The last king / Der letzte König

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Wanderer above the Sea

By Caspar David Friedrich – The photographic reproduction was done by Cybershot800i. (Diff), Public Domain, Link

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The last king

Once upon a time, there was a king who ruled over a beautiful and great empire. But he was annoyed because there were around him six other kingdoms, dominated by great and beautiful kings, who did everything else than he did. Moreover, he found that there were far too many subjects in all, and since the subjects moved into a different empire from some areas, whether to work or because they liked the smell of the air, this king decided: only his own subjects should go well, only his subjects were worth living a beautiful life and they should be ruled by him as the only king in the whole territory of the seven kingdoms.

The king sent out his messengers, and they proclaimed the message on every square in every city. But since there were also people from the other realms, or because a paper was lost, or because the wind simply carried the words with it, the kings of the other realms also heard that a king intended to become the greatest and only ruler of the entire territory.
Annoyed, they talked with their consultants.
“We won’t put up with that!”, said ones.
“If we do nothing, we will lose!”, said others.
One came and said, “He who does not fight can still negotiate.”
But then everyone said, “He who does not fight has already lost.”

And so they quickly agreed, especially since every king could count on the support of his population, which suddenly began to surpass each other in the design of arms. The smithies burned, glowing iron hissed in cold waters, the hammers hammered incessantly, and smoke rose into the skies.

The wise counselor, however, began to form a network of advisors working in various kingdoms. And he managed to persuade the advisers of the kings to negotiate as long as they were not yet fighting. Thus, for several years, the advisers held the kings back, while the knights and warlords armed and at the same time sold the weapons among themselves.

“We need this war machine, for others have that”, said the one.
“If we do nothing, we will lose!”, said others.
One came and said, “We must be first, otherwise we will be last.”
And all said, “Nothing ventured, nothing gained!”

This happened in the royal house of the king, who once ruled over a beautiful and great empire whose sky was now covered with smoke-black clouds.
And scarcely had he dismissed the machinery of death from her cage, she sprang over the seven realms, and ate all that was alive. The flowers, the bees, the bushes – and the people.
And when she had grinded everything, she was still hungry and returned to the king, knowing that there were some leftovers.
In one night, she devoured all the subjects of the seventh kingdom, the last counselors, and the entire royal family.
She only spared the king, for she bowed to his desire, which had given her such a rich feast.

Since then the king has ruled alone.

 

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Der letzte König

Es war einmal ein König, der herrschte über ein schönes und großes Reich. Doch er ärgerte sich, weil es um ihn herum sechs andere Reiche gab, die von großen und schönen Königen beherrscht wurden, die alles anders machten als er. Außerdem fand er, dass es insgesamt viel zu viele Untertanen gab, und da aus manchen Gebieten die Untertanen in ein anderes Reich wanderten, sei es, um zu arbeiten oder weil sie die Luft dort lieber rochen, beschloss dieser König, dass es eigentlich nur seinen Untertanen richtig gut gehen sollte, dass nur seine Untertanen es wert waren, ein schönes Leben zu führen und dass sie es wären, die er als einziger König auf dem gesamten Gebiet der sieben Reiche beherrschen würde.
Der König ließ seine Boten ausreiten und diese verkündeten die Botschaft auf jedem Marktplatz in jeder Stadt. Doch da es dort auch Menschen aus den anderen Reichen gab, oder weil ein Papier verlustig ging, oder auch, weil der Wind die Worte einfach mit sich trug, hörten auch die Könige der anderen Reiche, dass ein König beabsichtigte, der größte und einzige König des gesamten Gebiets zu werden und sie sprachen mit ihren Beratern.
“Wir können uns das nicht bieten lassen”, sagten die Einen.
“Wenn wir nichts tun, dann werden wir verlieren!”, sagten die Anderen.
Einer kam daher und sagte: “Wer nicht kämpft, kann noch verhandeln.”
Doch dann sagten alle: “Wer nicht kämpft, hat schon verloren.”

Und so wurden sie sich schnell einig, zumal ein jeder König mit dem Rückhalt in seiner Bevölkerung rechnen konnte, die auf einmal anfing, sich in der Gestaltung von Waffen gegenseitig zu übertreffen. Die Schmiedefeuer brannten, glühende Eisen zischten in kalten Wassern, die Hammer hämmerten unaufhörlich und Rauch stieg zum Himmel empor.

Der kluge Berater aber begann, ein Netz aus Beratern zu bilden, die in den verschiedenen Königreichen arbeiten. Und er schaffte es, die Berater der Könige davon zu überzeugen, dass man noch verhandeln könne, solange man noch nicht kämpfe. So geschah es und über mehrere Jahre hielten die Berater die Könige zurück, während sich zeitgleich die Ritter und Kriegsherren rüsteten und die Waffen untereinander verkauften.

“Wir brauchen diese Todesmaschine, denn die anderen haben jene”, sagten die Einen.
“Wenn wir nichts tun, dann werden wir verlieren!”, sagten die Anderen.
Einer kam daher und sagte: “Wir müssen die Ersten sein, ansonsten sind wir die letzten!”
Und alle sagten: “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!”

Dies geschah im Königshaus des besagten Königs, der einst über ein schönes und großes Reich herrschte, dessen Himmel nun von rauchgeschwärzten Wolken verhangen war.
Und kaum hatte er die Todesmaschinerie aus ihrem Käfig entlassen, da sprang sie über die sechs Reiche hinweg und aß alles auf, was lebendig war. Die Blumen, die Bienen, die Büsche – und die Menschen.
Und als nachdem sie alles abgegrast hatte, war sie noch immer hungrig und kehre zurück zum König, wohlwissend, dass es dort noch etwas zu essen gab.
Dann fraß sie in nur einer Nacht all die Untertanen des siebten Reiches, die letzten Berater und die gesamte königliche Familie.
Nur den König verschonte sie, denn sie verneigte sich vor seinem Wunsch, der ihr ein so reiches Festmahl beschert hatte.

Seitdem herrscht der König allein.

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Die Zwei-Zehn-Götter


Der Olymp. Von Charles-Amédée-Philippe van Looonline, Gemeinfrei, Link

Der folgende Beiträg enthält eine Übersicht über die Herkunft der zwölf olympischen Götter und ihren Auftritt in meinem im Dezember 2017 erscheinenden Roman „Amor und Psyche“. Abschließend gibt es einen Exkurs zur Zwei-Zehn oder Zwölf (12) – eine Zahl mit mythologischem Hintergrund.

