Amor und Psyche – Ready to read!

 

27.11.2017.png

Für meine treuen Blogleser gibt es jetzt ganz exklusiv das herzschmerzsplatter-frecher-Amor-Cover … und da Amazon einfach mega schnell war … auch noch ein wenig mehr.

Einen wunderschönen 2. Advent und herzliche Grüße! Die Printversion gibt es in den nächsten Tagen. Kommafehler sind übrigens auch noch ein paar drin, – wer sie findet, darf sie mit Herzchen ummalen! ❤

(Werden aber in absehbarer Zeit behoben.) 😉

Boah, bin ick stolzzzz!!! 🙂 🙂 🙂

Advertisements

Apuleius von Madaura

Und so, mein lieber Glaukon, ist denn dieser Mythos erhalten worden und ist nicht untergegangen, und er wird vielleicht auch unsere Seelen retten, wenn wir ihm nämlich folgen. (Platon, Politeia 621c)

Selfhtml

Lucius verwandelt sich vom Esel zurück zum Menschen. By Bartolomeo di Bartoli for Bruzio Visconti – 2D copy of a scan of an medieval manuscript, Public Domain, Link

Warum ein Eingangszitat von Platon für einen Beitrag über Apuleius von Madaura?

Nun, der Autor vom Goldenen Esel, um den es letzte Woche ging, war ein bekennender Mittelplatoniker, möglicherweise Neupythagoreer, lebte im Umfeld von verschiedenen christlichen Schulen und kannte sicherlich auch die Stoa. – Und man sagt ja, dass alle Philosophie irgendwie von Platon ausging. 😉

Es würde zu weit führen, die verschiedenen platonischen Gedankenschulen, die sich im Laufe der Zeit entwickelten, genaustens darzustellen, aber um sich dem Menschen Apuleius zu nähern, sind ein paar Hintergründe hilfreich. Nicht zuletzt ist der Platonismus nur eine der verschiedenen Gedankenrichtungen, die “Lucius” Apuleius beeinflussten oder mit denen er im Laufe seiner zahlreichen Reisen in Berührung kam, denn das zweite Jahrhundert nach Christus erscheint rückblickend wie eine Art “Einmachglas” mit unterschiedlichsten Leckereien gefüllt, die Welt – und das Leben – zu verstehen.

Und mittendrin schwimmt der berühmte Autor des Goldenen Esels: Apuleius.

Selfhtml

Apuleius auf einem Cover von 1902. Zu sehen ist rechts der „goldene“ Esel, links Pamphile, eine der Hexen ganz zu Beginn des Buches, die sich in eine Eule verwandelt. By Unknownhttp://www.jnanam.net/golden-ass/goldass/apu01.jpg, Public Domain, Link

Apuleius (ca. 123-170) lebte in Madauros/Madaura im Nordosten des heutigen Algeriens. Apuleius ist nicht der Vorname, sondern ein Familienname. Möglicherweise hieß Apuleius mit Vornamen „Lucius“ – und hätte damit denselben Namen wie die Hauptfigur des Goldenen Esels – doch das ist Spekulation und nicht gesichert.

Man kann noch heute ein paar antike Überreste von Madaura finden.

Selfhtml By samir boualiOwn work, Public Domain, Link

Selfhtml By samir boualiOwn work, Public Domain, Link

Selfhtml By samir boualiOwn work, Public Domain, Link

Madaura befand sich damals im Königreich der Numider, war aber eine römische Provinz. Apuleius bezeichnete sich einst als “halber Numider”. Die römischen Kaiser, unter denen Apuleius lebte, waren Hadrian (117-138), Antonius Pius (138-161) und Marc Aurel (161-180). Gerade letzterem wird eine intensive philosophische Beschäftigung nachgesagt, sein Buch „Selbstbetrachtungen“ gehört noch heute zum Kanon der Weltliteratur und hat auf Amazon fast durchweg mehr als vier Sterne. 😉  Ich spreche hiermit eine klare Leseempfehlung aus! (Meine Oma hat es auch gelesen und für gut befunden, übrigens.)

https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Ddigital-text&field-keywords=marc+aurel

Das Buch von Marc Aurel basiert auf stoischer Philosophie, die – grob gesagt – versucht, dem einzelnen Menschen einen Platz (Sinn) im Leben (Kosmos) zuzuweisen, wohingegen das Ziel des Lebens im platonischen Sinne darin bestand, ganz abseits vom Leben irgendwie herauszubekommen, was denn eigentlich nun das „Wahre“ und „Gute“ wirklich ist. – Also eher so Gedankenspekulationen.
Platon – über den mal geschrieben wurde, dass sämtliche philosophischen Gedanken der Moderne eigentlich nur „Fußnoten“ (also kleinere Erklärungen) zu seinen antiken Schriften seien – ging davon aus, dass die Welt nicht so ist, wie sie ist, sondern dass es irgendwo von jedem Ding, das wir sehen (oder auch nicht sehen) ein Idealbild gibt. Also das perfekte Abbild – oder vielleicht besser „Urbild“ – von dem sich alle anderen Gegenstände (oder Gedanken) ableiten. Das nannte er dann: „Idee“.
Die „Idee“ des Guten ist also „besser“ (da originaler) als „das Gute“, oder was auch immer der Mensch vornehmlich darunter versteht.
Man kann vielleicht sagen: Platon war ein lebensfernerer Perfektionist, wohingegen die Stoa (Gründer: Zenon von Kition) sich eher damit beschäftigte, inwiefern das, was die Philosophie so herausfand und beforschte, für das Leben des Einzelnen wirklich nutzbar gemacht werden konnte.
Allerdings würde Platon – ganz perfektionistisch – dem natürlich widersprechen und mittels verschiedener Fragen zeigen, dass nur die „Idee“ des Nützlichen wirklich Nutzen bringen kann.

Um die Gedanken der beiden Schulen etwas „greifbarer“ zu machen, stelle ich im Folgenden mal ein paar Zitate gegenüber.

Platon  428/427 v. Chr. in Athenoder Aigina; † 348/347 v. Chr. in Athen

SelfhtmlBy SilanionUser:Bibi Saint-Pol, own work, 2007-02-08, Public Domain, Link

Zenon 333/332 v. Chr. in Kition; gestorben 262/261 v. Chr.

Selfhtml

Von Paolo MontiVerfügbar in der digitalen Bibliothek BEIC und hochgeladen in Partnerschaft.Dieses Bild stammt aus der Stiftung Paolo Monti, die im Besitz von BEIC ist und and im Städtischen Fotoarchiv von Mailand angesiedelt ist., CC-BY-SA 4.0, Link

Freundschaft
Wo aber keine Gemeinschaft ist, da kann auch keine Freundschaft sein.

Ein Freund: meine anderes Ich.

Gott
Als nun aber der Vater, welcher das All erzeugt hatte, es ansah, wie es bewegt und belebt und ein Bild der ewigen Götter geworden war, da empfand er Wohlgefallen daran, und in dieser seiner Freude beschloß er denn, es noch mehr seinem Urbilde ähnlich zu machen.

Gott ist der Ursprung von allem, er ist der reinste Körper und seine Vorsehung durchdringt alles.

Das Gute
Das Gute schafft die Ordnung, das Schöne ist sie.

Nicht in dem Großen liegt das Gute, sondern in dem Guten liegt das Große.

Der Mensch
Als Naturwesen bleibt der Mensch an den Körper gebunden, als Geisteswesen aber hat er Flügel.

Der Charakter ist die Quelle des Lebens, aus der die einzelnen Handlungen fließen.

Das Leben
Das Leben ist eine kurze Verbannung.

Das Ziel des Lebens ist ein Leben im Einklang mit der Natur.

Das jeweils erste Zitat unter dem Thema gehört zu Platon, das zweite stammt von Zenon. Ich finde, man erkennt daran ganz gut, dass die Stoa insgesamt etwas „lebenspraktischer“ unterwegs war. Zenon würde wahrscheinlich mit Erich Kästner übereinstimmen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und Platon würde Kästner lange befragen, um dieses „Gute“ zu definieren – und wahrscheinlich würde er auch versuchen das „Tun“ irgendwie einzugrenzen, bevor es denn überhaupt zum “guten Tun” kommt.

