Woher kommt das Wissen über die Antike?

– Von Runa Phaino natürlich!
– Und von Wikipedia!

🙂

Ganz so einfach ist es natürlich nicht …
Die Antike ist ein Zeitraum, der ungefähr 1000 Jahre umfasst und – je nach Anfangs- oder Endpunkt – zwischen 2500 und 1500 Jahren zurück liegt. Grob gesagt begann die Antike mit den griechischen Philosophen (ca. 500 v. Chr.) und endete mit dem Untergang des römischen Reiches (ca. 500 n. Chr.)
Wie aber ist es möglich, dass wir heute dazu in der Lage sind, uns über Anfang, Inhalt und Ende dieser Epoche Gedanken zu machen? Woher und wieso wissen wir eigentlich, was damals vorgefallen ist?
Es gibt, wie so oft, keine genauen Eckdaten. So kann man auch behaupten, die Antike habe mit den Schriften Homers ihren Anfang gefunden (ca. 900 v. Chr.) und sei mit dem Erstarken des Christentums (etwa 300 n. Chr.) zu Ende gewesen. Bei all den Überlegungen sollte man auch nicht vergessen, dass es bereits vor der Antike schon eine ganze Menge Zivilisations-Zeugs gab.

Akropolis, Athen. By Leo von Klenze – Pinakothek Museum, Munich, Public Domain, Link

Grob unterscheidet man auch zwischen griechischer und römischer Antike. Die Griechen gab es schon etwas eher als die Römer – und ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. hat dann ein gewisser Ennius (Quintus Ennius) viel griechisches Kulturgut nach Rom importiert. Er war in Griechenland ausgebildet worden (wie auch viele römische Schriftsteller nach ihm) und hat dafür gesorgt, dass die griechischen Sagen/Theaterstücke/Erzählungen usw. latinisiert und in Rom populär wurden. Er gilt als „Vater der römischen Dichtung“.

Forum Romanum. Gemeinfrei, Link

Ennius. Mit Kranz (!). Public Domain, Link

Vielleicht kennt jemand die Spekulationen über Karl den Großen. In den letzten Jahren gab es Behauptungen, dass dieser König nie gelebt habe und dass alles nur eine Erfindung gewesen sei.

Für die Antike könnte selbiges gelten. Doch bevor die Antike wie eine Seifenblase zerplatzt, soll fernab von diesen Spekulationen versucht werden, die „Überlieferungsgeschichte“ antiken Wissens zu rekonstruieren.

 Public Domain, Link

In Rom und Griechenland gab es viele Autoren (Philosophen, Historiker, Schriftsteller von Komödien/Tragödien, Naturwissenschaftler (im weitesten Sinne)). Sie schrieben meistens auf Papyrus, da es damals noch kein Papier gab, und ihre Werke wurden in verschiedenen Bibliotheken aufbewahrt.

Public Domain, Link So ungefähr sah das aus.
 Zwei Varianten einer Papyrus-Rolle. By AudihOwn work, GFDL, Link

Es gab eine Menge an Bibliotheken in der Antike, irgendwo las ich mal was von knapp 50.000. Ein paar waren berühmt, wie z.B. die Bibliothek in Alexandria (heute Kairo). Herrscher hatten eigene Bibliotheken, genauso wie manche Kaufleute oder Gelehrte. Es gab private Bibliotheken und öffentliche.

Celsus-Bibliothek in Ephesos. Von Benh LIEU SONGEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

(Mögliches) Innenleben der Bibliothek von Alexandria. By O. Von Corven – Tolzmann, Don Heinrich, Alfred Hessel and Reuben Peiss. The Memory of Mankind. New Castle, DE: Oak Knoll Press, 2001, Public Domain, Link

Nachbau der Papyrus-Villa aus Herkulaneum (Neapel) in Los Angeles. Hier wurden vor wenigen Jahren Papyrus-Fragmente gefunden, die den Ausbruch des Vesuv halbwegs überstanden haben. Sie werden immer noch entschlüsselt. Von Bobak Ha’EriEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Mit dem Ende des römischen Reiches verschwanden auch die Bibliotheken, doch es ist schwer, ein genaues „Datum“ oder genaue Ursachen für „das Ende“ festzumachen, noch schwerer ist es, das für die unzähligen Bibliotheken zu tun. Bei Herkulaneum ist die Sache relativ klar: 79 nach Christus brach der Vesuv aus und begrub alles unter sich, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

In den anderen Fällen ist nicht ganz so klar, warum Bibliotheken geschlossen wurden oder verschwanden.
Die Celsus-Bibliothek ist möglicherweise von den Goten zerstört worden oder wurde im Laufe der Zeit einfach für andere Dinge genutzt.
Die Bibliothek in Alexandria ist wahrscheinlich im Zusammenhang mit Krieg zerstört worden (Römer gegen Ptolemäer), eventuell aber hatte sie bis ins Mittelalter noch einen kleinen „Ableger“ unweit vom Haupthaus entfernt, das „Serapeion“, das unter anderem auch die Araber nutzten.

Es gab sicherlich mehrere Gründe, warum die Bibliotheken im Laufe der Zeit verschwanden.
Plünderungen, neue Herrscher, Feuer, Umwidmung der Gebäude, Desinteresse, Profit, Krieg, … um nur ein paar Ursachen zu nennen.
Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch die Entstehung des Christentums. Manche antiken Schriften passten inhaltlich nicht so besonders gut zu der neuen Lehre und wurden daher auch ganz gerne mal ins Feuer gehalten (oder so).

Trotzdem waren es dann doch die christlichen Klöster, die etwa 10% der antiken Texte „retteten“.

90% des antiken Wissens sind also verloren gegangen und von den 10% die „überlebt haben“ gibt es keine originale „Handschrift“ mehr. Wir wissen also nicht, wie Cicero, Ovid, Vergil – und wie sie alle hießen-, wirklich geschrieben haben, denn es gibt keinen Text auf einem Stück Papyrus (oder Pergament) aus der Lebzeit der antiken Autoren. (Mal abgesehen von den kohlrabenschwarzen Papyrus-Fragmenten aus Herkulaneum, wer weiß, was bei deren Entzifferung noch rauskommt.)
Das, was zum Beispiel Vergil geschrieben hat, kennen wir vor allem aus einem Buch aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Vergil lebte aber im ersten Jahrhundert vor Christus.
Wie kann das sein?

Zum Ende der Antike wurden ein paar der antiken Texte „gerettet“, die – wie auch immer – in christliche Klöster gelangten und nicht in die Flammen gehalten wurden.
In den Klöstern gab es Skriptorien. Skriptorien sind nichts anderes als Schreibwerkstätten in Klöstern. Nicht jedes Kloster hatte eine, aber in jedem Fall die, die etwas auf sich hielten.
In den Skriptorien wurden die Texte gehegt und gepflegt und auf dickes Pergament überschrieben (Pergament besteht aus Tierhaut und hält sich länger als Papyrus, ist aber auch deutlich teurer) und reich bebildert, zudem auch vervielfältigt, da die Mönche und Nonnen ja sonst nicht so viel zu tun hatten, – außer zu arbeiten und zu beten.

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By Peter Paul Rubens – [1], Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5096194

By Unknownhttp://www.bassenge.com/, Public Domain, Link

Ovids Metamorphosen. 15. Jahrhundert. Public Domain, Link

Vergilius Vaticanus. Älteste Variante von Vergils Aeneis. Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Bibhistor in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch PHansen., Gemeinfrei, Link

In sehr vielen Klöstern wurden antike und christliche Schriften transkribiert (St. Gallen, Citeaux, Frankenthal, Montecassino), … innerhalb der verschiedenen Orden (Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner) … man muss sagen: das alles geschah über komplett Europa verteilt, auch und gerade in östlicheren Gefilden (wo sich die orthodoxe Tradition vom Christentum entwickelte). Überall wurden Texte abgeschrieben.  – Wobei es sich wohl zu 99%(?) um christliche Literatur handelte, aber eben auch um antiken Texte.

