Still some steps to go …

Dear visitor,
at the end of 2018, I will start a new blog about stories of the ancient world- and especially women’s history.
Right now I am collecting, figuring out, making holiday and so on. But soon there will be also a video message from me, that you finally (or firstly) can see, who the hell this person “Runa Phaino” really is. 😉

If you want to stay tuned, I recommend following via E-Mail (button on the right). The next and only message will be a link to my new project.

Besos and best wishes to you – and remember: we all gonna die. (wagd).
Regards

Runa
Phaino

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Soll ichÂŽs wirklich machen?

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Quelle Pixabay (Danke!)

Immer, wenn Frau K. vor Entscheidungsschwierigkeiten stand, ĂŒbergab sie ihr Anliegen einfach dem Schicksal, was sich darin Ă€ußerte, dass sie mehrere Menschen zu ihren Absichten befragte.

NatĂŒrlich geschah dies auf unterschiedliche Weise. Mal subtil, mal direkt konfrontativ, mal ganz allgemein, dann wieder sehr konkret. Mal war es die beste Freundin, mal der nette Nachbar, dann die Kassiererin im Supermarkt (-Wenn sie mir zwei zwei Euro-StĂŒcke rausgibt, sollte ich es machen-) und eines schönes Tages verhielt es sich so:

Frau K. betrat den großen Raum, wusste gar nicht, wieso sie nun gerade hier war, aber wusste, dass die Menschen, sieben an der Zahl, die dort vor ihr standen, auf einem kleinen Podest im ansonsten leeren Dunkel des riesigen Saals von einem Spotlight angestrahlt, dass diese Personen so etwas wie die Sieben Weisen waren, die ihr nun, was ihr Vorhaben anbelangt, Rede und Antwort stehen wĂŒrden.

„Soll ich es also tun?“, fragte Frau K. Ihre Stimme klang ein bisschen piepsig, weil sie in Anbetracht der doch irgendwie feierlichen AtmosphĂ€re leicht eingeschĂŒchtert war.

„Du solltest es auf jeden Fall tun“, sagte die erste Person, eine Frau mittleren Alters mit freundlichen Runzeln. „Du hast so viel Talent, ich liebe das, was du tust, schon vom ersten Blick an.“

„Danke“, pieste Frau K. und wartete gespannt auf die nĂ€chste Antwort. (Das fĂ€ngt gut an, finde ich, dachte sie bei sich.)

„Nun“, brummte ein Ă€lterer Herr in einem karierten Anzug, „Ich denke, Sie haben auf jeden Fall das Zeug dazu. Sie mĂŒssen ein bisschen was dafĂŒr tun, aber das wird eine wie Sie doch nicht davon abhalten.“

Frau K. lÀchelte und freute sich. Nein, dachte sie, das wird mich, eine wie mich!, doch nicht abhalten.

Ein junges MĂ€dchen in einer engen Jeans machte irgendeine Bewegung, die Frau K. zunĂ€chst irritierte, dann aber stellte sie aufgrund des Grinsens der jungen Frau fest, dass dies ihre Art war, Wohlbefinden und potentielle UnterstĂŒtzung auszudrĂŒcken.

Und weil das junge Ding die Irritation von Frau K. nicht entging, sagte es noch: „Ey, geht voll klar, Alte!“

„Voll klar“, wiederholte Frau K. zeigte einen Daumen hoch und musste ein wenig schmunzeln.

Die nĂ€chsten drei Antworten waren ebenfalls voller Zustimmung, Zutrauen und Zuversicht, kamen aus runden und freundlichen MĂŒndern, die, wenn ĂŒberhaupt, nur eine Haaresbreite von dem kritisierten, was Frau K. im Begriff war zu tun.

Doch dann bekam Frau K. Folgendes zu hören:

„Ich finde, das ist eine ganz schlechte Idee.“

Die letzte Gestalt, die diese Worte sprach, war nicht wirklich als Person zu erkennen. Sie war ein wenig verpixelt, vielleicht auch verschwommen, möglicherweise war das Licht auch einfach nicht besonders professionell auf sie ausgerichtet. Es war unmöglich zu sagen, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelte, unmöglich auszumachen, wie alt dieses Wesen war, das da so hart ĂŒber Frau Ks. PlĂ€ne sprach.

Es war die letzte Stimme, die sprach. An dieser Stelle blieb Frau K. eine lange Zeit stehen, wohl um in Erfahrung zu bringen, ob die Stimme ihr noch etwas sagen wĂŒrde. Nachzufragen traute sie sich aber nicht, obwohl sie gerne gewusst hĂ€tte, was genau denn „schlecht“ an der Idee war. Aber, dachte Frau K. bei sich, ich bin ja nicht blöd, ich kann das auch selber herausfinden.

Und so kam Frau K. nach einigem Nachdenken zu dem Schluss, dass diese und jene Punkte bei ihrem Vorhaben noch nicht richtig zu Ende gedacht worden waren. Dass es an der einen und der anderen Ecke sehr, sehr hakte. Dass es sicherer wĂ€re, einfach noch eine Weile zu warten und das, was sie eigentlich schon umsetzen konnte, lieber noch einmal in die Waagschale zu werfen, um genau zu prĂŒfen, ob es sich denn ĂŒberhaupt lohnen wĂŒrde.

„Danke“, sagte Frau K. zu der nicht nĂ€her personifizierbaren Person.

„Du hast mir sehr geholfen.“

Kurzum:

Frau K. setzte ihr Vorhaben nicht in die Tat um.

An einem anderen Tag aber, ein paar Jahrhunderte spĂ€ter, befand sich Frau K. aufgrund mirakulöser Gegebenheiten wieder in dem Raum, der ihr eine Entscheidung ermöglichen sollte. Sie war ziemlich wĂŒtend ĂŒber diesen Umstand, denn sie empfand die Anwesenheit dort als pure Zeitverschwendung und hatte keine Lust mehr, ihr Vorhaben genau zu erklĂ€ren. Daher wunderte es sie nicht, dass alle Personen (es waren die selben, wie beim letzten Mal) auf ihr Vorhaben eher verhalten reagierten, ausgenommen der einen Person, die recht optimistisch gestimmt war.

