Wenn Wünsche sich erfüllen …

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Pluto trat einen Schritt zurück und berührte Amor leicht am Arm. „Du hast sie gehört. Würdest du, bitte?“

Amor seufzte. Wahrscheinlich gab es niemanden, der Liebe nötiger hatte als dieses Paar. Er zog den Pfeil aus dem Köcher. Seine goldene Spitze erhellte die Dunkelheit. Es war lächerlich leicht, die beiden ins Herz zu treffen, aber der Schuss kostete ihn Überwindung.

In diesem Moment trat ihm das Bild vor Augen, wie er Psyche zum ersten Mal gesehen hatte. Psyche und ihren wunderschönen Bart.

Ich kann nicht“, sagte Amor und ließ den Pfeil wieder sinken.

Die Frau hustete und knüpfte sich das schmutzige Hemd auf. „Mach schon“, sagte sie leise. „Oder soll ich darum betteln?“

Tu, was mein Schatz verlangt!“, rief Pluto aufgeregt, stellte sich neben seine Frau und tat es ihr gleich.

Amor legte an und schoss.

Als der Pfeil in ihr Herz drang, faltete sie die Hände über der Brust und atmete tief aus. Pluto stolperte zurück, als hätte ihn ein Felsbrocken getroffen und sank auf die Knie.

Mein Schatz. Ich hoffe, du kannst mir irgendwann verzeihen. Ich hätte dich nicht so behandeln sollen. Wie konnte ich nur! Ich meinte es nicht böse, ich bin … , ich wusste es nicht besser …“

Die Frau richtete sich auf und klopfte sich den Schmutz vom Kleid. Die verfilzten Haare strich sie hinters Ohr.

Die Tage im Kerker haben mich völlig unansehnlich werden lassen! Ich brauche meine Salbe. Beschaffe mir gemahlene Diamanten, Sternenstaub und erlesenes Rosenöl!“

Das ist teuer und schwer zu beschaffen“, murmelte Pluto, während er den Saum ihres Gewandes küsste.

Tu es, oder ich verlasse dich!“

Nein!“, rief Pluto entsetzt. „Ohne dich müsste ich sterben!“

Mach dich nicht lächerlich, du bist der Gott des Todes.“

Aber ich liebe dich so sehr!“

Dann beschaffe mir die Zutaten. Beschaffe mir alles, was ich brauche. Alles. Hörst du? Sorge außerdem dafür, dass dieses, unser Reich, etwas behaglicher wird. Es ist so dunkel hier. Ich will einen Palast aus weißem Alabastermarmor, ich will feine Stoffe, ich will Sonnenlicht, ich will einen Garten!“

Oh meine Liebste“, sagte Pluto kleinlaut.

Tu es, oder ich gehe!“

Meine Schönste, meine Klügste, meine Königin, ich werde alles tun, was ihr verlangt!“

Nenne mich „eure Majestät““.

Jawohl, eure Majestät.“

Amor schüttelte den Kopf. Was für ein verrücktes Paar.

Doch statt zu lachen, musste er plötzlich schluchzen. Denn er dachte an Psyche und daran, wie er sie verlassen hatte. Im Vergleich zu dem, was hier vorgefallen war, schien ihre Liebe leicht wie eine Feder und unschuldig wie frisch gefallener Schnee. Er fühlte sich kaltherzig und grausam und hasste sich für seinen Entschluss.

Plutos fester Griff riss ihn aus seinen Gedanken.

Hör auf zu heulen! Ich besorg jetzt diese Zutaten für die Salbe und du, mein Freundchen, gehst schön zurück zu deiner Mama.“

Halt, nein!“, rief Amor. „Bring mich zu Psyche!“

Doch da hatte Pluto ihn schon in sich aufgesaugt und zurück in sein Kinderzimmer gespuckt. Die Tür war noch immer verschlossen und ließ sich nicht erweichen, egal wie oft Amor dagegentrat.