So kommt es, dass wir heute zwar keine Originalhandschrift von Vergil (und all den anderen) mehr haben, aber dafür verschiedene Varianten ein und desselben Werkes (z.B. der Aeneis oder den Metamorphosen), die in unterschiedlichen Klöstern von unterschiedlichen Schreibern abgeschrieben wurden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass manche Mönche und Nonnen in Skriptorien arbeiteten, die gar nicht verstanden, was sie dort abschrieben. Wie bei dem Spiel „stille Post“ entstanden bei der Weitergabe von Informationen Fehler – und darüber versucht man heutzutage die „älteste“ Handschrift und die „originale“ Variante der antiken Texte zu rekonstruieren.

Manche Mönche und Nonnen waren so fleißige oder bekannte Abschreiber, dass man sie heutzutage identifizieren kann. Manche waren auch so selbstbewusst, dass sie sich ihr eigenes Schreiberzeichen ausdachten und unter ihren Texten abbildeten. Bei manchen Texten vermuten die Wissenschaftler nur, dass sie „aus derselben Hand“ stammen.
Es gibt auch sogenannte Stemma (Stammbäume) für die Rekonstruktion eines Textes. Man sucht alle Handschriften eines Textes zusammen und guckt anhand der Fehler, welcher der älteste ist und wie die Zusammenhänge sind. Wer sich dafür interessiert, einfach mal hier klicken.

Selbstportrait des Skriptors „Rufilius“.

Von Frater Rufillus (wohl tätig im Weißenauer Skriptorium) – http://www.e-codices.unifr.ch/en/list/one/cb/0127, Gemeinfrei, Link

Kleinere Figur links: der Schreiber Gero.
Von Buchmaler der Reichenauer Schule – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, Link

Bis auf die Mönche und Nonnen, die die Texte abschrieben und vielleicht den ein oder anderen christlichen Gebildeten, der sie lesen konnte, waren die Schriften aber für lange Zeit vergessen. Bis zu dem Tag – oder besser „dem Zeitraum“, als auf einmal ein neuer Wind durch das Denken vieler Köpfe wehte, als eine neue Epoche begann, die man gemeinhin als „Neuzeit“ bezeichnet.
Auch hier ist schwierig zu bestimmen, wann die Neuzeit denn nun eigentlich anfängt. Einige Eckdaten und Ereignisse werden häufiger für den Zeitraum des Beginnens benannt:

Eroberung von Konstantinopel 1453
Humanismus
Buchdruck 1450

Kopernikus` heliozentrisches Weltbild (Sonne im Zentrum, nicht Erde)
Entdeckung Amerikas 1492
Reformation 1517

Grob kann man sagen, dass die Neuzeit ab 1500 beginnt. (Womit das Mittelalter den Zeitraum von ca. 500-1500 umfasst.)

Eine tolle, grafische Übersicht über den Anteil von Literatur in Bibliotheken im Laufe der Zeit. Erinnert irgendwie ein wenig an einen Aktien-Chart. Hm. Sollte man jetzt noch kaufen? 😉 By Bibhistor at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

Ein anderer Begriff für eine etwas kleinere Zeiteinheit in dieser „Neuzeit“, eine Mini-Epoche sozusagen, war „Renaissance“ (dt. Wiedergeburt). Das, was wiedergeboren wurde, waren vor allem Erkenntnisse aus den Schriften der Antike.
Es fing an mit ein paar gelehrten Schriftstellern wie Petrarca, Dante und Boccaccio, die in ihren Werken auf antike Autoren Bezug nahmen. Es gibt auch die Meinung, dass die antiken Schriften die Neuzeit erst möglich machten. Mit der Zeit gewannen die alten Ideen nämlich an Bekanntheit und andere Autoren bemühten sich darum, ihrer habhaft zu werden. Man muss sagen, dass es eine Zeitlang wohl nichts tolleres gab als behaupten zu können, man habe in irgendeinem Kloster einen antiken Text wieder entdeckt. Durch den Buchdruck wurden die Schriften dann entsprechend verbreitet und erlangten eine immer größere Bekanntheit.

Petrarca. By nach einem Stahlstich, herausgegeben von Gustav Schauer Photographische Kunstanstalt, Grosse Friedrichs Str. 188 Berlin. – Carte de Visite – Foto 5,6 x 8,3 cm., Public Domain, Link

Dante. By Sandro Botticellitelegraphhttp://www.pileface.com/sollers/article.php3?id_article=312, Public Domain, Link

Boccaccio. By Engraved by Raffaello Sanzio Morghen (1758-1833) after Vincenzo Gozzini – The Best Portraits in Engraving at Project Gutenberg, Public Domain, Link

Es war Zufall und ist auch nicht bei jeder Abbildung der Fall, aber augenscheinlich haben alle diese Gelehrten einen Kranz auf dem Kopf. Damit nehmen sie (bzw. die Künstler, die die Bilder erstellt haben) möglicherweise Bezug auf den Gott Apollo. (Es gibt einen schönen Mythos, warum Apollo einen Kranz trägt. Den habe ich aber schon im Artikel über Apollo nicht verraten, da er Bestandteil meines Buches – Amor und Psyche – ist.)

Apollo, Gott des Lichts, der Weissagung und der (Schreib)Künste.
By maarjaara – originally posted to Flickr as Apollo with his laurel wreath, CC BY 2.0, Link

Nun gibt es, wie im Fall von Karl dem Großen, die Behauptung, dass die Antike in letzter Konsequenz eine Erfindung dieser Leute war, die die angeblich antiken Schriften in Klöstern wiederentdeckt haben. Theoretisch könnte man wirklich meinen, dass sich ein paar Gelehrte hingesetzt haben und „das alles“ erfanden, viele Bücher schrieben und als antik deklarierten. Wer weiß, vielleicht ist das in dem ein oder anderen Fall ja sogar so. 😉

Dante meditiert. Oben die Inschrift: Amor condusse noi ad una morte = Die Liebe verführte uns zu einem gemeinsamen Tod.
By Joseph Noel Patonhttp://www.liveinternet.ru/users/nadynrom/post74333253/comments#comment483390274, Public Domain, Link

Ich persönlich glaube übrigens nicht daran, dass „das alles“ nur erfunden sei. Es gibt ja neben den Schriftquellen genügend archäologische Zeugnisse (Ruinen usw.), die übrigens ab dem frühen 18. Jahrhundert „entdeckt“ und wissenschaftlich erforscht wurden. Diese Bauwerke kann man mittels verschiedener Techniken sehr genau datieren. Schwer vorstellbar, dass Menschen, die solche Bauten und Statuen erschufen, keinerlei Vorstellungen von Schrift, Kultur usw. gehabt haben.
Allerdings gehe ich davon aus, dass vieles von dem, was wir heute aus der Antike vermeintlich wissen, über die Jahrhunderte eine ziemliche Verfälschung abbekommen hat. Da wurde ganz sicher (je nach Zeitgeist), etwas hinzugedichtet oder weggelassen. Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass insbesondere Mythen oder „vollständige Geschichten“ noch immer einen Kern der damaligen Wahrheit – also des ursprünglichen Zeitgeistes – enthalten.
Wissen also, das die Zeiten überdauert.

By Luc-Olivier MersonArt Renewal Center, Public Domain, Link

Links zum Thema „Erfundene Antike“

http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/5276781/NeoChronologie_Ist-die-ganze-Antike-eine-Erfindung

Ist unsere Antike nur eine Erfindung der Rennaissancezeit?

https://zeitgeist-online.de/printausgabe/32-printausgabe/heft-nr-22-1-2004/431-das-altertum-eine-erfindung-der-renaissance.html

Und Karl der Große

https://www.stephan-matthiesen.de/texte-blog/geschichte/31-erfundenes-mittelalter-illig.html

https://www.welt.de/geschichte/article135827634/Hat-Karl-der-Grosse-wirklich-gelebt.html

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Bona Dea

Die Göttin Bona Dea wurde im Rom etwa seit dem 3. Jahrhundert vor Christus verehrt. Zu den mit ihr verschmolzenen Göttinnen zählten wahrscheinlich die griechisch Göttin Hygieia, die für die Gesundheit der Frauen – und damit auch die Fruchtbarkeit – zuständig war.
Ein Tier, das mit all diesen Göttinnen in direkter oder indirekter Verbindung steht, ist die Schlange. Bona Dea Statuen und Abbildungen haben neben einer Schlange auch (meistens) ein „Füllhorn“, ein Gegenstand, der eigentlich der Göttin Fortuna zugeschrieben wird. Auch diese Göttin hat einen griechischen Urspung (Tyche) und mögliche Überschneidungen mit Bona Dea.
Es gibt weitere Bezüge und Verbindungen zu Fauna, Ceres, Terra, Ops, Kybele … ein Blogbeitrag dazu würde sich lohnen, in Anbetracht des Umfangs beschränke ich mich aber heute auf die zwei zunächst genannten Göttinnen: Hygieia und Fortuna und deren Hauptattribute, Schlange und Füllhorn.