Die Götter der Griechen und Römer waren überaus zahlreich. Es gab aber sowohl in Griechenland als auch in Rom ein festes Pantheon, also ein Verständnis davon, wer zu den Hauptgöttern zählte. Bereits von antiken Autoren werden 12 Götter zu den Hauptgöttern gezählt.
Die europäische Kultur-Geschichte begann allerdings weder mit den Römern (ca. 6. Jh. v. Chr.) noch mit den Griechen (ca. 9. Jh. v. Chr.), sondern mit solch weitgehend unbekannten Völkern wie den Hethitern, Assyrern, Urartäern, Babyloniern, Sumerern. Dies sind alte Hochkulturen, die ebenfalls mehrere Götter verehrten. Die Geschichte der Sumerer beginnt beispielsweise schon im Jahr 5000 vor Chr. Bekannter, aber nicht älter, sind nur die Ägypter.

Typisch für die Assyrer: Menschenköpfige, bärtige Flügelwesen. Von Austen Henry Layard 1817-1894. – (Originaltext: aus Layards Buch “Nineveh and Babylon; a narrative of a second expedition to Assyria during the years 1849, 1850, & 1851”), Gemeinfrei, Link

Keilschrift Keilschrift. Schriftzeichen dieser alten, eher unbekannten Kulturen. – Der Grund, warum auch der „Lehmofen“ seinen Namen trägt, denn die alten Texte wurden früher im Ofen wie Kekse „gebacken“. Von Hammurabi, King of Babylonia;Ungnad, Arthur, b. 1879 – https://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14576489278/Source book page: https://archive.org/stream/briefeknighamm00hamm/briefeknighamm00hamm#page/n19/mode/1up, No restrictions, Link

Die Geschichte „vor” dem Jahre 0 mit den Menschen, die an viele Götter glaubten, dauerte also bereits viel „länger“ als die Geschichte nach dem Jahr 0, die – zumindest heute – erst in den achten von insgesamt 12 Monaten, also August 2017, reicht.

Man kann sagen, dass alle römisch-griechischen Götter schon in den Gottheiten der alten Kulturen angelegt sind. Ähnlich wie im Beitrag über Mutunus Tutunus  sind es zwar niemals dieselben Götter, aber ihre Eigenschaften überschneiden sich. So ist z.B. Venus die Göttin der Liebe bei den Römern, Aphrodite bei den Griechen, Ishtar bei den Babyloniern, Inanna bei den Sumerern.
Auf der Website http://www.diegoetter.de findet man dazu viele Hintergrundinformationen.

Venus Venus/Aphrodite in einer bildnerischen Version des frühen 20. Jh. By Herbert James Draperhttp://1.bp.blogspot.com/_-H-t Wz1VNU/SoBcp_6TLKI/AAAAAAAAFIc/oIs6S25o8C4/s1600-h/Draper_PearlsOfAphrodite_100.jpg (cropped), Public Domain, Link

Ishtar Ishtargravur auf einem Tongefäß. By © Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons, Public Domain, Link

Teil eines ehemaligen Inanna-Tempels in Uruk. By Miguel Hermoso CuestaOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Doch nicht nur die Götter und ihre Eigenschaften, auch die Erzählungen von den Göttern überschneiden sich, verändern sich aber auch mit der Zeit. So gibt es einen sehr alten Mythos über Inanna und Dumuzi, wo – je nach Quelle – mal er, mal sie in die Unterwelt geschickt wird oder selber dorthin geht und später wieder rauskommt. Bei den Griechen/Römern findet sich die Geschichte in abgewandelter Form für Persephone/Proserpina und Hades/Pluto wieder.
Und auch im Christentum hat die Geschichte – in etwas anderer Form – Einzug gehalten und wird bis auf den heutigen Tag erzählt. An Karfreitag stirbt Jesus, am Ostersonntag darf er das Totenreich verlassen, ist „auferstanden von den Toten“. Und auch viele andere Kulturen kennen diese Art von Erzählung. Ein eigener Blog-Artikel dazu würde sich lohnen. 🙂

Unterwelt Hier ein Beispiel aus der nordischen Mythologie. Heimdall verlangt die Rückkehr Iduns aus der Unterwelt. By Carl Emil Doepler (1824-1905) – Wägner, Wilhelm. 1882. Nordisch-germanische Götter und Helden. Otto Spamer, Leipzig & Berlin. Page 285., Public Domain, Link

Diese Erzählung von “Tod und Auferstehung” hat also den Wandel der Zeiten bis auf den heutigen Tag überdauert. Warum das so ist, kann man nur vermuten. Ich denke: Zum Einen erleichtern diese Unterwelts-Rückkehr-Geschichten die Tatsache, dass der Mensch irgendwann einmal stirbt. Zum Anderen gibt es diesen Kreislauf von „Untergang“ und „(Wieder)Geburt“ auch ganz faktisch schon seit Menschengedenken, da sich die Sonne (oder auch der Mond) mal länger und mal kürzer am Himmel aufhält im Laufe unseres in 12 Abschnitte eingeteilten Jahres.

Tagundnachtgleiche Ein Astrologe beobachtet die Tag-und-Nachtgleiche. Im Hintergrund Adonis und Venus. (ca. 17. Jh. n. Chr.) By Domenicus van Wijnenpl.pinterest.com, Public Domain, Link

Dieser Erzählung – auf ihre Grundaspekte reduziert – ist auch kein europäisches, sondern ein weltweites Phänomen. Denn auch in anderen, alten und moderneren Gedankensystemen findet sich diese Spannung zwischen „Werden“ und „Vergehen“, „Tag“ und „Nacht“, „Frau“ und „Mann“.
Das bekannteste Symbol dafür ist wohl dieses hier:

Ying Yan Yin Yang. By Kenny Shen – Own work, Public Domain, Link

Für Spannungen ist auch das römisch-griechische Pantheon bekannt. Denn darin finden sich genau 6 Frauen und 6 Männer, verquere Beziehungen, Liebe und Triebe. Bzw. dieselbe Anzahl männlicher und weiblicher Gottheiten.

Namentlich sind es griechisch/römisch:

Zeus/Jupiter
Hera/Juno
Poseidon/Neptun
Demeter/Ceres
Minerva/Athene
Apollon/Apollo
Artemis/Diana
Ares/Mars
Aphrodite/Venus
Hephaistos/Vulkanus
Hermes/Merkur
Hestia/Vesta

Hochzeit Hier ein Schnappschuss von ihnen auf der Hochzeit von Amor und Psyche. (16. Jh. n. Chr.) By Creator:Raphael (Raffaello Sanzio or Santi)http://www.metmuseum.org/art/collection/search/692282This file was donated to Wikimedia Commons by as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. See the Image and Data Resources Open Access Policy Deutsch | English | Esperanto | Português | +/−, CC0, Link

Der Einfachheit halber bleibe ich bei der Namensverwendung in der römischen Variante. So habe ich es auch in “Amor und Psyche” gehandhabt.