Es gibt eine dritte „geistige“ Strömung, der Apuleius ausgesetzt war: Das Christentum.
Die Christen waren damals noch ziemlich neu und erstmal auch nicht besonders beliebt. Während es im 1. Jahrhundert zu kleineren Christenverfolgungen kam, konnte sich das Christentum im 2. Jahrhundert (also zur Lebenszeit Apuleius) relativ ungehindert entfalten. Allerdings gab es damals noch nicht „die Kirche“, sondern verschiedene Bereiche, wo über theologische Fragen (was ist Gott, wie soll man sich verhalten, wie ist die Kirche organisiert, was soll eigentlich gelehrt werden und so weiter …) gesprochen wurde. Für den Raum Afrika ist dabei vor allem die sogenannte Gnosis interessant, die dort durch einen Mann namens Marcion eine recht große Verbreitung fand.

Selfhtml

By Unknown(Life time: 1100?) – Original publication: Manuscript, Italy, 11th centuryImmediate source: http://corsair.themorgan.org/cgi-bin/Pwebrecon.cgi?BBID=338126, Public Domain, Link

Marcion war ein christlicher Kaufmann, der ein beträchtliches Vermögen an die damals entstehenden Kirche in Rom spendete, der mit „seinen Leuten“ aber immer wieder aneinander geriet und daher irgendwann frustiert eine eigene Kirche gründete.
Marcion lehrte (vielleicht beeinflusst von Platon?), die Idee eines „Gottes der Liebe“, der den Menschen bis dato gänzlich unbekannt gewesen, was bedeutet, bis Jesus auf die Erde kam und Marcion seine Jesus-Kirche gründete. Marcion mochte Jesus voll gerne, fand das Alte Testament aber ziemlich doof, weil es seiner Meinung nach von einem strafenden, bösen „Demiurgen“ (einem Schöpfergott) handle, den die Menschen nicht brauchten. Die gängige Lehrmeinung damals war aber, dass das Alte Testament und das Neue Testament (was damals so langsam entstand) zusammen gehörten. Durch Jesus, so Marcion, habe sich Gott aber in seiner wahren (idealen? Platon lässt grüßen) Natur der „Liebe“ gezeigt – und dies sei der einzige Gott, den man anbeten sollte, also weg mit dem ollen Alten Testament.
Marcions Lehren haben sich in der christlichen Kirche in den folgenden Jahrhunderten übrigens nicht durchgesetzt, ganz im Gegenteil, die Anhänger dieser Vorstellung wurden bald von den „offiziellen Christen“ (Rom, Byzanz) verfolgt.
Erst mit Adolf von Harnack (+ 1930) ist Marcion wieder ins christliche Blickfeld geraten und wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts von vielen Theologen für seine Ansichten geschätzt.

Selfhtml Apuleius rät zum Gebrauch von Dämonen als Mediatoren zwischen Menschen und Göttern – ein zentraler Aspekt seiner philosophischen Lehre. By Maître FrançoisApuleius advises the use of demons as mediators between mankind and the gods – Maïtre François CC0 View item at Koninklijke Bibliotheek , Public Domain, Link

Irgendwo zwischen all diesen Gedanken und Ideen, die damals kreuchten und fleuchten  (man bedenke noch die verschiedenen Mysterienkulte), schreibt Apuleius dann sein Buch „Der Goldene Esel“. Es gibt auch noch eine weitere geistige Strömungen, die Apuleius Denken möglicherweise beeinflusst haben, doch dazu unten mehr.

Selfhtml

By ApuleiusAvailable in the BEIC digital library and uploaded in partnership with BEIC Foundation., Public Domain, Link

Selfhtml

By Matteo Maria Boiardohttp://www.metmuseum.org/art/collection/search/345033This file was donated to Wikimedia Commons by as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. See the Image and Data Resources Open Access Policy বাংলা | Deutsch | English | Esperanto | português | +/−, CC0, Link

Apuleius war der Sohn eines Bürgermeisters und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er studierte in Kathargo und später auch in Athen. Er bereiste verschiedene Städte im Mittelmeerraum (Athen, Samos, Phrygien, Rom) und arbeitete als Rechtsanwalt.

Zusätzlich zu den bisher benannten Ideenlehren, kam Apuleius bei seinen Reisen auch mit ziemlicher Sicherheit mit den Vorstellungen der Neupythagoreer in Berührung, die damals in Athen eine Art Renaissance erfuhren. Wikipedia informiert über die Pythaoreer folgendermaßen:

„Für die Pythagoreer charakteristisch ist die Überzeugung, dass der Kosmos eine nach bestimmten Zahlenverhältnissen aufgebaute harmonische Einheit bildet, deren einzelne Bestandteile ebenfalls harmonisch strukturiert sind oder, soweit es sich um menschliche Lebensverhältnisse handelt, harmonisch gestaltet werden sollten. Sie nahmen an, dass in allen Bereichen – in der Natur, im Staat, in der Familie und im einzelnen Menschen – dieselben zahlenmäßig ausdrückbaren Gesetzmäßigkeiten gelten, dass überall Ausgewogenheit und harmonischer Einklang anzustreben sind und dass die Kenntnis der maßgeblichen Zahlenverhältnisse eine weise, naturgemäße Lebensführung ermöglicht. Das Streben nach Eintracht beschränkten sie nicht auf die menschliche Gesellschaft, sondern dehnten es auf die Gesamtheit der Lebewesen aus, was sich in der Forderung nach Rücksichtnahme auf die Tierwelt zeigte. (…) Ausgangspunkt der konkreten Zahlenspekulation war der Gegensatz von geraden und ungeraden Zahlen, wobei die ungeraden als begrenzt (und damit höherrangig) und – wie im chinesischen Yin und Yang – als männlich bezeichnet wurden und die geraden als unbegrenzt und weiblich. Die als Prinzip der Einheit aufgefasste Eins galt als der Ursprung, aus dem alle Zahlen hervorgehen (und infolgedessen die ganze Natur); so gesehen war sie selbst eigentlich keine Zahl, sondern stand jenseits der Zahlenwelt, obwohl sie rechnerisch als Zahl wie alle anderen erscheint.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreer#Mathematik_und_Zahlensymbolik

Für die Neupythagoreer war also „Harmonie“ das oberste Prinzip. Die (Neu)Pythagoreer waren Vegetarier, lebten bescheiden, halfen einander in Notlagen, waren ein wenig „kommunistisch“ drauf (wobei diese Bezeichnung nicht 100% passt), glaubten an die ewige Wiederkehr der „Seele“ und an Vernunft. Mit Gott oder Göttern hatten sie es nicht so, bzw. nahmen an, dass Götter gar nicht existieren (oder existieren, aber für das Leben der Menschen keine Bedeutung haben).
Die Neupythagoreer namen Bezug auf Philosophen vor ihnen wie z.B. Pythagoras, Solon, Anthisthenes und … Platon (oder zumindest ein Teil seiner Ansichten). Diese “alten Philosophen” lebten schon ein paar Jahrhunderte zuvor und wurden als „Sophisten“ bezeichnet. „Sophist“ bedeutete ursprünglich nur „weiser Mann“, im Laufe der Zeit (und auch durch die Verfolgung der Sophisten, Sokrates ist ein berühmtes Beispiel, ihm wird „Abesie“ vorgeworfen, also „Gotteslästerung“ und deswegen muss er den Schierlingsbecher trinken) … im Laufe der Zeit wird daraus ein Schimpfwort und es heißt wohl sowas wie „Rumschwafler“ oder „Laberkopp“ und wurde bzw. wird für Menschen gebraucht, die einfach nicht auf den Punkt kommen oder total waghalsige Behauptungen aufstellen.

SelfhtmlDer Tod des Sokrates`. By José Maria de Medeiros[1], Public Domain, Link

Von Apuleius philosophischen Texten sind nur wenige erhalten geblieben, bei vielen wird über die Echtheit spekuliert. Erhalten geblieben und wahrscheinlich “echt” (also von Apuleius) sind: „Über den Gott des Sokrates“ (De deo Socratis), „Über Platon und seine Lehre“ (De Platone et eius dogmate), „Über die Welt“ (De mundo) und Peri hermēneías (De interpretatione, „Über die Aussage“ oder „Über das Urteil“).
Außerdem verfasste er ein Buch „Über die Magie“ (De magica), das auf einem Prozess basiert, in dem er angeklagt worden war, seine Frau Pudentilla durch Magie zur Heirat gezwungen zu haben.

