuffte das Untier in die Seite. „Wenn alles so einfach ist, dann bleib doch hier.“
„Das geht nicht. Es wäre gefährlich.“
„Schade. Aber, – was genau arbeitest du denn?“
„Das ist schwer zu erklären, aber … Also. Äh. Ich jage.“
„Du bist ein Jäger?“
„Nicht so richtig, obwohl es dabei ums Bogenschießen geht.“
„Auf was zielst du?“
„Auf Lebewesen.“
„Auf Tiere?“
„Eher weniger.“
„Auf Menschen?!“
„Hm. Irgendwie schon.“
„Du tötest also Menschen?“
„Nein!“ Entsetzt richtete Amor sich auf.
Psyche blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich fasse zusammen: Du bist ein nicht so richtiger Jäger mit Eltern, über die ich nichts wissen darf, der in einem Palast wohnt, in dem merkwürdige Dinge passieren, der auf Menschen schießt …“
„Psyche, ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Ich weiß, das ist alles seltsam. Ich wünschte, ich könnte dir alles erklären. Aber ich kann dir nicht sagen, wer ich bin. Das geht nicht. Noch nicht. Vielleicht bald. Ich hoffe bald. Vertraust du mir?“
Amor bedeckte Psyches Hand mit Küssen.
Sie seufzte.
„Untier, ich will es glauben. Und ja, ich will dir auch vertrauen. Obwohl das, was gerade geschehen ist … Es war …“
„Ja?“, fragte Amor.
„Unglaublich“, sagte Psyche. Sie musste grinsen, aber Tränen füllten ihre Augen.
„Fand ich auch“, sagte Amor lachend. „Unglaublich gut. Wir sollten es öfter machen, um ganz fest daran glauben zu können.“
Psyche stimmte in sein Lachen ein, musste aber gleichzeitig Schluchzen.
„Was ist mit dir, meine Liebste?“, fragte Amor.
„Nichts“, sagte Psyche, doch ihre Tränen tropften auf die Bettdecke.
„Geht es dir nicht gut? Was kann ich tun?“, alarmiert sprang Amor auf.
„Untier“, sagte Psyche. „Es ist … nichts … nur diese Sache mit dem Glauben … Es ist, ich kann das irgendwie nicht glauben, mit uns, und ich habe Angst, dass du gehst, weil … weil …“
„Weil? Was ist los? Bitte sag es mir!“
„Ich … Ich bin … hässlich.“
„Du bist bitte: Was?“, fragte Amor.
„Ich bin hässlich!“, rief Psyche. „So hässlich, wie du es dir nur irgendwie vorstellen kannst. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, da musste ich einen Schleier tragen, weil man meinen Anblick nicht ertrug!“
„Das kann doch nicht wahr sein!“
„Doch“, sagte Psyche, „es ist wahr.“
„Aber ich liebe dich! Ich tu es, wirklich und echt. Ich werde dich auch in tausend Jahren noch lieben!“
„Aber wie kann das sein?“, fragte Psyche. „Mich wollte keiner haben. Keiner!“
„Und doch habe ich mich in dich verliebt, auf den ersten Blick habe ich mich in dich verliebt und hier her gebracht. Du und hässlich? Ich glaube, sie haben dich verhüllt, weil du so schön bist, Psyche“, sagte Amor und streichelte Psyches Gesicht. „Wunderschön.“
Psyche schniefte leise. „Meinst du wirklich?“
„Ja. Ich schwöre es bei meinem Leben. Doch jetzt muss ich gehen, meine Liebste.“
„Geh nicht“, sagte Psyche leise und schmiegte ihre Wange in seine Hand.
„Ich muss. Es tut mir leid, aber es geht nicht anders. Du darfst mich nicht sehen. Es ist zu deinem Schutz.“
„Aber ich habe Angst.“
„Hier passiert dir nichts“, sagte Amor. „Ich liebe dich und ich werde dich beschützen. Du bist hier sicher. Ich werde wiederkommen, ich verspreche es …“
Psyche küsste Amors Hand.
„Nur für kurze Zeit“, sagte Amor und riss Psyche an sich. „Wenn du wüsstest, wie gerne ich noch bleiben würde …“
„Du musst gehen“, sagte Psyche mit gespielter Strenge. „Ich befehle es.“
„Oh, bitte schickt mich nicht fort!“, rief Amor übertrieben klagend und stieg aus dem Bett.
