Die Prüfung

Prüung 09.07

Aus gegebenem Anlass veröffentliche ich heute eine Kurzgeschichte, die der ein oder andere von euch eventuell noch kennt. 🙂 Viel Erfolg allen Prüflingen da draußen!!! Oder: „Es ist alles halb so wild.“ 🙂 🙂 🙂

 

Es ist mitten in der Nacht, mein Handy klingelt. Ich hab es extra neben das Bett gelegt, angle es hinauf, -Staubflusen, Haare: Igitt!-, einmal pusten und wischen. Bling – ich bin verbunden.
„Hallo Claudi“, gähne ich.
„Hallo …“, flüstert Claudi am anderen Ende.
„Was´n los?“
„Ich pack´ das nicht.“
Och nee, das wird ein längeres Gespräch. Ich dreh mich auf die Seite, Handy unters Ohr, zieh mir die Decke über den Kopf und schließe die Augen.
„Na, dann …“, seufze ich.
„Oh Mann, danke, dass du das mitmachst. Ich hab solche Angst. Morgen, ich kann nicht, wie soll ich das schaffen? Ich glaub´, ich pack das einfach nicht, ich …“
Claudi erzählt und erzählt, ich hör mir alles an, geduldig, abwartend. Was soll ich auch sonst tun? Ich hab ihr gesagt, dass sie mich jederzeit anrufen kann. Wir sind Freundinnen, Freundinnen machen so was. Dass sie mein Angebot so ausgiebig nutzen würde, hätte ich nicht gedacht.
„Doch, das wird schon“, sage ich.
„Meinst du wirklich?“, fragt sie. Dann legt sie noch mal los, sie habe sich gut vorbereitet, sie habe alles gelernt, sie könne den Reader in und auswendig, aber dann gäbe es Momente, wo sie alles wieder vergessen würde.
„Das ist wie ein schwarzes Loch“, sagt sie. „Dann erinnere ich mich an gar nichts mehr!“
„Das ist doch normal“, sag ich. „Jeder hat Angst vor Prüfungen. Da spielen die Nerven schon verrückt. Es ist wichtig, dass du dich beruhigst, dass du versuchst zu schlafen.“
„Ich kann nicht schlafen, Marie!“, japst Claudi. „Ich dreh echt durch. Ich kann nicht! Ich glaube, ich muss mich morgen krank melden …“
Nur das nicht, denke ich und bin mit einem Mal wieder hellwach.
„Nein, mach das nicht!“

Ich versuche, meine Stimme so vernünftig wie möglich klingen zu lassen. Wenn sie das morgen nicht durchzieht, dann wiederholt sich dieses Drama wohlmöglich bis in alle Ewigkeit.
„Du hast sehr nette Prüfer. Professor Kümmerling, von dem hab ich gehört, dass er sehr fair prüfen soll. Weißt du noch, Natalie hatte sich gar nicht vorbereitet und ist trotzdem irgendwie durchgerutscht.“
„Aber mir passiert sowas nicht“, sagt Claudi und knirscht mit den Zähnen.
„Nee, du hast dich ja auch vorbereitet“, sag ich. „Das wird morgen bestimmt richtig gut für dich laufen.“
„Meinst du?“, fragt Claudi mit leiser Stimme.
„Ja“, antworte ich und setze mich wie zur Bestätigung im Bett auf.

Außerdem, wenn du das morgen nicht machst, dann kommst du vielleicht zu Professor Fieser.“

Claudi sagt nichts. Das ist gut. Jetzt denkt sie nach.

Schließlich: „Du hast Recht, Marie.“
„Na gut, dann leg ich jetzt auf.“
„Warte!“
„Was denn?“
„Und was ist, wenn sich morgen bei der Prüfung einfach der Boden unter mir auftut und ich in ein riesiges Loch falle, vor lauter Scham, weil ich die einfachsten Antworten nicht mehr weiß?“

Ich lache leise. „Dann bestehst du die Prüfung trotzdem, weil du die schwierigen Fragen beantworten kannst.“

Und wie geht es dir?“, frage ich, als ich Claudi wenige Minuten vor der Prüfung vor dem Seminarraum treffe.

