Flora und Chloris

SelfhtmlBy Harold H. Piffard (Original artist)Restoration by Adam CuerdenUniversity of Victoria Digital Collections, Public Domain, Link

Memento mori, Mensch.

Diese Worte sind vielen bekannt, wenige aber wissen, was sie bedeuten. Sie sind lateinischen Ursprungs und wurden im römischen Reich ständig wiederholt. Wie ein Mantra. Memento mori, memento mori, memento mori, …
Es gab einen festen Zeitpunkt, wann diese Worte gesprochen wurden und einen klaren Adressaten. Ein Priester (oder Sklave?) flüsterte sie dem Feldherren siegreicher Truppen ins Ohr.
Die Worte waren also eigentlich nix für die Allgemeinheit, auch wenn sie heute im kollektiven Bewusstsein rumschwirren, denn viele kennen sie. Ursprünglich galten sie nur einer einzigen, äußerst starken und mächtigen Person: Dem obersten Befehlshaber der römischen Legionen, der sie zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt hörte:

Am Tage seines Triumphes.

Was sind die Hintergründe?

Für einen Triumphzug war es den römischen Oberbefehlshabern ausnahmsweise erlaubt, ihr Heer in die Stadt zu führen. Caesar hat sich nicht mehr dran gehalten und sein Adoptivsohn Augustus wurde dann zum Regelbrecher schlechthin, aber das ist eine andere Geschichte.
Lange Zeit galt es, die militärischen Angelegenheiten, all diesen Tod und das Blut, aus Rom auszulagern. Zu einem Triumphzug aber durften alle Soldaten in die Stadt kommen.

Der Feldherr, der die Legionen in den Sieg geführt hatte, wurde an diesem Tag gefeiert wie ein Gott und seinen Untergebenen ging es auch nicht schlecht.
Es gab erstklassige und zweitklassige Triumphe. Die Erstklassigen führten über das römische Forum und mitten durch die Stadt. Da, wo der Marmor blitzte und glänzte, die Leute aus den oberen Reihen Blumen schmissen und sich reiche Senatorenfrauen die Lippen leckten.

Memento Mori.

Inmitten des Triumphzuges fuhr der Feldherr auf einer Quadriga, einem Viergespann (einem Wagen, mit vier Pferden davor). Sowas kann man heute zum Beispiel noch hier, aber auch an vielen anderen Orten der Welt, bewundern:

Selfhtml Berlin, Brandenburger Tor, Detail. By א (Aleph)Creator: Johann Gottfried Schadow – Own work, CC BY-SA 2.5, Link

Als allererstes schritten die ehrwürdigen Senatoren voran. Dahinter gingen Künstler, Musiker und Maler, die die wichtigsten Etappen der Schlacht auf großen Leinwänden darstellten und beschrieen, ihnen folgte die Beute des Raubzuges: wilde Tiere, Gefangene, Gold und Silber und andere Wertgegenstände.
Ein bisschen muss man sich das wohl vorstellen, wie bei einem Karnevalsumzug, allerdings galt eben das ganze Spektakel allein dem Feldherren, der in der Mitte des Triumphes war – und natürlich seinen Soldaten.

Memento mori.

Die Soldaten liefen ihrem Feldherrn auf der Quadriga hinterher, bildeten also den Schluss des Zuges.
Ihnen war es ausnahmsweise erlaubt … vielleicht kann man auch sagen: Vom Publikum ausdrücklich gewünscht …, dass sie ihren Chef einmal so richtig durch den Kakao zogen. Also verspotteten.

Von Caesar weiß man, dass er wohl schon in jungen Jahren sein Haupthaar verloren hatte. Sueteon überliefert folgenden Ausruf, den die Soldaten bei seinen Triumphen buhten:

„urbani, servate uxores: moechum calvum adducimus“

„Städter, sperrt die Frauen ein! Wir bringen euch den glatzköpfigen Lustmolch!!!“

Die Frage ist, wie man moechus übersetzt. Zu deutsch „Lustmolch“, oder „Ehebrecher“, passt schon ganz gut, aber ich vermute, da gibt es einen tieferen Zusammenhang, wenn man sich das mal bildlich vorstellt.

Memento mori.

Während des Triumphzuges hörte der Feldherr immer wieder diese Worte.

Bedenke, dass Du sterblich bist.
Mensch, gedenke deiner Sterblichkeit.
Du sollst dich erinnern, dass Du sterben wirst.