Nach seinen Reisen heiratete Apuleius nämlich eine reiche Witwe namens Pudentilla. Einer ihrer Söhne fand das nicht gut und begann einen Prozess gegen Apueius, in dem er ihm vorwarf, die Mutter durch magische Handlungen zur Heirat verführt zu haben. Allem Anschein nach wurde Apuleius aber freigesprochen. Bis zu seinem Tod blieb er dann in seiner Heimat Nordafrika, zunächst in einem Ort namens Oea, dem heutigen Tripolis, und später in Karthago, wo er als Priester arbeitete. Wann genau er gestorben ist, weiß man heute nicht mehr genau.

Eindrucksvoll ist in jedem Fall, wie Apuleius Schaffen nach seinem Tod weiterlebte. Im Folgenden gebe ich dazu einen kleinen Einblick, wer mag, kann sich gerne den passenden Wikipedia-Artikel mit all seinen Unterverlinkungen dazu durchlesen, – sehr lohnenswert und von Wikipedia selbst als “lesenswert” deklariert.

 

Apuleius Nachleben und Wirkung

Bereits kurz nach seinem Tod wurden Apuleius einige Statuen errichtet. Im 4. Jahrhundert gab es dann sogenannte „Kontorniaten“ mit seinem Abbild drauf. Die Verwendung dieser Kontroniaten ist umstritten, vielleicht waren es Spielplaketten, vielleicht kleine Abzeichen, um den heidnischen Glauben (gegen die Christen) zu verteidigen.

Selfhtml

By Johann Jacob Bernoulli – Johann Jacob Bernoulli, Römische Ikonographie, Bd. 1: Die Bildnisse berühmter Römer mit Ausschluss der Kaiser und ihrer Angehörigen. Stuttgart u.a. 1882, Münztaf. 5,117., Public Domain, Link

Die frühen christlichen Kirchväter kannten Apuleius größtenteils und lobten in für sein Werk, kritisierten ihn teilweise aber auch als zu „belletristisch“ und deuteten seine Erzählungen in radikal christlichem Sinn. Im Mittelalter gab es Gelehrte, die auf die Schriften von Apuleius Bezug nahmen (Isidor von Sevilla, Fulgentius, Bernardus Silvestris, Johannes von Salisbury, Albert der Große). Die frühen Humanisten kannten Apuleius (Petrarca, Boccaccio, da Strada, …).
Mit der Verbreitung des Buchdrucks und dem Aufkommen von populärer Literatur, griffen einige Autoren auch auf die Erzählmotive von Apuleius` zurück.
Niccolo Machiavelli beispielsweise schrieb nicht nur etwas über Staatsphilosophie, sondern auch eine (unvollendete) Geschichte über einen verwandelten Esel. Apuleius Metamorphosen galten sogar als Vorbild für eine gesamte Literaturgattung: den sogenannten „Schelmenroman“ (bestes Beispiel: Don Quijote).

Besondere Beachtung fand allerdings die Erzählung von Amor und Psyche. Zahlreiche Humanisten und spätere Autoren haben die Geschichte ausgedeutet oder neu geschrieben, darunter Boccaccio, Niccolò da Correggio, Galeotto del Carretto, Juan de Mal Lara, Ercole Udine, Edmund Spenser (The Faerie Queene), William Browne (Britannia’s Pastorals), Shackerley Marmion (The Legend of Cupid and Psyche), Thomas Heywood (Loves Maistresse or The Queens Masque), Calderón (Ni Amor se libra de amor), Johann Ludwig Prasch (Psyche Cretica), Jean de La Fontaine (Les amours de Psyché et de Cupidon), Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Herder, Mary Thighe, …
Einige sehr bekannte Werke, wie das oben schon erwähnte „Don Quijote“ oder Shakespeares Mittsommernachtstraum enthalten einzelne Elemente oder Episoden aus Apuleius „Amor und Psyche“.

Und auch ganz aktuelle Werke heute noch bekannter Autoren thematisieren Apuleius Schreiben aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. So unter anderem
Elizabeth Barrett Browning  und C.S. Lewis, der nicht nur die „Chroniken von Narnia“ schrieb, sondern die Geschichte aus der Sicht von Psyches älterer Schwester darstellt.

Daneben gab und gibt es auch musikalische Versionen:

Auch in der Psychologie (eine Disziplin, die im 20 Jahrhundert größere Verbreitung fand) spielte die Erzählung von „Amor und Psyche“ eine Rolle. Das ist nicht allzu verwunderlich, bezeichnet der Name der Menschenfrau, in die Amor sich verliebt, ja auch tatsächlich DIE „Psyche“, – also im Sinne von „Seele, Verstand, Gedanken“ – dasselbe Wort wie in Psychologie.

Über all dem gibt es auch eine große Anzahl an Bildern, die es ohne Amor und Psyche nicht gäbe.  Anbei ein paar Beispiele (in chronologische Reihenfolge). – Und damit verabschiede ich mich dann auch erst einmal ganz schlicht und leise. Ich wünsche euch das Allerbeste, mir hat´s sehr viel Spaß gemacht diese Reihe zu schreiben! Bis ganz bald!

Eure Runa Phaino

Selfhtml ca. 70 n. Chr. (Kann das sein? Vielleicht aufgrund einer vorhergehenden Erzählung???)By Stefano BologniniOwn work, Attribution, Link

Selfhtml Wahrscheinlich 3. Jahrhundert n. Chr. By FravekatorOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Selfhtml 1345. By Bartolomeo di Bartoli for Bruzio Visconti – 2D copy of a scan of an medieval manuscript, Public Domain, Link

Selfhtml ca. 1600. By Bartholomeus Spranger – found online [2]Upload: James Steakley, Public Domain, Link

Selfhtml 1605.

By Joseph Heintz the Elder – (Original text: Stadt Augsburg: http://www2.augsburg.de/uploads/pics/F_1548_01.jpg), 11. August 2007(11 August 2007 (original upload date)). Original uploader was Brezelsuppe at de.wikipedia, Public Domain, Link

Selfhtml 1817. By Jacques-Louis David – Author, Public Domain, Link

Selfhtml ca. 1850. By Reinhold Begas (1831-1911) – Alte Nationalgalerie, CC0, Link

Selfhtml Psyche öffnet die Tür zu Amors Garten. Waterhouse 1903. By John William Waterhousejwwaterhouse.com, Public Domain, Link

Der goldene Esel

Der „Goldene Esel“ oder „Metamorphosen“, ist ein Roman von Apuleius aus Madaura, der als gemeinhin „ältester Roman“ überhaupt gilt und zur Weltliteratur zählt. Die Geschichte, die ich demnächst zu veröffentlichen gedenke – Amor und Psyche -, ist ein Teil dieses Romans.

Selfhtml
By Byzantinischer Mosaizist des 5. Jahrhunderts – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Public Domain, Link

Das Mosaik hier steht vielleicht sogar in Zusammenhang mit dem Roman von Apuleius, denn es stammt aus dem 5. Jh. n. Chr. Die Geschichte selbst ist knapp 300 Jahre älter, sie wurde Mitte des zweiten Jahrhunderts geschrieben.

Worum geht es?

Kurz gesagt handelt die Geschichte von einem Mann, der aus Versehen in einen Esel verwandelt wird und als Esel allerlei Abenteuer erlebt.

Ob sich Apuleius dabei an König Midas orientiert hat?

Selfhtml

By Michelangelo Cerquozzihttp://www.christies.com/lotfinder/paintings/michelangelo-cerquozzi-king-midas-5022114-details.aspx, Public Domain, Link

Das Motiv Mann-Esel ist auf jeden Fall auch in anderen Werken zu finden, z.B. bei Shakespeare´s Komödie „Ein Mittsommernachtstraum“, in der der Elfenkönig Oberon die Elfenkönigin Titania damit ärgert, sich in einen (verwandelten) Eselsmann zu verlieben.

SelfhtmlBy Various – Scan from the original work, Public Domain, Link

Vielleicht kann man in dieser historischen Wiederholung der Geschichte eine Art kollektiven Zwang erkennen. Beruhen vielleicht all dieses Erzählungen auf dem unverarbeiteten Trauma der Geschichte von der Frau von König Minos (Achtung, nicht Midas!), die sich damals in einen Stier verliebte und so weiter und so fort …?