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Ceres

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Pluto verschränkte die Arme und blickte zufrieden drein.
„Ich will sie oder keine.“
„Pah“, sagte Amor und rollte sich auf die Seite, um den verliebten Pluto nicht länger ansehen zu müssen. „Das dachte ich auch mal. Aber Liebe gibt es nicht. Egal wie stark die Gefühle zu Anfang sein mögen. Zum Schluss wirst du nur verraten …“
„Blödsinn“, entgegnete Pluto. „Du kommst jetzt mit mir in die Unterwelt.“
„Oh ja“, sagte Amor und streckte Pluto seine Hände entgegen. „Endlich! Töte mich!“
Kopfschüttelnd zog Pluto Amor aus dem Bett. „Nicht um zu sterben. Meine Liebste ist dort. Die Schönste und Bezaubernste von allen, mein Herzelchen, mein Augenstern!“

Die Erkenntnis erhellte Psyches Herz, genauso wie die Sonne, die gerade ihre Strahlen über die Lichtung schickte.
„Es ist wahr“, sagte Psyche. „Ich liebe ihn. Ich muss ihn sehen. Es kann nicht einfach so vorbei sein!
Ich habe einen Fehler gemacht. Ich war unvorsichtig, unbedacht. Das alles ist wahr. Aber ich liebe ihn. Und das ist das einzige, was zählt. Ich werde ihn finden, und wenn es das letzte ist, was ich tu.“
So stand Psyche an diesem Morgen auf. Tief und fest hatte sie geschlafen, bedeckt von dichten Spinnenweben auf einem kleinen Hügel aus Moos.
„Dank euch ihr Nymphen und Faune, Dank auch dir, Pan“, flüsterte Psyche und wischte sich mit dem morgendlichen Tau den Schlaf aus den Augen. Und dann schritt sie über die Wiese, die im Sonnenlicht glitzernder funkelte als ein Kristallpalast.
Es gab nur einen Weg, wie sie Amor wiederfinden konnte. Sie musste die Götter selbst aufsuchen. Der Gedanke daran ließ sie erschaudern. Aber blieb ihr eine andere Wahl? Sie wollte, wenn es nötig war, bis ans Ende der Welt gehen, um Amor noch einmal zu sehen.
Psyche entdeckte einen schmalen Weg, dem sie folgte, bis sie in eine kleine Siedlung gelangte. Sehnsüchtig betrachtete sie die Eingänge zu den Tavernen, roch gebratenes Fleisch und hörte, wie Wein aus Schläuchen in Krüge gluckste. Während Psyche noch darüber nachdachte, wie sie es anstellen wollte, an etwas Essbares zu gelangen, stolperte sie auf einmal über einen Krug, der umgefallen war und aus dem sich eine Menge Korn ergoss. Nicht weit davon entfernt, zwischen zwei kleinen Häusern, hockte eine vermummte Gestalt, die bitterlich weinte.
Niemand der Menschen aus der Siedlung schien von ihr Notiz zu nehmen. Alle gingen vorbei. Psyche aber schaufelte das Korn, das aus dem Krug hinausgeflossen war, mit beiden Händen zurück und stellte ihn neben die Frau.
„Sehr her, Mütterchen“, sagte sie. „Es ist doch alles wieder gut.“
Die Alte aber antwortete nicht, sondern schluchzte.
Da setzte sich Psyche eben sie, eben wie es Pan bei ihr getan hatte, legte ihr eine Hand auf den Rücken und fragte:
„Was ist es denn, das euch so sehr auf dem Herzen liegt?“
Die Alte beruhigte sich etwas, schien erst jetzt wahrzunehmen, dass Psyche da war und ergriff ihre Hände.
„Ich danke dir, mein Kind“, sagte sie. „Du musst ein gutes Herz haben, dass du mir hilfst. Dass du dich um die Gabe kümmerst, die hier achtlos auf dem Weg lag. Ich danke dir.“
Psyche zuckte mit den Schultern. „Das ist doch selbstverständlich.“
„Es ist nicht selbstverständlich, dass man mich sieht“, widersprach die Alte und blickte Psyche an. Ihr Gesicht wirkte unerwartet jung, ihr Haar hatte die Farbe von goldenem Korn, in ihren Augen meinte Psyche für einen kurzen Moment den Himmel zu sehen, so wie er aussah kurz vor Einbruch der Dunkelheit.
Dese Frau wirkte nicht wie ein schwaches Mütterlein.
„Wer bist du?“, fragte Psyche.
„Du scheinst einen feinen Sinn für das Luminose zu haben. Nur wenige können uns Götter sehen. Ich bin Ceres.“
Psyche schluckte. Ceres war die Göttin der Fruchbarkeit, des Ackerbaus und der Ehe. Seltsam, dass sie ihr begegnete. Das konnte kein Zufall sein.
„Ich … ich kannte Amor“, sagte Psyche erklärend. „Ich suche ihn!“
„Amor?“, fragte Ceres verblüfft und verengte dann die Augen. „Bist du die, für die ich dich halte? Bist du Psyche?“
Psyche nickte hoffnungsvoll.
Doch Ceres Blick verdunkelte sich.
„Ich kann dir nicht helfen. Es tut mir leid. Venus ist meine Freundin und sie ist so zornig auf dich. So zornig, wie sie es auf keinen Menschen war.“
„Aber warum?“
„Sie duldete es nicht, dass ihr Sohn eine Sterbliche liebt.“
„Er liebt mich?“
„Er ist krank vor Kummer“, antwortete Ceres. „So wie es eben ist, wenn man jemanden verliert, den man liebt …“ Und wieder begannen die Tränen von Ceres Wangen zu rinnen. „Ich weiß, wie das ist, denn ich suche meine Tochter.“