Jupiter ist der Göttervater und wurde im Großen und Ganzen in seiner ursprünglichen, antiken Variante belassen. Als letztgeborener Sohn des Titanenpaares Kronos und Rhea, erhält er von seiner Mutter die Aufgabe, all seine Geschwister, die der Vater aus Angst vor Entmachtung gefressen hatte, zu befreien und dann über die Erde zu herrschen.
Nicht alle Olympier sind aber die Geschwister Jupiters. Und sein Bruder Pluto, der Gott der Unterwelt, der in meinem Buch eine ganz entscheidende Rolle spielt, zählt historisch betrachte nicht einmal zu den großen 12 Göttern, die über die Erde herrschen. – Er ist eben ein Unterweltsgott.

Jupiter Adler. Jupiter und Ganymed. Und Prometheus. (16. Jh.) By Christian Griepenkerl – found online [2], James Steakley, Public Domain, Link

Hades Pluto und Proserpina. Und der Zerberus. (19. Jh.) By Publisher: Eduard Trewendt, Atelier für Holzschnittkunst von August Gaber in Dresden – Mythologie der Griechen und Römer für die reifere und gebildete weibliche Jugend,Von Julie Hoffmann; 264 Seiten, Breslau 1864, Public Domain, Link

Apollo und Diana kommt in meinem Roman eine besondere Stellung zu. Diana, die Mondgöttin, habe ich in ihren Eigenschaften ebenfalls sehr „natürlich“ übernommen. An Apollo, Amors bestem Freund, habe ich mich schriftstellerisch allerdings ausgetobt.
Klassischerweise ist er der Gott der Erkenntnis und des Lichts, in meinem Roman „Amor und Psyche“ wird er zum Sonnengott erhoben.
Das mag unter anderem an Bildern wie diesen liegen:

Phaeton Phaeton auf dem Wagen von Apollo. (18 Jh.) By Nicolas Bertin, Public Domain, Link

Apollo Apollo in seinem Wagen. By Cosmas Damian AsamHQFUx1ynbAZohw at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Aurora und Apollo Aurora und Apollo. By Costantino Cedini – Sotheby’s, Sale N08952 (New York, 2013-01-31–2013-02-01), Public Domain, Link

Venus und Mars spielen als Amors Eltern eine ebenfalls wichtige Rolle. Daneben auch Vulkanos, der beziehungstechnisch betrachtet der Stiefvater von Amor ist.

Venus und Mars Venus und Mars (antikes Fresco mit Magd und Amor). By SailkoOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Venus und Mars Venus, Mars und Amor. By SailkoOwn work, CC BY 3.0, Link

Vulkanos und Venus und Mars Vulkanos genervt von Venus und Mars Affaire. By Guillemot, Alexandre Charles (1786 – 1831) – Artist (French)Details of artist on Google Art ProjectNgFVL6Vteg3K6Q at Google Cultural Institute maximum zoom level, Public Domain, Link

Juno (Muttergöttin), Ceres (Göttin des Getreides), Neptun (Gott des Meeres), Athene (Göttin der Weisheit), Merkur (Götterbote) und Vesta (Göttin des ewigen Herdfeuers) spielen bei „Amor und Psyche“ keine umfangreiche Rolle, kommen aber als Nebenfiguren vor.

Hera Juno. By VaskryOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Demeter Ceres. By SteffenheilfortOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Poseidon Neptun. By No machine-readable author provided. Neuceu assumed (based on copyright claims). – No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0, Link

Minerva Athene. By Miguel Hermoso CuestaOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Hermes Merkur. By Phidias (?) – original photo by Marie-Lan Nguyen (September 2009), CC BY 2.5, Link

Hestia Vesta. By Unknown[1], Public Domain, Link

Dafür finden sich in „Amor und Psyche“ einige andere Figuren der Antike, z.B. diese hier:

Pan Pan. Hier mit Venus und Amor. By Tilemahos Efthimiadis from Athens, Greece – Group of Aphrodite, Pan and Eros. About 100BCUploaded by Marcus Cyron, CC BY-SA 2.0, Link

Musen Die Musen. By Pierre Puvis de Chavannes – Pierre Puvis de Chavannes, 1884-1889, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19584966

Und nicht zuletzt gebührt eine besondere Ehre den beiden Protagonisten, die allerdings nicht zu den Hauptgöttern des Olymp zählen.

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Reinhold Begas (1831-1911) – Alte Nationalgalerie, CC0, Link

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Ernst Roeber (1849-1915) – Dorotheum, Public Domain, Link

Amor und Psyche Amor und Psyche. By Adamo Tadolini (Skulptur), Carlo Brogi (Fotografie) – Eigener Scan, Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Public Domain, Link

In meiner Interpretation handelt es sich bei ihnen um die beiden “Urprinzipien” von “Herz” und “Verstand” oder Liebe und Geist (Gedanken), einem göttlichen und einem menschlichen Aspekt, die eigentlich zusammen gehören, sich aber erst dann erkennen, wenn sie einander verlieren.

Was hat es nun mit der Zahl 12 auf sich?

Wenn man sich die Entstehung von Zahlsystemen ganz allgemein ansieht, landet man unweigerlich wieder bei den frühen Hochkulturen. Auf die Babylonier geht beispielsweise unsere – noch heute gültige – Einteilung der Stunde in 60 Minuten zu je 60 Sekunden zurück. Sehr wahrscheinlich ist dies ein Ansatz, den auch schon die Sumerer verfolgten.

Babylonisches Zahlsystem Babylonische Zahlen. Von Josell7File:Babylonian_numerals.jpg, GFDL, Link

60 besteht aus 5 x 12. Der Tag besteht aus 2 x 12 Stunden. Das Jahr aus 12 Monaten (der Mond umrundet die Erde in einem Jahr meistens 12 Mal, manchmal auch 13 Mal, dazu gkazakou).
Das römisch-griechische Pantheon besteht, wie oben beschrieben, aus 12 Hauptgöttern.

Daneben findet man diese Zahl in vielen anderen Gedankensystemen:

Odin hatte 12 Söhne.

Das heidnische Fest der „Rauhnächte“ dauert(e) 12 Tage. (Nacht Wintersonnenwende/etwa Weihnachten bis 6. Januar.)

Jesus hatte 12 Jünger.

Jakob (eine Figur des Alten Testaments/Bibel) hatte 12 Söhne, die die 12 Stämme Israels (Judentum) begründeten.

Die Stadt Jerusalem hat (immer noch) 12 Tore, die von 12 Engeln bewacht werden (wer weiß?).