Es war Frau K. egal.

Sie verließ den Raum so schnell sie konnte

und

machte es einfach.

Ein gutes Neues 2018! :)

Ich war mal wieder auf Reisen, wobei Rosa Schweino das Haus gehĂŒtet hat (wer von euch kennt sie noch?) …

Aber wo?

 

Apropos: Amor und Psyche gibt es jetzt auch als Printversion. Und ich mache gerade eine Leserunde auf Lovelybooks, bei der man Printversionen gewinnen kann.

Alles Liebe und Gute fĂŒr 2018 – und bald wird sich was Ă€ndern auf dem Lehmofen. *schnĂŒff*

Seid herzlichst gegrĂŒĂŸt

Eure
Runa Phaino

 

 

Amor und Psyche – Ready to read!

 

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FĂŒr meine treuen Blogleser gibt es jetzt ganz exklusiv das herzschmerzsplatter-frecher-Amor-Cover … und da Amazon einfach mega schnell war … auch noch ein wenig mehr.

Einen wunderschönen 2. Advent und herzliche GrĂŒĂŸe! Die Printversion gibt es in den nĂ€chsten Tagen. Kommafehler sind ĂŒbrigens auch noch ein paar drin, – wer sie findet, darf sie mit Herzchen ummalen! ❀

(Werden aber in absehbarer Zeit behoben.) 😉

Boah, bin ick stolzzzz!!! 🙂 🙂 🙂

Apuleius von Madaura

Und so, mein lieber Glaukon, ist denn dieser Mythos erhalten worden und ist nicht untergegangen, und er wird vielleicht auch unsere Seelen retten, wenn wir ihm nÀmlich folgen. (Platon, Politeia 621c)

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Lucius verwandelt sich vom Esel zurĂŒck zum Menschen. By Bartolomeo di Bartoli for Bruzio Visconti – 2D copy of a scan of an medieval manuscript, Public Domain, Link

Warum ein Eingangszitat von Platon fĂŒr einen Beitrag ĂŒber Apuleius von Madaura?

Nun, der Autor vom Goldenen Esel, um den es letzte Woche ging, war ein bekennender Mittelplatoniker, möglicherweise Neupythagoreer, lebte im Umfeld von verschiedenen christlichen Schulen und kannte sicherlich auch die Stoa. – Und man sagt ja, dass alle Philosophie irgendwie von Platon ausging. 😉

Es wĂŒrde zu weit fĂŒhren, die verschiedenen platonischen Gedankenschulen, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, genaustens darzustellen, aber um sich dem Menschen Apuleius zu nĂ€hern, sind ein paar HintergrĂŒnde hilfreich. Nicht zuletzt ist der Platonismus nur eine der verschiedenen Gedankenrichtungen, die “Lucius” Apuleius beeinflussten oder mit denen er im Laufe seiner zahlreichen Reisen in BerĂŒhrung kam, denn das zweite Jahrhundert nach Christus erscheint rĂŒckblickend wie eine Art “Einmachglas” mit unterschiedlichsten Leckereien gefĂŒllt, die Welt – und das Leben – zu verstehen.

Und mittendrin schwimmt der berĂŒhmte Autor des Goldenen Esels: Apuleius.

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Apuleius auf einem Cover von 1902. Zu sehen ist rechts der „goldene“ Esel, links Pamphile, eine der Hexen ganz zu Beginn des Buches, die sich in eine Eule verwandelt. By Unknownhttp://www.jnanam.net/golden-ass/goldass/apu01.jpg, Public Domain, Link

Apuleius (ca. 123-170) lebte in Madauros/Madaura im Nordosten des heutigen Algeriens. Apuleius ist nicht der Vorname, sondern ein Familienname. Möglicherweise hieß Apuleius mit Vornamen „Lucius“ – und hĂ€tte damit denselben Namen wie die Hauptfigur des Goldenen Esels – doch das ist Spekulation und nicht gesichert.

Man kann noch heute ein paar antike Überreste von Madaura finden.

Selfhtml By samir boualiOwn work, Public Domain, Link

Selfhtml By samir boualiOwn work, Public Domain, Link

Selfhtml By samir boualiOwn work, Public Domain, Link

Madaura befand sich damals im Königreich der Numider, war aber eine römische Provinz. Apuleius bezeichnete sich einst als “halber Numider”. Die römischen Kaiser, unter denen Apuleius lebte, waren Hadrian (117-138), Antonius Pius (138-161) und Marc Aurel (161-180). Gerade letzterem wird eine intensive philosophische BeschĂ€ftigung nachgesagt, sein Buch „Selbstbetrachtungen“ gehört noch heute zum Kanon der Weltliteratur und hat auf Amazon fast durchweg mehr als vier Sterne. 😉  Ich spreche hiermit eine klare Leseempfehlung aus! (Meine Oma hat es auch gelesen und fĂŒr gut befunden, ĂŒbrigens.)

https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Ddigital-text&field-keywords=marc+aurel

Das Buch von Marc Aurel basiert auf stoischer Philosophie, die – grob gesagt – versucht, dem einzelnen Menschen einen Platz (Sinn) im Leben (Kosmos) zuzuweisen, wohingegen das Ziel des Lebens im platonischen Sinne darin bestand, ganz abseits vom Leben irgendwie herauszubekommen, was denn eigentlich nun das „Wahre“ und „Gute“ wirklich ist. – Also eher so Gedankenspekulationen.
Platon – ĂŒber den mal geschrieben wurde, dass sĂ€mtliche philosophischen Gedanken der Moderne eigentlich nur „Fußnoten“ (also kleinere ErklĂ€rungen) zu seinen antiken Schriften seien – ging davon aus, dass die Welt nicht so ist, wie sie ist, sondern dass es irgendwo von jedem Ding, das wir sehen (oder auch nicht sehen) ein Idealbild gibt. Also das perfekte Abbild – oder vielleicht besser „Urbild“ – von dem sich alle anderen GegenstĂ€nde (oder Gedanken) ableiten. Das nannte er dann: „Idee“.
Die „Idee“ des Guten ist also „besser“ (da originaler) als „das Gute“, oder was auch immer der Mensch vornehmlich darunter versteht.
Man kann vielleicht sagen: Platon war ein lebensfernerer Perfektionist, wohingegen die Stoa (GrĂŒnder: Zenon von Kition) sich eher damit beschĂ€ftigte, inwiefern das, was die Philosophie so herausfand und beforschte, fĂŒr das Leben des Einzelnen wirklich nutzbar gemacht werden konnte.
Allerdings wĂŒrde Platon – ganz perfektionistisch – dem natĂŒrlich widersprechen und mittels verschiedener Fragen zeigen, dass nur die „Idee“ des NĂŒtzlichen wirklich Nutzen bringen kann.