Im Internet findet man – nebst Wikipedia – sehr viele Informationen über die Göttin und das, was „faktisch“ von ihr überliefert worden ist.

Beispiele für recht umfangreiche Zusammenstellungen gibt es hier (vorrangig Deutsch):

http://www.imperiumromanum.com/religion/antikereligion/bonadea_01.htm
https://artedeablog.wordpress.com/2017/02/05/santa-agatha-oder-die-brueste-der-goettin/
https://schwesternschaftderrose.wordpress.com/2015/12/03/bona-dea-die-goettin-der-fruchtbarkeit-heilung-jungfraeulichkeit-und-frauen/
https://www.thoughtco.com/bona-dea-roman-goddess-2562628
http://www.thaliatook.com/OGOD/bonadea.php

Man findet sogar den Anfang einer Dissertation zu Bona Dea und ihrem Kult online.

Es ist bemerkenswert, dass diese Göttin noch heutzutage – oder heutzutage wieder (im Zeitalter des Internets) – eine so große Resonanz erfährt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man relativ viele und gesicherte Informationen über sie hat. So stand ihr Tempel in Rom vom 3. Jahrhundert vor Christus bis ins vierte Jahrhundert nach Christus, was einen Zeitraum von 700 Jahren umfasst.

Bona Dea (oder Ceres). By Carole Raddato from FRANKFURT, Germany – Marble statue of Demeter-Ceres or Bona Dea (The Good Goddess), Nîmes Archaeology Museum, France, CC BY-SA 2.0, Link

Weil ihr Kult geheim war, ranken sich viele Legenden um Bona Dea. Mal gilt sie als Frau des Faunus, mal als dessen Tochter. Angeblich war sie so schüchtern, dass sie nie das Haus verließ, sich aber daheim mit Wein betrank, weil ihr so langweilig war. Faunus war deswegen wütend und schlug sie mit Myrtenzweigen tot. Später bereute er seine Tat und vergöttlichte seine Frau.
Als Tochter des Faunus hatte Bona Dea es sogar noch schwerer. Denn der eigene Vater stellte ihr nach und sie war erst vor ihm sicher, als sie sich in eine Schlange verwandelte.
Es gibt auch die Variante, in der Bona Dea die Schwester von Faunus ist.

Aeskulap und Hygieia. By http://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/23/e8/bf37ac7142c9354f84444d1c23f5.jpgGallery: http://wellcomeimages.org/indexplus/image/V0036061.html, CC BY 4.0, Link

Hygieia war die Tochter von Aeskulap, also dem Gott der Heilkunst, und wird im Hippokratischen Eid angerufen. Der hippokratische Eid wird in Deutschland lediglich als moralisch-ethischer Maßstab herangezogen, seit der Antike und auch heute in den USA ist es jedoch auch ein feierlicher „Eid“ im klassischen Sinne, der bei der Promotion der Absolventen medizinischer Studiengänge vorgelesen wird.
Über Hygieia gibt es keine dramatischen Geschichten, aber auch diese Göttin hat „eigene“ Verbindungen zu z.B. Salus, Sirona, … bzw. zu all diesen hier. 🙂

Sowohl mit Hygieia, als auch Aeskulap (Aeskulap-Stab) waren Schlangen als Symboltiere verknüpft.
Im Tempel der Bona Dea soll es zahme Schlangen gegeben haben.

Aeskulap-Stab. By CFCFOwn work, CC0, Link

Die Schlange ist ein ausgesprochen interessantes Symboltier, geht ihre mythische Existenz doch sogar in vorweltliche – also paradisische – Zeiten zurück.
Sie war es, die Eva angeblich dazu angestiftet hat, in den Apfel der Erkenntnis zu beißen und ihn dann an den armen, unschuldigen Adam weiter zu reichen. 😉

Doch zuvor sei noch erwähnt, dass Herkules (ein antiker Held, von dem weiter unten noch die Rede sein wird) nachgesagt wird, als Kleinkind zwei Schlangen, die seine Stiefmutter Hera/Juno geschickt hatte, um ihn zu töten, mit bloßen Händen erwürgte.

Herkules als Baby.
By Internet Archive Book Imageshttps://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14763741315/Source book page: https://archive.org/stream/barclaysuniversa00barc/barclaysuniversa00barc#page/n501/mode/1up, No restrictions, Link

Der Sündenfall. By KopiersperreOwn work, Public Domain, Link

Das Alte Testamten bzw. die Geschichte im ersten Buch Mose wurde auf Hebräisch geschrieben, eine Sprache, in der „die Schlange“ maskulin ist. Sie heißt dort נחשׁ = nâchâsh, „was manchmal als Erklärung dafür dient, dass der „Schlang“ (so die Übersetzung von Seebass, 98) sich an die Frau wendet und nicht an Adam (…)“.
Quelle: Bibelwissenschaft
Auch Adams erste Frau, Lilith, wird häufig mit Schlangen assoziiert.


Lilith. By John CollierOwn work, Public Domain, Link

Dass Adam eine erste Frau hatte, wird im Talmud (einer Art Kommentar zum Tanach/Altes Testament) erzählt. Die Geschichte – so absurd wie wahr – geht wie folgt: Da es in der Bibel zwei Schöpfungsberichte gibt (einmal werden Mann/Frau gleichzeitig erschaffen 1 Mose 1, 27, einmal entsteht Eva aus der Rippe von Adam 1 Mose 2,26), brauchte es eine Erklärung. Die Erklärung lautete so: Adam hatte eine erste Frau, Lilith, mit der er sich aber gestritten hatte. Angeblich ging es darum, wer von beiden die Oberhand (beim Sex) haben durfte. Lilith wollte oben sein, Adam auch, das ging aber nicht, also entschied Lilith, das Paradies zu verlassen und Adam sich selbst zu überlassen. – Es ging also darum, wer über wen herrscht, wer das Sagen hat.

Adam, Eva und Lilith (die Schlange). By Hugo van der Goes – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Public Domain, Link

Der Kern dieser biblischen Geschichte, wenn man so will, findet sich auch bei der Göttin Bona Dea wieder. Denn ihre Feierlichkeiten waren nur für Frauen zugänglich – und es findet sich auch die Besonderheit, dass die feiernden Frauen sich weigerten dem Helden Herkules etwas zu trinken zu geben (vielleicht, weil er als Baby zwei Schlangen tötete?). Woraufhin Herkules befahl, Frauen fortan von den Festlichkeiten an seinem Altar (ara maxima) auszuschließen.
Die Opfergaben für Herkules waren auch erstmals(?) nur an ihn selbst gerichtet, da keine anderen Götter angebetet werden durften. Im Laufe der Zeit wurden dann von reichen Patrizierfamilien am ara maxima vor allem Opfer für Geldangelegenheiten gemacht, man spendete bis zu 10% vom Gewinn des Handels. Es gab riesige Festgelage, von denen insbesondere die des Crassus (eines sehr reichen Römers, der auch mit Pompeius und Cäsar verbündet war) im Gedächtnis geblieben sind, da er die römischen Bürger drei Monate lang bewirtete.

Herkules. By SailkoOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Herkules trinkt. By Massimo Pallottino, The Etruscans, Indiana University Press, 1975 (1st edition: Etruscologia, Milan: Hoepli, 1942).References:Online commentary;Jean Bayet, Herclé, op. cit. p. 150 et pl. IV;A. J. Pfiffig, Herakles in der Bilderwelt der etruskischen Spiegel, 1980, p. 19., Public Domain, Link

Der Ursprung der Milchstraße. By Peter Paul Rubens[1], Public Domain, Link

Also die Frage, die sich gerade aufdrängt: was wollte Herkules wohl trinken beim Fest der Bona Dea? 🙂 🙂 🙂

Obwohl es eindeutig gesichert scheint, dass „Bona Dea“ die Göttin für einen reinen Frauenkult war, weist Brouwer in seiner obene genannten Dissertation darauf hin, dass möglicherweise auch Kaiser Augustus als Priester involviert war (Introduction, p. XXIII.) Auch ist auffällig, dass viele Männer der Göttin etwas schenkten oder widmeten, z.B. einen Altar, ihre Wünsche/Gebete, oder Statuen anfertigen ließen.