Na, wahrscheinlich ahnt ihr es schon. Auch im „Goldenen Esel“ geht es mitunter ganz schön schlüpfrig zur Sache.

Dadurch, dass der Roman auch als Apuleius „Metamorphosen“ bezeichnet wird, stellt sich der Autor in die Tradition von Ovid und anderen Autoren vor ihm, denn Geschichten, in denen sich gegen Ende der Protagonist (oder andere Figuren) in etwas Neues verwandeln, gab es in der Antike zuhauf.

Apuleius hat sich das alles also nicht selbst ausgedacht, sondern von anderen Autoren abgeschöpft. Geschieht ihm also nur Recht, dass ich mir einen Teil seines Werkes  als Roman genehmigte. 😉 Wahrscheinlich hatte Apuleius sogar eine sehr konkrete, griechische Romanvorlage, – einen Text von Lucius von Patrei.

Doch nun zur Geschichte selbst.

Inhaltlich geht es um einen Ich-Erzähler (Lucius), der sich total für Zauberei interessiert und nach Tessalien reist, weil er gehört hat, dass dort die mächtigsten Hexen leben.

SelfhtmlBy John DownmanGalerie Bassenge, Public Domain, Link

Tatsächlich macht er dort Bekanntschaft mit Hexen, die sich aber vor allem über ihn lustig machen. Durch ein Missgeschick verwandelt sich Lucius dann in einen Esel, wird von Räubern gefangen genommen und in eine Räuberhöhle gebracht.

SelfhtmlBy Maxfield ParrishAli-Baba.jpg, Public Domain, Link

In der Räuberhöhle trifft er auf die traurige Charite, eine junge Frau, die die Räuber von ihrer Hochzeit kidnappten.

SelfhtmlBy Rotary Photographic Series (198A) in the United Kingdom. [1]. – Transferred from en.wikipedia to Commons by FSII using CommonsHelper.http://robstevensblog.blogspot.com/2009/06/maude-fealy-romeo-julia-18981903.html, Public Domain, Link

Um Charite zu trösten, erzählt die Köchin der Räuber ihr das Märchen von „Amor und Psyche“.
„Amor und Psyche“ stellen also eine Art minikleinen -Exkurs dar, eine „Erzählung in der Erzählung“.

SelfhtmlBy Paul-Jacques-Aimé Baudry – [1], Public Domain, https://commons. wikimedia.org/w/index.php?curid=3216955

Nachdem Charite (und Lucius) die Geschichte gehört haben, freunden sie sich an und wollen fliehen. Sie schaffen es aber nicht und der Esel Lucius soll aufrund des Fluchtversuches getötet werden. Der Anführer der Räuber, entpuppt sich dann aber praktischerweise als Charites Bräutigam und alles ist gut.

Selfhtml By Louis Rhead – Rhead, Louis. “Bold Robin Hood and His Outlaw Band: Their Famous Exploits in Sherwood Forest”. New York: Blue Ribbon Books, 1912., Public Domain, Link

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Lucius-Esel soll es eigentlich wohl ergehen, aber ein eifersüchtiger Mann tötet Charites Bräutigam, sie bringt den Mörder ihres Mannes um und danach sich selbst. Tragische Liebesgeschichte! – Auch schon so alt wie die Menschheit selbst. 😉

Selfhtml By Arĝenta NeĝoOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Esel Lucius ist nun gezwungen, mit heuchlerischen Wahrsagern umher zu ziehen, später gerät er an einen Müller, Gärtner, Legionär, … und an eine Frau, die sich in ihn verliebt und es auch schafft, eine körperliche Verbindung mit ihm einzugehen. (Womit wir  schon wieder bei Minos Gattin wären …)

Apuleius schreibt dazu:
„Unterdessen verdoppelte die Dame ihre Liebkosungen, herzte, küßte mich und girrte und verdrehte im Taumel stechender Begierden die Augen. Zuletzt rief sie: »Ha, nun hab ich Dich! hab ich Dich, mein Täubchen! mein Vögelchen!« Und mit den Worten zeigte sie, daß alle meine Besorgnis und Furcht töricht und überflüssig war; denn sie umschlang mich und nahm mich ganz, ganz sage ich, auf!
So oft ich, ihrer schonend, mein Hinterteil zurückzog, so oft flog sie elastisch in jähem Schwunge mir nach, und, je fester und fester mit ihren Armen mein Rückgrat umfassend, schloß, drückte, preßte, schmiegte sie sich brünstiger an mich, so daß ich, beim Herkules! gar glaubte, es mangle mir noch etwas zur Befriedigung ihrer Üppigkeit, und im Ernst auf den Argwohn geriet: die Mutter des Minotaurs müsse sich wohl nicht ohne Grund lieber einen brüllenden Liebhaber zur Kurzweil erkoren haben.“ Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-goldene-esel-5948/12
Nun ja … doch damit nicht genug!

Später soll Lucius das da oben Beschriebene an einer zum Tode Verurteilten in aller Öffentlichkeit wiederholen, allerdings flieht er, bevor es dazu kommt.

Selfhtml By Benutzer:BrunswykOwn work (Original text: Benutzer:Brunswyk), CC BY-SA 3.0 de, Link

Völlig traumatisiert wendet sich Lucius schließlich an die Muttergöttin, die ihm in der Gestalt der Isis erscheint und ihn endlich von seiner Odyssee im falschen Körper befreit und der er im Anschluss für den Rest seines Lebens als Priester dient.

SelfhtmlBy Wael MostafaOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Es ist nicht ganz sicher, ob es die Mysterien von Isis und Osiris zur Zeit Apuleius´ wirklich gab. Wenn ja, werden sie wahrscheinlich Ähnlichkeit mit anderen Mysterienkulten/religionen der Antike gehabt haben. – Wer mag, kann unter den folgenden Links noch mal nachlesen, ich hatte die immer mal wieder erwähnt.

https://lehmofen.wordpress.com/2017/10/12/kybele/
https://lehmofen.wordpress.com/2017/10/19/die-bacchanalien/ (!)
https://lehmofen.wordpress.com/2017/09/28/apollo/

Bei all dem stellt sich natürlich die Frage, wieso Apuleius diese Geschichte geschrieben hat und/oder was er damit aussagen möchte.

Interessant ist, dass die oben erwähnten Mysterien von Isis und Osiris nur bei Apuleius Erwähnung finden. Er ist also der einzige antike Autor, der davon schreibt. Wobei das mit den Überlieferungen aus der Antike ja so eine Sache ist …

Vielleicht ist also gerade dieser Bezug ein Schlüssel für die Interpretation. Vielleicht aber auch nicht. Das weiß man nach all der Zeit natürlich nicht mehr so genau und man muss sich ja bei Literatur grundsätzlich fragen, wie „bewusst“ dem Autor eigentlich ist, was er da tut und was er aussagen will – oder ob „das alles“ nicht einfach nur eine tolle Geschichte ist, die der Unterhaltung dient.

In der Szene, als Esel-Lucius sich hilfesuchend an Isis wendet, betrachtet er zunächst den Mond. Dann fängt er an zu beten und zwar mit folgenden Worten:

Selfhtml

By This file is in the public domain in the United States because it was solely created by NASA. NASA copyright policy states that “NASA material is not protected by copyright unless noted”. (See Template:PD-USGov, NASA copyright policy page or JPL Image Use Policy.)Warnings:Use of NASA logos, insignia and emblems is restricted per U.S. law 14 CFR 1221.The NASA website hosts a large number of images from the Soviet/Russian space agency, and other non-American space agencies. These are not necessarily in the public domain.Materials based on Hubble Space Telescope data may be copyrighted if they are not explicitly produced by the STScI.[1] See also {{PD-Hubble}} and {{Cc-Hubble}}.The SOHO (ESA & NASA) joint project implies that all materials created by its probe are copyrighted and require permission for commercial non-educational use. [2]Images featured on the Astronomy Picture of the Day (APOD) web site may be copyrighted. [3]The National Space Science Data Center (NSSDC) site has been known to host copyrighted content even though its photo gallery FAQ states that all of the images in the photo gallery are in the public domain., Public Domain, Link