Psyche folgte ihm, immer noch seine Hand haltend. Es war geradezu unmöglich, diesem Wesen nicht zu vertrauen. Und doch wirkte es nicht real.
„Gewiss bist du kein Mensch…“, sagte sie. „Das wäre auch eine überzeugende Erklärung für all die Geschehnisse hier …“
Die Dunkelheit wurde eine winzige Schattierung heller, kaum wahrnehmbar für ein menschliches Auge.
Amor stürmte aus dem Schloss.

Mehr als ein Kuss

Psyche wartete schon seit Stunden. Wartete auf das Untier, das ihr versprochen hatte, nach Sonnenuntergang bei ihr zu sein. Das liebe, weiche, kuschlige Untier, das ihr seine Liebe gestanden hatte und sie die gesamte letzte Nacht über küsste, als würde es kein Morgen geben. Dann war es verschwunden wie jeden Tag.
Heute Nacht aber schien es nicht zu kommen. Ob ihm etwas passiert war? Unruhig schritt Psyche auf und ab. Sie konnte aufgrund der Dunkelheit längst nicht mehr erkennen, wohin sie trat, aber sie hatte sich die Gegebenheiten des Raumes gut eingeprägt und Überflüssige zur Seite geräumt.
Hier stand eine Kommode, da in der Mitte der Tisch, daran zwei Stühle. Auf dem Tisch duftete ein köstliches Mahl. Psyche hatte viel Zeit darauf verwendet, Speisen zu probieren, die die unsichtbaren Winde hervorzauberten, bis sie die schmackhaftesten Leckerbissen herausgeschmeckt hatte. Sie wollte ihr Untier damit überraschen. Sie wollte herausfinden, wie es hieß. Wie er hieß. Denn dass es männlich war, daran bestand keinen Zweifel. Sie wollte …
Psyche biss sich auf die Lippen. Ja, was wollte sie eigentlich? Auf jeden Fall spürte sie eine gewaltige Ungeduld in sich, so als ob sie platzen müsste, wenn das Untier nicht bald käme.
Sie tastete nach der Stuhllehne. Setzte sich. Fühlte über den Tisch, bis sie die Schale erreichte. Sie zog die Schale zu sich heran und tauchte den Finger hinein.
„Wir sind ein Liebespaar, würde ich sagen“, sagte Psyche und probierte die Speise.
Stille.
„Es ist so still hier“, sagte Psyche. „Könntet ihr nicht etwas lauter sein? Mit Geschirr klappern zum Beispiel, oder vielleicht kann auch mal ein Tor quietschen oder eine Tür? Es ist wirklich sehr still hier.“
Stille.
„Jetzt raschelt doch mal, ihr Winde!“
Ein Luftzug durchzog den Raum und gab ein leises Säuseln von sich.
„Oh, da seid ihr! Aber wo ist das Untier? Was meint ihr, wann das Untier heute kommt? Oder kommt es vielleicht gar nicht? Meint ihr, es kommt nicht, weil …“
Vor Psyches innerem Auge tauchte das Bild auf, das sie heute im Spiegel gesehen hatte. An Stelle des Untieres würde sie nicht zu diesem Ding zurückkehren, doch diesen Gedanken fand sie so entsetzlich, dass sie die Fäuste ballte und aufsprang.
„Nein!“, rief Psyche. „Ich will das nicht. Ich will das einfach nicht denken!“
Das Zersplittern von Tongefäßen, einige „Auas“ und „Autschs“ und ein eifriges Tapsen ließen Psyches Herz federleicht schlagen.
„Untier!“, rief sie und eilte zur Tür.
Und direkt auf der Schwelle fand sie das Untier, ließ sich von seinen Armen umschließen und an seine Brust drücken und atmete den warmen, würzigen Duft. Ließ sich die Stirn küssen und dann die Lippen.
„Es tut mir leid, meine Liebste“, flüsterte er. „Es tut mir so leid.“
Psyches lächelte bis sie über das ganze Gesicht grinste.