Mohammed hatte – in einer Richtung des Islam (Shia, 12er-Shiiten, heute v.a. im Iran ansässig) – 12 ihm nachfolgende Imame. Ein Imam ist ein muslimisches Oberhaupt, an das man sich mit religiösen Fragen wenden kann. Sie sind also als eine Art Priester tätig, haben aber auch politische/weltliche Aufgaben.

In China gibt es die Einteilung der Zeit in einen 12-Jahres-Rhythmus, sogenannte „Erdzweige“. (Vergleichbar mit unseren Sternzeichen, Horoskopen.)

Die Ritter der Tafelrunde hatten die Anzahl 12.

Mit etwa12 Jahren galten Menschen im Mittelalter (und auch in der Antike) als „erwachsen“. Heutzutage beginnt etwa dann die Pubertät.

Die Gebrüder Grimm haben die Zahl in einigen Märchen verwendet. (Dornröschen, Die 12 Brüder …)

Im römischen Reich gab es 12 Liktoren (Bodyguards für damalige Politiker), die Rutenbündel (teils 12 Ruten + Beil) als Zeichen ihrer Macht getragen haben.

Im 12. Monat des Jahres 2012 sollte – dem Maya-Kalender zufolge – die Welt untergehen.

Und last but not least:

Es gibt 12 Jyotirlinga(m)s: die 12 heiligsten indischen Tempel für den Gott Shiva.  – Ein letzter, aktueller Bezug zu: Mutunus Tutunus 🙂 

Fest zu Ehren Shivas mit Lingam-Repräsentationen. By ChaubalsOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Common Antiquity: English, please!

Antike
By Brück & Sohn Kunstverlag MeißenOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Dear readers,

the last days I was kind of inspired to go on writing in English. Unfortunately I am not a native speaker and I probably will write in a very “Germinglish” (German and English) style, not to say: there will be mistakes and a lot of commas. Hopefully, I´ll keep them limited with Google-Translator and several online dictionaries.

But as I´ve seen – the topic of antiquity is quite common in English-speaking countries for there are a lot of people reading and writing about it.

Let me know, if this is okay for you, my german-speaking readers!

And if you are interested in myths, gods, history and classics and you´ve never been able to read my German blogposts: your time is going to come! ❤

So: on Thursday I´ll publish the last German contribution of the series “jelly-gods”. From the 24th of august, they appear in English.

Looking forward to do it! 😉

Best regards!

Runa Phaino

Mutunus Tutunus

Mutinus Caninus Der Pilz Mutinus Caninus. By Sanja565658Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Dieser Pilz verdankt seinen lateinischen Namen „Mutinus Caninus“ (dt. „Hundsrute“) einer römischen Gottheit: Mutunus Tutunus.

Mutunus Tutunus ist eine phallische Gottheit. Häufiger findet man auch den Namen „Priapus“, wobei es sich um zwei verschiedene Gottheiten handelte, deren Aufgaben sich aber überschnitten.

Im folgenden Beitrag werden Name und Herkunft des Gottes Mutunus Tutunus vorgestellt und Bezüge zu anderen Göttern – soweit möglich – angerissen.

Vorab: die Thematik phallischer Gottheiten ist sozusagen unerschöpflich! Daher erhebt dieser Blogpost auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 🙂

Mutunus Tutunus Mutunus Tutunus, einzige (mögliche) Darstellung. By Unknown (coin) – [1], Gemeinfrei, Link

Der Name „Mutunus Tutunus“, oft auch als Mutinus Titinus wiedergegeben, leitet sich wahrscheinlich von den lateinischen Slang-Substantiven „muto“ (auch: mutto, später: mutonium) und „titus“ ab. Man findet die Worte beispielsweise in Klo-Graffiti aus Pompei.
Aber auch der altehrwürdige Satiriker und Dichter Horaz (1 Jh. v. Chr.) schreibt in seiner Satire 1.2. von „muttonis“. In der Satire geht es um Ehebruch und dessen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Ansehen. So fragt der Verstand (animus) in einer sehr unangenehm ertappten Situation den mutto: „Was willst du denn noch alles von mir?“ Darauf antwortet der mutto bloß, dass die begehrte junge Dame doch immerhin die Tochter eines angesehenen Vaters sei und er somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlüge.
In der Antike wurde dem männlichen Geschlechtsteil eine Art Eigenleben nachgesagt. [Btw: In Ägypten gab es diese Vorstellung auch für die Gebärmutter. So wurde Frauen mit Menstruationsbeschwerden geraten, sich über ein Räucherefäß mit Weihrauch zu stellen, um das „im Körper umherwandernde“ Organ wieder einzufangen.]

Augustinus Der Kirchenvater Augustinus. By Lua error in mw.wikibase.entity.lua at line 37: data.schemaVersion must be a number, got nil instead.Web Gallery of Art:   Image
Info about artwork, Public Domain, Link

Über Mutunus Tutunus als Gott ist leider nicht mehr sehr viel bekannt. Was man weiß, geht aus Beschreibungen hervor, die einige Jahrhunderte später verfasst wurden, in einer Zeit als vor allem christliche Intellektuelle schrieben. Wahrscheinlich spielte Mutunus Tutunus eine Rolle während römischer Hochzeitszeremonien, wohl um das Paar mit vielen Kindern zu segnen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auf jeden Fall die Ausdeutungen späterer Kirchenväter, wie z.B. Augustinus (4 Jh. n. Chr.), die bekanntermaßen zölibatär lebten. In seinem Buch „Über den Gottesstaat“ (De Civitate Dei) kann man seine Meinung und Vorstellung über die vermeintliche Hochzeitsnacht der Römer lesen. Der dort erwähnte Gott „Priapus“ entspricht weitgehend Mutunus Tutunus in seiner Funktion als „Hochzeitsgott“.