Eine Göttin, mit der Bona Dea ebenfalls verknüpft wird, ist nebst der oben genannten Hygieia die Göttin Fortuna.

Hier Fortuna in einer mittelalterlichen Darstellung links vom Rad des Schicksals. By Universidade Federal do Espírito SantoVitória [1], Public Domain, Link

Fortuna (griechisch Tyche) antik. By DaderotOwn work, Public Domain, Link

Füllhorn. By bukkOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Das Füllhorn ist ein ebenfalls interessantes antikes Symbol, das für Reichtum, Überfluss und „Fülle“ steht. Das Füllhorn wird auch sehr häufig in Verbindung mit Ceres (Göttin des Getreides und Wachstums) und Plutos (Gott des Reichtums) gebracht.

Es geht auf die Nymphe (oder Ziege) Amalthea zurück, die mit dem Horn einer Ziege den kleinen Zeus fütterte oder eben selbst diese Ziege war. Sie ist darüber hinaus auch die Mutter (oder Ehefrau) von Pan, dem Hirten- und Ziegengott.

Zeus/Jupiter verewigte die Ziege(?) Amalteia aus Dank über seine Rettung (sie hatte ihn ja mit ihrer Milch ernährt/Füllhorn) am nächtlichen Firmament als Sternbild.
Das Sternbild Capricornus bzw. „Ziege“. CC BY-SA 3.0, Link

Auch findet sich hier wieder eine Verbindung zu Herkules, denn die antiken Autoren berichten auch davon, dass Herkules beim Ringen mit dem Flussgott Acheloos diesem ein Horn abgebrochen habe, was dann zum Füllhorn wurde.

Warum Herkules das tat, ist wiederum eine interessante Geschichte.
Acheloos war nämlich genauso an der schönen Deianeira interessiert wie Herkules. Er kämpft mit Herkules um die Hand der schönen Deianeira (deren Name übrigens „Männerhasserin“ bedeutet), verwandelt sich in eine Schlange und in einen Stier, aber all das half ihm nix, Herkules tötete ihn.

Beeindruckend in Szene gesetzt hat diesen Kampf Thomas Hart Benton (1947).

By Thomas Hart BentonThis file was provided to Wikimedia Commons by the Smithsonian American Art Museum as part of a cooperation project., Public Domain, Link

Doch auch die alten Etrusker hatten schon einen ganz fidelen Blick auf die Problematik. By www.androphile.org, Gemeinfrei, Link

Es geht sogar noch etwas weiter. Denn die Geschichte „Kampf mit Fluss/Wesen“ wiederholt sich in der Geschichte von Herkules.
Als er und Deianeira einen Fluss überqueren müssen, bietet sich der Kentaur Nessos an, Deianeira hinüber zu tragen. Das tut er natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn er will Deianeira für sich.

Hier Deianeira, die Schöne, und Nessos. – Was hat sich Arnold Böcklin dabei nur gedacht??? 🙂 Von Arnold Böcklin – 1. pfalzgalerie.de2. lessing-photo.com, Gemeinfrei, Link

Auch hier greif Herkules ein und gewinnt, indem er Nessos tötet. Doch hat Nessos zuvor Deianeira noch eine List ins Ohr gepflanzt. Er riet ihr, sollte Herkules ihr jemals untreu werden, ihm einen Mantel von Nessos zu geben, der ihr ewige Treue garantieren würde.
Viele Jahre später guckt sich Herkules tatsächlich mal nach anderen Frauen um.
Was tut Deianeira?
Sie gibt Herkules den Mantel, der daraufhin an elendigen Qualen (nicht) stirbt.

Sie selbst aber denkt, dass Herkules gestorben ist und bringt sich daraufhin um. Die Parallelen zu Didosind offenkundig.

Deianeira verzweifelt. By Evelyn De Morgan[1], Public Domain, Link

Herkules stirbt (doch nicht). By Francisco de Zurbarán – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Public Domain, Link

Herkules wird nämlich kurz vor seinem Tod von den Göttern in den Olymp aufgenommen. Dort versöhnt er sich dann auch mit seiner Stiefmutter Hera/Juno und heiratet eine andere Frau: Hebe, die Göttin der rosigen Wangen = der Jugend. (Also keine Männerhasserin mehr.)

Faktisch und historisch gesichert schafft es Herkules als Gott sogar in den Buddhismus:

Er steht mit seiner Keule rechts hinter Buddha.
CC BY-SA 3.0, Link</

Bona Dea – und die dazu gehörigen Göttinnen – lebten und leben(?) insbesondere einigen weiblichen Heiligenfiguren weiter.

Heilige mit dem Attribut „Schlange“ sind unter anderem: Goar, Phillipus der Apostel, Wilburgis, Amandus von Maastricht, Hilarius von Poitiers, Jakobos von der Mark.
Diese Heilige haben die Schlange „nur“ als Symboltier, teils auch noch andere Symbole, stehen aber in keiner erzählerischen Verbindung zu dem Tier.

Für einige Heilige mit dem Attribut Schlange gibt es aber längere oder kürzere Geschichten, in denen die Schlangen mal in einem positiven, mal in einem negativen Licht erscheinen.

Notburga von Hochhausen erhält von einer Schlange heilende Kräuter, nachdem sie durch ihren gewalttätigen Vater einen Arm verliert.

Patrick von Irland wird nachgesagt, dass bei seiner Ankunft in Irland sämtliche Schlangen die Insel verlassen haben. Die letzte Schlange Irlands aber wurde von ihm in eine Kiste gelockt mit dem Versprechen, sie „morgen“ wieder frei zu lassen. Als die Schlange dann am nächsten Tag nach ihrer Befreiung fragte, antwortete er: „Morgen.“

Thekla von Ikonium weigerte sich, einen „Heiden“ zu heiraten, weil sie Christin geworden war. Da sie im noch heidnischen Rom lebte und als Christin damals sehr benachteiligt war, führte man sie in einen Kerker voller giftiger Schlangen, aber ein Blitzstrahl tötete die Reptilien. Thekla erfährt noch ein paar andere Gemeinheiten, diese gehen aber immer gut aus, da sie von Gott beschützt wird.

Benedikt von Nursia, der Gründer des Benediktinerordens, dem der schöne Spruch ora et labora zugeschrieben wird (dt. „bete und arbeite“), sollte von seinen eigenen Mönchen vergiftet werden. Doch das Gift entwich als Schlange aus dem Kelch, in dem es sich befand, als Benedikt ein Kreuzzeichen darüber machte.

Das Füllhorn scheint es nicht in die christliche Gedankenwelt geschafft zu haben. Allerdings scheinen der Prophet Joel (Altes Testament) und der Heilige Kajetan von Tiene ein Füllhorn als Attribut (allerdings ohne dahinter liegende Erzählung) zu haben.

Abschließend sei noch auf das Martyrium von Christina von Bolsena verwiesen, die von Schlangen gepflegt wird, nachdem sie unendliches Leid erlitt.

„Christina wurde geschoren und nackt vor eine Apollo-Statue geschleift, diese zerfiel zu Staub, der Richter starb vor Schreck. Sein Nachfolger sperrte sie fünf Tage in einen glühenden Ofen, sie wandelte darin und sang mit den Engeln. Schlangen wurden gebracht – sie leckten ihren Schweiß ab und legten sich kühlend um ihren Hals. Als ein Zauberer nun die Schlangen reizen sollte, stürzen sich diese auf ihn und töten ihn; Christina aber gebot den Schlangen, an einen wüsten Ort zu entweichen und erweckte den toten Zauberer. Schließlich wurden ihr die Brüste abgeschnitten, sie verströmten Milch statt Blut. Als ihr die Zunge abgeschnitten wurde, behielt Christina die Sprache, und sie warf die Zunge dem Richter ins Gesicht, worauf der erblindete. Von den Pfeilen, die er nun auf sie abschoss, trafen sie zwei und töteten sie.“
Quelle: Heiligenlexikon.