Herz und Märchen – für nur 1,49 €

Herzcover

 

Das Herzmärchen der Spinnerin passt ganz vorzüglich zu den derzeitigen kalten Temperaturen, beginnt es doch mit Schnee und Eis … und dann geht es auf in wärmere Gefilde, wo es sogar einen sprechenden Kaktus gibt.

Seit ein paar Tagen kann das Märchen für 1,49 Euro hier bei Amazon und bei allen anderen bekannten Stores (Googleplay, Thalia, Weltbild … ) gekauft und heruntergeladen werden.

Vielleicht wird das Büchlein sogar einst die kostenpflichtigen Top-Charts erklimmen. Das wäre doch was.   😀

Herzlichst!

Runa Phaino

 

 

 

 

 

Das Herzmärchen der Spinnerin – IST ERHÄLTLICH!!!

Cover 2

Hallo ihr Lieben!

Das obige Cover hat gewonnen. Wer genau hingesehen hat, konnte das auch schon bei meinem letzten Post erkennen.

Tut mir leid für jeden, der das andere Cover bevorzugte. Ich fand es auch sehr schön! Aber dieses passt noch besser und hatte auch mit Abstand die meisten Stimmen.

Doch was noch viel besser ist: Heute habe ich erfahren, dass es mein Buch im Handel gibt! Nur als eBook, wie gesagt, aber in allen gängigen Shops müsste es erhältlich sein. Wer also mag, könnte … oder anders gesagt: Kauft!!! 😀

An dieser Stelle auch noch mal ein großes Dankeschön an euch, denn ich bin mir sicher, dass ich mich diesem Schritt nie getraut hätte, wenn hier nicht so viele Menschen mein “Geschreibsel” lieb aufgenommen und kommentiert hätten.

Mittlerweile hat sich der Blog etwas verändert und das “Geschreibsel” gibt es nicht mehr, dafür aber die Kategorie Kurzgeschichten, wo ihr, wenn ihr mögt, alle noch einmal nachlesen könnt. Es werden mit Sicherheit auch noch ein paar dazu kommen, allerdings werde ich mich jetzt verstärkt um die eBooks “kümmern”. (Man bedenke, manch Selfpublisher hat schon zwanzig oder mehr Werke publiziert! Unglaublich!)

Das aktuelle eBook “Das Herzmärchen der Spinnerin” ist übrigens aus einer Kurzgeschichte “herausgewachsen”:

https://lehmofen.wordpress.com/2015/05/11/das-herz-des-zackenbarsches/

Anfang November finden an dieser Stelle “Amors Abenteuer” statt! Live und in Farbe, sozusagen. Ich bin sehr gespannt, wie es sein wird, kontinuierlich an einem Stück zu schreiben, mit dem ich schon eine Weile in meinem Kopf spazieren gehe.

Auch dieses Werklein basiert auf bisher veröffentlichten kürzeren Episoden dazu. Wer mag kann hier schon (oder noch) einmal reinlesen:

https://lehmofen.wordpress.com/2015/07/25/amors-abenteuer/

Viel Freude beim Lesen, fühlt euch gedrückt (wenn ihr wollt) und auf bald!

Eure

Runa

(die sich ganz zufrieden jetzt ein Gläslein Wein einschenken wird)