“Jetzt bist du da!“, sagte sie. „Ich habe dich so vermisst!“
„Ich dich auch“, wisperte das Untier und drückte seine Nase in ihr Haar. „Und du riechst so gut.“
„Du auch“, raunte Psyche. „Und ich habe etwas für dich vorbereitet!“
Psyche nahm die Hand des Untiers und führte es zum Tisch.
„Setz` dich“, sagte sie. „Wenn ich könnte, würde ich dir jetzt die Augen verbinden. Aber es ist stockfinster, daher brauche ich das nicht.“
„Was hast du vor?“, fragte das Untier. Psyche konnte die wohlige Spannung in seiner Stimme hören.
„Probier` mal“, sagte Psyche. Sie hatte sich gut eingeprägt, wo die verschiedenen Speisen standen. Vom würzigen Kuchen, den sie am ersten Tag im Schloss gegessen hatte, schnitt sie ein Stück ab und steckte es dem Untier in den Mund.
„Mh“, sagte es kauend. „Das schmeckt gut!“
„Wenn du das magst“, freute sich Psyche, „wirst du das hier lieben!“
Sie nahm etwas von der süßen Paste und strich sie auf ein dünnes Brot.
„Hier.“
Das Unter kostete bereitwillig auch diese Speise. „Süß“, sagte es. „Fast so süß wie deine Küsse.“
„Dann willst du vermutlich“, sagte Psyche, „diese Speise als nächstes ausprobieren.“
Und sie küsste das Untier, das sie auf seinen Schoß zog.
Als sich ihre Lippen berührten, wusste Psyche, was das Untier dachte. Es dachte nur an sie. Sie war überwältigt von der Liebe, die es für sie empfand. Und auch Psyche spürte dieses Gefühl, fühlte es fremd und schön, tauchte darin ein und wusste bald nicht mehr, wer sie war. Sie vergaß sich selbst. Immer dichter drängten sie aneinander. Ihre Münder verschmolzen zu einem Mund und bald atmeten sie denselben Atem. Ein und aus.

Das verzauberte Schloss

Kurz bevor Psyche das Gebäude betrat, hielt sie inne. Vielleicht war das eine Falle. Vielleicht würde sich, kurz nachdem sie eingetreten war, die Tür hinter ihr schließen und sich nie wieder öffnen. Vielleicht war das, was im Innern des Gebäudes war, genauso grauenhaft und schrecklich, wie es von außen schön erschien.
In diesem Moment schwang die große Flügeltür auf und bot Psyche den Blick in einen hohen, lichtdurchfluteten Eingangsbereich, der mit glänzenden Edelsteinen geschmückt war. Vögel schwirrten umher, zwitscherten und badeten vergnügt in der Fontäne eines Brunnens, der in der Mitte der Vorhalle stand.
Psyche war so gefangen von dem Anblick, dass sie ohne Nachzudenken eintrat. Staunend betrachtete sie die Wände, die in Gold und Silber glitzerten. Der Fußboden bestand aus abertausenden, winzigen Steinen, die bizarre Muster formten, Linien und Schlangen, Quadrate und Kreise.
Ein köstlicher Geruch erfüllte Psyches Nase. Es roch warm und süß und so intensiv, dass Psyche das Bild des Mahls direkt vor Augen stand: ein leckerer Kuchen, bestreut mit erlesenen Gewürzen und einem winzigen Blatt Minze, das den Geschmack der Speise krönte.
Von links und rechts fuhr ein Rascheln durch den Raum, das ließ die Edelsteine für einen Moment erklingen, umhüllte Psyche und führte sie durch das verzauberte Schloss, vorbei an Räumen voll seltsamer Kostbarkeiten, hin zu einer Tafel, die über und über bedeckt war mit Essen, auf einen Thron, wo sich Psyche wiederfand. Inmitten der Speisen duftete der Kuchen auf einem erhöhten Tablett.
Als Psyche das überreiche Menü erblickte, gab es für sie nur eine plausible Erklärung.
„Das Ungeheuer will mich mästen, um mich dann erst zu fressen!“
Unterdessen füllte sich ein Teller wie von selbst mit den Köstlichkeiten und stellte sich schwebend vor Psyche ab. Die Prinzessin betrachtete ihn ungläubig. Dann zuckte sie mit den Schultern, nahm einen Löffel und begann zu essen. Sie schlang alles hinunter, Bissen für Bissen, bis sie das Gefühl hatte, fast zu platzen. Es schmeckte köstlich.

