La Tercera Mano

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Eigentlich poste ich ja so gut wie nie was über Kunst, aber ab und zu packt es mich dann doch und ich möchte euch heute eine Künstlercombo vorstellen, die mich vor ein paar Stunden sozusagen umgehauen hat, als Amors Pfeil mich traf beim Anschauen der Bilder.

http://terceramano.tumblr.com/

Es sind surrealistische Werke mit teils magischen und/oder psychologischen Elementen, deren Stil an alte Kupferstiche und darin eingewobene Zeichnungen von Salvador Dalí erinnert.

Ich bin, ganz frühlingshaft, total verliebt und habe vorhin auf dem Flohmarkt ordentlich zugeschlagen. Morgen suche ich an meinem Schreibtisch einen schönen Platz für die Bilder.

Getraue mich nicht, die Bilder einfach hier auf dem Blog posten, daher bleibt auch ein Geheimnis, für welche der vielen ich mich entschieden habe, aber guckt ruhig dort auf Tumblr vorbei, ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.

 

Viele Grüße und einen guten Start in die Woche!

Eure

Runa

Nah an der Wahrheit

Nach einer unendlichen Weile teilten sich das eine Wesen, das sie geworden waren, wieder in zwei Hälften. Psyche fand sich selbst inmitten von Laken und Decken. „Wie sind wir ins Schlafzimmer gekommen?“
Amor kicherte und streifte Psyche mit seinem Flügel.
„Wir sind geflogen? Nun, genauso kam es mir zumindest vor.“ Psyche streckte genüsslich die Arme aus. „Dabei kenne ich nicht einmal deinen Namen!“
„Ich bin das Untier, dein Untier, um genau zu sein.“
„Ja, aber hast du keinen richtigen Namen? Wie nennen dich deine Eltern? Hast du Eltern?“
„Je weniger du über mich weißt, desto besser“, sagte Amor und legte seinen Arm um Psyche. „Und ich muss bald gehen, meine Liebste, sobald der erste Lichtfunke über den Horizont fliegt.“
„Wo … Wohin gehst du denn dann?“, fragte Psyche.
„Nun ….Ich geh arbeiten.“
„Du arbeitest? Wie kann das sein?“
„Jeder muss arbeiten.“
„Aber du hast doch diesen Palast, hier gibt es alles, was man braucht und ebenso viele Dinge, die man nicht braucht!“
Amor räkelte sich.
„Mag sein“, sagte er. „Aber: ich muss arbeiten. Leider. Meine Mutter will das so.“
„Du hast Eltern!“ Psyche triumphierte.
„Ja“, gab Amor zu.
„Wer sind sie, wie heißen sie?“
„Das bleibt mein Geheimnis. Aber seitdem ich dich kenne, macht mir mein Job sogar Spaß.“
„Ja?“
„Ja. Ich hätte nie gedacht, dass Liebe … alles so viel leichter macht. Das ganze Leben ist auf einmal so anders, so locker, so lustig, so … leicht.“
Psyche knuffte das Untier in die Seite. „Wenn alles so einfach ist, dann bleib doch hier.“
„Das geht nicht. Es wäre gefährlich.“
„Schade. Aber, – was genau arbeitest du denn?“
„Das ist schwer zu erklären, aber … Also. Äh. Ich jage.“
„Du bist ein Jäger?“
„Nicht so richtig, obwohl es dabei ums Bogenschießen geht.“
„Auf was zielst du?“
„Auf Lebewesen.“
„Auf Tiere?“
„Eher weniger.“
„Auf Menschen?!“
„Hm. Irgendwie schon.“
„Du tötest also Menschen?“
„Nein!“ Entsetzt richtete Amor sich auf.
Psyche blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich fasse zusammen: Du bist ein nicht so richtiger Jäger mit Eltern, über die ich nichts wissen darf, der in einem Palast wohnt, in dem merkwürdige Dinge passieren, der auf Menschen schießt …“