Die Frage hätte ich mir sparen können.
Sie sieht kaputt aus und blass, unter den Augen dicken Ringe, überall aufgekratzte Pickel, auf denen zu viel Camouflage pappt. Sie sieht richtig scheiße aus. Verzweifelt guckt sie mich an.
„Ach, komm her“, sag ich und umarme sie fest.

Dann kommt, ich glaub‘, Ines heißt sie, gefolgt von Professor Kümmerling aus dem Büro. Sie strahlt wie ein Goldpokal. Das war bestimmt ’ne gute Prüfung, denke ich.

Herr Kümmerling winkt Claudi aus dem Schatten an meiner Seite.
„Guten Tag, Frau Mai, herzlich willkommen!“
„Ja“, haucht Claudi aus blutleeren Lippen. Taumelnd geht sie auf ihn zu. Ich fürchte, sie ist der Ohnmacht nahe.
„Und sie haben Zuschauer mitgebracht!“
„Ich bin Marie“, sag ich, dirigiere Claudi mit der einen und reiche Herrn Kümmerling die andere Hand.
„Na, dann kommen Sie herein, Frau Mai und Marie.“

Herr Kümmerling hält uns die Tür auf. Drinnen sitzen noch ein paar andere Doktoranden und Professoren, die ich aber nicht kenne. Ich nehme in der Ecke Platz und Claudi tapst in die Mitte des Raumes, direkt vor die Prüfungskommission. Die sehen echt nett aus, finde ich. Sie lächeln sogar.

Und dann fängt sie an, die Prüfung, und die werten Herrn Professoren stellen wirklich einfache Fragen. Die könnte sogar ich beantworten, finde ich, aber ich muss mir auf die Zunge beißen. Claudi sitzt nämlich stumm da und zappelt mit den Beinen, als wäre sie ein Fisch auf dem Trockenen oder eine ähnliche bemitleidenswerte Kreatur. Sie kriegt keinen Ton raus. Die Situation ist furchtbar. Am liebsten würde ich ihr irgendetwas auf den Kopf hauen.

Herr Kümmerling hakt noch einmal nach, freundlich, aber bestimmt.
Claudi sagt immer noch nichts. Stattdessen spielt sie mit ihrer Haarsträhne und guckt betreten aus dem Fenster.

Ich frage mich, weiß sie es wirklich nicht? Das ist doch leicht! Die Gesichter der Kommission werden länger. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Vielleicht hätte sie sich doch besser krankschreiben lassen sollen? Wieso kann sie diese simplen Fragen nicht beantworten? Hätte ich ihr besser Zureden sollen? Ich bin eine schlechte Freundin! Arme Claudi!!! Die einfachsten Fragen – und nicht mal die kann sie beantworten.

Auf einmal ertönt ein seltsames Geräusch, das ich noch nie gehört habe. Irgendwas zwischen Schaben und Hämmern. Dann vibriert es leicht, ruckelt, ruckelt stärker, stärker, rüttelt und schüttelt. Ein Erdbeben?

Der Fußboden wölbt sich, Claudis Stuhl sinkt einen halben Meter nach unten, Holz knackst und splittert, Claudi kreischt, der Boden kracht und Claudi verschwindet samt Teppich und Stuhl in einem gewaltigen Loch.

Die Kommission guckt mich an, ich gucke die Kommission an, Staub auf unseren Häuptern. Wir sind alle ziemlich baff. Ratlosigkeit steht in unseren Gesichtern. Herr Kümmerling sieht außerdem bekümmert aus. Überall wirbeln Flusen durch die Luft, die sich langsam absetzen.
Vorsichtig stehe ich auf und nähere mich dem Rand des Einbruchs. Claudi ist unverletzt. Mit verschränkten Armen steht sie da und sieht hoch. Ihr Gesicht ist ganz rot, energisch pustet sie sich die Haarsträhne von der Nase.