Amor unterdrückte den Impuls, zur Wolke zu fliegen, auf der er das verzauberte Schloss für seine geliebte Prinzessin errichtet hatte. Sie durfte ihn auf keinen Fall sehen, auch wenn es ihm fast das Herz brach, dass er nicht bei ihr sein konnte. In seiner Vergangenheit hatte er so oft unbedacht gehandelt, jetzt musste er vernünftig werden. Auf keinen Fall durfte er Psyche in Gefahr bringen. Und die Gefahr, in die er sie bringen würde, wenn sie wüsste, wer er wirklich war, ließ ihn beinahe verrückt werden.
Außerdem musste er in Erfahrungen bringen, wie Apollo all die Frauen für sich gewinnen konnte, so ganz ohne Liebespfeile.
Deshalb hatte Amor beschlossen, zu Apollo zu fliegen, um von ihm ein paar Tipps über die Liebe einzuholen.
Schon von Fern blinkte Amor der Sonnenwagen Apollos entgegen.
„Hat er schon wieder eine neue Karre?“, dachte Amor neidisch. Sein Stiefvater Vulkanus schien in letzter Zeit nichts anderes mehr zu tun, als Wagen für Apollo zu bauen. Größer, schneller, breiter. „Kein Wunder“, dachte Amor missmutig, „wenn man einen Vater wie Jupiter hat, der all das bezahlen kann.“
Dann konzentrierte er sich darauf, Apollos Wagen anzusteuern und den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um drauf zu landen.
„Oh Shit!“
Amor purzelte kopfüber auf die Rückbank, wobei er ein paar seiner Federn lassen musste.
„Hallo Amor!“ Apollo dreht sich zu ihm um grinste. „Noch eine weitere Optimierung in punkto Pferdestärke und du kannst hier nicht mehr einfach so einfallen.“
Apollo ließ die Peitsche knallen und die Pferde wieherten. Vier riesige Tiere mit flammend hellen Mähnen und wilden Augen schlugen ihre Hufen.
„Ziemlich schnell, was?“
„In der Tat“, bestätige Amor, während er versuchte, seinen Kopf nach oben und seine Beine nach unten zu bekommen.
„Das is´n Phaeton, zehn Ellen lang. Üppiger Radstand, goldene Karosserie, kaum Schnörkel, dafür straffe Linien an den Seiten – das Teil hat Charakter. Die Sonne hängt auch etwas weiter hinten, ist nicht mehr so heiß hier. Zwei Pferdestärken mehr und er wäre perfekt!“
„Äh … ja“, sagte Amor. „Meinst du, ich kann vielleicht den alten Wagen haben?“ Mittlerweile hatte Amor sich aufgerappelt.. Der alte Wagen war zwar nicht mehr das neuste Modell, aber es war ein Wagen, kein Westwind, keine Wolke und vor allem keine niedlichen Flügel mit weißen (und ein paar hellrosa) Federn, die aufgeregt flatterten, wenn er flog.
Vielleicht war das Apollos Geheimnis in Bezug auf die Frauen, überlegte Amor. Sein schicker Wagen.
Apollo lachte. „Wieso willst du denn auf einmal einen Wagen?“
Amor druckste ein wenig herum.
„Also, ich habe eine Frage. Und du müsstest da eigentlich Bescheid wissen …“
„Na, dann raus damit!“
„So ein Wagen, die Mädchen, also, äh. Finden die das gut?“
Apollo drehte sich zu Amor um und musterte ihn skeptisch. „Was ist denn in dich gefahren?“
„Nichts. Ich dachte nur …“ Amor konnte nicht verhindern, dass eine verräterische Röte sein Gesicht überzog.
„Bist du …“, Apollo sah ihn kritisch an. „Du bist es. Du bist verliebt!“
„Äh. Nein!“, wehrte Amor ab und schüttelte kräftig mit dem Kopf. „Nein, nein, ich doch nicht, niemals. Aber ich dachte so, für den Fall eines Falles und mal angenommen es wäre so, dann … wie kriegt man ein Mädel rum?“
Apollo lachte. „Tja“, sagte er. „Also im Falle eines Falles und angenommen es wäre so, dann …“
Amor beugte sich noch ein Stückchen weiter vor.