„Psyche, ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Ich weiß, das ist alles seltsam. Ich wünschte, ich könnte dir alles erklären. Aber ich kann dir nicht sagen, wer ich bin. Das geht nicht. Noch nicht. Vielleicht bald. Ich hoffe bald. Vertraust du mir?“
Amor bedeckte Psyches Hand mit Küssen.
Sie seufzte.
„Untier, ich will es glauben. Und ja, ich will dir auch vertrauen. Obwohl das, was gerade geschehen ist … Es war …“
„Ja?“, fragte Amor.
„Unglaublich“, sagte Psyche. Sie musste grinsen, aber Tränen füllten ihre Augen.
„Fand ich auch“, sagte Amor lachend. „Unglaublich gut. Wir sollten es öfter machen, um ganz fest daran glauben zu können.“
Psyche stimmte in sein Lachen ein, musste aber gleichzeitig Schluchzen.
„Was ist mit dir, meine Liebste?“, fragte Amor.
„Nichts“, sagte Psyche, doch ihre Tränen tropften auf die Bettdecke.
„Geht es dir nicht gut? Was kann ich tun?“, alarmiert sprang Amor auf.
„Untier“, sagte Psyche. „Es ist … nichts … nur diese Sache mit dem Glauben … Es ist, ich kann das irgendwie nicht glauben, mit uns, und ich habe Angst, dass du gehst, weil … weil …“
„Weil? Was ist los? Bitte sag es mir!“
„Ich … Ich bin … hässlich.“
„Du bist bitte: Was?“, fragte Amor.
„Ich bin hässlich!“, rief Psyche. „So hässlich, wie du es dir nur irgendwie vorstellen kannst. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, da musste ich einen Schleier tragen, weil man meinen Anblick nicht ertrug!“
„Das kann doch nicht wahr sein!“
„Doch“, sagte Psyche, „es ist wahr.“
„Aber ich liebe dich! Ich tu es, wirklich und echt. Ich werde dich auch in tausend Jahren noch lieben!“
„Aber wie kann das sein?“, fragte Psyche. „Mich wollte keiner haben. Keiner!“
„Und doch habe ich mich in dich verliebt, auf den ersten Blick habe ich mich in dich verliebt und hier her gebracht. Du und hässlich? Ich glaube, sie haben dich verhüllt, weil du so schön bist, Psyche“, sagte Amor und streichelte Psyches Gesicht. „Wunderschön.“
Psyche schniefte leise. „Meinst du wirklich?“
„Ja. Ich schwöre es bei meinem Leben. Doch jetzt muss ich gehen, meine Liebste.“
„Geh nicht“, sagte Psyche leise und schmiegte ihre Wange in seine Hand.
„Ich muss. Es tut mir leid, aber es geht nicht anders. Du darfst mich nicht sehen. Es ist zu deinem Schutz.“
„Aber ich habe Angst.“
„Hier passiert dir nichts“, sagte Amor. „Ich liebe dich und ich werde dich beschützen. Du bist hier sicher. Ich werde wiederkommen, ich verspreche es …“
Psyche küsste Amors Hand.
„Nur für kurze Zeit“, sagte Amor und riss Psyche an sich. „Wenn du wüsstest, wie gerne ich noch bleiben würde …“
„Du musst gehen“, sagte Psyche mit gespielter Strenge. „Ich befehle es.“
„Oh, bitte schickt mich nicht fort!“, rief Amor übertrieben klagend und stieg aus dem Bett.
Psyche folgte ihm, immer noch seine Hand haltend. Es war geradezu unmöglich, diesem Wesen nicht zu vertrauen. Und doch wirkte es nicht real.
„Gewiss bist du kein Mensch…“, sagte sie. „Das wäre auch eine überzeugende Erklärung für all die Geschehnisse hier …“
Die Dunkelheit wurde eine winzige Schattierung heller, kaum wahrnehmbar für ein menschliches Auge.
Amor stürmte aus dem Schloss.