Na ja, und dann guckte man(n) halt wieder auf all die schönen Blumen und Blüten, die aus den oberen Etagen herabgeschmissen werden.

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By Margo AlisonOwn work, CC BY-SA 4.0, Link Flora, modern.

Selfhtml By Anselm Feuerbach – http://www.bildindex.de/document/obj00052914, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3245130

Selfhtml Flora 19. Jahrhundert.

By Edward Burne-Jones – repro from artbook, Public Domain, Link

Selfhtml Flora, 16. Jahrhundert.
By Enea Vico (Italy, Parma, 1523-1567) – Image: http://collections.lacma.org/sites/default/files/remote_images/piction/ma-31880853-O3.jpgGallery: http://collections.lacma.org/node/171059, Public Domain, Link

Selfhtml Chloris.

By Ntennis – English wikipedia, Public Domain, Link

Selfhtml Zephyr und Chloris.

By Sandro BotticelliWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

Selfhtml Aus Chloris wird Flora.

By Sandro Botticelli – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.Extract to File:Sandro Botticelli 038.jpg, Public Domain, Link
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By Sandro Boticelli – Uffizi Gallery, Public Domain, Link

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Mosaik Flora(?), ohne Datum. By JerzystrzeleckiOwn work, CC BY 3.0, Link

Selfhtml Hochzeit von Zephyr und Chloris, ca. 50 n. Chr. By original file by Stefano BologniniFile:Affreschi romani – pompei – nozze zefiro e clori.JPG, Attribution, Link

SelfhtmlFlora, Fresco aus Stabiae, ca. 1 Jh. n. Chr. By unknownOwn work, Public Domain, Link

Flora, um die der Artikel heute handelt, ist die römische Göttin des Frühlings – und der Getreide-Blüte. 😉 Auf den obigen Bildern ist manchmal auch Chloris zu sehen. Flora und Chloris sind ursprünglich dieselbe, also Flora war mal Chloris – und wie man auf dem Bild von Botticelli sehr gut erkennen kann, verwandelt sich Chloris durch die Annäherung vom Zephyr (der in meinem Roman übrigens auch eine Rolle spielt) in Flora.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Irgendwann mal las ich, dass Botticellis Primavera (der Frühling), das am meisten gekaufte Bild überhaupt ist, aber so richtig interpretiert hat es noch keiner (auch wenn es einige Ansätze gibt).
Wer sich für die Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze des Bildes interessiert, der kann sich auf den folgenden Seiten dazu einlesen. Am meisten interessiert mich aber eure persönliche Ausdeutung des Bildes, ganz ohne Bezug zu den Interpretationen, wenn es eine gibt. Kurzum: wer mag, darf und soll mir bitte gerne einen Kommentar dazu hinterlassen! Ich bin soooo gespannt!!!

https://de.wikipedia.org/wiki/Primavera_(Botticelli)

http://www.kunstdirekt.net/Symbole/allegorie/botticelli/fruehling/allegorie-fruehling.htm

https://wize.life/themen/kategorie/kultur/artikel/34639/kunst-verstehen-mit-grazie-viel-erotik-und-sandro-botticelli-in-den-sanften-fruehling-…

Hier das Bild noch mal:

SelfhtmlBy Sandro Boticelli – Uffizi Gallery, Public Domain, Link

Bei all den Ausdeutungen, Blumen und Blüten, kommt mir übrigens noch ein anderer schöner Spruch (von Horaz) in den Sinn:

Carpe Diem.

Pflücke den Tag.

Ein paar abschließenden Worte.
Abschließend, weil die Reihe „komische Götter“, so langsam zu Ende geht. Am 11.12. erscheint, wenn alles klappt, mein Buch. Bis dahin gibt es noch drei Donnerstage und drei Beiträge zur Göttin Diana, zum Goldenen Esel und zu Apuleius. Der Goldene Esel, by the way, ist das Buch von Apuleius, aus dem auch „Amor und Psyche“ stammen.
Ich möchte gerne die historischen Hintergründe beleuchten und dann werde ich ein wenig in der Versenkung verschwinden. Ich plane einen Umzug (ich hatte es vor einem Jahr schon mal angekündigt, aber jetzt ist die Zeit) und außerdem werde ich – mit dem Wissen der “komischen Götter”-  ein neues Buch schreiben.

Seid herzlichst gegrüßt!