„Königin des Himmels! Du seist nun die allernährende Ceres (Demeter), des Getreides erste Erfinderin, welche, in der Freude ihres Herzens über die wiedergefundene Tochter, dem Menschen, der gleich den wilden Tieren mit Eicheln sich nährte, eine mildere Speise gegeben hat und die eleusinischen Gefilde bewohnt, oder du seiest die himmlische Venus (Aphrodite), welche im Urbeginne aller Dinge durch ihr allmächtiges Kind, den Amor, die verschiedensten Geschlechter gegattet und also das Menschengeschlecht fortgepflanzt hat, von dem sie zu Paphos in dem meerumflossenen Heiligtume verehrt wird, oder des Phöbus Schwester (Artemis/Diana), welche durch den hilfreichen Beistand, den sie den Gebärerinnen leistet, so große Völkerschaften erzogen hat und in dem herrlichen Tempel zu Ephesus angebetet wird. Oder du seiest endlich die dreigestaltige Proserpina, die nachts mit grausigem Geheul angerufen wird, den tobenden Gespenstern gebietet und unter der Erde sie einkerkert, während sie entlegenen Haine durchirrt, wo ein mannigfacher Dienst ihr geweiht ist: Göttin! die du mit jungfräulichem Scheine alle Regionen erleuchtest, mit deinem feuchten Strahle der fröhlichen Saat Nahrung und Gedeihen gibst und nach der Sonne Umlauf dein wechselndes Licht einteilst; unter welchem Namen, unter welchen Gebräuchen, unter welcher Gestalt dir die Anrufung immer am wohlgefälligsten sein mag! Hilf mir in meinem äußersten Elende! Stehe mir bei, daß ich nicht gänzlich zugrunde gehe; nach so vielen, so schwer überstandenen Trübsalen verleihe mir endlich einmal Ruhe und Frieden! Ich habe genug des Jammers, genug der Gefahren! Nimm von mir hinweg die schändliche Tiergestalt! Laß mich wieder werden, was ich war; laß mich Lucius werden und gib mich den Meinigen wieder! Oder habe ich ja irgendeine unversöhnliche Gottheit ohne mein Wissen beleidigt: Ach, so sei lieber mir erlaubt, zu sterben denn so zu leben, o Göttin!“ Quelle: http://www.symbolon.de/downtxt/esel.htm

Kurze Zeit darauf erscheint ihm die Göttin im Traum und zwar folgendermaßen:

„Reiche, ungezwungene Locken spielen sanft in angenehmer Verwirrung um den Nacken der Göttin; ihren hohen Scheitel schmückte ein vielförmiger Kranz mit mancherlei Blumen. Über der Mitte der Stirn glänzte mit blassem Scheine eine flache Rundung nach Art eines Spiegels oder vielmehr der Scheibe des Mondes, darumher auf beiden Seiten sich gewundene Schlangen gleich Furchen zogen, und darüber hin, wie bei der Ceres, Kornähren gelegt waren.
Ihr Kleid war feines Zeug, das bald weiß, bald gelb, bald rosenrot wechselte. Es umhüllte sie ein Mantel von blendender Schwärze, der unter dem rechten Arm hindurch über die linke Schulter geschlagen war. Der Zipfel wie ein Schild eines Kriegers über den Rücken zurückgeworfen, fiel in mannigfachen Falten hinab, und die Fransen des Saumes flatterten zierlich im Winde. Sowohl auf der Verbrämung als auf dem Mantel selbst flimmerten zerstreute Sterne in deren Mitte der Vollmond in seiner ganzen Pracht glänzte, und eine schwere Kette allerlei künstlich zusammengeordneter Blumen und Früchte irrte allenthalben verloren darüber hin.
In ihren Händen führte die Göttin weit voneinander verschiedene Dinge; denn in der Rechten hielt sie eine goldene Klapper, durch deren schmales Blech, das sich wie ein Gürtel zusammenbog, einige Stäbe gezogen waren, die beim dreimaligen Schütteln des Armes einen hellen Klang gaben. Von der Linken aber hin ihr ein goldenes Trinkgeschirr herab, über dessen Handhabe an der Seite, wo sie sichtbar war, eine Schlange sich emporreckte mit hocherhobenem Haupte und geschwollenem Nacken.“
ebd.

Die Göttin – die hier tatsächlich in der Gestalt aller antiken Göttinnen zusammen erscheint,- gewährt Lucius seinen Wunsch und empfielt ihm, auf der Feier, die ihr zu Ehren stattfindet, Rosen zu essen, damit er sich zurückverwandelt.

SelfhtmlBy HamachidoriOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Gesagt, getan.

Alle dort anwesenden Menschen (eine bunte Schaar) sind erstaunt über Lucius´ Rückverwandlung hin zum Menschen. – Im Prinzip ist das “Happy End” erreicht.

Doch die Geschichte geht noch ein wenig weiter, Lucius hat eine weitere Traumbegegnung mit der Göttin „Isis“ (in verschiedenen Variationen) und schließlich wird Lucius in die Mysterien von Osiris eingeweiht.
Parallel wird Lucius zu einem Rechtsanwalt und zu einem „Pastophoren“.

Die Pastophoren waren im alten Ägypten Priester, die Zugang zu den kultischen Gegenständen hatten. Der Begriff wird noch heute in der byzantinischen, christlichen Kirche für Priester verwendet.

Ein wenig erinnert der Begriff auch an „Pastor“ (lat. Hirte), der ja eine Menge christliche Bezüge aufweist. Pastophoren leiten sich allerdings ab vom altgriechischen  παστοφόριον(pastophorion), παστὸς(pastos) Kapelle mit Götterbild und φορὸς (phoros) tragend).
SelfhtmlBy René SteyerOwn work, CC BY-SA 3.0 at, Link

By Charlie1965nrw at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

Wie auch schon beim Gemälde von Boticelli, über das ich im Beitrag von Flora und Chloris schrieb, überlasse ich die Interpretation des Ganzen euch.

Der offensichtliche(?) Bezug zur einem meiner älteren Beiträge ist auf jeden Fall erwähnenswert.

Es gibt darüber hinaus aber natürlich schon Interpretationen der Geschichte des Goldenen Eselchens. Weg mag, darf sich gerne einlesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Apuleius#Metamorphosen [Abschnitt Deutung]

http://www.heinrich-tischner.de/50-ku/marchen/marchen/eselsrom.htm

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/439/1/Moellendorf_Apuleius_Der_Goldene_Esel_2000.pdf

Ich werde die Erkenntnisse aus den Beiträgen der Reihe „komische Götter“ (vielleicht erinnert sich der ein oder andere, so hatte es vor ein paar Monaten begonnen) auf jeden Fall für mein nächstes Buch nutzen. 😉 Nächsten Donnerstag gibt es dann noch einen letzten Artikel über den werten Autoren des „Goldenen Esels“, bei dem ich so schändlich geklaut habe, um meinen Roman zu schreiben (oh, übrigens auch bei Ovids Metamorphosen, by the way.) Dessen Name in Zusammenhang mit der aktuellen Blogreihe übrigens schon über 50 Mal fiel. – Das muss Liebe sein. ❤

Und dann werde ich mich erstmal ein wenig zurückziehen, der Blog wird umziehen, alles wird anders werden, aber grämt euch nicht, denn:

Nichts ist beständiger als der Wandel.

Das sagte schon mein guter, alter Kumpel Heraklit. – Und er hat verdammt nochmal Recht.

Diana – Göttin der Jagd

SelfhtmlBy Design by Géza Maróti (1875-1941), BudapestOwn work; Photo by Szilas in the Budapest Museum of Applied Arts; temporary exhibition of the Masters of the Art Nouveau, May 2013 – February 2014, Public Domain, Link

 

Die Göttin, um die es heute geht, – Diana –  könnte wie viele andere Frauen und Göttinnen der Antike heute bei der Kampagne #metoo mitmachen.

Allerdings stellte ihr nicht der Göttervater nach (der laut Postillon nach Belästigungsvorwürfen aus der griechischen Mythologie gestrichen worden sei), sondern ein Normalsterblicher namens Aktation – und sie wusste sich ganz trefflich zu wehren.