„Da stellt sich ein die Göttin Virginiensis und der Gott Vater Subigus und die Göttin Mutter Prema und die Göttin Pertunda, dazu Venus und Priapus. Was soll das sein? Wenn überhaupt der Mann bei diesem Werk eine Hilfe von Göttern brauchte, würde nicht irgend einer oder irgend eine genügen? Wäre hier Venus allein nicht ausreichend, die sogar davon ihren Namen haben soll, daß ohne Kraftanwendung ein Weib seine Jungfrauschaft nicht verliert? Wenn sich bei Menschen noch ein Rest von Schamhaftigkeit findet, die den Göttern abgeht, müssen sie nicht in ihrer Vereinigung bei dem Gedanken, daß soviele Götter beiderlei Geschlechtes zugegen sind und sich um das Werk zu schaffen machen, so von Scham ergriffen werden, daß der Mann weniger erregt wird und das Weib sich heftiger widersetzt? Und jedenfalls, wenn die Göttin Virginiensis da ist, um der Jungfrau den Gürtel zu lösen, wenn der Gott Subigus da ist, damit sie sich dem Manne hingebe, wenn die Göttin Prema da ist, damit sie sich, ohne sich zu rühren, umarmen lasse, was hat noch die Göttin Pertunda dabei zu leisten? Sie soll sich schämen und wegheben; etwas wird doch auch der Mann zustande bringen. Es wäre sehr unanständig, wenn das, wonach sie benannt ist, jemand anderer als er vollbrächte. Aber vielleicht duldet man sie deshalb, weil sie angeblich eine Göttin ist und nicht ein Gott. Denn würde man diese Gottheit für männlichen Geschlechtes halten und Pertundus nennen, so müßte sich der Gemahl wider ihn für die Keuschheit seiner Frau noch um eine kräftigere Hilfe umsehen als die Wöchnerin wider Silvanus. Aber wozu diese Bemerkung? Ist doch auch Priapus anwesend, der übermännliche, auf dessen ungeheuerliches und abscheuliches Glied sich die Neuvermählte setzen mußte, nach der höchst ehrbaren und frommen Sitte der Matronen.“
(De Civitate Dei 6,9 http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1924-9.htm)

Augustus
Kaiser Augustus. By Unknown – Santo Attilio, Augusto, Milano 1902., Public Domain, Link

Auf der Velia, einem Hügel Roms, gab es einen Tempel für Mutunus Tutunus, der aber schon zu Kaiser Augustus Zeiten (um das Jahr 0) nicht mehr existierte. Der Gelehrte Festus (2. Jh. n. Chr.) erwähnt dies in seinem Wörterbuch und schreibt auch davon, dass der Tempel von Frauen, die in die toga praetexta gehüllt waren, besucht wurde.
Das Besondere daran: Die toga praetexta war eigentlich ein Kleidungsstück, das im alten Rom hochangesehenen und männlichen Menschen vorbehalten war. Was wohl diese Frauen dort gemacht haben? Augustinus (siehe oben) schreibt von einer „höchst ehrbaren und frommen Sitte der Matronen“.
(Btw: Kaiser August (um 0) und der Kirchenvater Augustinus (4 Jh. n. Chr.) sind trotz des ähnlichen Namens zwei ganz unterschiedliche Menschen gewesen. 😉 )

Forum Romanum
Das Forum Romanum auf dem römischen Hügel Palatin. CC BY-SA 3.0, Link

Caesar
Gaius Julius Caesar. By UnknownRoma Musei Vaticani (Museo Pio Clementino), Public Domain, Link

Möglicherweise gab es sogar einen Schrein auf dem Palatin für Mutunus Tutunus, an dem Caesar kurz vor seiner Ermordung opferte. Für Augustus (den Nachfolger Caesars) war dies Anlass, den ungeliebten, frivolen Gott aus dem kollektiven Gedächtnis zu bannen und seinen Tempel anders zu verwenden. Augustus war ohnehin ein Kaiser, der sehr viel veränderte im römischen Reich. Nicht zuletzt machte er den gesamten Senat um einen Kopf kürzer und so gelang ihm das, was Caesar nicht schaffte: eine Art Diktatur aufzubauen unter Wahrung der äußeren Form der Republik.

Silen
Silen. Eine Art Satyrvater. By SailkoOwn work, CC BY 3.0, Link

Satyrvorstellung nach der Renaissance Satyr-, bzw. Faunskulptur nach der Renaissance (15 Jh. n. Chr.) By Edmé Bouchardon (French, 1698–1762)Jastrow (2006), Public Domain, Link

Bacchanal Ein ebenfalls post-Renaissance entstandenes Gemälde eines bacchanalischen Festes. By Cornelis van HaarlemMuseum of Fine Arts, Budapest, Domini públic, Link

Priapus Darstellung des Gottes Priapus aus Pompei (1 Jh. v. Chr.) Von Wolfgang Rieger – John R. Clarke: Ars Erotica. Darmstadt: Primus 2009, Gemeinfrei, Link

Priapus Noch einmal Priapus, hier besser zu erkennen. By Золоторёв Павелсобственная работа, CC0, Ссылка

antiker Satyr Antiker Satyr. By xeronesFlickr, CC BY 2.0, Link

Bacchanalien Bacchanalien mit einem betrunkenen Dionysus (Mitte). By World ImagingEigen werk, CC BY-SA 3.0, Link

Wie schon oben erwähnt und durch die Bilder zum Teil auch ersichtlich: es gab die Gottheit Mutunus Tutunus nicht nur in einer, sondern in sehr verschiedenen Formen. Über die genauen Bezüge, Verbindungen und Parallelen würde es sich gewiss lohnen, eine Doktorarbeit zu schreiben. Hier sei nur ein paar Verweise genannt.
Der Gott Liber (pater liber), dem Caesar möglicherweise als Mutunus Tutunus opferte, war eine römische Gottheit für Wein, Fruchtbarkeit und Freiheit. Er steht in enger Verbindung mit dem bekannteren römischen Gott des Weines Bacchus oder griechisch: Dionysus.
Bacchus und Dionysus sind übrigens auch nicht „ein und derselbe“ Gott, sondern hatten einen unterschiedlichen Kult, der sich teils auch regional voneinander unterschied.
Die deutlichste Parallele zu den phallischen Gottheiten findet man in einem Fest, den sogenannten „Bacchanalien“. Da es dazu noch einen eigenen Artikel geben wird, sei hier nur exemplarisch der „Thyrsos-Stab“ herausgegriffen, der in Verbindung mit dem Gott und dem Fest stand.

Der Thyrsos besteht aus einem Stengel von einem Riesenfenchel. Er wurde mit Weinreben geschmückt und obendrauf steckte ein Pinienzapfen. Riesenfenchel wird ca. zwei Meter groß, den Stab kann man sich als eine Art „Wanderzepter“ vorstellen. Er diente den Bacchantinnen vermutlich als Stütze, so nannte man die Frauen, die sich zu Anlass der Bacchanalien in den Wäldern mit Wein betranken. Und es gibt andere Mythen, die sich darum ranken.
Von Bacchus/Dionysus ist es nicht mehr weit zum Hirtengott Pan, der mit Faunen, Satyrn und Nymphen in den Landschaften Arkadiens zu feiern pflegte. Seinem Völkchen wird, ähnlich den Bacchantinnen (auch: Mänaden) die Bacchus (Dionysus) begleiteten, eine große Fröhlichkeit, Leichtigkeit und Freizügigkeit nachgesagt.
Der Gott Pan ist ein Mischwesen aus einem Menschen (Oberkörper) und einem Ziegenbock (Unterkörper). Und in ihrer dunkelsten Stunde trifft Psyche auf genau diesen Gott und seine lustige Schar. Pan ist übrigens einer der wenigen Götter, die die gleiche römische und griechische Bezeichnung haben.