Liebe und Pfeile

Psyche hörte, wie das Untier krachend und polternd aus dem Schloss stürmte. So schnell war es geflohen, dass sie gar nicht reagieren konnte. Entgeistert tastete sie nach der Bettkannte und setzte sich.
Warum war das Ungeheuer davon gelaufen, gerade in dem Moment, als sie von „Freundschaft“ sprachen? Hatte sie etwas falsch gemacht?
Psyche grübelte noch eine Weile, dann überkam sie ein tiefer Schlaf. Doch als sie am Morgen aufwachte, vertrieben selbst die hellen und schönen Sonnenstrahlen nicht die grauen Gedanken.
Die Prinzessin ließ sich ankleiden und beobachtete, wie sich aus dem Nichts ein duftendes Frühstück auf einem kleinen Tischchen an ihrem Bett bereitete. Die Speisen sahen köstlich aus, doch als Psyche sie probierte, schmeckten sie ihr nicht. Ungeduldig stand sie wieder auf, ging zum Fenster und öffnete es. Die Sonne schien warm und Psyche sog die Luft in sich ein.
„Untier!“, rief sie in den Garten hinein. „Untier?“
Es antwortete nicht. Es war nicht da. Dieses seltsame Wesen war tagsüber nicht da, denn sie sollte es nicht sehen. Warum eigentlich? Es hatte davon gesprochen, dass es gefährlich sei. Gefährlich aber erschien es Psyche ganz und gar nicht. Eher etwas unbeholfen und tapsig. Auch wenn es sie gestern gerettet hatte. Alleine hätte sie den Weg aus der Bibliothek nicht zurückgefunden.
Psyche schloss das Fenster. Vielleicht, überlegte sie, war das Untier ebenfalls hässlich und versteckte sich aus diesem Grund vor ihr.
Bestimmt war es hässlich, denn wie sonst könnte es sie lieben?
Das hatte es nämlich gesagt.
„Ich liebe dich.“
Psyche seufzte. Sie konnte es nicht glauben, so wie sie all das nicht glauben konnte, was ihr wiederfuhr.
Doch die Speisen sättigten, die Wärme der Sonne fühlte sich natürlich an und als Psyche sich in den Arm kniff, tat es weh.
Was also, wenn dies alles gar kein Traum war?
Was, wenn es echt war?
Was, wenn das Ungeheuer sie wirklich liebte?
Und sie, Dummerchen, hatte gestern nur davon gesprochen, dass das alles nur ein Traum wäre. Sie hatte das Ungeheuer – oder was auch immer es war – überhaupt nicht ernst genommen. Kein Wunder also, dass es einfach so verschwunden war. Im Prinzip war sein Verschwinden sogar ein Beweis für die … Wirklichkeit.
Psyche fühlte sich völlig erschlagen von der Erkenntnis und setzte sich zurück auf das Bett.
Da gab es jemanden, der sie liebte. Und sie war ein Dummkopf! Bestürzung machte sich in Psyche breit.
Sie legte hin und nutzte die Decke, um ihre aufsteigenden Tränen aufzufangen. Oh, wie sehr sie jetzt wünschte, dass dieser kleine Kerl zurückkam!

Die Pfeile flogen aus Amors Händen. Ablenkung war laut Apollo das beste Mittel, um sich von trübsinnigen Gedanken zu befreien. Verschwitzt strich sich Amor die Locken aus der Stirn, griff in seinen Köcher und zielte erneut. Er fühlte sich so angespannt wie der Bogen, den er hielt.
Die Arbeit besserte seine Laune kein Stück, im Gegenteil, seine Wut wuchs und wuchs mit jedem Pfeil, den er schoss.
Er traf die Menschen. Mitten in ihre Herzen. Genauso, wie er Psyche getroffen hatte. Und die Menschen, was taten sie? Sie fielen sich in die Arme und küssten unaufhörlich, stundenlang, Ewigkeiten!
So wie Psyche ihn geküsst hatte, doch dann …
Amor spuckte zu Boden auf eines der küssenden Paare unter seiner Wolke.
Die beiden blickten nach oben, als hätte sie ein Regentropfen erwischt. Sie lachten und verschwanden unter dem Umhang des Mannes, wahrscheinlich knutschten sie dort weiter.
Amor schnaufte verächtlich und herrschte die Wolke an, zur nächsten Stadt zu fliegen.
„Hey, du trainierst ja wie besessen!“, rief eine Stimme aus dem Äther. „Hast wohl Angst vor unserem Wettkampf!“
„Apollo“, knurrte Amor und blinzelte in die Sonne. „Heute Nacht mach ich dich platt!“
„Hoho!“, rief der Sonnengott von seinem Wagen, „Was sind das denn für Töne? Und was sind das für neue Muckis, mein Dickerchen?“
„Warte nur ab!“, rief Amor und hob drohend die Hand in den Himmel.
Der Sonnengott lachte, ließ einen Sonnenstrahl in Amors Oberarm zwacken und vollzog eine scharfe Rechtskurve gen Westen.
„Auf in den Untergang!“, rief er fröhlich. „Und bis gleich!“
„Ja ja, bis dann“, murrte Amor und blickte hinab in die Stadt. Auch hier: Nur Geknutsche. Überall! Es war kaum auszuhalten!
Kurz überlegte Amor, einige seiner bleiernen Pfeile auf die Menschen abzufeuern. Pfeile, die die Liebe vertrieben anstatt sie zu wecken. Ein bisschen Liebesleid würde vielleicht dafür sorgen, dass er sich selbst nicht mehr so alleine fühlte.
Doch als Amor den bleiernen Pfeil anlegte, und umherblickte, auf wen er ihn schießen sollte, konnte er sich nicht entscheiden. Auf wen sollte er schießen? Auf den blassen Jüngling? Auf das zarte Mägdelein? Wenn er es täte, würden sie niemals zueinander finden. Wären für immer getrennt. Würden niemals erfahren, wie bittersüß die Liebe sein konnte. Sie würden sich nie verlieben …
Amor seufzte und schüttelte den Kopf. Was nur war in ihn gefahren? Psyche war so lieblich und so süß! Nur das, was sie sagte, wollte so gar nicht zu ihr passen. Wahrscheinlich, überlegte Amor, hatte er etwas falsch verstanden. Bestimmt war es so, denn anders konnte es nicht sein. Psyche musste ihn lieben,  – denn es bestand kein Zweifel daran, dass seine Pfeile funktionierten.
Beruhigt ließ Amor seinen Bogen sinken und legte den bleiernen Pfeil zurück in den Köcher. Er beschloss, sich wegen all der Aufregung ein paar Schlucke aus der Amphore seines Lieblingsweines zu gönnen, bevor er mit Apollo in den Wettstreit trat.