Um die Gedanken der beiden Schulen etwas „greifbarer“ zu machen, stelle ich im Folgenden mal ein paar Zitate gegenĂŒber.

Platon  428/427 v. Chr. in Athenoder Aigina; † 348/347 v. Chr. in Athen

SelfhtmlBy SilanionUser:Bibi Saint-Pol, own work, 2007-02-08, Public Domain, Link

Zenon 333/332 v. Chr. in Kition; gestorben 262/261 v. Chr.

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Von Paolo MontiVerfĂŒgbar in der digitalen Bibliothek BEIC und hochgeladen in Partnerschaft.Dieses Bild stammt aus der Stiftung Paolo Monti, die im Besitz von BEIC ist und and im StĂ€dtischen Fotoarchiv von Mailand angesiedelt ist., CC-BY-SA 4.0, Link

Freundschaft
Wo aber keine Gemeinschaft ist, da kann auch keine Freundschaft sein.

Ein Freund: meine anderes Ich.

Gott
Als nun aber der Vater, welcher das All erzeugt hatte, es ansah, wie es bewegt und belebt und ein Bild der ewigen Götter geworden war, da empfand er Wohlgefallen daran, und in dieser seiner Freude beschloß er denn, es noch mehr seinem Urbilde Ă€hnlich zu machen.

Gott ist der Ursprung von allem, er ist der reinste Körper und seine Vorsehung durchdringt alles.

Das Gute
Das Gute schafft die Ordnung, das Schöne ist sie.

Nicht in dem Großen liegt das Gute, sondern in dem Guten liegt das Große.

Der Mensch
Als Naturwesen bleibt der Mensch an den Körper gebunden, als Geisteswesen aber hat er FlĂŒgel.

Der Charakter ist die Quelle des Lebens, aus der die einzelnen Handlungen fließen.

Das Leben
Das Leben ist eine kurze Verbannung.

Das Ziel des Lebens ist ein Leben im Einklang mit der Natur.

Das jeweils erste Zitat unter dem Thema gehört zu Platon, das zweite stammt von Zenon. Ich finde, man erkennt daran ganz gut, dass die Stoa insgesamt etwas „lebenspraktischer“ unterwegs war. Zenon wĂŒrde wahrscheinlich mit Erich KĂ€stner ĂŒbereinstimmen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und Platon wĂŒrde KĂ€stner lange befragen, um dieses „Gute“ zu definieren – und wahrscheinlich wĂŒrde er auch versuchen das „Tun“ irgendwie einzugrenzen, bevor es denn ĂŒberhaupt zum “guten Tun” kommt.

Es gibt eine dritte „geistige“ Strömung, der Apuleius ausgesetzt war: Das Christentum.
Die Christen waren damals noch ziemlich neu und erstmal auch nicht besonders beliebt. WĂ€hrend es im 1. Jahrhundert zu kleineren Christenverfolgungen kam, konnte sich das Christentum im 2. Jahrhundert (also zur Lebenszeit Apuleius) relativ ungehindert entfalten. Allerdings gab es damals noch nicht „die Kirche“, sondern verschiedene Bereiche, wo ĂŒber theologische Fragen (was ist Gott, wie soll man sich verhalten, wie ist die Kirche organisiert, was soll eigentlich gelehrt werden und so weiter 
) gesprochen wurde. FĂŒr den Raum Afrika ist dabei vor allem die sogenannte Gnosis interessant, die dort durch einen Mann namens Marcion eine recht große Verbreitung fand.

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By Unknown(Life time: 1100?) – Original publication: Manuscript, Italy, 11th centuryImmediate source: http://corsair.themorgan.org/cgi-bin/Pwebrecon.cgi?BBID=338126, Public Domain, Link

Marcion war ein christlicher Kaufmann, der ein betrĂ€chtliches Vermögen an die damals entstehenden Kirche in Rom spendete, der mit „seinen Leuten“ aber immer wieder aneinander geriet und daher irgendwann frustiert eine eigene Kirche grĂŒndete.
Marcion lehrte (vielleicht beeinflusst von Platon?), die Idee eines „Gottes der Liebe“, der den Menschen bis dato gĂ€nzlich unbekannt gewesen, was bedeutet, bis Jesus auf die Erde kam und Marcion seine Jesus-Kirche grĂŒndete. Marcion mochte Jesus voll gerne, fand das Alte Testament aber ziemlich doof, weil es seiner Meinung nach von einem strafenden, bösen „Demiurgen“ (einem Schöpfergott) handle, den die Menschen nicht brauchten. Die gĂ€ngige Lehrmeinung damals war aber, dass das Alte Testament und das Neue Testament (was damals so langsam entstand) zusammen gehörten. Durch Jesus, so Marcion, habe sich Gott aber in seiner wahren (idealen? Platon lĂ€sst grĂŒĂŸen) Natur der „Liebe“ gezeigt – und dies sei der einzige Gott, den man anbeten sollte, also weg mit dem ollen Alten Testament.
Marcions Lehren haben sich in der christlichen Kirche in den folgenden Jahrhunderten ĂŒbrigens nicht durchgesetzt, ganz im Gegenteil, die AnhĂ€nger dieser Vorstellung wurden bald von den „offiziellen Christen“ (Rom, Byzanz) verfolgt.
Erst mit Adolf von Harnack (+ 1930) ist Marcion wieder ins christliche Blickfeld geraten und wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts von vielen Theologen fĂŒr seine Ansichten geschĂ€tzt.