„ … dann …“
Gespannt spitzte Amor die Ohren.
„ … dann …“
„Was dann?“, rief Amor ungeduldig.
„Dann würde ich an deiner Stelle einfach einen Liebespfeil auf sie schießen!“
Amor ließ sich wieder auf die Rückbank fallen.
„Haha. So weit wäre ich auch schon, im Falle eines Falles“, murmelte er enttäuscht.
Er lauschte einen Moment, ob Apollo nicht doch noch etwas zu sagen hätte. Doch der Sonnengott schwieg und Amor konnte selbst von hinten erkennen, dass er über beide Ohren grinste. Amor gab sich geschlagen.
„Also gut“, sagte er. „Angenommen, der Liebespfeil kann nicht richtig wirken … oder besser gesagt, ich hätte nie einen abgeschossen … Für dich habe ich auch noch nie einen abgeschossen. Wie stellst du das an?“
„Wieso sollte der Liebespfeil nicht wirken?“, fragte Apollo.
„Tut er einfach nicht!“
„Wer ist die Schöne?“
„Es gibt keine“, raunzte Amor.
„Aha.“
Amor ärgerte sich. Apollo glaubte ihm kein Wort. So ein Mist aber auch! Trotzdem. Er hatte den Rat bitter nötig. Also schluckte er seinen Ärger hinunter und versuchte es noch einmal.
„Wir sind doch Freunde. Ich brauche deinen Rat … Was ist dein Geheimnis? Ist es dein Wagen?“
Apollo drehte sich zu Amor um und musterte ihn neugierig. „Dir ist es ja verdammt ernst“, stellte er fest.
Amor blickte zur Seite und tat so, als hätte er Apollo nicht gehört.
„Also“, sagte Apollo und ließ die Peitsche knallen. „Bei mir bist du natürlich goldrichtig. Es gibt unzählige Möglichkeiten, eine Dame zu erobern. Ein Wagen ist hilfreich. Aber vor allem braucht man eine Strategie.“

Psyche konnte sich kaum noch bewegen, so vollgefressen war sie. Ihr Kleid spannte eng um den Bauch. Sie seufzte, als ihr ein weiterer köstlich gefüllter Teller entgegenschwebte und hob abwehrende den kleinen Finger.
„Ich danke euch, aber ich kann nicht mehr.“
Der Teller wirkte enttäuscht und verpuffte mit einem trockenen Knall. Genauso erging es den anderen Speisen, sie lösten sich nacheinander mit einem empörten „Popp“ in Luft auf.
„Hey, nicht so schnell!“ Psyche deutete schwach auf den leckeren Kuchen in der Mitte des Tisches. „Davon nehme ich doch noch ein Stück. Ein kleines …“
Sogleich befüllte ein Teller sich selbst und servierte Psyche fröhlich schwebend drei dicke Kuchenstücke.
Psyche nahm einen Löffel und verdrehte vor Entzückung die Augen.
„Oh ihr Götter“, keuchte sie. „Ist das gut!“
Während Psyche die Bissen in sich hineinstopfte, überlegte sie, ob sie sich nicht doch in den elysischen Feldern der Unterwelt befand. Dort sollte es angeblich an nichts mangeln. Eigentlich aber waren diese Bereiche für Krieger und Helden vorgesehen. Sie selbst hatte, soweit ihr bewusst war, in ihrem Leben keine Heldentaten vollbracht. Allerdings war es gewiss eine Leistung, all diese Leckereien zu verdrücken. Psyche schmunzelte. Wenn ihre Mutter sie sehen könnte!
Die hatte immer gesagt: „Kind, du musst auf deine Figur achten.“
Jetzt aber würde ihr gefüllter Körper möglicherweise als Leckerbissen für ein Ungeheuer dienen. Psyche verschluckte sich vor Schreck. Wie hatte sie vergessen können, dass dieses Schloss eine Falle war! Oh, ihr Götter, es war eine Falle und sie war hineingetappt, wie die Maus, die vom Käse angelockt wurde! Hustend und keuchend röchelte Psyche um Luft. Unsichtbare Hände schlugen ihr auf den Rücken und als das nichts half, rissen sie Psyche das Kleid vom Leib.