Eure

Runa
Phaino

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Kummer und Sorge

sculpture-1801600_1920Als die Sicht wieder klar wurde, erkannte Psyche eine riesige, rosafarbene Wolke, auf die ein riesiger Palast gebaut worden war.

Wie ist das möglich?“, fragte Psyche.

Vorwärts!“, rief Liebeständelei und gab Psyche einen Stoß in den Rücken.

Mit großen Schritten bewegten sie sich auf das Schloss zu. Auf einer Empore über dem Eingang stand die Göttin. Ihre Schönheit war so gewaltig, dass sie den Sonnenuntergang überstrahlte. Doch nichts täuschte darüber hinweg, dass sie zornig war.

Was bist du nur für ein hässliches, widerwärtiges Ding!“, rief Venus vom Balkon hinab. „Glaube ja nicht, dass ich mich erweichen lasse, weil du meinen Enkel unter dem Herzen trägst. Kummer! Sorge! Ins Verließ mit ihr! Lasst sie genauso leiden, wie mein Sohn es tut!“

Die Flügeltüren des Palastes öffneten sich und hinaus trat ein junges Mädchen. Das Haar fiel ihm lose ins Gesicht, sein Gewand war fleckig und zerrissen. Es kümmerte sich nicht darum, was es von sich zeigte. Gebückt ging es, als ob es eine gewaltige Last tragen würde. Immer wieder wischte es sich die Augen.

Ihm folgte eine alte Frau. Sie blickte gerade heraus und stützte sich beim Gehen auf einen Stock. Ihre Stirn wirkte zerfurcht, ihr Gesicht von tiefen Falten durchzogen. Obwohl sie den Mund zu einer Art Lächeln verzog, zeigten die Mundwinkel hinab.

Hastig band Liebeständelei Psyches Arme los und wich ein paar Schritte zurück. Das kleine Mädchen nahm Psyches Hand, die alte Frau legte eine Hand auf ihre Schulter.

Und in diesem Moment schwand Psyches Mut und jede Hoffnung. Sie fühlte sich schwach und leblos. Ihr Vorhaben war zum Scheitern verurteilt. Was sollte sie schon ausrichten gegen den Willen einer Göttin? Sie hatte Amor zutiefst gekränkt. Nie würde er ihr verzeihen. Nichts war sie im Vergleich zu all dem, was sie umgab. Selbst der Schmutz im Verließ war wertvoller als sie. Und schöner.

Psyche sank gegen die kalte Mauer des Kerkers. Kummer und Sorge überwältigten sie und sie hatte nicht einmal mehr die Kraft zu weinen.

 

Mut und Liebeständelei

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In der Nähe der kleinen Stadt Lindos gab es einen alten Tempel, welcher der Göttin Venus geweiht war. Es war ein Weg von drei Tagen, der durch eine karge Landschaft führte. Psyche trank nicht, sie aß nicht, machte nirgendwo Halt. Sie achtete nicht auf ihre schmerzenden Füße, sie kümmerte sich nicht um ihre kaputten Glieder.

Ich bin glücklicher, als ich es im Schloss war“, stellte Psyche dabei fest. „Es tut gut zu wissen, was man will.“

Am Abend des dritten Tages stand sie endlich vor den gewaltigen Marmorsäulen, die den Eingang zu Venus Heiligtum markierten. Tapfer betrat sie den Tempel.

Innen war es leer und still, die Priester hatten sich von dem Tagesgeschäft zurückgezogen. In einer Kuhle in der Mitte loderte ein Feuer. Ringsum standen Gaben für die Göttin. Große Amphoren mit Wein, Kleider und Papyrusblätter, auf die Menschen ihre Wünsche geschrieben hatten.

Ich bin hier!“, rief Psyche. „Ich bin hier und ich bin die, die du suchst, Venus!“

Aus dem Gemäuer löste sich ein dunkles Etwas. „Hab ich dich!“, rief es. „Da wird sich meine Herrin freuen!“

Das Wesen hatte grelle, rote Lippen und kohlrabenschwarz umrandete Augen. Es trug eine knappe Tunika mit tiefem Ausschnitt.

Bist du eine Priesterin?“, fragte Psyche verwirrt.