Noch heute gibt es in Italien Feierlichkeiten, die das Schicksal von Christina reinszenieren. Einen tollen Artikel mit vielen Fotos darüber findet man bei Bizzarrobazar.
Wirklich toll gemacht, klare Leseempfehlung.

Anna Perenna

Anna Parenna ist eine eher unbekannte römische Göttin, die in einem kleinen Heiligtum an der Via Flaminia verehrt wurde. Daneben hatte sie auch ein Heiligtum auf Sizilien und in Rom selbst gab es einen Brunnen, an dem ihr zu Ehren Feste gefeiert wurden.

Der Urprung von Anna Perenna liegt im Dunkeln. Es könnte sich
1. um eine alte, etruskische Muttergöttin gehandelt haben,
2. vielleicht war sie (auch) die Schwester von Dido, einer karthagischen Königin,
3. oder es war eine ältere Frau, die sich während der römischen Ständekämpfe um die Plebejer (das einfache Volk) gekümmert hat – und deswegen von ihnen als Göttin verehrt wurde.

Daneben hat Anna Perenna auch viele Bezüge zu anderen Göttinnen, insbesondere der Mondgöttin Diana/Artemis.

Im Folgenden werde ich – ausgehend von den Feierlichkeiten für die Göttin – auf die möglichen Ursprünge Anna Perennas eingehen.

Via Flaminia

Teil der Via Flaminia, die Rom mit der Adriaküste verband. By No machine-readable author provided. Samba~commonswiki assumed (based on copyright claims). – No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims)., Public Domain, Link

Brunnen Anna Perenna Opfergaben an die Göttin, gefunden im Brunnen. By Self-photographed by Szilas in the Museo Nazionale Romano – Terme di Diocleziano – Own work, Public Domain, Link

Anna Perenna Mögliches Profilbild der Göttin auf einer Münze (gefunden in Italien oder Spanien) 1. Jh. v. Chr. By Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com, CC BY-SA 3.0, Link

Ob der heutige Brauch, Münzen in einen Brunnen zu werfen, wohl auf Anna Perenna zurück geht?
Neben diesen „Geldopfern“ sind auch Feste zu Ehren der Göttin bekannt.
Ihr Haupttag wurde im März gefeiert. Dabei floss angeblich Wein in Strömen und es gab derbe Witze und obszöne Lieder. Es war ein Fest für das einfache Volk, die sogenannten „Plebejer“, das in den Iden, also um Vollmond herum, gefeiert wurde.

Der römische Kalender (ein Mondkalender) hatte für jeden Monat bestimmte Termine:

Iden (Vollmond),
Kalenden (Neumond)
Nonen (zunehmender Mond)
Terminalien (abnehmender Mond)

Insgesamt gab es 13 Monate. Es waren mehrheitlich die uns heute noch bekannten, wenn auch mit teils anderen Namen, und ein 13. „Schaltmonat“ namens Mensis intercelaris oder – Plutarch folgend – Mercedonius. Die Einberechnung des Schaltmonates war äußerst kompliziert und fiel in Kriegszeiten teilweise aus. Normalerweise wurde in einem Zeitraum von acht Jahren drei Mal ein solcher Mercedonius „geschaltet“, er erschien dann zwischen Februar und März.
Umstritten ist, inwiefern der Schaltmonat auch Auswirkungen auf die Zinswirtschaft hatte. Möglich ist, dass in diesem Monat dann keine Zinsen fällig wurden. (Münzgeld – in einer Ausprägung, wie wir es heute kennen inklusive Verleih usw., trat übrigens erstmals im 3. Jh. v. Chr. flächendeckend (Griechenland, Rom, Persien, Indien) in Erscheinung.)

Wenn man sich den Hauptfesttag der Göttin ansieht, ist festzustellen, dass der erste Vollmond im Monat März zeitlich nah an der Frühlings-Tages und Nachtgleiche liegt. In einigen heutigen Kulturen (Iran u.a., Nouruz) wird der Beginn des Jahres an diesem Ereignis fest gemacht. Das neue Jahr beginnt also dann, wenn das „Licht“ (Tag) die „Dunkelheit“ (Nacht) gerade überholt. In unserer christlich geprägten Kultur hat sich dagegen der Zeitraum der Wintersonnenwende (die Tage werden wieder länger) um den 21./22. Dezember und darüber hinaus (also 1. Januar) als Jahresanfang durchgesetzt. Das lag unter anderem auch an den Römern, die im 2. Jh. v. Chr. beschlossen, das Amtsjahr im Januar beginnen zu lassen, wobei der offizielle Neujahrstermin noch im März lag.
Zuletzt gibt es noch weitere Möglichkeiten, das Jahr enden/beginnen zu lassen. Welcher Termin davon der „ursprünglichste“ war, lässt sich schwer ausmachen. Auffällig ist aber, dass sich gerade die jüngeren Termine eher von den kosmischen Ereignissen entfernt haben.

Bild mit verschiedenen Tag und Nachtgleichen Übersicht über Tagundnachtgleiche usw. Von Horst Frank aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

solstice Hier eine Illustration zur Sonnenwende. CC BY-SA 2.0, Link

Aber wann auch immer das Jahr nun beginnen und/oder enden mag, fest steht folgendes:

Ende des Jahres Das alte Jahr ist dann Geschichte. By John T. McCutcheon – Cartoon by John T. McCutcheon, scanned from book “The Mysterious Stranger and Other Cartoons by John T. McCutcheon”, New York, McClure, Phillips & Co. 1905. Book reprints a collection of McCutcheon’s cartoons, some dating back a few years., Public Domain, Link

Festzuhalten ist, dass ähnlich der Entwicklung von „Erde“ und „Wind/Regen/Donner“ zu abstrakteren Versionen = Gottheiten, auch die Einteilung der Zeit in eine Phase mit „Anfang“ und „Ende“ eine Erfindung der Menschen ist, die sich im Laufe der letzten Jahrtausende entwickelt hat.

Ausgehend von der möglicherweise ursprünglichen oder ersten Vorstellung Gottes als „Erdenmutter“ und „Wettergott“, wäre es denkbar, dass auch die Einteilung des Jahres sich an dieser Idee orientierte.
Das alles ist sehr hypothetisch und spekulativ, aber es erscheint mir logisch, dass der für den frühen Menschen so wichtige Kreislauf von Aussaht, Regen/Befruchtung und Ernte als Grundstruktur der Zeiteinteilung diente.
Nimmt man die Vorstellung von antropomorphen Wesen wie „Wettergott“ und „Mutter Erde“ hinzu, die sich gegenseitig aneinander erfreuen, dann stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wann „es“ eigentlich beginnt.
Beginnt das Leben mit der „Befruchtung“? = Jahresanfang im Frühling.
Beginnt das Leben mit der Rückkehr der Sonne, also mit der Ahnung von und Hoffnung auf „Befruchtung“? = Jahresanfang um die Wintersonnenwende.
Beginnt das Leben mit der Geburt? = Jahresanfang zur Erntezeit.
Oder ist gar schon der Frühling eine Art „Geburt“?

Also es gibt, wenn auch unterschiedlich interpretiert, grundlegende Gemeinsamkeiten in allen Kulturen der Welt was die Jahresanfänge anbelangt.
1. Die Orientierung an einem Zyklus von Werden und Sterben.
2. Die Einteilung dieses Zyklus in immer kleinere und genauere Zeitphasen.

Lebenskreis Kreis des Lebens. Bulgarien. By Edal Anton LefterovOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Kreis des Lebens Lebensrad. Nordindien. CC BY-SA 3.0, Link

Stonehedge Stonehedge. By Janßonius – Biblioteca Nacional de España, Public Domain, Link

Man bedenke, was aus den Windgöttern geworden ist.