Die Prüfer erheben sich von ihren Stühlen und gucken über den Rand in die Grube.
„Frau Mai …“, stammelt Herr Kümmerling und klopft sich den Staub von seinem Jacket. „Geht es Ihnen gut?“
„ICH KANN SIE NICHT HÖREN“, schreit Claudi. „SPRECHEN SIE LAUTER UND STELLEN SIE MIR ENDLICH SCHWIERIGE FRAGEN!“

Die Herren Professoren und Doktoren wechseln Blicke, Herr Kümmerling runzelt die Stirn und setzt sich wieder. Zögernd greift er zu Papier und Stift, dann geht alles ganz schnell:
Die nächsten fünfzehn Minuten schreien sich Herr Kümmerling und Claudi an, als gäbe es kein Morgen. Seine Fragen knallen in die Grube, ihre Antworten stemmt sie mit Rufen in die Höhe, direkt auf den Tisch der Kommission.
Ich halte mir die Ohren zu, das hält kein Mensch aus.

Während sich Herr Kümmerling und Konsorten an die Notenfindung machen, werde ich losgeschickt um vom Hausmeister eine Leiter für Claudi zu besorgen.
„SIE HABEN UNS EINEN GANZ SCHÖNEN SCHRECKEN EINGEJAGT!“, höre ich Herrn Kümmerling sogar im Treppenhaus schreien.
„ABER INSGESAMT SIND WIR ZU DEM ERGEBNIS GEKOMMEN, DASS IHRE LEISTUNG NOCH IM SEHR GUTEN BEREICH ANZUSETZEN IST!“
Höchst zufrieden klettert Claudi an der Leiter aus der Grube. Ich helfe ihr ein bisschen. Sie wischt sich den Schmutz aus dem Gesicht, tänzelt den Rand des Einbruchs entlang, reicht allen galant die Hand und schwebt aus dem Gebäude.


„Siehst du“, sagt Claudi, „war doch gar nicht so schlimm, oder?“

Blindes Selbstportraitieren

Zurzeit poste ich verdammt viel. Das macht Spaß!!! 🙂 Ich hoffe, euch auch (noch). Genauso wie diese blinden Selbstportraits, auf die ich neulich per Zufall und dann durch Gerda *klick* und Susanne *klick* aufmerksam wurde. Letztere hat es wiederum von einer Martina, die ich hier *klick* auch noch mal verlinke.

Letztere meinte übrigens auch „Eitel darf man halt nicht sein“, bin ich glücklicherweise auch nicht 😀 …

Und ich habe auch so ein wenig mein eigenes Ding gemacht. Das erste Bild entstand nämlich noch halb sehend (ich habe mich nicht getraut), die weiteren Bilder entstanden blind, doch das letzte habe ich mir dann geschnappt und aus den vorhandenen Umrissen (nach dem Abwischen) mein „wahres Ich“ sehend hervorgearbeitet.

Jetzt weiß ich, was ich wirklich bin!

Ein Satyrweibchen!

🙂

Toll!

 

So leer hier …

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Tja, jetzt habe ich es getan.

Hatte mich schon einige Zeit damit herum getragen, aber gestern war es dann – nach einem spontanen Impuls – so weit. Ich habe Amors Abenteuer und meine Kurzgeschichten „eingemottet“, d.h. ihre öffentliche Sichtbarkeit ausgeschaltet.

Ich finde das ein wenig schade, denn ich hätte sie gerne bis in alle Ewigkeit online gelassen, damit sie jeder lesen und sich im besten Falle daran erfreuen kann. Nun ist es aber so, dass ich Amors Abenteuer (Amor und Psyche) einem Verlag anbieten werde. Wahrscheinlich. Weiß noch nicht so Recht, aber nach heutiger Planung sieht es ganz danach aus. Und es wird kein geringerer sein als Diogenes. Ich mag diesen verrückten Philosophen sehr. Und: Wenn schon, denn schon. 🙂

Das mach ich die nächsten Tage und dann muss ich noch ein halbes Jahr warten. Denn so sind die Bestimmungen da, könnt ihr ja gerne mal hier *klick* nachlesen. Das war so eine Nacht und Nebel Entscheidung und hatte auch was mit Schlaflosigkeit und meinem Lieblings-Kinderbuch zu tun. Erstaunt hat mich, dass die überhaupt unverlangt eingesandte Manuskripte angucken mögen. (An dieser Stelle: fühlt euch frei, die WOLLEN das so! 🙂 ) Das Anschreiben habe ich schon fertig, da steht übrigens wortwörtlich, dass ich „aus allen Wolken fallen [würde], wenn es zu einer Zusammenarbeit käme.“ 🙂