Selfhtml

By Nordisk familjebok – From http://runeberg.org/nfba/0250.html, Public Domain, Link

Diana verwandelte den Belästiger nämlich ganz einfach in einen Hirsch und ließ dessen Jagdkumpanen und Hunde dann den Rest erledigen. Sehr anschaulich und schön hat dies Ovid in den folgenden Zeilen beschrieben:

„Wie er (also Aktaion) jedoch das Gesicht und die Hörner im Wasser erblickte,
Wollt’ er rufen entsetzt: “Weh mir!” Nicht folgte die Stimme.
Dafür kam ein Gestöhn. Feucht ward von Tränen das Antlitz,
Welches das seinige nicht. Den Geist nur hatt’ er behalten.
Was nun soll er tun? Heimkehren zum Königspalaste

Oder sich bergen im Wald? Scham hinderte jenes, die Furcht dies.
Während er schwankt, ersehn ihn die Hund’, und das Zeichen mit Bellen
Gibt Melampus zuerst und Ichnobates trefflich im Spüren,
Dieser von gnosischem Stamm, von spartanischer Rasse Melampus.
Flüchtiger rennen herbei als sausende Winde die ändern:

Pamphagos, Dorkeus auch und Oribasos, Arkader alle;
Theron grimmig und wild, mit dem starken Nebrophonos Lailaps,
Pterelas hurtig im Lauf und die scharf auswitternde Agre
Und, von dem Eber gehaun unlängst, der kecke Hylaios,
Nape, gezeugt vom Wolf, und Poimenis, welche den Schafen

Achtsam folgt, und, begleitet von zweien der Söhne, Harpyia,
Ladon dazu mit schmächtigem Bauch, sikyonischer Herkunft,
Kanake, Dromas sodann und Stikte und Tigris und Alke,
Abolos schwarz von Haar und Leukon mit schneeigen Zotten,

Thoos und flink und behend mit dem kyprischen Bruder Lykiske
Und, an der dunklen Stirn mit schneeiger Mitte gezeichnet,
Harpalos, Melaneus auch und Lachne mit struppigem Leibe;
Labros, Agriodos dann, die Söhne lakonischer Mutter,
Vom Diktaier gezeugt, und mit gellender Stimme Hylaktor,

Und viele andre dazu. Die stürmen nach Beute begierig
Über Gestein und Felsen und unzugängliche Klippen,
Da, wo schwierig der Weg, und da, wo keiner gebahnt ist.
Selbst nun fliehet er dort, wo oft er Verfolger gewesen;
Ach, er flieht vor dem eignen Gefolg’! Gern hätt’ er gerufen:

“Ich, Aktaion, ja bin’s! Erkennt doch euren Gebieter!”
Worte gebrechen dem Wunsch. Vom Gebell hallt wieder der Aither.
Melanchaites zuerst verwundete jenem den Rücken,
Dann Theridamas auch; Oresitrophos biss sich am Bug ein.
Später begann ihr Lauf, doch über den Berg auf dem Richtpfad

Eilten dem Schwärm sie voraus. Indes den Gebieter sie hielten,
Drängt sich die Meute herzu und schlägt in den Körper die Zähne.
Schon zu Wunden gebricht es an Raum. Er stöhnet, und Töne,
Nicht wie ein Mensch, doch auch wie ein Hirsch niemals sie hervorbringt,
Stößt er aus und erfüllt das bekannte Gebirge mit Wehruf,

Und mit gebogenem Knie demütig und Bittenden ähnlich
Trägt er schweigend umher, als wären es Arme, die Blicke.
Aber den bissigen Trupp hetzt noch mit dem üblichen Zuruf
Sein argloses Gefolg’ und sucht mit den Augen Aktaion –
Und ruft laut, als wär’ er entfernt, um die Wette Aktaion –

Jener bewegt bei dem Namen das Haupt – und alle beklagen,
Dass er fern und des Fangs Schauspiel so lässig versäume.
Fern sein möcht’ er, allein er ist nah. Er möchte der Meute
Grimmiges Tun nur sehn und nicht auch selber empfinden.

Und zerfleischen den Herrn im Bilde des trügenden Hirsches.
Erst, wie am Ende geflohn durch vielfache Wunden das Leben,
Ruhte der Zorn, wie man sagt, der köchertragenden Göttin.“Quelle: http://www.gottwein.de/Lat/ov/met03de.php (2, 200-253)

 

Selfhtml

By Carole RaddatoOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

SelfhtmlBy Antonio Tempesta – Image: http://collections.lacma.org/sites/default/files/remote_images/piction/ma-31724028-O3.jpgGallery: http://collections.lacma.org/node/234460, Public Domain, Link

Leg Dich lieber nicht mit Diana an, könnte man da sagen.

Diana ist die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt. Sie ist die Zwillingsschwester von Apollo, die Tochter von Zeus/Jupiter und Leto/Latona, und ihr wird nachgesagt, schon als frisch geborenes Baby ihrer Mutter bei der Entbindung von Apollo geholfen zu haben. In der griechischen Mythologie entspricht ihr Artemis. Ich denke, dass die Attribute “Mond” und “Geburt” erst später für Diana galten. Zunächst ist sie sehr wahrscheinlich vor allem eine Jagdgöttin gewesen.

Historisch betrachtet gab es viele Orte in Italien und Griechenland, an denen Diana verehrt wurde, allerdings lagen die römischen Stätten fast alle außerhalb von Rom, also außerhalb der Stadtgrenze. Einige Forscher vermuten, dass Diana daher möglicherweise von den heimkehrenden römischen Truppen verehrt wurde, die bis zum Ausruf des Triumphes draußen vor der Stadt zu warten hatten und die Grenze (Pomerium) nach Rom nicht überschreiten durften.

Besonders interessant ist das außerhalb von Rom gelegene Heiligtum der „Diana Nemorensis“.

SelfhtmlVon Pippo-b – eigenes Foto, CC BY-SA 3.0, Link

Wikipedia beschreibt sehr treffend:
„Zentrum des Heiligtums war eine der Göttin Diana (gleichgesetzt der griechischen Göttin Artemis) geweihte Eiche, die von einem Priesterkönig, dem rex nemorensis, bewacht wurde. Dieser war ein entlaufener Sklave, der Tag und Nacht den Baum bewachte. Er hatte sein Amt so lange inne, bis es einem anderen Entlaufenen gelang, ihn zu töten, einen Ast von der Eiche zu brechen und so seinerseits dieses gefährliche Amt zu übernehmen. Dieser Umstand war für die Antike so unüblich, dass (… vermutet wurde), der Kult könne aus vorgeschichtlicher Zeit stammen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligtum_der_Diana_Nemorensis

In dieser Erzählung findet sich, wenn man so will, lediglich das Motiv “Wald” (Eiche) und “Wache”, – noch kein Hinweis auf Mond oder Geburt.

Bei Diana handelt es sich also um eine Göttin, deren Ursprünge recht weit zurückliegen. Dies wird auch deutlich, wenn man sich die Verbindungen zu anderen Gottheiten ansieht.
So findet sich beispielsweise eine Gottheit namens Britomartis, die angeblich eine Vorform von Diana/Artemis war und auf Kreta verehrt wurde. Den Ursprungsmythos von Britomartis zu rekonstruieren ist so gut wie unmöglich, – angeblich stellte Minos ihr nach und sie rettete sich durch einen Sprung ist Meer, woraufhin die Göttin Artemis ihr beistand. (Hier ist historisch aber unklar, wie Artemis, die doch eigentlich eine weitere Ausdeutung bzw. spätere Entwicklung von Britomartis ist, „sich selbst“ in dieser Situation hätte helfen können. – Vermutlich wurde die Gestalt von Britomartis in spätere Mythen über Diana wieder eingebunden. Kompliziert das Ganze. ;))
Historisch einleuchtend ist die Vermutung, dass Britomartis in der frühen minoischen Zeit einen Tempel hatte, der mit „wilden Tieren“ (Hunden, ggf. Bären) assoziiert war. Dass sie also eine Art Jagdgöttin darstellte. Selbiges trifft auf eine indogermanische Gottheit namens „Artio“ zu, die schon vom Wortlaut her Ähnlichkeiten mit „Art“emis aufweist. Es gibt auch Annahmen, die Artemis auf ein altes Wort für “Bär” zurückführen. Dem Religionswissenschaftler George Dumézil zufolge ist Diana eine Art „Rahmen-Gottheit“, die viele archaische Elemente vereint und daher sehr alt sein muss. Er vergleicht Diana in ihrer Funktion mit dem nordischen Gott Heimdall, der Asgard bewacht. James Frazer (ein anderer Religionswissenschaftler) sieht eher eine Verbindung zwischen Diana und Janus.