Etruscan woman holding an egg Etruskische Frau, die ein Ei hält (Symbol für Fruchbarkeit und Wiedergeburt) By Anonymous (Etruscan)Walters Art Museum: Home page  Info about artwork, Public Domain, Link

Mit der Göttin Anna Perenna ist dieser Kreislauf eng verbunden. Denn ihr zweiter Name „Perenna“ leitet sich ab vom lateinischen Adjektiv „perennis“, das so viel bedeutet wie „jährlich wiederkehrend“. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihr um eine etruskische Göttin, eine ältere Göttin also, als sie uns von den Römern bekannt sind, denn die Etrusker lebten bereits vor den Römern auf der italienischen Halbinsel und wanderten noch vor dem 1. Jahrtausend aus dem orientalischen Raum dorthin ein.

So wurde sie wahrscheinlich zunächst als klassische Muttergottheit verehrt und bekam im Laufe der Zeit dann andere Attribute zugeschrieben. Beispielsweise als „Retterin“ der Plebejer, die der Sage nach einst aus Rom auswanderten, weil sie keine Lust mehr hatten, für die reichen Patrizier dort zu arbeiten.
Der Bezug zu Didos Schwester ist insofern interessant, als dass etwa ab der Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus männliche Gottheiten nach und nach den Glauben der Menschen dominieren. Ganz klar zu sehen in der Entstehung des Manichäismus, Mithraismus und Christentums um das 1. Jh. n. Chr.

Mithraism Mithras und der Stier. Public Domain, Link

Mani Mani, der Gründer des Manichäismus. Public Domain, Link

Jesus Jesus und vier Erzengel. By Internet Archive Book Imageshttps://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14742744896/Source book page: https://archive.org/stream/christianiconogr02didr/christianiconogr02didr#page/n89/mode/1up, No restrictions, Link

Die Geschichte von Dido – und Aeneas – repräsentiert nämlich auf verschiedenen Ebenen diesen Wandel im Denken weg von den Frauen hin zu den Männern.
Aeneas, als Stammvater der Römer, der aus Troja floh und auf Geheiß der Götter eine neue Heimat finden sollte, landete auf seiner Reise über das Mittelmeer eines schönen Tages in Karthago, der Hauptstadt des später mit Rom so verfeindeten Reiches. (Ab dem 3. Jh. v. Chr. drei Punische Kriege, Hannibal, – das ist alles historisch bezeugt und „korrekt“, also kein Mythos wie die Geschichte von Aeneas und Dido.)
Dort traf er auf die schöne Dido und verliebte sich unsterblich in sie.
Doch Aeneas war es nicht vergönnt, lange bei seiner neuen Liebe zu bleiben. Die Götter, namentlich der Botengott Merkur, forderten ihn auf, seine Reise fortzusetzen und sein Schicksal zu vollenden.
Was Dido daraufhin tat, ist sehr gut in dem unteren Bild zu erkennen.

Dido Dido ersticht sich. By Augustin Cayot (1667-1722)Marie-Lan Nguyen (2011), Public Domain, Link

Doch damit nicht genug. Wie oben bei der Skulptur zu erkennen, ersticht sich Dido, während sie auf einem „Podest“ aus Holz steht. Sie hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach zeitgleich verbrannt. Und zwar am Strand, wo Aeneas sie sehen konnte, während er mit seiner Mannschaft zur Küste Italiens zog.

Hier ein Bild aus glücklicheren Tagen:

Aeneas und Dido Aeneas und Dido begegnen sich zum ersten Mal. By Nathaniel Dance-HollandXQGCpNt3tbJiAw at Google Cultural Institute, zoom level maximum Tate Images (http://www.tate-images.com/results.asp?image=T06736&wwwflag=3&imagepos=1), Public Domain, Link

Gut zu sehen ist hier im Hintergrund Didos (linke Seite) ihre Schwester Anna. Die Anna, die also auch einen mögliche Gleichsetzung mit „Anna Perenna“ erfährt. Anna stand Dido immer zur Seite, riet ihr sogar zu der Beziehung mit Aeneas.
Nach Didos Tod muss Anna aus Karthago fliehen und wird nach einer längeren Odyssee über das Mittelmeer schlussendlich in eine Flussnymphe verwandelt.

Vielleicht geht es zu weit, wenn man behauptet, dass der Tod Didos mythisch eine Art „Endpunkt“ von Muttergottheiten darstellt. Dazu würde sich auch ein genauerer Blick auf Dido selbst lohnen, die ja hier eigentlich eher am Rande von „Anna Perenna“ auftaucht.

Wer möchte, findet einige Informationen dazu im wikipedia Artikel hier. https://de.wikipedia.org/wiki/Dido_(Mythologie)
Allerdings fehlt darin der Bezug zur karthagischen Religion, die übrigens schwierig zu rekonstruieren ist, da die Sieger über Karthago (also die Römer), natürlich nicht mit Verteufelungen über die Stadt sparten.
So könnte die Geschichte um Aeneas und Dido auch „nur“ beinhalten, dass Vergil (der Autor der sogenannten „Aeneis“) eine schöne Gründungsgeschichte und Lobhudelei auf Rom schrieb.

Aeneas selbst lebte auf jeden Fall glücklich und froh – und das auch mit mehreren Frauen.

Wohingegen z.B. Odysseus, ein anderer Mittelmeerreisender, dessen Mythos noch ein wenig älter ist (ca. 9. Jh. v. Chr.), trotz vieler Affären schlussendlich doch wieder zurück zu seiner Ehefrau Penelope fand.

Kreusa Aeneas mit seinem Vater Anchises auf dem Rücken (der die Hausgötter festhält), seinem Sohn Askanius im Vordergrund und Kreusa, seiner ersten Frau, die es leider nicht schafft, aus Troja zu fliehen. By Federico BarocciWeb Gallery of Art, Uploaded to en.wikipedia 03:45 28 Jul 2004 by en:User:Wetman., Public Domain, Link

Lavinia Aeneas römische Frau Lavinia mit ihrer Mutter Amata und Bacchantinnen. By Wenceslaus Hollar – Artwork from University of Toronto Wenceslaus Hollar Digital CollectionScanned by University of TorontoHigh-resolution version extracted using custom tool by User:Dcoetzee, Public Domain, Link

Odysseus und Penelope Als Odysseus von seiner Odyssee zurück kehrt, muss er erstmal die ganzen Freier beseitigen, die sich um seine Frau geschart hatten. Das waren noch Zeiten! By kladcatWoodcut illustration of Odysseus’s return to Penelope, CC BY 2.0, Link

Die Zwei-Zehn-Götter


Der Olymp. Von Charles-Amédée-Philippe van Looonline, Gemeinfrei, Link

Der folgende Beiträg enthält eine Übersicht über die Herkunft der zwölf olympischen Götter und ihren Auftritt in meinem im Dezember 2017 erscheinenden Roman „Amor und Psyche“. Abschließend gibt es einen Exkurs zur Zwei-Zehn oder Zwölf (12) – eine Zahl mit mythologischem Hintergrund.

Die Götter der Griechen und Römer waren überaus zahlreich. Es gab aber sowohl in Griechenland als auch in Rom ein festes Pantheon, also ein Verständnis davon, wer zu den Hauptgöttern zählte. Bereits von antiken Autoren werden 12 Götter zu den Hauptgöttern gezählt.
Die europäische Kultur-Geschichte begann allerdings weder mit den Römern (ca. 6. Jh. v. Chr.) noch mit den Griechen (ca. 9. Jh. v. Chr.), sondern mit solch weitgehend unbekannten Völkern wie den Hethitern, Assyrern, Urartäern, Babyloniern, Sumerern. Dies sind alte Hochkulturen, die ebenfalls mehrere Götter verehrten. Die Geschichte der Sumerer beginnt beispielsweise schon im Jahr 5000 vor Chr. Bekannter, aber nicht älter, sind nur die Ägypter.

Typisch für die Assyrer: Menschenköpfige, bärtige Flügelwesen. Von Austen Henry Layard 1817-1894. – (Originaltext: aus Layards Buch “Nineveh and Babylon; a narrative of a second expedition to Assyria during the years 1849, 1850, & 1851”), Gemeinfrei, Link

Keilschrift Keilschrift. Schriftzeichen dieser alten, eher unbekannten Kulturen. – Der Grund, warum auch der „Lehmofen“ seinen Namen trägt, denn die alten Texte wurden früher im Ofen wie Kekse „gebacken“. Von Hammurabi, King of Babylonia;Ungnad, Arthur, b. 1879 – https://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14576489278/Source book page: https://archive.org/stream/briefeknighamm00hamm/briefeknighamm00hamm#page/n19/mode/1up, No restrictions, Link

Die Geschichte „vor” dem Jahre 0 mit den Menschen, die an viele Götter glaubten, dauerte also bereits viel „länger“ als die Geschichte nach dem Jahr 0, die – zumindest heute – erst in den achten von insgesamt 12 Monaten, also August 2017, reicht.