Weit gefehlt“, rief das Wesen, stürzte zu Psyche und fesselte ihr die Arme auf den Rücken. „Mein Name ist „Liebeständelei“ und ich bin der Liebling von Venus!“

Dann bringe mich zu ihr, denn deswegen bin ich hier.“

Liebeständelei zupfte an Psyches Haar und kicherte vergnügt. „Diese kleine Heldeneinlage wird dir nichts nützen. Sie wird dich bestrafen. Ganz böse bestrafen! Und mich wird sie belohnen, ganz gut belohnen!“

Sie ließ ein eigenartiges Trällern verlauten und aus dem Nichts entstand ein Nebel, der sie einhüllte und in die Höhe hob.

Wenn Wünsche sich erfüllen …

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Pluto trat einen Schritt zurück und berührte Amor leicht am Arm. „Du hast sie gehört. Würdest du, bitte?“

Amor seufzte. Wahrscheinlich gab es niemanden, der Liebe nötiger hatte als dieses Paar. Er zog den Pfeil aus dem Köcher. Seine goldene Spitze erhellte die Dunkelheit. Es war lächerlich leicht, die beiden ins Herz zu treffen, aber der Schuss kostete ihn Überwindung.

In diesem Moment trat ihm das Bild vor Augen, wie er Psyche zum ersten Mal gesehen hatte. Psyche und ihren wunderschönen Bart.

Ich kann nicht“, sagte Amor und ließ den Pfeil wieder sinken.

Die Frau hustete und knüpfte sich das schmutzige Hemd auf. „Mach schon“, sagte sie leise. „Oder soll ich darum betteln?“

Tu, was mein Schatz verlangt!“, rief Pluto aufgeregt, stellte sich neben seine Frau und tat es ihr gleich.

Amor legte an und schoss.

Als der Pfeil in ihr Herz drang, faltete sie die Hände über der Brust und atmete tief aus. Pluto stolperte zurück, als hätte ihn ein Felsbrocken getroffen und sank auf die Knie.

Mein Schatz. Ich hoffe, du kannst mir irgendwann verzeihen. Ich hätte dich nicht so behandeln sollen. Wie konnte ich nur! Ich meinte es nicht böse, ich bin … , ich wusste es nicht besser …“

Die Frau richtete sich auf und klopfte sich den Schmutz vom Kleid. Die verfilzten Haare strich sie hinters Ohr.

Die Tage im Kerker haben mich völlig unansehnlich werden lassen! Ich brauche meine Salbe. Beschaffe mir gemahlene Diamanten, Sternenstaub und erlesenes Rosenöl!“

Das ist teuer und schwer zu beschaffen“, murmelte Pluto, während er den Saum ihres Gewandes küsste.

Tu es, oder ich verlasse dich!“

Nein!“, rief Pluto entsetzt. „Ohne dich müsste ich sterben!“

Mach dich nicht lächerlich, du bist der Gott des Todes.“

Aber ich liebe dich so sehr!“

Dann beschaffe mir die Zutaten. Beschaffe mir alles, was ich brauche. Alles. Hörst du? Sorge außerdem dafür, dass dieses, unser Reich, etwas behaglicher wird. Es ist so dunkel hier. Ich will einen Palast aus weißem Alabastermarmor, ich will feine Stoffe, ich will Sonnenlicht, ich will einen Garten!“

Oh meine Liebste“, sagte Pluto kleinlaut.

Tu es, oder ich gehe!“

Meine Schönste, meine Klügste, meine Königin, ich werde alles tun, was ihr verlangt!“

Nenne mich „eure Majestät““.

Jawohl, eure Majestät.“

Amor schüttelte den Kopf. Was für ein verrücktes Paar.

Doch statt zu lachen, musste er plötzlich schluchzen. Denn er dachte an Psyche und daran, wie er sie verlassen hatte. Im Vergleich zu dem, was hier vorgefallen war, schien ihre Liebe leicht wie eine Feder und unschuldig wie frisch gefallener Schnee. Er fühlte sich kaltherzig und grausam und hasste sich für seinen Entschluss.

Plutos fester Griff riss ihn aus seinen Gedanken.

Hör auf zu heulen! Ich besorg jetzt diese Zutaten für die Salbe und du, mein Freundchen, gehst schön zurück zu deiner Mama.“

Halt, nein!“, rief Amor. „Bring mich zu Psyche!“

Doch da hatte Pluto ihn schon in sich aufgesaugt und zurück in sein Kinderzimmer gespuckt. Die Tür war noch immer verschlossen und ließ sich nicht erweichen, egal wie oft Amor dagegentrat.