Es ist sicherlich nicht falsch, „Diana“ vorrangig als sehr, sehr alte Jagdgöttin zu sehen, in die andere weibliche Jagdgottheiten „aufgegangen“ sind. Auch ein Diana geopferte Votivstein, in dem sich jemand für die reiche Bärenjagd bedankt, belegt diese Vermutung. Zudem gab es an einer anderen Kultstätte, in Brauron, noch lange Zeit die Tradition, dass sich junge Mädchen zu Ehren Dianas in Safran-Farbene Gewänder hüllten und eine Bärenjagd nachstellten.

Selfhtml Britomartis wird von Edmund Spenser im 16. Jahrhundert als englische Tugendfrau beschrieben. – Ein Bestseller. Von photo: C J Thomson – photo: Special:Contributions/SusanWynneThomson, GFDL, Link

SelfhtmlDie Göttin Artio, – 19. Jahrhundert.  Von Own photograph by Sandstein, CC BY 3.0, Link

Selfhtml Votivstein mit Dank für Bärenjagd. Von den SEX CAPTIS (UR)SIS sieht man allerdings nur das “SIS”.  Von Diagram LajardEigenes Werk, CC0, Link

Für das „mythische Alter“ der Göttin spricht auch eine Geschichte, die sehr stark an alte Themen wie „Inanna und Dumuzi“ erinnert. – Also Mann/Frau, Tod und Wiederauferstehung im weitesten Sinn.

Ich zitiere: „In römischer Zeit war die Legende verbreitet, der Hain von Nemi sei die Heimstatt der Nymphe Egeria, deren Obhut Diana ihren von den Toten erweckten Jagdgefährten Hippolytos anvertraute. Hippolytos, ein schöner Jüngling, hatte die Begehrlichkeit der Liebesgöttin Venus geweckt (die wiederum der griechischen Göttin Aphrodite entsprach). Hippolytos sah sich allerdings als Jünger der Diana der Jagd wie der Keuschheit verpflichtet und blieb gegenüber dem Liebeswerben der Venus standhaft. Diese sann auf Rache und verzauberte seine Stiefmutter Phädra dergestalt, dass sie für Hippolytos entflammte. Wiederum wies Hippolytos seine Verehrerin ab. Phädra schwärzte ihn daraufhin bei seinem Vater (und ihrem Gatten) Theseus an und behauptete, Hippolytos habe versucht, sie zu vergewaltigen, und beging sodann Selbstmord. Theseus wiederum verstieß seinen Sohn und beauftragte Poseidon, Hippolytos zu töten. Der Meeresgott vollbrachte dies, indem er ein Seeungeheuer losließ, das Hippolytos’ Streitwagen zu Fall brachte.
Diana wiederum wandte sich an Asklepios, der den Jüngling wieder zum Leben erweckte – nach göttlicher Auffassung ein Frevel, und aus Verärgerung darüber verbannte der Göttervater Jupiter Äskulap in den Hades. Damit Hippolytos nicht ähnliches widerfahre, versteckte Diana ihn bei ihrer Nymphe Egeria, gab ihm zudem ein paar Altersfalten, damit er nicht allzu leicht zu erkennen sei, und umnebelte ihn zudem mit einer Wolke. Der auferstandene Hippolytos nahm den Namen Virbius an und zeugte mit Egeria einen Sohn, der ebenso genannt wurde. Virbius war neben Diana daher eine der in Nemi verehrten Gottheiten.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligtum_der_Diana_Nemorensis
Diana erweckt also ihren Geliebten Hippolytos mit Hilfe von Asklepios wieder zum Leben. Ähnliche Züge weist auch der Mythos um Diana und Orion auf. – Wobei das mit Diana und den Männern so eine Sache ist. In erster Linie waren es wohl nicht ihre “Geliebten”, sondern lediglich “Jagdgefährten”, denn die Göttin war nicht gerade für ihr ausschweifendes Liebesleben bekannt.

Diana steht auch in Verbindung mit der Euripides Erzählung „Iphigenie in Tauris“. Von Iphigenie war hier schon mal kurz die Rede, es ist die Frau, die für ihr Vaterland in Zusammenhang mit dem Trojanischen Krieg der Göttin Diana geopfert werden soll, dann aber von der Göttin “ex machina” gerettet wird. Später errichtet Iphigenie der Sage nach im oben erwähnten Brauron einen Tempel für Diana, in dem sich junge Mädchen als Bären verkleiden.

Selfhtml By Anonymous Ophelia2, Public Domain, Link

SelfhtmlBy Jens Cederskjold, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52601662

Im Mittelalter bzw. eher der frühen Neuzeit, wo vornehmlich Verfolgungen stattfanden, wurde Diana zur Göttin der Hexen, wurde also von der Jägerin zur Gejagten.

Selfhtml By Nye, Edgar Wilson “Bill” (1850-1896) – https://archive.org/details/billnyeshistoryo00nyebrich, Public Domain, Link

In der Antike war allerdings noch Hekate für Magie und Zauberei zuständig.

SelfhtmlBy The original uploader was Medos at German Wikipedia – Transferred from de.wikipedia to Commons by Ireas using CommonsHelper., Public Domain, Link

SelfhtmlBy Maximilián Pirnerhttps://lehmofen.files.wordpress.com/2017/11/954a8-hekate1901.jpg, Public Domain, Link

SelfhtmlBy ZdeOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Am wahrscheinlichsten ist, dass eine biblische Erwähnung vom Artemis-Tempel in Ephesos zu dieser Annahme führte, dass Diana/Artemis mit Hexen im Bunde stünde. Denn als Paulus und seine Männer dort in Ephesos christianisieren und missionieren, gab es einen riesigen Aufstand, Schlägereien und Paulus landete schließlich sogar im Gefängnis. Die Epheser hatten nämlich keine Lust auf eine neue Lehre und wollten lieber weiterhin Geld mit ihren hübschen Artemis-Figürchen für den Tempel verdienen, der der Sage nach übrigens von der Amazonen-Königin Ortrere gegründet wurde.
Das konnte ja nur Hexenwerk sein!

SelfhtmlBy DC Extended Universe Wiki – http://dcextendeduniverse.wikia.com/wiki/File:JL_Wonder_Woman.jpg, CC0, Link

Da ist sie wieder. “Diana” Prince, aka Wonderwoman. 😉

 

 

Papst Franziskus

Folgendes als Zitat von https://www.pro-pope-francis.com/

Oder auch: ein kleiner Hinweis zur Bildinterpretation des letzten Beitrags. Zumindest ansatzweise.

<3-liche Grüße!

 

 

Hochgeschätzter Papst Franziskus!

 

Ihre pastoralen Initiativen und deren theologische Begründung werden derzeit von einer Gruppe in der Kirche scharf attackiert. Mit diesem öffentlichen Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für Ihre mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung dankbar sind.

 

Es ist Ihnen in kurzer Zeit gelungen, die Pastoralkultur der katholischen Kirche von ihrem jesuanischen Ursprung her zu reformieren. Die verwundeten Menschen, die verwundete Natur gehen Ihnen zu Herzen. Sie sehen die Kirche an den Rändern des Lebens, als Feldlazarett. Ihr Anliegen ist jeder einzelne von Gott geliebte Mensch. Das letzte Wort im Umgang mit den Menschen soll nicht ein legalistisch, sondern ein barmherzig interpretiertes Gesetz haben. Gott und seine Barmherzigkeit prägen die Pastoralkultur, die Sie der Kirche zumuten. Sie träumen von einer „Kirche als Mutter und Hirtin“. Diesen Ihren Traum teilen wir.

 

Wir bitten Sie, von diesem eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen, und sichern Ihnen unsere volle Unterstützung und unser stetes Gebet zu.

 

Die Unterzeichnenden

 

 

Weitere Info bzgl. aktueller Skandale und wer sich da eigentlich gegen den Papst “wehrt”:

http://www.spiegel.de/panorama/papst-franziskus-aufruhr-der-dogmatiker-a-1174409.html

 

 

 

 

 

Flora und Chloris

SelfhtmlBy Harold H. Piffard (Original artist)Restoration by Adam CuerdenUniversity of Victoria Digital Collections, Public Domain, Link

Memento mori, Mensch.