Man kann sagen, dass alle römisch-griechischen Götter schon in den Gottheiten der alten Kulturen angelegt sind. Ähnlich wie im Beitrag über Mutunus Tutunus  sind es zwar niemals dieselben Götter, aber ihre Eigenschaften überschneiden sich. So ist z.B. Venus die Göttin der Liebe bei den Römern, Aphrodite bei den Griechen, Ishtar bei den Babyloniern, Inanna bei den Sumerern.
Auf der Website http://www.diegoetter.de findet man dazu viele Hintergrundinformationen.

Venus Venus/Aphrodite in einer bildnerischen Version des frühen 20. Jh. By Herbert James Draperhttp://1.bp.blogspot.com/_-H-t Wz1VNU/SoBcp_6TLKI/AAAAAAAAFIc/oIs6S25o8C4/s1600-h/Draper_PearlsOfAphrodite_100.jpg (cropped), Public Domain, Link

Ishtar Ishtargravur auf einem Tongefäß. By © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons, Public Domain, Link

Teil eines ehemaligen Inanna-Tempels in Uruk. By Miguel Hermoso CuestaOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Doch nicht nur die Götter und ihre Eigenschaften, auch die Erzählungen von den Göttern überschneiden sich, verändern sich aber auch mit der Zeit. So gibt es einen sehr alten Mythos über Inanna und Dumuzi, wo – je nach Quelle – mal er, mal sie in die Unterwelt geschickt wird oder selber dorthin geht und später wieder rauskommt. Bei den Griechen/Römern findet sich die Geschichte in abgewandelter Form für Persephone/Proserpina und Hades/Pluto wieder.
Und auch im Christentum hat die Geschichte – in etwas anderer Form – Einzug gehalten und wird bis auf den heutigen Tag erzählt. An Karfreitag stirbt Jesus, am Ostersonntag darf er das Totenreich verlassen, ist „auferstanden von den Toten“. Und auch viele andere Kulturen kennen diese Art von Erzählung. Ein eigener Blog-Artikel dazu würde sich lohnen. 🙂

Unterwelt Hier ein Beispiel aus der nordischen Mythologie. Heimdall verlangt die Rückkehr Iduns aus der Unterwelt. By Carl Emil Doepler (1824-1905) – Wägner, Wilhelm. 1882. Nordisch-germanische Götter und Helden. Otto Spamer, Leipzig & Berlin. Page 285., Public Domain, Link

Diese Erzählung von “Tod und Auferstehung” hat also den Wandel der Zeiten bis auf den heutigen Tag überdauert. Warum das so ist, kann man nur vermuten. Ich denke: Zum Einen erleichtern diese Unterwelts-Rückkehr-Geschichten die Tatsache, dass der Mensch irgendwann einmal stirbt. Zum Anderen gibt es diesen Kreislauf von „Untergang“ und „(Wieder)Geburt“ auch ganz faktisch schon seit Menschengedenken, da sich die Sonne (oder auch der Mond) mal länger und mal kürzer am Himmel aufhält im Laufe unseres in 12 Abschnitte eingeteilten Jahres.

Tagundnachtgleiche Ein Astrologe beobachtet die Tag-und-Nachtgleiche. Im Hintergrund Adonis und Venus. (ca. 17. Jh. n. Chr.) By Domenicus van Wijnenpl.pinterest.com, Public Domain, Link

Dieser Erzählung – auf ihre Grundaspekte reduziert – ist auch kein europäisches, sondern ein weltweites Phänomen. Denn auch in anderen, alten und moderneren Gedankensystemen findet sich diese Spannung zwischen „Werden“ und „Vergehen“, „Tag“ und „Nacht“, „Frau“ und „Mann“.
Das bekannteste Symbol dafür ist wohl dieses hier:

Ying Yan Yin Yang. By Kenny Shen – Own work, Public Domain, Link

Für Spannungen ist auch das römisch-griechische Pantheon bekannt. Denn darin finden sich genau 6 Frauen und 6 Männer, verquere Beziehungen, Liebe und Triebe. Bzw. dieselbe Anzahl männlicher und weiblicher Gottheiten.

Namentlich sind es griechisch/römisch:

Zeus/Jupiter
Hera/Juno
Poseidon/Neptun
Demeter/Ceres
Minerva/Athene
Apollon/Apollo
Artemis/Diana
Ares/Mars
Aphrodite/Venus
Hephaistos/Vulkanus
Hermes/Merkur
Hestia/Vesta

Hochzeit Hier ein Schnappschuss von ihnen auf der Hochzeit von Amor und Psyche. (16. Jh. n. Chr.) By Creator:Raphael (Raffaello Sanzio or Santi)http://www.metmuseum.org/art/collection/search/692282This file was donated to Wikimedia Commons by as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. See the Image and Data Resources Open Access Policy Deutsch | English | Esperanto | Português | +/−, CC0, Link

Der Einfachheit halber bleibe ich bei der Namensverwendung in der römischen Variante. So habe ich es auch in “Amor und Psyche” gehandhabt.

Jupiter ist der Göttervater und wurde im Großen und Ganzen in seiner ursprünglichen, antiken Variante belassen. Als letztgeborener Sohn des Titanenpaares Kronos und Rhea, erhält er von seiner Mutter die Aufgabe, all seine Geschwister, die der Vater aus Angst vor Entmachtung gefressen hatte, zu befreien und dann über die Erde zu herrschen.
Nicht alle Olympier sind aber die Geschwister Jupiters. Und sein Bruder Pluto, der Gott der Unterwelt, der in meinem Buch eine ganz entscheidende Rolle spielt, zählt historisch betrachte nicht einmal zu den großen 12 Göttern, die über die Erde herrschen. – Er ist eben ein Unterweltsgott.

Jupiter Adler. Jupiter und Ganymed. Und Prometheus. (16. Jh.) By Christian Griepenkerl – found online [2], James Steakley, Public Domain, Link

Hades Pluto und Proserpina. Und der Zerberus. (19. Jh.) By Publisher: Eduard Trewendt, Atelier für Holzschnittkunst von August Gaber in Dresden – Mythologie der Griechen und Römer für die reifere und gebildete weibliche Jugend,Von Julie Hoffmann; 264 Seiten, Breslau 1864, Public Domain, Link

Apollo und Diana kommt in meinem Roman eine besondere Stellung zu. Diana, die Mondgöttin, habe ich in ihren Eigenschaften ebenfalls sehr „natürlich“ übernommen. An Apollo, Amors bestem Freund, habe ich mich schriftstellerisch allerdings ausgetobt.
Klassischerweise ist er der Gott der Erkenntnis und des Lichts, in meinem Roman „Amor und Psyche“ wird er zum Sonnengott erhoben.
Das mag unter anderem an Bildern wie diesen liegen:

Phaeton Phaeton auf dem Wagen von Apollo. (18 Jh.) By Nicolas Bertin, Public Domain, Link

Apollo Apollo in seinem Wagen. By Cosmas Damian AsamHQFUx1ynbAZohw at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Aurora und Apollo Aurora und Apollo. By Costantino Cedini – Sotheby’s, Sale N08952 (New York, 2013-01-31–2013-02-01), Public Domain, Link

Venus und Mars spielen als Amors Eltern eine ebenfalls wichtige Rolle. Daneben auch Vulkanos, der beziehungstechnisch betrachtet der Stiefvater von Amor ist.

Venus und Mars Venus und Mars (antikes Fresco mit Magd und Amor). By SailkoOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Venus und Mars Venus, Mars und Amor. By SailkoOwn work, CC BY 3.0, Link

Vulkanos und Venus und Mars Vulkanos genervt von Venus und Mars Affaire. By Guillemot, Alexandre Charles (1786 – 1831) – Artist (French)Details of artist on Google Art ProjectNgFVL6Vteg3K6Q at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Juno (Muttergöttin), Ceres (Göttin des Getreides), Neptun (Gott des Meeres), Athene (Göttin der Weisheit), Merkur (Götterbote) und Vesta (Göttin des ewigen Herdfeuers) spielen bei „Amor und Psyche“ keine umfangreiche Rolle, kommen aber als Nebenfiguren vor.