Der Tod und die Liebe (2)

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Die Frau kauerte in der Ecke der Kammer. Ihr Haar war verfilzt, die Haut fleckig, das Gewandt zerrissen. Als Pluto die Tür zum Verließ öffnete, zuckte sie leicht. Sie war so schmutzig, dass sie kaum mehr als Mensch zu erkennen war. Und es roch … unangenehm.

„Oh ihr Götter!“, keuchte Amor. „Was ist das?“

„Ist sie nicht wunderschön?“, fragte Pluto strahlend.

„Ist das deine Liebste?“, stammelte Amor. „Wie lange ist sie schon so?“ Je näher er kam, desto genauer konnte er den Zustand der Frau erkennen. Die Haare klebten an ihrem Nacken und kleine Insekten krabbelten über ihren Körper. Die Lippen waren aufgesprungen und überall an ihren Beinen und Armen waren kleine, rote Stiche.

„Ach, wen kümmert die Zeit, wenn man verliebt ist! – Liebling!“, rief Pluto und beugte sich hinab zu der Frau. „Ich bin zurück!“

Die Frau drehte den Kopf von Pluto weg. Er gab ihr einen Kuss auf die verschwitzte Stirn.

„Ich glaube“, sagte Pluto und wandte sich zu Amor, „sie mag mich nicht.“

„Du kannst sie doch nicht einfach einsperren!“

„Wieso denn“, fragte Pluto. „Du hast es doch genauso gemacht.“

„Wie bitte?“, entrüstet verschränkte Amor die Arme. „Ich habe Psyche ein Schloss gebaut, ich habe sie nicht in ein Verließ gesperrt!“

Pluto reckte sein menschliches Kinn. „Aber sie wollte weglaufen. Du wolltest weglaufen. Nicht wahr, mein kleiner Schatz? Das war nicht nett von dir. Außerdem darfst du mich nie mehr verlassen, denn du hast von dem Granatapfel gegessen.“

„Ja, aber …“ Amors Stimme überschlug sich vor Empörung. „Guck sie dir doch an. Kein Wunder, dass sie dich nicht mag. So funktioniert das nicht. Einfach einsperren … was hast du dir bloß dabei gedacht?“

Pluto blickte von der Frau zu Amor und wieder zurück. Er legte seine menschlichen Finger ans Kinn und dachte nach. „Du meinst, ich habe etwas falsch gemacht?“

Die Frau in der Ecke regte sich. Sie öffnete ihre Augen und hustete leise. Dann murmelte sie deutlich: „Du hast alles falsch gemacht, alles, aber auch alles.”

„Mein Schatz!“, rief Pluto und augenblicklich strotzte seine Mimik vor Entzücken. „Du sprichst wieder! Sage mir, was du verlangst, ich werde dir die Welt zu Füßen legen und dir jeden Wunsch erfüllen und …“

„Ist das der, um den ich gebeten hatte?“, unterbrach ihn ihre dünne Stimme.

„Das ist Amor“, sagte Pluto. „Ich habe ihn hergeholt, ganz wie du es verlangt hast. Es war gar nicht so einfach, weißt du, denn seine Mutter hält ihn gefangen, aber für dich würde ich alles tun …“

Die Augen der Frau richteten sich auf Amor. Sie blinzelte ihn an. „Setze meinem Leiden ein Ende. Ich halte das hier keinen Augenblick länger aus.“

Das Geschenk von Ceres

cake-1306874_1920„Es tut mir leid wegen deiner Tochter“, sagte Psyche. Ihr Herz klopfte so stark, dass ihr schwindelig wurde. Am liebsten hätte sie Ceres tröstend umarmt, doch aus Ehrfurcht vor der Göttin ließ sie ihre Hände wieder sinken und sagte:

„Ich wünschte, ich könnte dir helfen.“

„Das kannst du nicht“, sagte Ceres traurig. „Denn selbst die Götter wissen nicht, wo sie ist. Ach. Und ich sitze hier und werde getröstet von der Feindin einer Freundin. Die Nornen haben einen seltsamen Sinn für Humor.“

„Die Nornen?“, fragte Psyche.

„Die Schicksalsspinnerinnen. Drei alte Weiber, eine frecher als die andere.“

„Oh ja“, Psyche nickte bekräftigend. Sie kannte die Nornen aus den Geschichten, hatte sie aber für eine Erfindung gehalten. Doch nach dem zu urteilen, was Ceres sagte, waren selbst die Götter einer höheren Macht unterworfen.