Priapus, so erzählt der römische Dichter Ovid (um das Jahr 0), war – wie so oft in der Antike – ursächlich dafür, dass Nymphen in Bäume verwandelt wurden. Als die Nymphe Lotis ihren Rausch ausschlief, wollte Priapus über sie herfallen, aber ein Esel des Silen (eine Art „Satyrvater“) weckte sie mit lautem „I-A“. Dann verwandelte sie sich sicherheitshalber in einen Lotus und Priapus konnte ihrer nicht mehr habhaft werden. Zur Strafe dafür prügelte Priapus den Esel mit seinem riesigen Penis zu Tode.

Lingam Lingam und Yoni in trauter Zweisamkeit.By எஸ். பி. கிருஷ்ணமூர்த்தி at Tamil Wikipedia – Transferred from ta.wikipedia to Commons., GFDL, Link

Auch im Hinduisms ist des öfteren von phallischen Gott-Attributen die Rede. So repräsentiert der Lingam beispielsweise die Macht des Gottes Shiva als Zerstörer und Erneuerer. Sein Gegenstück ist die Yoni, welche das Attribut der weiblichen Gottheit Shakti ist. Shakti steht für gewaltige, ewige Energie, die das Universum durchströmt.
Historisch intressant ist an dieser Stelle die wahrscheinliche Verbindung zwischen den antiken Welten Mittelmeerraum und Indien. Oft wird angenommen, die Menschen damals wussten nichts voneinander, doch allein die Existenz der Seidenstraße zeigt ein anderes Bild.
Wohlmöglich hatten bzw. haben all die Gottheiten einen gemeinsamen Ursprung.

Götterfutter – Coming Soon :)

 

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Hallo meine Lieben!

Es ist mal wieder etwas Zeit vergangen (tempus fugit und so weiter), aber ich proudly presente euch heute die frohe Botschaft, dass es ab nächster Woche jeden Donnerstag einen Beitrag zur Reihe namens “Götterfutter” im Lehmofen geben wird, die ich zu kochen und anzureichen gedenke. (So um 20:00 Uhr rum sollten die Beiträge fertig sein. Manchmal wird es länger dauern – ihr kennt mich.)

Das Götterfutter enthält – als natürliche Zutaten – Götter, Mythologie und Zeugs, das man vielleicht noch nicht so kennt. Sicherlich geh ich auch auf den ein oder anderen bekannteren Olympier ein, aber es werden eher so komische Sachen sein, von denen man noch nie gehört hat aus der alten Welt.

Los geht es heute mal ganz spontan mit dem schönen Bildchen da oben. Heute wird das – ausnahmsweise- mal eine Runde Rätselraten zu einem Thema, das ich recht gut kenne. Na, hat sie schon jemand erkannt? Ich fand die Darstellung allzu passend, dem Titel entsprechend. Götterfutter. Jamm Jamm. 😉 Wobei die gute Dame dann doch nicht gefressen wurde, sondern noch heute als Galaxie am Himmel thront. Genauso wie ihre Mutter, die für das ganze Schlamassel verantwortlich war. Die aber deswegen auch verkehrt herum und “nur” als Sternbild heute noch existiert. Mal wieder ging es um die Frage nach Schönheit (wieso ist das eigentlich ein so wichtiges Thema? Bei meinem Büchlein Amor und Psyche (das übrigens im Dezember erscheinen wird, es ist an die Testleser raus) ist das ja auch so! (Schleichwerbung Ende.))

Der Felsen, den man unter dem hübschen Körper gut erkennen kann, ist auch heute noch existent, aber enttäuschend mickrig. Er liegt vor der wunderschönen israelischen Stadt Jaffa und obwohl ich vor ein paar Jahren extra für diesen Beitrag dort war, ist es mir gerade nicht möglich, das dazugehörige Foto zu finden. Da Rosa Schweino nicht drauf liegen konnte, ist das auch alles nur halb so wild. Der Felsen ist auf jeden Fall unbedeutend klein, wobei man ihn bei Google findet. Allerdings kann ich keine Auskunft über die Verwendbarkeit/ freie Lizenz der Bilder geben, daher hier nur ein Beispiel: Er sieht ungefähr so aus wie die kleinen Ausdemwassergucker auf dem folgenden Bild, liegt aber etwas weiter entfernt vom Land. Scheinbar ist das kleine Ding dann aber doch so bedeutsam, dass die Israelis ihre Nationalflagge drauf stecken haben. (Nicht im Bild, wie gesagt, nur Beispiel.)

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Es würde mich auch nicht wundern, wenn es noch mehr solcher Felsen mit dem Namen der obigen Schönheit geben würde. Der Mythos ist nämlich relativ bekannt. Sein “echter” Entstehungsort ist übrigens angeblich äthiopisch. Und so, wie es auch diverse Zeus-Höhlen und Eingänge zur Unterwelt rund ums Mittelmeer (Rote Meer???) gibt, wäre das auch in diesem Fall durchaus Touristen-Napp-opportun.

Irgendwie kommt mir bei diesem Mythos spontan das Haar der Berenike in den Sinn. Wahrscheinlich, weil es auch hier um ein Sternbild geht. Berenike ist das da oben aber nicht.

Der Retter der Schönen ist übrigens dann auch in was galaktisches verwandelt worden. Nachdem er den Kopf der Medusa (dieser Schlangenhaarfrau) dazu verwendete, um das Ungeheuer zu töten, das die Prinzessin bedrohte.  (Schon wieder ein Ungeheuer! Schönheit und Ungeheuer, das scheinen die erzählerischen Motive schlechthin zu sein, zieht es sich doch durch bis in die Märchenwelt und … ja, die Schöne und das Biest lassen auch grüßen. Dreht sich denn alles nur um Sex und Tod?)

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Oder eben die hier. Tarzan und Jane. Oder wer war das gleich?

 

So. Kommen wir mal zur Auflösung. Wobei, da gab es ja noch das Haar der Berenike. Da muss ich jetzt noch mal drauf zurückkommen. Kann das ja nicht einfach ansprechen und dann stehen lassen. Das geht nicht. Niemals!