Selfhtml Apuleius rĂ€t zum Gebrauch von DĂ€monen als Mediatoren zwischen Menschen und Göttern – ein zentraler Aspekt seiner philosophischen Lehre. By MaĂźtre FrançoisApuleius advises the use of demons as mediators between mankind and the gods – MaĂŻtre François CC0 View item at Koninklijke Bibliotheek , Public Domain, Link

Irgendwo zwischen all diesen Gedanken und Ideen, die damals kreuchten und fleuchten  (man bedenke noch die verschiedenen Mysterienkulte), schreibt Apuleius dann sein Buch „Der Goldene Esel“. Es gibt auch noch eine weitere geistige Strömungen, die Apuleius Denken möglicherweise beeinflusst haben, doch dazu unten mehr.

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By ApuleiusAvailable in the BEIC digital library and uploaded in partnership with BEIC Foundation., Public Domain, Link

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By Matteo Maria Boiardohttp://www.metmuseum.org/art/collection/search/345033This file was donated to Wikimedia Commons by as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. See the Image and Data Resources Open Access Policy àŠŹàŠŸàŠ‚àŠČàŠŸÂ | Deutsch | English | Esperanto | portuguĂȘs | +/−, CC0, Link

Apuleius war der Sohn eines BĂŒrgermeisters und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er studierte in Kathargo und spĂ€ter auch in Athen. Er bereiste verschiedene StĂ€dte im Mittelmeerraum (Athen, Samos, Phrygien, Rom) und arbeitete als Rechtsanwalt.

ZusĂ€tzlich zu den bisher benannten Ideenlehren, kam Apuleius bei seinen Reisen auch mit ziemlicher Sicherheit mit den Vorstellungen der Neupythagoreer in BerĂŒhrung, die damals in Athen eine Art Renaissance erfuhren. Wikipedia informiert ĂŒber die Pythaoreer folgendermaßen:

„FĂŒr die Pythagoreer charakteristisch ist die Überzeugung, dass der Kosmos eine nach bestimmten ZahlenverhĂ€ltnissen aufgebaute harmonische Einheit bildet, deren einzelne Bestandteile ebenfalls harmonisch strukturiert sind oder, soweit es sich um menschliche LebensverhĂ€ltnisse handelt, harmonisch gestaltet werden sollten. Sie nahmen an, dass in allen Bereichen – in der Natur, im Staat, in der Familie und im einzelnen Menschen – dieselben zahlenmĂ€ĂŸig ausdrĂŒckbaren GesetzmĂ€ĂŸigkeiten gelten, dass ĂŒberall Ausgewogenheit und harmonischer Einklang anzustreben sind und dass die Kenntnis der maßgeblichen ZahlenverhĂ€ltnisse eine weise, naturgemĂ€ĂŸe LebensfĂŒhrung ermöglicht. Das Streben nach Eintracht beschrĂ€nkten sie nicht auf die menschliche Gesellschaft, sondern dehnten es auf die Gesamtheit der Lebewesen aus, was sich in der Forderung nach RĂŒcksichtnahme auf die Tierwelt zeigte. (
) Ausgangspunkt der konkreten Zahlenspekulation war der Gegensatz von geraden und ungeraden Zahlen, wobei die ungeraden als begrenzt (und damit höherrangig) und – wie im chinesischen Yin und Yang – als mĂ€nnlich bezeichnet wurden und die geraden als unbegrenzt und weiblich. Die als Prinzip der Einheit aufgefasste Eins galt als der Ursprung, aus dem alle Zahlen hervorgehen (und infolgedessen die ganze Natur); so gesehen war sie selbst eigentlich keine Zahl, sondern stand jenseits der Zahlenwelt, obwohl sie rechnerisch als Zahl wie alle anderen erscheint.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreer#Mathematik_und_Zahlensymbolik

FĂŒr die Neupythagoreer war also „Harmonie“ das oberste Prinzip. Die (Neu)Pythagoreer waren Vegetarier, lebten bescheiden, halfen einander in Notlagen, waren ein wenig „kommunistisch“ drauf (wobei diese Bezeichnung nicht 100% passt), glaubten an die ewige Wiederkehr der „Seele“ und an Vernunft. Mit Gott oder Göttern hatten sie es nicht so, bzw. nahmen an, dass Götter gar nicht existieren (oder existieren, aber fĂŒr das Leben der Menschen keine Bedeutung haben).
Die Neupythagoreer namen Bezug auf Philosophen vor ihnen wie z.B. Pythagoras, Solon, Anthisthenes und 
 Platon (oder zumindest ein Teil seiner Ansichten). Diese “alten Philosophen” lebten schon ein paar Jahrhunderte zuvor und wurden als „Sophisten“ bezeichnet. „Sophist“ bedeutete ursprĂŒnglich nur „weiser Mann“, im Laufe der Zeit (und auch durch die Verfolgung der Sophisten, Sokrates ist ein berĂŒhmtes Beispiel, ihm wird „Abesie“ vorgeworfen, also „GotteslĂ€sterung“ und deswegen muss er den Schierlingsbecher trinken) 
 im Laufe der Zeit wird daraus ein Schimpfwort und es heißt wohl sowas wie „Rumschwafler“ oder „Laberkopp“ und wurde bzw. wird fĂŒr Menschen gebraucht, die einfach nicht auf den Punkt kommen oder total waghalsige Behauptungen aufstellen.

SelfhtmlDer Tod des Sokrates`. By José Maria de Medeiros[1], Public Domain, Link

Von Apuleius philosophischen Texten sind nur wenige erhalten geblieben, bei vielen wird ĂŒber die Echtheit spekuliert. Erhalten geblieben und wahrscheinlich “echt” (also von Apuleius) sind: „Über den Gott des Sokrates“ (De deo Socratis), „Über Platon und seine Lehre“ (De Platone et eius dogmate), „Über die Welt“ (De mundo) und Peri hermēneĂ­as (De interpretatione, „Über die Aussage“ oder „Über das Urteil“).
Außerdem verfasste er ein Buch „Über die Magie“ (De magica), das auf einem Prozess basiert, in dem er angeklagt worden war, seine Frau Pudentilla durch Magie zur Heirat gezwungen zu haben.