Diese Worte sind vielen bekannt, wenige aber wissen, was sie bedeuten. Sie sind lateinischen Ursprungs und wurden im römischen Reich ständig wiederholt. Wie ein Mantra. Memento mori, memento mori, memento mori, …
Es gab einen festen Zeitpunkt, wann diese Worte gesprochen wurden und einen klaren Adressaten. Ein Priester (oder Sklave?) flüsterte sie dem Feldherren siegreicher Truppen ins Ohr.
Die Worte waren also eigentlich nix für die Allgemeinheit, auch wenn sie heute im kollektiven Bewusstsein rumschwirren, denn viele kennen sie. Ursprünglich galten sie nur einer einzigen, äußerst starken und mächtigen Person: Dem obersten Befehlshaber der römischen Legionen, der sie zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt hörte:

Am Tage seines Triumphes.

Was sind die Hintergründe?

Für einen Triumphzug war es den römischen Oberbefehlshabern ausnahmsweise erlaubt, ihr Heer in die Stadt zu führen. Caesar hat sich nicht mehr dran gehalten und sein Adoptivsohn Augustus wurde dann zum Regelbrecher schlechthin, aber das ist eine andere Geschichte.
Lange Zeit galt es, die militärischen Angelegenheiten, all diesen Tod und das Blut, aus Rom auszulagern. Zu einem Triumphzug aber durften alle Soldaten in die Stadt kommen.

Der Feldherr, der die Legionen in den Sieg geführt hatte, wurde an diesem Tag gefeiert wie ein Gott und seinen Untergebenen ging es auch nicht schlecht.
Es gab erstklassige und zweitklassige Triumphe. Die Erstklassigen führten über das römische Forum und mitten durch die Stadt. Da, wo der Marmor blitzte und glänzte, die Leute aus den oberen Reihen Blumen schmissen und sich reiche Senatorenfrauen die Lippen leckten.

Memento Mori.

Inmitten des Triumphzuges fuhr der Feldherr auf einer Quadriga, einem Viergespann (einem Wagen, mit vier Pferden davor). Sowas kann man heute zum Beispiel noch hier, aber auch an vielen anderen Orten der Welt, bewundern:

Selfhtml Berlin, Brandenburger Tor, Detail. By א (Aleph)Creator: Johann Gottfried Schadow – Own work, CC BY-SA 2.5, Link

Als allererstes schritten die ehrwürdigen Senatoren voran. Dahinter gingen Künstler, Musiker und Maler, die die wichtigsten Etappen der Schlacht auf großen Leinwänden darstellten und beschrieen, ihnen folgte die Beute des Raubzuges: wilde Tiere, Gefangene, Gold und Silber und andere Wertgegenstände.
Ein bisschen muss man sich das wohl vorstellen, wie bei einem Karnevalsumzug, allerdings galt eben das ganze Spektakel allein dem Feldherren, der in der Mitte des Triumphes war – und natürlich seinen Soldaten.

Memento mori.

Die Soldaten liefen ihrem Feldherrn auf der Quadriga hinterher, bildeten also den Schluss des Zuges.
Ihnen war es ausnahmsweise erlaubt … vielleicht kann man auch sagen: Vom Publikum ausdrücklich gewünscht …, dass sie ihren Chef einmal so richtig durch den Kakao zogen. Also verspotteten.

Von Caesar weiß man, dass er wohl schon in jungen Jahren sein Haupthaar verloren hatte. Sueteon überliefert folgenden Ausruf, den die Soldaten bei seinen Triumphen buhten:

„urbani, servate uxores: moechum calvum adducimus“

„Städter, sperrt die Frauen ein! Wir bringen euch den glatzköpfigen Lustmolch!!!“

Die Frage ist, wie man moechus übersetzt. Zu deutsch „Lustmolch“, oder „Ehebrecher“, passt schon ganz gut, aber ich vermute, da gibt es einen tieferen Zusammenhang, wenn man sich das mal bildlich vorstellt.

Memento mori.

Während des Triumphzuges hörte der Feldherr immer wieder diese Worte.

Bedenke, dass Du sterblich bist.
Mensch, gedenke deiner Sterblichkeit.
Du sollst dich erinnern, dass Du sterben wirst.

Na ja, und dann guckte man(n) halt wieder auf all die schönen Blumen und Blüten, die aus den oberen Etagen herabgeschmissen werden.

Selfhtml

By Margo AlisonOwn work, CC BY-SA 4.0, Link Flora, modern.

Selfhtml By Anselm Feuerbach – http://www.bildindex.de/document/obj00052914, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3245130

Selfhtml Flora 19. Jahrhundert.

By Edward Burne-Jones – repro from artbook, Public Domain, Link

Selfhtml Flora, 16. Jahrhundert.
By Enea Vico (Italy, Parma, 1523-1567) – Image: http://collections.lacma.org/sites/default/files/remote_images/piction/ma-31880853-O3.jpgGallery: http://collections.lacma.org/node/171059, Public Domain, Link

Selfhtml Chloris.

By Ntennis – English wikipedia, Public Domain, Link

Selfhtml Zephyr und Chloris.

By Sandro BotticelliWeb Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Public Domain, Link

Selfhtml Aus Chloris wird Flora.

By Sandro Botticelli – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.Extract to File:Sandro Botticelli 038.jpg, Public Domain, Link
Selfhtml

Selfhtml

By Sandro Boticelli – Uffizi Gallery, Public Domain, Link

Selfhtml

Mosaik Flora(?), ohne Datum. By JerzystrzeleckiOwn work, CC BY 3.0, Link

Selfhtml Hochzeit von Zephyr und Chloris, ca. 50 n. Chr. By original file by Stefano BologniniFile:Affreschi romani – pompei – nozze zefiro e clori.JPG, Attribution, Link

SelfhtmlFlora, Fresco aus Stabiae, ca. 1 Jh. n. Chr. By unknownOwn work, Public Domain, Link

Flora, um die der Artikel heute handelt, ist die römische Göttin des Frühlings – und der Getreide-Blüte. 😉 Auf den obigen Bildern ist manchmal auch Chloris zu sehen. Flora und Chloris sind ursprünglich dieselbe, also Flora war mal Chloris – und wie man auf dem Bild von Botticelli sehr gut erkennen kann, verwandelt sich Chloris durch die Annäherung vom Zephyr (der in meinem Roman übrigens auch eine Rolle spielt) in Flora.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Irgendwann mal las ich, dass Botticellis Primavera (der Frühling), das am meisten gekaufte Bild überhaupt ist, aber so richtig interpretiert hat es noch keiner (auch wenn es einige Ansätze gibt).
Wer sich für die Entstehungsgeschichte und Interpretationsansätze des Bildes interessiert, der kann sich auf den folgenden Seiten dazu einlesen. Am meisten interessiert mich aber eure persönliche Ausdeutung des Bildes, ganz ohne Bezug zu den Interpretationen, wenn es eine gibt. Kurzum: wer mag, darf und soll mir bitte gerne einen Kommentar dazu hinterlassen! Ich bin soooo gespannt!!!

https://de.wikipedia.org/wiki/Primavera_(Botticelli)

http://www.kunstdirekt.net/Symbole/allegorie/botticelli/fruehling/allegorie-fruehling.htm

https://wize.life/themen/kategorie/kultur/artikel/34639/kunst-verstehen-mit-grazie-viel-erotik-und-sandro-botticelli-in-den-sanften-fruehling-&#8230;

Hier das Bild noch mal:

SelfhtmlBy Sandro Boticelli – Uffizi Gallery, Public Domain, Link

Bei all den Ausdeutungen, Blumen und Blüten, kommt mir übrigens noch ein anderer schöner Spruch (von Horaz) in den Sinn:

Carpe Diem.

Pflücke den Tag.

Ein paar abschließenden Worte.
Abschließend, weil die Reihe „komische Götter“, so langsam zu Ende geht. Am 11.12. erscheint, wenn alles klappt, mein Buch. Bis dahin gibt es noch drei Donnerstage und drei Beiträge zur Göttin Diana, zum Goldenen Esel und zu Apuleius. Der Goldene Esel, by the way, ist das Buch von Apuleius, aus dem auch „Amor und Psyche“ stammen.
Ich möchte gerne die historischen Hintergründe beleuchten und dann werde ich ein wenig in der Versenkung verschwinden. Ich plane einen Umzug (ich hatte es vor einem Jahr schon mal angekündigt, aber jetzt ist die Zeit) und außerdem werde ich – mit dem Wissen der “komischen Götter”-  ein neues Buch schreiben.

Seid herzlichst gegrüßt!

Eure

Runa
Phaino