Wo die Liebe hinpikst …

„WAS?“ Wie von einer Biene gestochen fuhr Amor empor. „Was war das?“, keuchte er.
„Ein Ungeheuer“, sagte Pluto.
„Oh nein!“
„Das war ein Scherz, du Schlafmütze. Wir sind da. Draußen kreischt die angeblich Schöne.“
Amor atmete auf und erhob sich.
„Gefällt sie dir?“, fragte er.
„Überhaupt nicht“, sagte Pluto missmutig und löste seinen Blick vom Ausguck. „Ein Steinbrocken wäre reizender als diese … Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine Frau ist.“
„La… lass mal sehen“, sagte Amor und schielte durch die kleine Öffnung.
„Ich werde mich nur in eine Frau verlieben, die so schön ist, dass ich für sie Blumen pflücke!“, hörte er Pluto noch sagen.
Es fiel Amor schwer, seine Gedanken zu fassen, als er durch das kleine Loch in der Wolke sah. Um ihn herum schien sich alles zu drehen, mindestens aber zu schwanken. Er nahm sich vor, nie wieder so viel Wein zu trinken.
Und dann fiel ein Zauber auf ihn, der seinen ganzen Verstand in Besitz nahm.
Denn die Prinzessin war das schönste Erdenkind, das er jemals erblickt hatte. Schwarz wie der nächtliche Himmel war ihr Gewand, ihre Augen waren hell wie der Morgen der aufgehenden Sonne, ihr Haar aber war golden wie das Licht der Sterne. Glanz und Liebreiz umgaben sie. Und ein funkelndes Leuchten strahlte durch ihren Bart.

Boah“, stammelte Amor ungläubig und sah noch einmal hin. Das Bild blieb bestehen.
„Oh!“, keuchte Amor.
„Ich muss zurück in den Tartarus“, brummte Pluto und begann, die Wolke zu wenden. „Ich bin schon viel zu lange fort … für nichts!“
„Das nennst du Nichts?“, rief Amor. „Die Prinzessin ist wunderschön! Wir gehen nicht ohne sie!“
„Bist du verrückt geworden?“, fragte Pluto.
Amors Augen blitzten. „Wir nehmen sie mit!“
„Du hast wirklich zu viel getrunken“, schloss Pluto. „Das kann nicht dein Ernst sein.“
„Ich habe mich selten so nüchtern gefühlt“, sagte Amor drohend.
Pluto begann zu Schmunzeln.
„Nun, mein kleiner Freund, wundert es dich gar nicht, dass du auf einmal so nüchtern bist? Dagegen angefüllt mit Eifer, Feuer und Leidenschaft für eine, ich sage es mal freundlich, eher unscheinbare Prinzessin?“
„Sie ist wunderschön!“
„Wo ist eigentlich dein Pfeil?“
Amor blickte Pluto fragend an. Er spürte den Impuls, die Wolke abzusuchen, doch klammerte sich wie ein Ertrinkender an den Ausguck.
„Er steckt in dir, du Trottel“, schloss Pluto und lachte grollend. „Wie auch immer du das angestellt hast, es ist faszinierend! Ein verliebter Liebesgott!“
Amor hörte Pluto kaum. „Sieh nur, die Prinzessin. Sie friert … und sie hat Angst!“
„Was wird deine Mutter dazu sagen?“, fragte Pluto mit Grabesstimme.
Amor seufzte, nicht imstande, den Blick von Psyche zu lösen.
„Ich muss sie retten“, flüsterte er.
Pluto rieb sich die Hände. „Na, dann los, Kleiner!“

 

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FROHE WEIHNACHTEN!!! 🙂

 

Runa Phaino