Nach seinen Reisen heiratete Apuleius nĂ€mlich eine reiche Witwe namens Pudentilla. Einer ihrer Söhne fand das nicht gut und begann einen Prozess gegen Apueius, in dem er ihm vorwarf, die Mutter durch magische Handlungen zur Heirat verfĂŒhrt zu haben. Allem Anschein nach wurde Apuleius aber freigesprochen. Bis zu seinem Tod blieb er dann in seiner Heimat Nordafrika, zunĂ€chst in einem Ort namens Oea, dem heutigen Tripolis, und spĂ€ter in Karthago, wo er als Priester arbeitete. Wann genau er gestorben ist, weiß man heute nicht mehr genau.

Eindrucksvoll ist in jedem Fall, wie Apuleius Schaffen nach seinem Tod weiterlebte. Im Folgenden gebe ich dazu einen kleinen Einblick, wer mag, kann sich gerne den passenden Wikipedia-Artikel mit all seinen Unterverlinkungen dazu durchlesen, – sehr lohnenswert und von Wikipedia selbst als “lesenswert” deklariert.

 

Apuleius Nachleben und Wirkung

Bereits kurz nach seinem Tod wurden Apuleius einige Statuen errichtet. Im 4. Jahrhundert gab es dann sogenannte „Kontorniaten“ mit seinem Abbild drauf. Die Verwendung dieser Kontroniaten ist umstritten, vielleicht waren es Spielplaketten, vielleicht kleine Abzeichen, um den heidnischen Glauben (gegen die Christen) zu verteidigen.

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By Johann Jacob Bernoulli – Johann Jacob Bernoulli, Römische Ikonographie, Bd. 1: Die Bildnisse berĂŒhmter Römer mit Ausschluss der Kaiser und ihrer Angehörigen. Stuttgart u.a. 1882, MĂŒnztaf. 5,117., Public Domain, Link

Die frĂŒhen christlichen KirchvĂ€ter kannten Apuleius grĂ¶ĂŸtenteils und lobten in fĂŒr sein Werk, kritisierten ihn teilweise aber auch als zu „belletristisch“ und deuteten seine ErzĂ€hlungen in radikal christlichem Sinn. Im Mittelalter gab es Gelehrte, die auf die Schriften von Apuleius Bezug nahmen (Isidor von Sevilla, Fulgentius, Bernardus Silvestris, Johannes von Salisbury, Albert der Große). Die frĂŒhen Humanisten kannten Apuleius (Petrarca, Boccaccio, da Strada, 
).
Mit der Verbreitung des Buchdrucks und dem Aufkommen von populĂ€rer Literatur, griffen einige Autoren auch auf die ErzĂ€hlmotive von Apuleius` zurĂŒck.
Niccolo Machiavelli beispielsweise schrieb nicht nur etwas ĂŒber Staatsphilosophie, sondern auch eine (unvollendete) Geschichte ĂŒber einen verwandelten Esel. Apuleius Metamorphosen galten sogar als Vorbild fĂŒr eine gesamte Literaturgattung: den sogenannten „Schelmenroman“ (bestes Beispiel: Don Quijote).

Besondere Beachtung fand allerdings die ErzĂ€hlung von Amor und Psyche. Zahlreiche Humanisten und spĂ€tere Autoren haben die Geschichte ausgedeutet oder neu geschrieben, darunter Boccaccio, NiccolĂČ da Correggio, Galeotto del Carretto, Juan de Mal Lara, Ercole Udine, Edmund Spenser (The Faerie Queene), William Browne (Britannia’s Pastorals), Shackerley Marmion (The Legend of Cupid and Psyche), Thomas Heywood (Loves Maistresse or The Queens Masque), CalderĂłn (Ni Amor se libra de amor), Johann Ludwig Prasch (Psyche Cretica), Jean de La Fontaine (Les amours de PsychĂ© et de Cupidon), Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Herder, Mary Thighe, …
Einige sehr bekannte Werke, wie das oben schon erwĂ€hnte „Don Quijote“ oder Shakespeares Mittsommernachtstraum enthalten einzelne Elemente oder Episoden aus Apuleius „Amor und Psyche“.

Und auch ganz aktuelle Werke heute noch bekannter Autoren thematisieren Apuleius Schreiben aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. So unter anderem
Elizabeth Barrett Browning  und C.S. Lewis, der nicht nur die „Chroniken von Narnia“ schrieb, sondern die Geschichte aus der Sicht von Psyches Ă€lterer Schwester darstellt.

Daneben gab und gibt es auch musikalische Versionen:

Auch in der Psychologie (eine Disziplin, die im 20 Jahrhundert grĂ¶ĂŸere Verbreitung fand) spielte die ErzĂ€hlung von „Amor und Psyche“ eine Rolle. Das ist nicht allzu verwunderlich, bezeichnet der Name der Menschenfrau, in die Amor sich verliebt, ja auch tatsĂ€chlich DIE „Psyche“, – also im Sinne von „Seele, Verstand, Gedanken“ – dasselbe Wort wie in Psychologie.

Über all dem gibt es auch eine große Anzahl an Bildern, die es ohne Amor und Psyche nicht gĂ€be.  Anbei ein paar Beispiele (in chronologische Reihenfolge). – Und damit verabschiede ich mich dann auch erst einmal ganz schlicht und leise. Ich wĂŒnsche euch das Allerbeste, mir hatÂŽs sehr viel Spaß gemacht diese Reihe zu schreiben! Bis ganz bald!

Eure Runa Phaino

Selfhtml ca. 70 n. Chr. (Kann das sein? Vielleicht aufgrund einer vorhergehenden ErzÀhlung???)By Stefano BologniniOwn work, Attribution, Link

Selfhtml Wahrscheinlich 3. Jahrhundert n. Chr. By FravekatorOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Selfhtml 1345. By Bartolomeo di Bartoli for Bruzio Visconti – 2D copy of a scan of an medieval manuscript, Public Domain, Link

Selfhtml ca. 1600. By Bartholomeus Spranger – found online [2]Upload: James Steakley, Public Domain, Link

Selfhtml 1605.