 

Die Ursprungsanekdote

Berenike lebte von etwa 270 bis 221 v. Chr. und war die Gemahlin des ägyptischenKönigs Ptolemaios III. Als dieser in den 3. Syrischen Krieg zog, versprach sie der Liebesgöttin Aphrodite ihr prachtvolles Haar zu opfern, sollte ihr Gemahl siegreich und unversehrt heimkehren. Ptolemaios siegte, Berenike schnitt ihr Haar ab und brachte es in einem Tempel dar. Als der Haarschopf am nächsten Tag verschwunden war, erklärte der Hofastronom Konon, die Götter seien über das Opfer so erfreut gewesen, dass sie die Haarpracht am Himmel verewigt hätten. – Der ebenfalls am Hof (in Alexandria) anwesende Dichter Kallimachos schrieb dazu einen Katasterismos in Gedichtform, in dem das Haar der Berenike selbst vom Himmel aus “erzählt”, was geschehen ist. Das Gedicht ist in der lateinischen Übersetzung Catullserhalten, das 66. seiner carmina (Gedichte).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Haar_der_Berenike#Die_Ursprungsanekdote

(Es musste schnell gehen. Und ja, ich führe den Expertenstatus gerade ad absurdum. Übt euch immer fein in Selbstverantwortlichkeit, liebe Leser und Leserinnen, und ich werde eure geschundenen Herzen balsamieren, denn:)

Nun gibt es die Auflösung!

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Bei dem Bild oben handelt es sich um den Mythos von: Andromeda.

Die Königin Kassiopeia rühmte sich mit der Schönheit ihrer Tochter, woraufhin der Meeresgott Neptun dem König Kepheus drohte, sein ganzes Reich auszulöschen, es sei denn, er würde eben diese Tochter opfern.

König in Bedrängnis, überlegt hin und her, Orakel befragt: Tochter ist nur eine, Volk sind viele, utilitaristische Ethik, cui bono und zack, hing die Andromeda am Felsen.

Angekettet.

Doch aufgepasst!

Der tollkühne Held Perseus bekam davon Wind, als er gerade mit dem geflügelten Pferd Pegasus – und glücklicherweise auch dem Medusenhaupt, dessen Blick alles versteinern lässt – durch die Lüfte schwebte.

Kopf ausgepackt, richtigen Winkel gefunden, Meerungeheuer tief in die Augen gesehen und versteinert, Prinzessin gerettet.
Und vermählt und verheiratet und glücklich und froh bis immerdar.

Ok. Nicht ganz. Vorher gab es noch ein wenig Drama mit einem Onkel, der Andromeda für sich haben wollte, aber da Perseus das Medusenhaupt hatte, kann man das ganze getrost als retardierendes Moment übergehen. (So wie das Haar der Berenike in diesem Beitrag hier.)

Und dann, denn gestorben sind sie nicht, wurden sie alle zu Sternbildern, Nebeln, Galaxien und kosmischen Sammelhaufen. Auch das Ungeheuer. Das hieß Ketos.

 

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Andromeda
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Hier ein Perseus Arm der Milchstraße (unten mitte links).
Kassiopeia
Die Mama-Königin.
Cepheus
Der Papa-König.
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Perseus, hier als Nebel.
Cetus
Und Cetus, bzw. Ketos, das Ungeheuer! 🙂

 

Bildquellen:

Alle unten nicht separat aufgeführten Beitragsbilder stammen von http://www.pixabay.de und wurden am 26.07.2017 kosten-, lizenz- und nachweisfrei abgerufen.

Kassiopeia; mit Dank an Stephan Brunker at the German language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23986322

Perseus-Nebel: mit Dank an  NASA/JPL-Caltech/L. Cieza (Univ. of Texas at Austin)) – http://gallery.spitzer.caltech.edu/Imagegallery/image.php?image_name=sig06-027, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2387597

Der Papa-König: mit Dank an Till Credner – Own work: AlltheSky.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20041245

Ketos: mit Dank an (noch einmal) Till Credner – Eigenes Werk: AlltheSky.com, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20041266

 

 

 

 

Die Prüfung

Prüung 09.07

Aus gegebenem Anlass veröffentliche ich heute eine Kurzgeschichte, die der ein oder andere von euch eventuell noch kennt. 🙂 Viel Erfolg allen Prüflingen da draußen!!! Oder: “Es ist alles halb so wild.” 🙂 🙂 🙂

 

Es ist mitten in der Nacht, mein Handy klingelt. Ich hab es extra neben das Bett gelegt, angle es hinauf, -Staubflusen, Haare: Igitt!-, einmal pusten und wischen. Bling – ich bin verbunden.
„Hallo Claudi“, gähne ich.
„Hallo …“, flüstert Claudi am anderen Ende.
„Was´n los?“
„Ich pack´ das nicht.“
Och nee, das wird ein längeres Gespräch. Ich dreh mich auf die Seite, Handy unters Ohr, zieh mir die Decke über den Kopf und schließe die Augen.
„Na, dann …“, seufze ich.
„Oh Mann, danke, dass du das mitmachst. Ich hab solche Angst. Morgen, ich kann nicht, wie soll ich das schaffen? Ich glaub´, ich pack das einfach nicht, ich …“
Claudi erzählt und erzählt, ich hör mir alles an, geduldig, abwartend. Was soll ich auch sonst tun? Ich hab ihr gesagt, dass sie mich jederzeit anrufen kann. Wir sind Freundinnen, Freundinnen machen so was. Dass sie mein Angebot so ausgiebig nutzen würde, hätte ich nicht gedacht.
„Doch, das wird schon“, sage ich.
„Meinst du wirklich?“, fragt sie. Dann legt sie noch mal los, sie habe sich gut vorbereitet, sie habe alles gelernt, sie könne den Reader in und auswendig, aber dann gäbe es Momente, wo sie alles wieder vergessen würde.
„Das ist wie ein schwarzes Loch“, sagt sie. „Dann erinnere ich mich an gar nichts mehr!“
„Das ist doch normal“, sag ich. „Jeder hat Angst vor Prüfungen. Da spielen die Nerven schon verrückt. Es ist wichtig, dass du dich beruhigst, dass du versuchst zu schlafen.“
„Ich kann nicht schlafen, Marie!“, japst Claudi. „Ich dreh echt durch. Ich kann nicht! Ich glaube, ich muss mich morgen krank melden …“
Nur das nicht, denke ich und bin mit einem Mal wieder hellwach.
„Nein, mach das nicht!“

Ich versuche, meine Stimme so vernünftig wie möglich klingen zu lassen. Wenn sie das morgen nicht durchzieht, dann wiederholt sich dieses Drama wohlmöglich bis in alle Ewigkeit.
„Du hast sehr nette Prüfer. Professor Kümmerling, von dem hab ich gehört, dass er sehr fair prüfen soll. Weißt du noch, Natalie hatte sich gar nicht vorbereitet und ist trotzdem irgendwie durchgerutscht.“
„Aber mir passiert sowas nicht“, sagt Claudi und knirscht mit den Zähnen.
„Nee, du hast dich ja auch vorbereitet“, sag ich. „Das wird morgen bestimmt richtig gut für dich laufen.“
„Meinst du?“, fragt Claudi mit leiser Stimme.
„Ja“, antworte ich und setze mich wie zur Bestätigung im Bett auf.