„Ich sollte jetzt weitergehen“, sagte Psyche. „Ich möchte nicht, dass du Streit mit Venus bekommst.“

„Was wirst du jetzt tun?“, fragte Ceres.

„Ich werde zu ihr gehen“, sagte Psyche.

„Wie bitte?“ Ceres sah Psyche mit ihren kornblumenblauen Augen an.

„Ja“, sagte Psyche. „Das erscheint mir die beste … nein, die einzige Möglichkeit zu sein. Ich werde zu ihr gehen und dann soll sie machen, was immer sie für richtig hält.“

Ceres schüttelte den Kopf. „Das wäre dein Tod. Verstecke dich lieber oder fliehe.“

„Du hast mir alles gesagt, was ich wissen musste“, entgegnete Psyche. „Amor liebt mich immer noch und das ist das einzige, was zählt. Wenn ich ihn zurückhaben will, dann geht das nur mit dem Einverständnis seiner Mutter.“

Psyche erhob sich.

„Du sagst, ich könnte sterben. Doch ohne Amor bin ich längst tot. Ich werde zu Venus gehen.“

„Du bist mutig“, sagte Ceres anerkennend. „Und auch, wenn ich dir nicht helfen kann, so will ich dir wenigstens etwas mitgeben, damit du deinen Hunger stillen kannst. Denn dass du hungrig bist, das sehe ich.“

Sie drückte Psyche ein kleines Bündel in die Hand. Psyche roch daran. Es roch süßlich und würzig zugleich. Der Stoff klebte leicht daran, ließ sich aber gut ablösen.

Es waren zwei kleine Honigkuchen.

Psyche bedankte sich und steckte sie ein. Und dann ging sie weiter.

gettyimages – Wo sind die Bilder hin?

Schweren Herzens habe ich mich dazu entschlossen, mich von “gettyimages” zu trennen, deren Bilder ich gerne nutzte, um meine Beiträge zu verschönern.

Es ist so, dass ich hier demnächst informiere, wann und ob mein erstes eBook erscheint, das ich auch verkaufen möchte.

Internet und Bilder; Kommerzielles und Urheberrecht und so, das könnte vielleicht problematisch werden … also habe ich mich bei gettyimages erkundigt, ob mein Vorhaben in Ordnung sei.

Telefonisch: “Gar kein Problem!”

Ich hätte es aber gerne schriftlich und fragte sicherheitshalber noch mal per E-Mail nach. Und siehe da: Getty teilte mir diesbezüglich heute mit, dass ich die Bilder käuflich erwerben müsste, wenn ich “Werbung” für ein eBook mache. Und zwar “Social-Media” lizensiert.

Mir taten sich zweierlei Fragen auf:

  1. Warum gibt es eine Diskrepanz zwischen telefonischer und schriftlicher Auskunft?
  2. Warum gibt es eine weitere Diskrepanz zwischen der schriftlichen Auskunft und den Bestimmungen bei gettyimages?

Denn: Es gibt auf Getty auch die Möglichkeit, die Bilder für ein “kommerzielles Blog” zu lizensieren, was in meinem Fall, streng genommen, dann doch so wäre. (?) Also nicht “nur” Social Media, wie von Getty in der E-Mail gefordert.

Wie dem auch sei, in beiden Fällen (kommerzielles Blog/Social Media) würde die Einbettung eines Bildes weit über 200 Euro kosten, und das – kann doch nicht wahr sein!

Ich hatte gehofft – und es ist eine rechtliche “Lücke” -, dass die Lizenzbestimmungen “nur” für einzelne Beiträge, d.h. “Posts” gelten. Wen es interessiert: siehe hier unter Punkt 3.

http://rechtsanwalt-schwenke.de/faq-einbettung-bilder-getty-images-urheberrecht-top-datenschutz-flop/#f3

Tatsächlich aber wirken sich die Bestimmungen auf das gesamte Blog aus. Oder könnten es.

Fazit: Mir ist das zu riskant und daher werde ich all die schönen Bilder löschen und zukünftig nur noch auf eigenes Material zurückgreifen.

Vorschlag: Ich wäre gerne bereit für schöne Bilder, genauso wie für ein schönes eBook, einen kleinen, aber feinen Obolus zu zahlen. Also irgendwas zwischen 99 Cent und 9,99 Euro. Aber über 200 Euro für EIN Bild??? Wer kann sich denn sowas leisten?