By Joseph Heintz the Elder – (Original text: Stadt Augsburg: http://www2.augsburg.de/uploads/pics/F_1548_01.jpg), 11. August 2007(11 August 2007 (original upload date)). Original uploader was Brezelsuppe at de.wikipedia, Public Domain, Link

Selfhtml 1817. By Jacques-Louis David – Author, Public Domain, Link

Selfhtml ca. 1850. By Reinhold Begas (1831-1911) – Alte Nationalgalerie, CC0, Link

Selfhtml Psyche öffnet die TĂŒr zu Amors Garten. Waterhouse 1903. By John William Waterhousejwwaterhouse.com, Public Domain, Link

Der goldene Esel

Der „Goldene Esel“ oder „Metamorphosen“, ist ein Roman von Apuleius aus Madaura, der als gemeinhin „Àltester Roman“ ĂŒberhaupt gilt und zur Weltliteratur zĂ€hlt. Die Geschichte, die ich demnĂ€chst zu veröffentlichen gedenke – Amor und Psyche -, ist ein Teil dieses Romans.

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By Byzantinischer Mosaizist des 5. Jahrhunderts – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Public Domain, Link

Das Mosaik hier steht vielleicht sogar in Zusammenhang mit dem Roman von Apuleius, denn es stammt aus dem 5. Jh. n. Chr. Die Geschichte selbst ist knapp 300 Jahre Àlter, sie wurde Mitte des zweiten Jahrhunderts geschrieben.

Worum geht es?

Kurz gesagt handelt die Geschichte von einem Mann, der aus Versehen in einen Esel verwandelt wird und als Esel allerlei Abenteuer erlebt.

Ob sich Apuleius dabei an König Midas orientiert hat?

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By Michelangelo Cerquozzihttp://www.christies.com/lotfinder/paintings/michelangelo-cerquozzi-king-midas-5022114-details.aspx, Public Domain, Link

Das Motiv Mann-Esel ist auf jeden Fall auch in anderen Werken zu finden, z.B. bei ShakespeareÂŽs Komödie „Ein Mittsommernachtstraum“, in der der Elfenkönig Oberon die Elfenkönigin Titania damit Ă€rgert, sich in einen (verwandelten) Eselsmann zu verlieben.

SelfhtmlBy Various – Scan from the original work, Public Domain, Link

Vielleicht kann man in dieser historischen Wiederholung der Geschichte eine Art kollektiven Zwang erkennen. Beruhen vielleicht all dieses ErzĂ€hlungen auf dem unverarbeiteten Trauma der Geschichte von der Frau von König Minos (Achtung, nicht Midas!), die sich damals in einen Stier verliebte und so weiter und so fort …?

Na, wahrscheinlich ahnt ihr es schon. Auch im „Goldenen Esel“ geht es mitunter ganz schön schlĂŒpfrig zur Sache.

Dadurch, dass der Roman auch als Apuleius „Metamorphosen“ bezeichnet wird, stellt sich der Autor in die Tradition von Ovid und anderen Autoren vor ihm, denn Geschichten, in denen sich gegen Ende der Protagonist (oder andere Figuren) in etwas Neues verwandeln, gab es in der Antike zuhauf.

Apuleius hat sich das alles also nicht selbst ausgedacht, sondern von anderen Autoren abgeschöpft. Geschieht ihm also nur Recht, dass ich mir einen Teil seines Werkes  als Roman genehmigte. 😉 Wahrscheinlich hatte Apuleius sogar eine sehr konkrete, griechische Romanvorlage, – einen Text von Lucius von Patrei.

Doch nun zur Geschichte selbst.

Inhaltlich geht es um einen Ich-ErzĂ€hler (Lucius), der sich total fĂŒr Zauberei interessiert und nach Tessalien reist, weil er gehört hat, dass dort die mĂ€chtigsten Hexen leben.

SelfhtmlBy John DownmanGalerie Bassenge, Public Domain, Link

TatsĂ€chlich macht er dort Bekanntschaft mit Hexen, die sich aber vor allem ĂŒber ihn lustig machen. Durch ein Missgeschick verwandelt sich Lucius dann in einen Esel, wird von RĂ€ubern gefangen genommen und in eine RĂ€uberhöhle gebracht.

SelfhtmlBy Maxfield ParrishAli-Baba.jpg, Public Domain, Link

In der RÀuberhöhle trifft er auf die traurige Charite, eine junge Frau, die die RÀuber von ihrer Hochzeit kidnappten.

SelfhtmlBy Rotary Photographic Series (198A) in the United Kingdom. [1]. – Transferred from en.wikipedia to Commons by FSII using CommonsHelper.http://robstevensblog.blogspot.com/2009/06/maude-fealy-romeo-julia-18981903.html, Public Domain, Link

Um Charite zu trösten, erzĂ€hlt die Köchin der RĂ€uber ihr das MĂ€rchen von „Amor und Psyche“.
„Amor und Psyche“ stellen also eine Art minikleinen -Exkurs dar, eine „ErzĂ€hlung in der ErzĂ€hlung“.

SelfhtmlBy Paul-Jacques-AimĂ© Baudry – [1], Public Domain, https://commons. wikimedia.org/w/index.php?curid=3216955

Nachdem Charite (und Lucius) die Geschichte gehört haben, freunden sie sich an und wollen fliehen. Sie schaffen es aber nicht und der Esel Lucius soll aufrund des Fluchtversuches getötet werden. Der AnfĂŒhrer der RĂ€uber, entpuppt sich dann aber praktischerweise als Charites BrĂ€utigam und alles ist gut.