Außerdem, wenn du das morgen nicht machst, dann kommst du vielleicht zu Professor Fieser.“

Claudi sagt nichts. Das ist gut. Jetzt denkt sie nach.

Schließlich: „Du hast Recht, Marie.“
„Na gut, dann leg ich jetzt auf.“
„Warte!“
„Was denn?“
„Und was ist, wenn sich morgen bei der Prüfung einfach der Boden unter mir auftut und ich in ein riesiges Loch falle, vor lauter Scham, weil ich die einfachsten Antworten nicht mehr weiß?“

Ich lache leise. „Dann bestehst du die Prüfung trotzdem, weil du die schwierigen Fragen beantworten kannst.“

Und wie geht es dir?“, frage ich, als ich Claudi wenige Minuten vor der Prüfung vor dem Seminarraum treffe.

Die Frage hätte ich mir sparen können.
Sie sieht kaputt aus und blass, unter den Augen dicken Ringe, überall aufgekratzte Pickel, auf denen zu viel Camouflage pappt. Sie sieht richtig scheiße aus. Verzweifelt guckt sie mich an.
„Ach, komm her“, sag ich und umarme sie fest.

Dann kommt, ich glaub‘, Ines heißt sie, gefolgt von Professor Kümmerling aus dem Büro. Sie strahlt wie ein Goldpokal. Das war bestimmt ’ne gute Prüfung, denke ich.

Herr Kümmerling winkt Claudi aus dem Schatten an meiner Seite.
„Guten Tag, Frau Mai, herzlich willkommen!“
„Ja“, haucht Claudi aus blutleeren Lippen. Taumelnd geht sie auf ihn zu. Ich fürchte, sie ist der Ohnmacht nahe.
„Und sie haben Zuschauer mitgebracht!“
„Ich bin Marie“, sag ich, dirigiere Claudi mit der einen und reiche Herrn Kümmerling die andere Hand.
„Na, dann kommen Sie herein, Frau Mai und Marie.“

Herr Kümmerling hält uns die Tür auf. Drinnen sitzen noch ein paar andere Doktoranden und Professoren, die ich aber nicht kenne. Ich nehme in der Ecke Platz und Claudi tapst in die Mitte des Raumes, direkt vor die Prüfungskommission. Die sehen echt nett aus, finde ich. Sie lächeln sogar.

Und dann fängt sie an, die Prüfung, und die werten Herrn Professoren stellen wirklich einfache Fragen. Die könnte sogar ich beantworten, finde ich, aber ich muss mir auf die Zunge beißen. Claudi sitzt nämlich stumm da und zappelt mit den Beinen, als wäre sie ein Fisch auf dem Trockenen oder eine ähnliche bemitleidenswerte Kreatur. Sie kriegt keinen Ton raus. Die Situation ist furchtbar. Am liebsten würde ich ihr irgendetwas auf den Kopf hauen.

Herr Kümmerling hakt noch einmal nach, freundlich, aber bestimmt.
Claudi sagt immer noch nichts. Stattdessen spielt sie mit ihrer Haarsträhne und guckt betreten aus dem Fenster.

Ich frage mich, weiß sie es wirklich nicht? Das ist doch leicht! Die Gesichter der Kommission werden länger. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Vielleicht hätte sie sich doch besser krankschreiben lassen sollen? Wieso kann sie diese simplen Fragen nicht beantworten? Hätte ich ihr besser Zureden sollen? Ich bin eine schlechte Freundin! Arme Claudi!!! Die einfachsten Fragen – und nicht mal die kann sie beantworten.

Auf einmal ertönt ein seltsames Geräusch, das ich noch nie gehört habe. Irgendwas zwischen Schaben und Hämmern. Dann vibriert es leicht, ruckelt, ruckelt stärker, stärker, rüttelt und schüttelt. Ein Erdbeben?

Der Fußboden wölbt sich, Claudis Stuhl sinkt einen halben Meter nach unten, Holz knackst und splittert, Claudi kreischt, der Boden kracht und Claudi verschwindet samt Teppich und Stuhl in einem gewaltigen Loch.

Die Kommission guckt mich an, ich gucke die Kommission an, Staub auf unseren Häuptern. Wir sind alle ziemlich baff. Ratlosigkeit steht in unseren Gesichtern. Herr Kümmerling sieht außerdem bekümmert aus. Überall wirbeln Flusen durch die Luft, die sich langsam absetzen.
Vorsichtig stehe ich auf und nähere mich dem Rand des Einbruchs. Claudi ist unverletzt. Mit verschränkten Armen steht sie da und sieht hoch. Ihr Gesicht ist ganz rot, energisch pustet sie sich die Haarsträhne von der Nase.

Die Prüfer erheben sich von ihren Stühlen und gucken über den Rand in die Grube.
„Frau Mai …“, stammelt Herr Kümmerling und klopft sich den Staub von seinem Jacket. „Geht es Ihnen gut?“
„ICH KANN SIE NICHT HÖREN“, schreit Claudi. „SPRECHEN SIE LAUTER UND STELLEN SIE MIR ENDLICH SCHWIERIGE FRAGEN!“

Die Herren Professoren und Doktoren wechseln Blicke, Herr Kümmerling runzelt die Stirn und setzt sich wieder. Zögernd greift er zu Papier und Stift, dann geht alles ganz schnell:
Die nächsten fünfzehn Minuten schreien sich Herr Kümmerling und Claudi an, als gäbe es kein Morgen. Seine Fragen knallen in die Grube, ihre Antworten stemmt sie mit Rufen in die Höhe, direkt auf den Tisch der Kommission.
Ich halte mir die Ohren zu, das hält kein Mensch aus.

Während sich Herr Kümmerling und Konsorten an die Notenfindung machen, werde ich losgeschickt um vom Hausmeister eine Leiter für Claudi zu besorgen.
„SIE HABEN UNS EINEN GANZ SCHÖNEN SCHRECKEN EINGEJAGT!“, höre ich Herrn Kümmerling sogar im Treppenhaus schreien.
„ABER INSGESAMT SIND WIR ZU DEM ERGEBNIS GEKOMMEN, DASS IHRE LEISTUNG NOCH IM SEHR GUTEN BEREICH ANZUSETZEN IST!“
Höchst zufrieden klettert Claudi an der Leiter aus der Grube. Ich helfe ihr ein bisschen. Sie wischt sich den Schmutz aus dem Gesicht, tänzelt den Rand des Einbruchs entlang, reicht allen galant die Hand und schwebt aus dem Gebäude.


„Siehst du“, sagt Claudi, „war doch gar nicht so schlimm, oder?“