Und wenn nicht, nicht schlimm! Im Dezember 2017/Januar 2018 (so der heutige Plan), gehe ich dann mit diversen eBooks an den Start. Amor und Psyche ist fast fertig, ein drittes ist in Planung und nachdem ich ja nun weiß, wie der Schreibhase hüpft, könnte ich mir vorstellen, dass ich den ersten Teil vielleicht sogar auch schon bis dann so grob und irgendwie halb vielleicht gegebenenfalls …

Der Hauptgrund für die Löschung aber ist, dass der „Lehmofen“ sich immer größerer Beliebtheit erfreut, mittleweile sogar von Google gefunden werden kann … und das macht mir ein wenig Angst, zumal ich – das ist wirklich wahr – gestern von jemandem angeschrieben worden bin, der bzw. die mir sehr traurige Dinge über Plagiatsprobleme erzählt hat. Und da dachte ich so: nee. Das muss ja nicht sein.

Ich find´s schade, aber ich werde natürlich trotzdem hier weitermachen und bestimmt auch die ein oder andere Geschichte posten, genauso wie viele, viele Quatschbilder meiner künstlerischen Selbstfindungsphase und Textauszüge!

Apropos Textauszüge:

Ich überlege noch, mit welchen Szenen ich mich beim Diogenes-Verlag bewerbe. Für die, die den Blogroman noch so grob im Kopf haben (ja, ich habe ihn jetzt gelöscht und 1000 Mal überarbeitet, doof, ich weiß 😉 ) … fällt euch spontan was ein, das dafür brauchbar erscheint?

Seid herzlichst gegrüßt und bis bald!

Eure

Runa

Phaino

 

 

 

Nackt im Badezimmerspiegel

 

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Inspiriert von Gerda (hier) und einer anderen Künstlerin (hier) habe ich mich heute morgen gleich an eine blinde Aktzeichnung gewagt.

Ja, das da oben bin ich NACKT – im Spiegel. 😉

Wer sich jetzt wundert, dass es seit gestern zwei Portraits aber keine wirklich schriftstellerischen Beiträge von mir gab, dem sei gesagt, dass ich gerade meine zweitliebste Leidenschaft nach dem Schreiben wieder entdecke (und daher auch ein wenig damit Herumblödel 😉 ).

Nebst Amors Abenteuer (bzw. Amor und Psyche – noch 30 Seiten zu überarbeiten), prokrastiniere ich derzeit ein wenig herum und hatte mir gedacht, dass es doch ganz fein wäre, das Herzmärchen der Spinnerin wieder online einzustellen (ja, derzeit gibt es das nicht mehr) und zwar mit eigenen Illustrationen.

Ein paar Leser hatten mich vor zwei Jahren darauf hingewiesen und mittlerweile ist die Idee ausgereifter und in mein Bewusstsein vorgedrungen. (Alles hat seine Zeit).

Ich weiß nur noch nicht, wie ich die Illustrationen machen soll.

Bin so eine Kugelschreiber-Papier-Tante. Könnte mir aber auch was mit Filz vorstellen (dann wäre es bunt). Oder ich mache es ganz klassisch so im Stile des „Kleinen Prinzen“ – also entfernt comicartige, liebevolle Skizzen.

Na, mal gucken, was die Zeit so mit sich bringt.

 

 

 

 

 

Früher war mehr Lametta

DSC_0810… und an der Nordsee gab es noch Muscheln.

Eigentlich sollte das ein ganz anderer Beitrag werden. Aber das hat irgendwie nicht funktioniert. Nun gibt es dafür (m)ein Selbstportrait, denn wie ein Lehmofen sehe ich eigentlich gar nicht aus. Eher so wie da oben.

Das Bild entstand in der Kinderabteilung auf dem Kirchentag. Man konnte sich selbst beim Malen im Spiegel betrachten, konnte aber nicht sehen, was man malt. Das erklärt, warum ich die Augenbrauen in den Augen und die Ohren rund ums Gesicht verteilt habe.

Kolorieren durfte man es dann glücklicherweise sehend. Obwohl das Ergebnis beim Nichtsehen sicherlich auch sehr interessant geworden wäre.

Was meint ihr?