Selfhtml By Louis Rhead – Rhead, Louis. “Bold Robin Hood and His Outlaw Band: Their Famous Exploits in Sherwood Forest”. New York: Blue Ribbon Books, 1912., Public Domain, Link

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Lucius-Esel soll es eigentlich wohl ergehen, aber ein eifersĂŒchtiger Mann tötet Charites BrĂ€utigam, sie bringt den Mörder ihres Mannes um und danach sich selbst. Tragische Liebesgeschichte! – Auch schon so alt wie die Menschheit selbst. 😉

Selfhtml By Arĝenta NeĝoOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Esel Lucius ist nun gezwungen, mit heuchlerischen Wahrsagern umher zu ziehen, spĂ€ter gerĂ€t er an einen MĂŒller, GĂ€rtner, LegionĂ€r, 
 und an eine Frau, die sich in ihn verliebt und es auch schafft, eine körperliche Verbindung mit ihm einzugehen. (Womit wir  schon wieder bei Minos Gattin wĂ€ren 
)

Apuleius schreibt dazu:
„Unterdessen verdoppelte die Dame ihre Liebkosungen, herzte, kĂŒĂŸte mich und girrte und verdrehte im Taumel stechender Begierden die Augen. Zuletzt rief sie: »Ha, nun hab ich Dich! hab ich Dich, mein TĂ€ubchen! mein Vögelchen!« Und mit den Worten zeigte sie, daß alle meine Besorgnis und Furcht töricht und ĂŒberflĂŒssig war; denn sie umschlang mich und nahm mich ganz, ganz sage ich, auf!
So oft ich, ihrer schonend, mein Hinterteil zurĂŒckzog, so oft flog sie elastisch in jĂ€hem Schwunge mir nach, und, je fester und fester mit ihren Armen mein RĂŒckgrat umfassend, schloß, drĂŒckte, preßte, schmiegte sie sich brĂŒnstiger an mich, so daß ich, beim Herkules! gar glaubte, es mangle mir noch etwas zur Befriedigung ihrer Üppigkeit, und im Ernst auf den Argwohn geriet: die Mutter des Minotaurs mĂŒsse sich wohl nicht ohne Grund lieber einen brĂŒllenden Liebhaber zur Kurzweil erkoren haben.“ Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-goldene-esel-5948/12
Nun ja 
 doch damit nicht genug!

SpĂ€ter soll Lucius das da oben Beschriebene an einer zum Tode Verurteilten in aller Öffentlichkeit wiederholen, allerdings flieht er, bevor es dazu kommt.

Selfhtml By Benutzer:BrunswykOwn work (Original text: Benutzer:Brunswyk), CC BY-SA 3.0 de, Link

Völlig traumatisiert wendet sich Lucius schließlich an die Muttergöttin, die ihm in der Gestalt der Isis erscheint und ihn endlich von seiner Odyssee im falschen Körper befreit und der er im Anschluss fĂŒr den Rest seines Lebens als Priester dient.

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Es ist nicht ganz sicher, ob es die Mysterien von Isis und Osiris zur Zeit ApuleiusÂŽ wirklich gab. Wenn ja, werden sie wahrscheinlich Ähnlichkeit mit anderen Mysterienkulten/religionen der Antike gehabt haben. – Wer mag, kann unter den folgenden Links noch mal nachlesen, ich hatte die immer mal wieder erwĂ€hnt.

https://lehmofen.wordpress.com/2017/10/12/kybele/
https://lehmofen.wordpress.com/2017/10/19/die-bacchanalien/ (!)
https://lehmofen.wordpress.com/2017/09/28/apollo/

Bei all dem stellt sich natĂŒrlich die Frage, wieso Apuleius diese Geschichte geschrieben hat und/oder was er damit aussagen möchte.

Interessant ist, dass die oben erwĂ€hnten Mysterien von Isis und Osiris nur bei Apuleius ErwĂ€hnung finden. Er ist also der einzige antike Autor, der davon schreibt. Wobei das mit den Überlieferungen aus der Antike ja so eine Sache ist 


Vielleicht ist also gerade dieser Bezug ein SchlĂŒssel fĂŒr die Interpretation. Vielleicht aber auch nicht. Das weiß man nach all der Zeit natĂŒrlich nicht mehr so genau und man muss sich ja bei Literatur grundsĂ€tzlich fragen, wie „bewusst“ dem Autor eigentlich ist, was er da tut und was er aussagen will – oder ob „das alles“ nicht einfach nur eine tolle Geschichte ist, die der Unterhaltung dient.

In der Szene, als Esel-Lucius sich hilfesuchend an Isis wendet, betrachtet er zunÀchst den Mond. Dann fÀngt er an zu beten und zwar mit folgenden Worten:

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„Königin des Himmels! Du seist nun die allernĂ€hrende Ceres (Demeter), des Getreides erste Erfinderin, welche, in der Freude ihres Herzens ĂŒber die wiedergefundene Tochter, dem Menschen, der gleich den wilden Tieren mit Eicheln sich nĂ€hrte, eine mildere Speise gegeben hat und die eleusinischen Gefilde bewohnt, oder du seiest die himmlische Venus (Aphrodite), welche im Urbeginne aller Dinge durch ihr allmĂ€chtiges Kind, den Amor, die verschiedensten Geschlechter gegattet und also das Menschengeschlecht fortgepflanzt hat, von dem sie zu Paphos in dem meerumflossenen Heiligtume verehrt wird, oder des Phöbus Schwester (Artemis/Diana), welche durch den hilfreichen Beistand, den sie den GebĂ€rerinnen leistet, so große Völkerschaften erzogen hat und in dem herrlichen Tempel zu Ephesus angebetet wird. Oder du seiest endlich die dreigestaltige Proserpina, die nachts mit grausigem Geheul angerufen wird, den tobenden Gespenstern gebietet und unter der Erde sie einkerkert, wĂ€hrend sie entlegenen Haine durchirrt, wo ein mannigfacher Dienst ihr geweiht ist: Göttin! die du mit jungfrĂ€ulichem Scheine alle Regionen erleuchtest, mit deinem feuchten Strahle der fröhlichen Saat Nahrung und Gedeihen gibst und nach der Sonne Umlauf dein wechselndes Licht einteilst; unter welchem Namen, unter welchen GebrĂ€uchen, unter welcher Gestalt dir die Anrufung immer am wohlgefĂ€lligsten sein mag! Hilf mir in meinem Ă€ußersten Elende! Stehe mir bei, daß ich nicht gĂ€nzlich zugrunde gehe; nach so vielen, so schwer ĂŒberstandenen TrĂŒbsalen verleihe mir endlich einmal Ruhe und Frieden! Ich habe genug des Jammers, genug der Gefahren! Nimm von mir hinweg die schĂ€ndliche Tiergestalt! Laß mich wieder werden, was ich war; laß mich Lucius werden und gib mich den Meinigen wieder! Oder habe ich ja irgendeine unversöhnliche Gottheit ohne mein Wissen beleidigt: Ach, so sei lieber mir erlaubt, zu sterben denn so zu leben, o Göttin!“ Quelle: http://www.symbolon.de/downtxt/esel.htm