Hera Juno. By VaskryOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Demeter Ceres. By SteffenheilfortOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Poseidon Neptun. By No machine-readable author provided. Neuceu assumed (based on copyright claims). – No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0, Link

Minerva Athene. By Miguel Hermoso CuestaOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Hermes Merkur. By Phidias (?) – original photo by Marie-Lan Nguyen (September 2009), CC BY 2.5, Link

Hestia Vesta. By Unknown[1], Public Domain, Link

Dafür finden sich in „Amor und Psyche“ einige andere Figuren der Antike, z.B. diese hier:

Pan Pan. Hier mit Venus und Amor. By Tilemahos Efthimiadis from Athens, Greece – Group of Aphrodite, Pan and Eros. About 100BCUploaded by Marcus Cyron, CC BY-SA 2.0, Link

Musen Die Musen. By Pierre Puvis de Chavannes – Pierre Puvis de Chavannes, 1884-1889, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19584966

Und nicht zuletzt gebührt eine besondere Ehre den beiden Protagonisten, die allerdings nicht zu den Hauptgöttern des Olymp zählen.

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Reinhold Begas (1831-1911) – Alte Nationalgalerie, CC0, Link

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Ernst Roeber (1849-1915) – Dorotheum, Public Domain, Link

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Adamo Tadolini (Skulptur), Carlo Brogi (Fotografie) – Eigener Scan, Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Public Domain, Link

In meiner Interpretation handelt es sich bei ihnen um die beiden “Urprinzipien” von “Herz” und “Verstand” oder Liebe und Geist (Gedanken), einem göttlichen und einem menschlichen Aspekt, die eigentlich zusammen gehören, sich aber erst dann erkennen, wenn sie einander verlieren.

Was hat es nun mit der Zahl 12 auf sich?

Wenn man sich die Entstehung von Zahlsystemen ganz allgemein ansieht, landet man unweigerlich wieder bei den frühen Hochkulturen. Auf die Babylonier geht beispielsweise unsere – noch heute gültige – Einteilung der Stunde in 60 Minuten zu je 60 Sekunden zurück. Sehr wahrscheinlich ist dies ein Ansatz, den auch schon die Sumerer verfolgten.

Babylonisches Zahlsystem Babylonische Zahlen. Von Josell7File:Babylonian_numerals.jpg, GFDL, Link

60 besteht aus 5 x 12. Der Tag besteht aus 2 x 12 Stunden. Das Jahr aus 12 Monaten (der Mond umrundet die Erde in einem Jahr meistens 12 Mal, manchmal auch 13 Mal, dazu gkazakou).
Das römisch-griechische Pantheon besteht, wie oben beschrieben, aus 12 Hauptgöttern.

Daneben findet man diese Zahl in vielen anderen Gedankensystemen:

Odin hatte 12 Söhne.

Das heidnische Fest der „Rauhnächte“ dauert(e) 12 Tage. (Nacht Wintersonnenwende/etwa Weihnachten bis 6. Januar.)

Jesus hatte 12 Jünger.

Jakob (eine Figur des Alten Testaments/Bibel) hatte 12 Söhne, die die 12 Stämme Israels (Judentum) begründeten.

Die Stadt Jerusalem hat (immer noch) 12 Tore, die von 12 Engeln bewacht werden (wer weiß?).

Mohammed hatte – in einer Richtung des Islam (Shia, 12er-Shiiten, heute v.a. im Iran ansässig) – 12 ihm nachfolgende Imame. Ein Imam ist ein muslimisches Oberhaupt, an das man sich mit religiösen Fragen wenden kann. Sie sind also als eine Art Priester tätig, haben aber auch politische/weltliche Aufgaben.

In China gibt es die Einteilung der Zeit in einen 12-Jahres-Rhythmus, sogenannte „Erdzweige“. (Vergleichbar mit unseren Sternzeichen, Horoskopen.)

Die Ritter der Tafelrunde hatten die Anzahl 12.

Mit etwa12 Jahren galten Menschen im Mittelalter (und auch in der Antike) als „erwachsen“. Heutzutage beginnt etwa dann die Pubertät.

Die Gebrüder Grimm haben die Zahl in einigen Märchen verwendet. (Dornröschen, Die 12 Brüder …)

Im römischen Reich gab es 12 Liktoren (Bodyguards für damalige Politiker), die Rutenbündel (teils 12 Ruten + Beil) als Zeichen ihrer Macht getragen haben.

Im 12. Monat des Jahres 2012 sollte – dem Maya-Kalender zufolge – die Welt untergehen.

Und last but not least:

Es gibt 12 Jyotirlinga(m)s: die 12 heiligsten indischen Tempel für den Gott Shiva.  – Ein letzter, aktueller Bezug zu: Mutunus Tutunus 🙂 

Fest zu Ehren Shivas mit Lingam-Repräsentationen. By ChaubalsOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Baumblick

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Ich bin ein Baum und dies ist mein Raum. Seit einhundert Jahren schon. Mit meinen Wipfeln spielt der Wind, fliegt sie durchpflügend über die Wellen, die plätschern unten an den Stamm.

Herum um mich ist Weite, ist Wasser, ist eine Wand. Gräser und Blumen, ein schmaler Weg und ein Backsteinhaus, dabei: ein kleiner Streifen Land. Nicht alles war schon immer da. Ach, – die Blumen. Doch sind sie anderes, jedes Mal.

Neben mir geht die Sonne auf, Tag für Tag. Und neben mir geht sie unter, auf der anderen Seite und dann ist es Nacht. Mal ist´s der Schnee, mal die Blätter, dann viele Früchte, die meine Zweige nach unten beugen. Es schmilzt, es weht davon, mit der Zeit wird alles anders.

Doch die Blätter, sie streiten und verwirren meine fruchtigen Kinder.

So sprechen die Blätter, die das Wasser sehen:

„Dieser See, das einzig Wahre, das Ewige, das Beständige. Auch regnet es auf euch herab, auf uns alle. Also glaubt dem Wasser.“

„So wollen wir den Blätter glauben, die dort wachsen, wo die Sonne untergeht“, sagen meine Kinder.

Jene Blätter aber, die das Backhaus sehen, sprechen:

„Es gibt wohl Wasser von oben, doch keines von unten. Eine Sammlung von Wasser existiert nur in kleinen Flächen, niemals aber ist es so, wie die anderen Blätter sagen. Bestand hat nur dieses Haus, sein Gras und die Blumen vor dem Haus.“

Dann entzweien sich meine Kinder, ein manches wird gar faul dabei und fällt ab.

Die Blätter aber, die ins Weite sehen, sagen:

„Wohl gibt es Wasser und Blumen, doch ein Haus, – was soll das sein? Wir sehen es nicht, also gibt es kein Haus. Und das Wasser in seiner Sammlung, wir können es erahnen. Mag es möglich sein. Doch zu behaupten, es gäbe ein Haus – das ist eine Lüge!“

Und meine Kinder erröten wegen ihrer Unwissenheit, werden reif und schwer.

Die Blätter aber streiten über die Wahrheit, über Richtig und Falsch, über den einzigen Blick.

Und wenn es Herbst wird, dann verlassen sie mich. Lassen mich kahl und nackt zurück.

Meint doch ein jedes, ihm sei die Richtung gegeben. Meint doch ein jedes, sein Weg wäre klüger. Meint doch ein jedes, die Sonne scheine nur für sich.

Einst war ich klein, ein Samenkorn allein. Licht und Wasser ließen mich entstehen, machten mich zu dem, der ich jetzt bin: alt und groß. Nie brauchte ich viel, war immer genügsam. Meine dunkle Rinde ein guter Schutz.

Törichte Blätter. Wissen nichts vom Stamm und Zweigen, wissen nichts von der Erde, die sie nährt. Haben vergessen, dass sie alle am gleichen Baum hängen, dass sie alle dieselben Wurzeln haben. Erzählen meinen Kindern nur die Wahrheit, die sie sehen.

Doch wenn die Früchte sich lösen und ihr Samen auf guten Grund fällt, ja, dann …