Kurze Zeit darauf erscheint ihm die Göttin im Traum und zwar folgendermaßen:

„Reiche, ungezwungene Locken spielen sanft in angenehmer Verwirrung um den Nacken der Göttin; ihren hohen Scheitel schmĂŒckte ein vielförmiger Kranz mit mancherlei Blumen. Über der Mitte der Stirn glĂ€nzte mit blassem Scheine eine flache Rundung nach Art eines Spiegels oder vielmehr der Scheibe des Mondes, darumher auf beiden Seiten sich gewundene Schlangen gleich Furchen zogen, und darĂŒber hin, wie bei der Ceres, KornĂ€hren gelegt waren.
Ihr Kleid war feines Zeug, das bald weiß, bald gelb, bald rosenrot wechselte. Es umhĂŒllte sie ein Mantel von blendender SchwĂ€rze, der unter dem rechten Arm hindurch ĂŒber die linke Schulter geschlagen war. Der Zipfel wie ein Schild eines Kriegers ĂŒber den RĂŒcken zurĂŒckgeworfen, fiel in mannigfachen Falten hinab, und die Fransen des Saumes flatterten zierlich im Winde. Sowohl auf der VerbrĂ€mung als auf dem Mantel selbst flimmerten zerstreute Sterne in deren Mitte der Vollmond in seiner ganzen Pracht glĂ€nzte, und eine schwere Kette allerlei kĂŒnstlich zusammengeordneter Blumen und FrĂŒchte irrte allenthalben verloren darĂŒber hin.
In ihren HĂ€nden fĂŒhrte die Göttin weit voneinander verschiedene Dinge; denn in der Rechten hielt sie eine goldene Klapper, durch deren schmales Blech, das sich wie ein GĂŒrtel zusammenbog, einige StĂ€be gezogen waren, die beim dreimaligen SchĂŒtteln des Armes einen hellen Klang gaben. Von der Linken aber hin ihr ein goldenes Trinkgeschirr herab, ĂŒber dessen Handhabe an der Seite, wo sie sichtbar war, eine Schlange sich emporreckte mit hocherhobenem Haupte und geschwollenem Nacken.“
ebd.

Die Göttin – die hier tatsĂ€chlich in der Gestalt aller antiken Göttinnen zusammen erscheint,- gewĂ€hrt Lucius seinen Wunsch und empfielt ihm, auf der Feier, die ihr zu Ehren stattfindet, Rosen zu essen, damit er sich zurĂŒckverwandelt.

SelfhtmlBy HamachidoriOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Gesagt, getan.

Alle dort anwesenden Menschen (eine bunte Schaar) sind erstaunt ĂŒber LuciusÂŽ RĂŒckverwandlung hin zum Menschen. – Im Prinzip ist das “Happy End” erreicht.

Doch die Geschichte geht noch ein wenig weiter, Lucius hat eine weitere Traumbegegnung mit der Göttin „Isis“ (in verschiedenen Variationen) und schließlich wird Lucius in die Mysterien von Osiris eingeweiht.
Parallel wird Lucius zu einem Rechtsanwalt und zu einem „Pastophoren“.

Die Pastophoren waren im alten Ägypten Priester, die Zugang zu den kultischen GegenstĂ€nden hatten. Der Begriff wird noch heute in der byzantinischen, christlichen Kirche fĂŒr Priester verwendet.

Ein wenig erinnert der Begriff auch an „Pastor“ (lat. Hirte), der ja eine Menge christliche BezĂŒge aufweist. Pastophoren leiten sich allerdings ab vom altgriechischen Â Ï€Î±ÏƒÏ„ÎżÏ†ÏŒÏÎčÎżÎœ(pastophorion), παστ᜞ς(pastos) Kapelle mit Götterbild und Ï†ÎżÏáœžÏ‚ (phoros) tragend).
SelfhtmlBy René SteyerOwn work, CC BY-SA 3.0 at, Link

By Charlie1965nrw at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

Wie auch schon beim GemĂ€lde von Boticelli, ĂŒber das ich im Beitrag von Flora und Chloris schrieb, ĂŒberlasse ich die Interpretation des Ganzen euch.

Der offensichtliche(?) Bezug zur einem meiner Àlteren BeitrÀge ist auf jeden Fall erwÀhnenswert.

Es gibt darĂŒber hinaus aber natĂŒrlich schon Interpretationen der Geschichte des Goldenen Eselchens. Weg mag, darf sich gerne einlesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Apuleius#Metamorphosen [Abschnitt Deutung]

http://www.heinrich-tischner.de/50-ku/marchen/marchen/eselsrom.htm

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/439/1/Moellendorf_Apuleius_Der_Goldene_Esel_2000.pdf

Ich werde die Erkenntnisse aus den BeitrĂ€gen der Reihe „komische Götter“ (vielleicht erinnert sich der ein oder andere, so hatte es vor ein paar Monaten begonnen) auf jeden Fall fĂŒr mein nĂ€chstes Buch nutzen. 😉 NĂ€chsten Donnerstag gibt es dann noch einen letzten Artikel ĂŒber den werten Autoren des „Goldenen Esels“, bei dem ich so schĂ€ndlich geklaut habe, um meinen Roman zu schreiben (oh, ĂŒbrigens auch bei Ovids Metamorphosen, by the way.) Dessen Name in Zusammenhang mit der aktuellen Blogreihe ĂŒbrigens schon ĂŒber 50 Mal fiel. – Das muss Liebe sein. ❀

Und dann werde ich mich erstmal ein wenig zurĂŒckziehen, der Blog wird umziehen, alles wird anders werden, aber grĂ€mt euch nicht, denn:

Nichts ist bestÀndiger als der Wandel.

Das sagte schon mein guter, alter Kumpel Heraklit. – Und er hat verdammt nochmal Recht.